Affen nutzen Tische für kognitive Aufgaben

Die kognitiven Fähigkeiten von Affen, insbesondere von Menschenaffen, sind bemerkenswert und ermöglichen es ihnen, komplexe Probleme zu lösen, Werkzeuge flexibel einzusetzen und soziale Interaktionen zu verstehen. Psychologische Studien zeigen, dass Affen in der Lage sind, Informationen zu bewerten, Entscheidungen zu optimieren und sogar andere Affen zu täuschen. Diese Fähigkeiten deuten darauf hin, dass die Grundlagen des menschlichen Denkens bereits bei unseren nächsten Verwandten im Tierreich vorhanden sind.

Kognitive Fähigkeiten nichtmenschlicher Primaten

Der Psychologe Michael Tomasello betont in seiner "Naturgeschichte des menschlichen Denkens" die hochentwickelten kognitiven Fähigkeiten nichtmenschlicher Primaten. Er kommt zu dem Schluss, dass wichtige Aspekte des menschlichen Denkens nicht unbedingt an die einzigartigen Formen der Kultur und Sprache des Menschen gebunden sind. Schon Menschenaffen verfügen über individuelle Problemlösefähigkeiten und verstehen andere "intentionale Akteure", auch ohne menschenähnliche Kultur oder Kognition.

Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans, die engsten Primatenverwandten des Menschen, sind soziale Wesen. Ein wesentlicher Unterschied zu frühmenschlichen Gemeinschaften besteht laut Tomasello darin, dass Affen in ihren Gruppen vorwiegend konkurrenzbetont leben. Frühmenschen waren dagegen zu kooperativeren Lebensweisen gezwungen, was ihr Denken stärker auf die Entwicklung von Koordinationsmöglichkeiten mit anderen zur Erreichung gemeinsamer oder gar kollektiver Gruppenziele ausrichtete.

Kognition und Denken sind gefordert, wenn sich Lebewesen in einer komplexen und wenig vorhersehbaren Umwelt verhalten müssen, um ihr Überleben zu sichern. Der Schimpanse nimmt die Szene optisch ähnlich wahr wie Menschen, da die visuellen Systeme ähnlich sind. Die Anwesenheit eines Leoparden würde das Bild für den Schimpansen jedoch völlig verändern. Schimpansen kennen ihre eigenen Kletterfähigkeiten im Verhältnis zu denen möglicher Gegner und bewerten die Attraktivität des Futters im Hinblick auf mögliche Gefahren. Sie bewerten die komplexen Faktoren von Situationen für ihre Verhaltensentscheidungen und schematisieren diese Bewertung als "Erfahrung" für ähnliche Situationen.

Werkzeuggebrauch und Kausalitätsverständnis

Während Primaten generell keine geschickten Werkzeugbenutzer sind und solche Fertigkeiten höchstens für einen einzigen engen Bereich entwickeln, sind insbesondere Schimpansen und Bonobos äußerst geschickt im flexiblen Gebrauch einer Vielfalt von Werkzeugen. Sie können sogar zwei Werkzeuge kombinieren, indem sie ein Werkzeug benutzen, um ein anderes Werkzeug heranzuholen, mit dem die Nahrung dann erst beschafft werden kann.

Lesen Sie auch: Forschung zur Augenabdeckung

Die Flexibilität und der Eifer, mit denen Menschenaffen erfolgreich neue Werkzeuge verwenden, zeigt, dass sie über kognitive Modelle von Kausalität verfügen, wenn sie Werkzeuge verwenden. In Experimenten konnten Schimpansen auch angesichts eines neuen Problems Werkzeuge, die in einem anderen Zimmer außer Sichtweite waren, heranziehen, weil sie offenbar verstanden haben, dass dieses erinnerte Werkzeug bei der Lösung des Problems helfen könne. Viele Schimpansen taten dies oft schon beim ersten Durchgang, was darauf hindeutet, dass sie das neue Problem an ein bekanntes kognitives Modell mit einer bestimmten kausalen Struktur assimilierten.

In einem anderen Experiment wurde Schimpansen ein Stück Futter gezeigt, das dann in einer von zwei Tassen versteckt wurde, so dass die Schimpansen nicht wissen konnten, in welcher. Der Versuchsleiter schüttelte eine der beiden Tassen. Die Affen wurden "belohnt", wenn sie erkannten, in welcher Tasse das Futter versteckt war. Sie wussten, dass das Futter in einer der beiden Tassen ist, und haben erfolgreich das kausale Muster verstanden: Das Schütteln der Tasse mit dem Futter macht ein Geräusch, während das Schütteln einer Tasse ohne Futter kein Geräusch macht. Im Kontrollversuch schüttelte der Versuchsleiter die leere Tasse.

Soziale Intelligenz und Täuschung

Schimpansen sind Lebewesen, die im Regenwald in einem naturgegebenen Überfluss leben. Sie müssen sich weniger um ihre Nahrung sorgen und widmen sich ausgiebig gruppeninternen Problemen. Man könnte sie als Spezialisten der konkurrierenden Sozial- und Sexualstrategien bezeichnen. Bewohner der Savannen, also auch die Vorläufer des heutigen Menschen, mussten Strategien zum Umgang mit Orten, Material und Werkzeug entwickeln, um ihre Ernährung sicherzustellen. Es gab eine andere Notwendigkeit zur Kooperation. Expertenwissen über die materielle Welt und die kausalen Beziehungen zwischen Dingen war in der Savanne wichtiger als in der Lebensumwelt Urwald.

In der Konkurrenz um Nahrung, Paarungspartner und andere wertgeschätzte Ressourcen entwickeln Primaten ein Verständnis der Beziehungen in ihrer sozialen Gruppe. Sie erkennen die Rangordnung der Individuen in ihrer Gruppe sowohl im Hinblick auf Dominanz- wie auf Anschlussbeziehungen. Sie erkennen soziale Beziehungen Dritter untereinander, zum Beispiel die Paarungspartnerin oder einen "Freund" eines dominanten Gruppenmitgliedes, und berücksichtigen diese Beziehungen in ihrem Verhalten. Tomasello betont, dass nichtmenschliche Menschenaffen nicht nur selbst intentionale Akteure sind, sondern auch andere als intentionale Akteure verstehen.

Ein charakteristisches Beispiel für "Moral" bei Primaten ist die Regel, dass gefundenes Futter der ganzen Gruppe zu melden ist, obwohl in der Regel zuerst die Ranghöheren fressen dürfen. Was tut ein rangniedriges Individuum, wenn es glaubt, nicht beobachtet zu werden? Wenn es sich der Moral fügt, dann sicherlich aufgrund assoziativ vorschwebender innerer Bilder wütender hochrangiger Mitglieder der Gruppe, die abweichendes Verhalten durch Prügel sanktionieren. Es ist beobachtet worden, wie die Fellpflege zur Täuschung eingesetzt wird, um das Vertrauen eines misstrauischen Gruppenmitgliedes zu erschleichen und dann die attraktive Nahrung wegzunehmen.

Lesen Sie auch: Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf das Gehirn

Bei Affen sind auch Täuschungen beobachtet worden, etwa falsche Warnrufe, die andere von der begehrten Nahrung weglocken sollen. Jugendliche Tiere, die einen Warnruf falsch verwenden, werden dabei meist nachsichtiger oder milder bestraft. Untergeordnete Schimpansenweibchen konnten in einem Experiment bewerten, ob das dominante Männchen in der Nähe eine Futterstelle sehen konnte - sie also nicht ohne weiteres das Futter für sich beanspruchen konnten - oder ob das Futter an einer Stelle lag, die für das dominante Männchen nicht erkennbar war. Selbst wenn der dominante Schimpanse das Futter aktuell nicht sehen konnte, aber vorher gesehen hatte, dass es dort versteckt worden war, näherten sich die Schimpansin dem Futter nicht. Affen können auch warten, bis das dominante Tier sich entfernt hat, um dann auf das versteckte Futter zuzugreifen. Schimpansen wissen also, dass andere Dinge sehen, Dinge wissen und Schlüsse über Dinge ziehen.

Schimpansen können sogar andere Schimpansen täuschen, deren Wahrnehmung manipulieren, und sie verstehen, dass andere Tiere ihre Geräusche hören. Frans de Waal berichtet von einem Bonobo-Weibchen, das offenbar gezielt hinter einen Busch ging, um sich unbemerkt mit einem anderen als seinem dominanten Männchen zu vergnügen. Vor allem täuschen Menschenaffen aber durch Gesten und sichtbares Vortäuschen falscher Tatsachen.

Kommunikation und Imitation

Entscheidend für die Beschreibung des Unterschiedes zur menschlichen Kommunikation ist der Hinweis von Tomasello, dass für Menschenaffen die gestische Kommunikation im Vordergrund steht. Menschenaffen kommunizieren mit anderen durch Absichtsbewegungen und durch Gesten zur Erlangung der Aufmerksamkeit, ihre stimmliche Kommunikation ist zum größten Teil fest verdrahtet und hat Ähnlichkeit mit der Kommunikation anderer Affen. Für die Bewertung des Denkvermögens sind daher die Fähigkeiten der stimmlichen Kommunikation nicht entscheidend.

Schimpansen imitieren, aber nicht schematisch, sondern intelligent. In einem Experiment konnten Schimpansen zusehen, wie ein Mensch eine Lampe mit seinem Kopf einschaltet, während er mit seinen Händen ein Laken festhält. Die Schimpansen wurden zur Imitation der Handlung - Licht anschalten - motiviert. Sie imitierten die ungewöhnliche Handlungsweise der Menschen nicht, sondern benutzten ihre Hände wie üblich. Wenn sie jedoch sahen, wie der Mensch das Licht mit dem Kopf anschaltet, obwohl seine Hände frei sind, kopieren sie selbst recht häufig das ungewöhnliche Verhalten. Offensichtlich denken die Schimpansen: Wenn er freie Wahl hätte, würde er seine Hände benutzen. Das zeigt Fertigkeiten der Impulskontrolle, Aufmerksamkeitskontrolle, emotionale Regulation und Exekutivfunktion.

Abstraktion und logisches Denken

An Rhesusaffen wurde auch die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung getestet: Sie mussten etwas im Gedächtnis behalten, um eine hochbegehrte Belohnung zu erhalten. Wenn es ihnen nicht gelang, sich richtig zu erinnern, bekamen sie nichts. Aber die Affen hatten bei jedem Versuch die Möglichkeit, für eine sichere geringere Belohnung das Experiment abzubrechen. Viele Affen entwickeln dabei eine Strategie, bei Aufgaben auszusteigen, bei denen sie eine besonders hohe Misserfolgsquote hatten.

Lesen Sie auch: Kognitives Lernen im Detail

Menschenaffen können mit abstrakten kognitiven Repräsentationen operieren, mit denen sie Erfahrungen zusammenfassen. Die kognitiven Repräsentationen der Menschenaffen haben ein ikonisches oder bildartiges Format, sie schematisieren Wahrnehmungserfahrung und repräsentieren Situationen, die für ihr Überleben wichtig sind, zum Beispiel "Nahrung vorhanden" oder "Raubtier abwesend". Menschenaffen haben eine allgemeine Vorstellung von Klettern, obwohl Leoparden, Schlangen oder kleine Affen auf ganz unterschiedliche Weise auf Bäume heraufkommen.

Menschenaffen können ihre kognitiven Modelle auf produktive Weise nutzen, um sich Situationen vorzustellen, und ihre Schlussfolgerungen können eine logische Struktur aufweisen. Offenbar sind die Grundsteine des menschlichen Denkens schon beim letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Menschenaffen vorhanden. Sie verfügen über individuelle Intentionalität, die sie in einer Gemeinschaft benötigen, die in erster Linie konkurrenzbetont ist. Sie sind herausgefordert, besser oder schneller als andere Gruppenmitglieder zu antizipieren, was potentielle Konkurrenten tun könnten.

Grenzen der tierischen Kognition

Weder Affen noch Menschenaffen haben ein Bewusstsein davon, was sie wissen und was ihr Gegenüber nicht weiß. Sie stoßen Warnrufe aus, ohne zu wissen, ob ein anderes Tier in der Nähe ist, das die Gefahr nicht erkannt hat. Intelligente Verhaltensweisen von Affen sind auf eine bestimmte Situation bezogen, und sie sind meist nicht in der Lage, ihre Verhaltensstrategien auf andere Situationen zu übertragen. Affen lernen nur durch Zusehen und Nachahmung. Das Selbst-Bewusstsein des eigenen Wissens setzt offenbar schon Sprache voraus.

Die Laut-Sprache stellt ein öffentlich kommunizierbares Repräsentations-System zur Verfügung, das nicht nur sehr viel differenziertere Denk-Formen ermöglicht, sondern auch den Austausch von Gedanken. Die Sprache ist daher die Grundlage der kulturellen Evolution des Menschen (Michael Tomasello, Ratchet-Effekt). Das Besondere der menschlichen Kognition ist dagegen der Bezug auf Kooperation. Menschen verstehen sich gegenseitig nicht nur als Akteure mit Intentionen, sondern können sich über ein gemeinschaftliches Problemlösen bis hin zu komplexen kulturellen Institutionen verständigen. Diese besondere Form menschlichen Denkens entwickelte sich, als Menschen gezwungen waren, kooperativere Lebensweisen in ihrer Interaktion zu bewältigen.

Auch wenn Affen gemeinsam jagen, bekommt der "Fänger" das meiste Fleisch, die anderen müssen betteln und drangsalieren. Diese Gruppenjagd ist also ein Zusammenwirken, bei dem jeder einzelne sein eigenes individuelles Ziel verfolgt. Menschliche Nahrungssuche ist dagegen auf grundlegende Weise gemeinschaftlich. Menschen bringen die Nahrung an einen zentralen Ort, wo sie geteilt wird, damit sie geteilt werden kann. Menschliche "Wildbeuter" arbeiten in vielen anderen Tätigkeitsbereichen so zusammen, sie verhalten sich umfassend kooperativ, das schließt die Kinderbetreuung ein. Menschen versorgen sich mit Informationen, von denen sie annehmen, dass sie für den Empfänger nützlich sind. Diese Fähigkeit des Menschen entfaltet sich mit den kommunikativen Möglichkeiten der Sprache, ist in ihrem Ursprung aber offenbar nicht an die Sprache gebunden. Das zeigt sich für Tomasello insbesondere bei der Beobachtung vorsprachlicher oder gerade erst sprechender Kleinkinder. Entscheidend ist offenbar, dass Menschen in der Lage sind, sich mit anderen als ein "wir" zu koordinieren - Primaten können das nur in der Jagd. Nur Menschen sind zudem in der Lage, eine Situation unter unterschiedlichen und widersprüchlichen sozialen Perspektiven zu begreifen und damit ein Gefühl für "Objektivität" zu entwickeln.

Das menschliche Gruppenleben erforderte sehr viel mehr gemeinschaftliche Aktivitäten und dafür eine viel größere und beständige gemeinsame mentale Welt: Das kultivierte Gruppenbewusstsein stabilisiert sich durch Konventionen, Normen und Institutionen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass das Gruppenleben in größeren sesshaften Gemeinschaften eine Herausforderung darstellte.

Affen nutzen Tische für kognitive Aufgaben

In einer Studie sollten Primaten die genaue Lage eines Stück Futters bestimmen, das hinter einer kleinen Barriere auf einem Tisch verborgen war. In einigen Fällen zeigten die Forscher den Menschenaffen vorab kurz, wo sich die Leckerei befand, in anderen Fällen nicht. Im Moment der Entscheidung war das Futter jedoch immer versteckt.

Es zeigte sich, dass Affen, die zuvor keine Informationen über die Lage des Futters erhalten hatten, zunächst versuchten, diese Wissenslücke zu schließen. Sie kletterten oder reckten sich und spähten über die Barriere, bevor sie ihre Wahl trafen. Dies deutet darauf hin, dass Menschenaffen - ähnlich wie Menschen - ihr bereits vorhandenes Wissen einer metakognitiven Prüfung unterziehen.

Um sicherzugehen, variierten die Forscher, ob das Objekt auf dem Tisch ein Stück Futter oder ein Werkzeug war. Das Ergebnis: Sowohl Schimpansen als auch Orang-Utans suchten in beiden Fällen nach zusätzlichen Hinweisen. Dies legt nahe, dass Menschenaffen nicht einfach ziellos nach Informationen suchen, in der Hoffnung, auf Futter zu stoßen. Nach Meinung der Forscher legen diese Ergebnisse nahe, dass die engsten lebenden Verwandten des Menschen kognitive Fähigkeiten besitzen, die es ihnen ermöglichen, verfügbare Informationen auf verschiedenen Ebenen zu bewerten und auf diese Weise ihre Entscheidungsfindung zu optimieren.

Weißbüschelaffen lösen Hörtests am Touchscreen

Ein Forscherteam hat ein automatisiertes Hör-Trainingsprogramm entwickelt, an dem Weißbüschelaffen freiwillig und in gewohnter Umgebung teilnehmen können. Dem Team ist es gelungen, dass die Tiere eine Reihe von Tests absolvieren, in der sie verschieden Laute hören und dann durch Klicken auf einen Touchscreen den passenden, zuvor erlernten visuellen Reizen zuordnen. Dadurch können die Wissenschaftler nachvollziehen, welche Laute die Tiere hören und unterscheiden können. Ob, wann und wie lange die Affen an einem Hörtest teilnehmen, entscheiden sie dabei selbst.

Weißbüschelaffen kommunizieren mittels verschiedener Laute, darunter Zwitschern, Fiepen und Trillern. Ihr umfangreiches Lautrepertoire macht sie zu einem sehr geeigneten Tiermodell zur Erforschung des Hörsystems und zur Behandlung von Schwerhörigkeit. Beim entwickelten Trainingsprogramm kann jeder Weißbüschelaffe die Hörtests in seiner gewohnten Umgebung in Gesellschaft seines Sozialpartners durchführen. Dazu wird ein am Göttingen Campus entwickeltes Gerät an den Käfig gehängt. Die Tiere werden schrittweise zunächst an das Gerät selbst, dann an die Interaktion mit dem Gerät und schließlich die Aufgaben herangeführt. Dabei wird die natürliche Neugier der Tiere genutzt, die neue Gegenstände aufgeschlossen inspizieren. Die Interaktion mit dem Bildschirm wird mittels positiver Verstärkung trainiert, wobei die Tiere für das richtige Verhalten oder das korrekte Lösen einer Aufgabe mit einem Leckerbissen belohnt werden.

Zunächst haben die Forscher den Weißbüschelaffen beigebracht, einen artspezifischen Laut und einen künstlichen Laut zwei verschiedenen Bildern zuzuordnen. Dann ersetzten sie die bekannten Laute durch neue Töne, um zu testen, ob Tiere vom bisher Gelernten abstrahieren können. Auch dies gelang. In früheren Studien hatte sich oft gezeigt, dass Affen zwar schwierige visuelle Aufgaben lösen können, im auditorischen Bereich aber auch bei scheinbar einfachen Aufgaben scheitern. Dass Weißbüschelaffen akustische Aufgaben so gut bewältigen können, macht sie zu idealen Modelltieren für die Erforschung des Hörsystems.

Zunächst lernen die Tiere, dass sie durch Berühren des Bildschirms eine Belohnung erhalten. Hierbei werden sie von den Forschenden mittels Videoübertragung überwacht. Später läuft das Training vollautomatisch ab. Dabei trainiert jedes Tier entsprechend seines individuellen Lerntempos in vielen fein justierten Schritten. Die Programmierung sorgt dafür, dass jedes Tier Aufgaben präsentiert bekommt, die es in der Lage ist zu lösen. Erst wenn dies sicher funktioniert, bekommt es die nächste Aufgabe. Dabei ist der jeweilige Lernstand der Tiere gespeichert, sodass ein Tier nach Pausen immer auf dem jeweils erreichten Level wieder einsteigen kann. So kann das Training durch die kognitive Beschäftigung auch zum psychischen Wohlbefinden der Tiere beitragen. Ob, wann und wie lange die Tiere sich an dem Gerät beschäftigen, entscheiden sie stets selbst. Die Ergebnisse zeigten, dass Weißbüschelaffen, auch als das Gerät längst vertraut war, immer wieder aus eigenem Antrieb und mit hohem Engagement an den psychoakustischen Verhaltensexperimenten teilnahmen.

Selektive Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Ein bekanntes psychologisches Experiment demonstriert die selektive Wahrnehmung und Aufmerksamkeitsblindheit des Menschen. Dabei werden die Zuschauer gebeten, die Würfe von Basketballbällen zwischen zwei Teams zu zählen. Während des Spiels betritt eine Person im Gorilla-Kostüm den Saal und bewegt sich zwischen den Spielern. Am Ende des Experiments bemerken viele Zuschauer den Gorilla nicht, da ihre Aufmerksamkeit vollständig auf das Zählen der Würfe gerichtet ist.

Dieses Experiment verdeutlicht, dass wir unsere Aufmerksamkeit so stark auf eine Aufgabe lenken können, dass wir andere Reize in unserer Umgebung übersehen. Konzentration bedeutet, den Fokus zu verengen und alles andere zu ignorieren. Die Fähigkeit, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren und andere Dinge auszublenden, ist eine grundlegende Stärke des menschlichen Wahrnehmungsapparates.

Aufmerksamkeit in der modernen Medienwelt

In der heutigen Zeit hat die Fähigkeit zur Konzentration eine besondere Bedeutung gewonnen. Das Internet und andere neue Medien haben die äußere und soziale Welt dramatisch erweitert und eine Flut von Reizen und Ablenkungen erzeugt. Smartphones, Tablets, Social Media und virtuelle Spielwelten ziehen Aufmerksamkeit auf sich und unterminieren die Fähigkeit, länger bei einer Sache zu bleiben.

Psychologen beobachten zunehmende Isolation und Einsamkeit als Symptome der Aufmerksamkeitsdiktatur der virtuellen und digitalen Welt. Die schiere Zahl der Botschaften und Informationen, die auf uns einstürmt, verringert die Zeit, die wir damit verbringen können, sie wirklich zu verstehen und einzuordnen.

Aufmerksamkeit kann auf zwei Arten verloren gehen: durch sensorische Ablenkungen wie Lärm oder körperliche Beschwerden und durch emotionale Ablenkungen wie quälende Gedanken oder beunruhigende Erinnerungen. Sowohl sensorische als auch emotionale Ablenkungen können dazu führen, dass wir den Fokus verlieren und unsere Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

Multitasking und Arbeitsgedächtnis

Eine der umstrittensten Gehirnfunktionen des modernen Menschen ist das sogenannte Multitasking, also die Fähigkeit, zwei oder mehr Aufmerksamkeit erfordernde kognitive Tätigkeiten gleichzeitig auszuüben. Es gibt jedoch keine parallelen Aufmerksamkeiten, wir können lediglich zwischen zwei Konzentrationsobjekten hin und her wechseln. Das ist anstrengend und ineffektiv, da wichtige Informationspartikel verloren gehen und die Energie, die für konzentriertes Lesen oder Arbeiten nötig ist, schnell erschöpft ist.

Unsere Aufmerksamkeitskapazität ist begrenzt. Das Arbeitsgedächtnis kann nur eine begrenzte Anzahl von Informationseinheiten gleichzeitig aufnehmen und verarbeiten. Wenn wir diese Kapazität überschreiten, sinkt die Konzentrationsleistung ab.

Affenversuche in der Forschung

Affen sind aufgrund ihrer biologischen Nähe zum Menschen wertvolle Versuchsobjekte für die Forschung, insbesondere in der Hirnforschung, Immunologie und Toxikologie. Allerdings löst die Verwendung von Affen in Experimenten auch ethische Bedenken aus.

In Deutschland werden jährlich rund 2000 Affen für die Forschung verwendet. Die meisten Affen werden in spezialisierten Zuchtzentren gehalten, wo sie in Gruppen leben und Möglichkeiten zur Bewegung und Beschäftigung haben. Die Haltungsbedingungen werden regelmäßig von Amtstierärzten kontrolliert.

Die Versuche an Affen sind gesetzlich geregelt und müssen von Ethikkommissionen genehmigt werden. Die Ethikkommissionen wägen den wissenschaftlichen Nutzen der Versuche gegen das Leid der Tiere ab.

Affen werden in der Forschung unter anderem zur Erprobung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Krankheiten wie Aids und Parkinson eingesetzt. Sie dienen auch als Modelle für menschliche Krankheiten, um die Wirkung von Therapien zu untersuchen.

Intelligenz und Kurzzeitgedächtnis bei Affen

Studien haben gezeigt, dass Schimpansen über ein außergewöhnliches Kurzzeitgedächtnis verfügen. In einem Experiment konnten Schimpansen Zahlen auf einem Bildschirm in Windeseile in die richtige Reihenfolge bringen, eine Aufgabe, die viele Menschen nicht bewältigen können.

Forscher vermuten, dass der Mensch im Laufe der Evolution ein extremes Kurzzeitgedächtnis verloren hat, das die Schimpansen noch haben, um die Fähigkeit zur Sprache und zur Herstellung von Verknüpfungen zu entwickeln.

Schimpansen zeigen auch erstaunliche Fähigkeiten bei der Zusammenarbeit und Problemlösung. Sie können sich von einem Partner helfen lassen, um an Futter zu gelangen, und sie treffen Entscheidungen ähnlich wie Menschen.

tags: #affen #tisch #gehirn