Clowns für Menschen mit Demenz: Studien, Potentiale und Praxis

Demenz stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Dieses Buch vermittelt Wissen und nimmt Ängste, indem es hilft, Menschen mit Demenz besser zu verstehen. Oftmals widersetzen sie sich und tun nicht, was von ihnen erwartet wird. Doch diese Eigenwilligkeit hat ihre Geschichte und kann manchmal voller Komik sein. Clowns können hier eine besondere Rolle spielen, indem sie durch ihre Arbeit einen Zugang zu den oft verschlossenen Welten von Menschen mit Demenz finden.

Grundlagen der Clownarbeit mit Demenzpatienten

Ulrich Fey erläutert die Grundlagen wirksamer Clownarbeit und prüft ihre Möglichkeiten im Zusammenhang mit Demenz. Sein Buch ist ein "emotionales Sachbuch" mit Anregungen und Analysen für Professionelle in Alten- und Pflegeheimen sowie für alle, die als Clowns in diesem Feld arbeiten wollen. Aber auch Betroffene und pflegende Angehörige können von der besonderen Sichtweise eines Clowns profitieren.

Clowns im Altenheim sind mehr als nur Unterhaltung. Sie bringen Abwechslung in den Alltag, fördern Gedächtnis und Beweglichkeit und regen die Phantasie und Kreativität an. Das Spiel der Clowns löst Neugierde, Erstaunen und Freude aus. Es sind vor allem kleine Dinge bei betagten Menschen, ganz kleine Momente der Wachheit, die die Clowns bewirken können und die wichtig sind. Ein Lachen zu schenken wird in jeder Lebensphase dankbar aufgenommen.

Perspektiven und Nutzen der Clownsarbeit

Dr. Eckart v. Hirschhausen betont, dass Clowns nicht nur etwas für Kinder sind, sondern auch bei alten Menschen viel leisten können. Prof. Dr. Dr. Rolf D. Hirsch ergänzt, dass das Buch nicht nur Wissen, sondern auch Trost und Sicherheit bietet und das Verständnis für Menschen mit Demenz erleichtert. Auch pflegende Angehörige können von diesem Buch profitieren, da es in vielen Beispielen einen anderen Umgang mit belastenden Situationen beschreibt.

Die Arbeit im Alten- und Pflegebereich zielt darauf ab, durch ein gemeinsames Erlebnis mit dem Clown eine fröhliche und offene Stimmung zu schaffen, die Menschen über den Humor zu aktivieren und sie mit ihrem Bewusstsein ins Hier und Jetzt zu holen, indem die Erinnerung an vergangene Zeiten geweckt wird. Die Aktivierung aller Sinne ist die Hauptaufgabe.

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Ulrich Fey: Vom Lehrer zum Clown-Experten

Ulrich Fey war erst Lehrer und Redakteur, ehe er Clown wurde. Er absolvierte die Vollzeitausbildung der Clownschule TuT in Hannover und besucht seit 1999 als Mitglied der Clown-Doktoren Kinderkliniken im Rhein-Main-Gebiet. Zudem ist er als Clown Albert seit 2003 in Altenheimen unterwegs. Über diese Arbeit hat er das Buch "Clowns für Menschen mit Demenz" geschrieben, das im Mabuse-Verlag bereits in dritter Auflage erschienen ist.

Die Arbeit von ROTE NASEN Deutschland e.V.

ROTE NASEN Deutschland e.V. bringt seit mehr als 20 Jahren Lachen und Lebensfreude zu Menschen in Not. Die Clowns begegnen den Menschen individuell, mit viel Respekt und Einfühlungsvermögen. Seit über zwei Jahrzehnten besuchen ROTE NASEN Clowns regelmäßig Menschen mit Demenz.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie die Verbindung zwischen dem Pflegealltag und der Clownintervention aussehen kann: Frau S. wurde gerade gefüttert, als die Clowns hereinkamen. Weil Erntedankfest war, kamen die Clowns auf das Thema "Pilze" zu sprechen. Sie stellten sich eine herzhafte Pilzpfanne mit einem Glas Rotwein vor. Frau S. zeigte plötzlich Bewegung in ihrem Gesicht, ihre Stirn wurde breit, ihre Augen groß, sie hob die Hand und öffnete den Mund.

Der gemeinnützige Verein ist spendenorganisiert und Partner der internationalen Organisation RED NOSES Clowndoctors International, die in elf Ländern tätig ist. In Deutschland ist ROTE NASEN seit 2003 fester Bestandteil in vielen sozialen und medizinischen Einrichtungen bundesweit. Derzeit schenken 95 ROTE NASEN Clowns jedes Jahr rund 93.800 Menschen bei regelmäßigen Clownvisiten fröhliche Augenblicke.

Positive Auswirkungen von Clownsvisiten

Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen beschreiben den regelmäßigen Besuch der Clowns als "das 8. Weltwunder". Äußerungen von Bewohnerinnen und Bewohnern zeigen, dass durch die Clownsvisiten die psychosoziale Gesundheit, aber auch die kognitiven Fähigkeiten, der Seniorinnen und Senioren nachhaltig gestärkt werden.

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Als Clown erreichen wir die kranken und alten Menschen. Wir geben ihnen Lebensfreude und bringen ihre Gesichter zum Strahlen, greifen jede Emotion auf und teilen Sie miteinander. Sich freuen tut einem gut. Lachen und Spaß stellen zwar nur eine Seite des Lebens dar, aber die angenehmere. Es gibt mittlerweile verschiedene Studien, die belegen, dass regelmäßige Besuche von Clowns positive Emotionen auslösen und so ein Gefühl der Wertschätzung und der Stärke fördern.

Spielerische Interventionen von speziell ausgebildeten Clowns sind insbesondere gegenüber Pflegebedürftigen im stationären und teilstationären Bereich als Maßnahme geeignet, die Resilienz, die kognitiven Fähigkeiten und die psychosoziale Gesundheit zu stärken. Eine breit aufgestellte Prävention im Rahmen der Pflege ist eine dringende humane und gesundheitspolitische Forderung.

Präventive Maßnahmen und gesellschaftliche Teilhabe

Hinzutreten müssen auch präventive Maßnahmen, die Pflegebedürftigen eine möglichst optimale gesellschaftliche Teilhabe und eine den ganzen Menschen umfassende Betreuung und Begleitung ermöglichen. Hierzu leisten die spielerischen Interventionen von Clowns einen erfolgsorientierten und umfassenden Beitrag.

Durch systematisch begleitende Clownvisiten mit ihren vielfachen spielerischen Interventionen wird eine Stärkung der Resilienz insoweit erreicht, um pflegebedürftige (wieder) zum Lachen zu bringen und somit kann zu einer gesundheitsbezogenen Lebensqualität in relevanter Weise beigetragen werden. Durch ein Humorvolles Miteinander nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner verstärkt ihr näheres und weiters Umfeld wahr, „lächeln“ einander zu und nehmen Kontakt zu anderen Menschen auf. Speziell für demenziell erkrankte Menschen ist dies immer wieder eine echte Leistung.

Die CAsHeW-Studie: Clownerie in der Altenhilfe

CAsHeW (Clownsinterventionen in Altenhilfeeinrichtungen - soziale Hilfeleistung unter Berücksichtigung emotionaler Wesensaspekte) ist die größte deutschsprachige Untersuchung zum Thema Clownerie in stationären Einrichtungen der Altenhilfe. Die Studie wurde von 2019 bis 2022 unter der wissenschaftlichen Leitung der Technischen Hochschule Deggendorf in Kooperation mit dem Dachverband der Clowns in Medizin und Pflege Deutschland e.V. durchgeführt und aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

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Zielsetzung war die wissenschaftliche Begleitung und Analyse von Clownseinsätzen in deutschen Seniorenheimen. Was macht diese besondere Form der Humorintervention aus? Die CAsHeW-Studie soll dazu beitragen, die emotionale Zuwendung - hier in Form von Clownsbesuchen - als einem bedeutsamen Bestandteil der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in Seniorenheimen heraus zu stellen und zu veranschaulichen.

Weitere Studien und Forschung

Es gibt zahlreiche weitere Studien, die die positiven Auswirkungen von Clowns in verschiedenen Bereichen belegen:

  • »Clownerie als unterstützende Maßnahme in der stationären Pädiatrie«, Uniklinik Hamburg Eppendorf, 2011
  • »Umgang mit den Belastungen als Klinikclown«, Uni Bremen, 2013
  • Hygiene-Tipps für Klinikclowns, Uniklinik Bonn, www.hygiene-tipps-fuer-kids.de
  • »Clowns in der Kinderchirurgie: weniger Angst und mehr Oxytocin? Eine Pilotstudie«, Klinische Pädiatrie, Nr. 5, September 2017
  • Lopes-Júnior LC, et al. Effectiveness of hospital clowns for symptom management in paediatrics: systematic review of randomised and non-randomised controlled trials.

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