Schlaganfall Anzeichen Wochen vorher: Frühwarnzeichen erkennen und handeln

Ein Schlaganfall tritt oft nicht plötzlich auf, sondern kündigt sich durch Warnzeichen an. Diese Vorboten zu erkennen und richtig zu deuten, kann lebensrettend sein. "Time is brain" - jede Minute zählt, um Folgeschäden zu minimieren oder zu verhindern.

Was sind Schlaganfall-Vorboten?

In bis zu 40 % der Fälle treten im Vorfeld eines Schlaganfalls Warnzeichen auf. Diese können plötzlich beginnen und einige Minuten oder Stunden andauern, bevor sie wieder abklingen. Ausfallerscheinungen, die nicht länger als 24 Stunden anhalten, werden als transitorisch ischämische Attacke (TIA) bezeichnet. Es ist wichtig zu wissen, dass auch ein "stiller Schlaganfall" ohne erkennbare Symptome auftreten kann, was ihn besonders tückisch macht.

Typische Warnsignale eines Schlaganfalls

Die Anzeichen, die vor einem Schlaganfall warnen, variieren je nach Art des Schlaganfalls und dem betroffenen Bereich des Gehirns. Zu den häufigsten Vorboten gehören:

  • Kurz andauernde Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte: Dies kann sich als "Pelzigkeitsgefühl" äußern, ähnlich wie bei einem eingeschlafenen Fuß.
  • Kurzes Erblinden auf einem Auge (Amaurosis fugax) oder Sehstörungen: Dazu zählen Doppelbilder, Einschränkung des Gesichtsfeldes oder Störungen des räumlichen Sehens. Neue Forschungen haben ergeben, dass sich Hinweise auf ein Schlaganfall-Risiko auch an den Augen zeigen können.
  • Kurzzeitige Sprachstörungen: Probleme, Sprache zu verstehen oder Störung der Sprachfähigkeit, verwaschene, abgehackte oder undeutliche Sprache, Wortfindungsprobleme, falsche Satzbildung oder Sprechen im Telegrammstil.
  • Drehschwindel, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, plötzliche Stürze: Betroffene haben das Gefühl, als ob sie mit einem Fahrstuhl hinuntersausen würden oder verlieren das Gleichgewicht bzw. die Koordination.
  • Erstmals und plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen: Diese können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein und auf eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls hindeuten.
  • Vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung: Betroffene sind desorientiert in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Schlaganfälle die gleichen Symptome zeigen und dass die Symptome auch schrittweise über mehrere Stunden oder sogar Tage auftreten können.

Transitorisch ischämische Attacke (TIA)

Eine TIA ist ein Warnsignal, das ernst genommen werden muss. Auch wenn die Symptome schnell wieder verschwinden, deutet sie auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn hin. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe betont, dass auch bei einer transitorischen ischämischen Attacke ein Notfall vorliegt, da die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls mit bleibenden Folgen hoch ist. Professor Bardutzky warnt davor, die Symptome zu unterschätzen: „Nach solch einer Attacke kommt es bei zehn Prozent der Patienten innerhalb der nächsten sieben Tage zu einem richtigen Schlaganfall. Deshalb - und weil man anfangs ja auch gar nicht weiß, ob die Symptome wieder von alleine zurückgehen - ist es enorm wichtig, dass Betroffene und Beteiligte sofort handeln und die Notrufnummer 112 wählen.“

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Stiller Schlaganfall

Ein "stiller Schlaganfall" ist ein Schlaganfall, der ohne erkennbare Symptome auftritt und daher oft unbemerkt bleibt. Er tritt auf, wenn die Blutversorgung zu einem Teil des Gehirns unterbrochen wird, aber die betroffene Person keine typischen Symptome eines Schlaganfalls zeigt. Manchmal äußert sich ein Schlaganfall nur durch eine kurzzeitige taube Lippe. Er kann eine Vorstufe von schweren Schlaganfällen sein.

Was tun bei Verdacht auf einen Schlaganfall?

Bei dem leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Notarzt über den Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer alarmiert werden. Jede Minute zählt! Der Umweg über den Hausarzt kostet wertvolle Zeit. Wichtig ist es, im Telefonat den Verdacht auf Hirninfarkt zu äußern. Patienten, die innerhalb von drei Stunden im Krankenhaus eintreffen und dort in speziellen Schlaganfall-Einrichtungen („Stroke Unit") behandelt werden, haben erheblich bessere Überlebens- und Rehabilitationschancen.

Bis zum Eintreffen des Notarztes sollten Hilfeleistende den Betroffenen beruhigen. Damit der Patient besser atmen kann, gilt es den Oberkörper hoch zu lagern und enge Kleidung wie etwa Kragen oder Krawatte zu öffnen. Im Falle eines Kreislauf-Stillstands, also wenn der Patient bewusstlos, keine Atmung zu erkennen bzw. kein Puls tastbar ist, muss sofort mit einer Herzdruckmassage und ggf. beatmet werden.

Der FAST-Test

Eine einfache Test-Methode, mit der Sie einen Schlaganfall schnell erkennen können, ist der sogenannte FAST-Test:

  • F (Face): Bitten Sie die Person zu lächeln. Achten Sie auf herabhängende Mundwinkel.
  • A (Arms): Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben. Kann sie beide Arme gleichmäßig hochhalten?
  • S (Speech): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz zu wiederholen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
  • T (Time): Wenn eines dieser Anzeichen zutrifft, zögern Sie nicht und wählen Sie sofort den Notruf 112.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls erhöhen können:

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  • Bluthochdruck: Er gehört zu den größten Gefahren für die Entwicklung einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung).
  • Herzerkrankungen: Insbesondere Vorhofflimmern und bestimmte Herzklappenerkrankungen erhöhen das Risiko.
  • Diabetes mellitus:
  • Bewegungsmangel:
  • Rauchen:
  • Starkes Übergewicht:
  • Ungünstige Cholesterinspiegel:

Vorbeugung eines Schlaganfalls

Um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist es wichtig, die Risikofaktoren zu minimieren:

  • Behandlung von Bluthochdruck: „Bei einem Bluthochdruck kann die Senkung des oberen Wertes um nur 10 mmHg das Schlaganfall-Risiko bereits um die enorme Zahl von fast 40 Prozent verringern“, erklärt Prof. Dr. med. Joachim Röther.
  • Früherkennung und Behandlung von Herzerkrankungen: Die Einnahme von Gerinnungshemmern (Blutverdünnern) beispielsweise gehört zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen bei Vorhofflimmern und Herzklappenerkrankungen.
  • Gesunder Lebensstil: Dazu gehören ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Gewichtsabnahme bei Übergewicht und der Verzicht auf Rauchen.

Schlaganfall und Herzinfarkt: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Schlaganfälle und Herzinfarkte haben häufig die gleiche Ursache: ein Blutgerinnsel (Thrombus), das ein Gefäß verstopft. Beide lebensbedrohliche Erkrankungen werden in vielen Fällen durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht, das ein Gefäß verstopft. Die von der Durchblutung abgeschnittenen Bereiche sind dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gewebe stirbt ab, und es kommt zum Infarkt. Steckt das Gerinnsel im Herzen fest, ist ein Herzinfarkt die Folge. Wird das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn getragen, droht ein Schlaganfall.

Während beim Herzinfarkt praktisch immer Schmerzen an einer zentralen Stelle des Körpers spürbar sind, sind die Ausfallsymptome eines Schlaganfalls typischerweise schmerzlos.

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