Klinikarzt Herz Gehirn Spezialisierung: Ein umfassender Überblick

Die Spezialisierung im medizinischen Bereich schreitet stetig voran. Dies führt zu immer fokussierteren Blickwinkeln. Die logische Konsequenz dieser Entwicklung ist der Fokus. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der interdisziplinären Zusammenarbeit, insbesondere im Hinblick auf die Herz-Hirn-Interaktion. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Spezialisierung im Bereich Herz und Gehirn, einschließlich relevanter Erkrankungen, Behandlungsmethoden und präventiver Maßnahmen.

Geriatrie: Spezialisierung auf die Gesundheit im Alter

Die Geriatrie ist ein Spezialgebiet der Medizin, das sich mit den Erkrankungen und deren Besonderheiten bei älteren Menschen beschäftigt. Typische Funktionsstörungen im Alter sind intellektueller Abbau, Immobilität, Instabilität und Inkontinenz. Eine geriatrische Behandlung kann im Krankenhaus, in einer geriatrischen Reha-Einrichtung oder zu Hause erfolgen.

Geriatrische Rehabilitation

Das Konzept der Altersmedizin ist interdisziplinär, da im Alter oft mehrere Krankheiten gleichzeitig auftreten (Multimorbidität). Dies erfordert Spezialkenntnisse, die über die Grenzen der einzelnen medizinischen Fachgebiete hinausgehen. In geriatrischen Teams arbeiten Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeiter unter internistischer Leitung.

Eine geriatrische Reha ist in der Regel für Patienten ab 70 Jahren geeignet, wobei das Alter allein nicht entscheidend ist. Auch multimorbide 60-Jährige können eine geriatrische Reha in Anspruch nehmen. Angehörige spielen sowohl bei der Beantragung als auch bei der Therapie eine wichtige Rolle. Sie unterstützen den Patienten und sollten während der Reha in die Entscheidungsprozesse und die Therapie einbezogen werden. Ansprechpartner für die geriatrische Reha sind Ärzte mit der Zusatzbezeichnung oder dem Schwerpunkt Geriatrie, meist Internisten oder Allgemeinärzte.

Die Ziele der geriatrischen Reha sind die Verbesserung der Lebensqualität, das Wiedererlangen bzw. Verbessern von Alltagsfunktionen, der Erhalt der Selbstständigkeit und die Verhinderung von Pflegebedürftigkeit. Häufige Erkrankungen in der Geriatrie sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, muskuloskelettale Erkrankungen und Stürze, Diabetes, Übergewicht, Krebserkrankungen, Demenzen, Harninkontinenz und Depressionen. Eine geriatrische Reha dauert in der Regel drei Wochen, kann aber mit Zustimmung der Krankenkasse verlängert werden. Der Antrag wird oft vom Klinikarzt oder Sozialdienst nach einem Klinikaufenthalt gestellt. Bei der Aufnahme wird der physische, kognitive und soziale Zustand des Patienten mittels „geriatrischen Assessments“ ermittelt. Die festgestellten Probleme werden dann gezielt therapiert, wobei der Aufbau von Mobilität und Sturzprävention eine besondere Rolle spielen.

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Aortenchirurgie: Spezialisierung auf Erkrankungen der Hauptschlagader

Die Aorta, die Hauptschlagader des Körpers, kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein, die eine Operation erforderlich machen. Dazu gehören Arteriosklerose und Aneurysmen.

Erkrankungen der Aorta

Die Arteriosklerose kann zu Verkalkungen und Ablagerungen in der Gefäßwand der Aorta führen. Ein dauerhaft hoher Blutdruck, Diabetes mellitus und erhöhte Blutfette begünstigen die Arteriosklerose. Ablagerungen können Gefäßabzweigungen aus der Aorta verlegen und zu Sauerstoffmangel im Gewebe führen. Die Arteriosklerose kann auch zu einer Erweiterung oder Aussackung von Abschnitten der Aorta führen, den sogenannten Aneurysmen. Aortenaneurysmen können einreißen und zu einem schnellen Blutverlust mit tödlichem Ausgang führen. Das jährliche Risiko für einen solchen Einriss (Ruptur) steigt mit dem Durchmesser des Aneurysmas. Ältere Menschen, Raucher und Personen mit Aortenaneurysmen in der Familie haben ein erhöhtes Risiko. Aortenaneurysmen können mittels Gefäßultraschall diagnostiziert werden.

Nicht alle Aortenaneurysmen müssen sofort operiert werden. Bei asymptomatischen Betroffenen, die bestimmte Bedingungen erfüllen, kann eine engmaschige Verlaufskontrolle ausreichend sein. Eine operative Behandlung ist erforderlich bei Ruptur, symptomatischen Personen und asymptomatischen Personen, wenn der Durchmesser einen bestimmten Wert überschritten hat oder der Durchmesserzuwachs mehr als einen bestimmten Wert pro Jahr beträgt. Um den Zeitpunkt einer Operation nicht zu verpassen, sollten regelmäßige Ultraschallkontrollen durchgeführt werden.

Operationsmethoden in der Aortenchirurgie

Es gibt zwei verschiedene Operationsmethoden: die offene Operation und die endovaskuläre Aortenreparatur (EVAR). Beim intakten Bauchaortenaneurysma sind beide Behandlungsmethoden gleichwertig. Für die EVAR müssen gewisse anatomische Voraussetzungen gegeben sein. Beim rupturierten Aneurysma wird die EVAR bevorzugt eingesetzt.

Bei der offenen Operation an einem Bauchaortenaneurysma wird die Bauchaorta durch einen Schnitt am Bauch oder in der Flanke freigelegt. Anschließend wird der kranke Gefäßabschnitt durch eine Prothese ausgetauscht. Je nach Höhe des Aneurysmas wird eine Rohrprothese oder eine Y-Prothese eingebaut. Die offene Operation an einem Brustaortenaneurysma, welches die Abgänge der Hirnarterien betrifft, erfordert den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Diese versorgt das Gehirn mit sauerstoffangereichertem Blut, während der Rest des Körpers für einen bestimmten Operationsabschnitt in einen Kreislaufstillstand übergeführt wird. Die offene Operation erfolgt in Vollnarkose.

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Die EVAR erfolgt beim Bauchaortenaneurysma und beim Brustaortenaneurysma über ein kathetergestütztes Verfahren. Ein Draht mit einer zusammengefalteten aufgefädelten Prothese wird über die Leistenarterie eingebracht und bis zum kranken Aortenabschnitt vorgeschoben. Hier wird die Prothese durch einen eingebauten Ballon, der sich aufbläst, entfaltet und verankert. Dieser Vorgang wird durch Röntgen-Aufnahmen unterstützt und kontrolliert. Die EVAR kann unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Auf Wunsch des Patienten kann auch eine zusätzliche Sedierung (Dämmerschlaf) erfolgen.

Dauer und Überlebenschancen einer Aorta OP

Vor dem Eingriff werden die genaue Lage und Ausdehnung des Aneurysmas durch bildgebende Untersuchungen festgestellt. Ebenso erfolgt eine generelle Beurteilung aller wichtigen Arterien im Körper. Zur weiteren Vorbereitung gehören die Überprüfung der Herz-, Nieren- und Lungenfunktion. In der Regel beginnt der Krankenhausaufenthalt einen Tag vor dem Operationstermin. Die Operation dauert ca. zwei bis vier Stunden.

Die offene Aortenoperation mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist mit einem erheblichen Risiko verbunden. Das Risiko ist abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten, seinem Alter, seiner Konstitution und Vorerkrankungen. Nach der Operation ist eine mehrtätige Überwachung auf einer Intensivstation oder Intermediate Care Station nötig. Im Vergleich zum offenen Eingriff weisen endovaskuläre Eingriffe ein niedrigeres Risiko auf. Neben den generellen Risiken einer Operation kann es zu einer Minderversorgung von Organen kommen. Die Überlebenschancen sind bei einer Notfall-Operation im Falle einer Ruptur deutlich schlechter als bei einer geplanten Operation. Es kann zu einer Mortalität von bis zu 40% während und nach der Notfall-Operation kommen. Die Mortalität für eine offene Operation beträgt 5,2% und für eine EVAR 1,6%.

Leben nach Aorta OP

Nach offenen Operationen dürfen in den ersten zwei Monaten keine schweren Lasten gehoben werden, um einen Narbenbruch zu verhindern. Kontrollen mittels Ultraschalles und Computertomographie (CT) sind empfohlen. Nach einigen Tagen auf einer Station mit intensiver Überwachung, erfolgt die Verlegung auf Normalstation nach individuellem Zustand des Patienten und schließlich nach Mobilisation und Kostaufbau nach Hause. Nach einer offenen Operation bleiben die Patienten im Schnitt 9,5 Tage im Krankenhaus, während es nach endovaskulären Eingriffen durchschnittlich 3,5 Tage sind. Die erste Kontrolle nach einer EVAR erfolgt nach 30 Tagen, gefolgt von weiteren regelmäßigen Kontrollen. Bei den Kontrollen werden Untersuchungen mittels Ultraschalles, Röntgenaufnahme und Computertomographie durchgeführt. Bei diesen Untersuchungen wird der korrekte Sitz der Prothese, sowie eine mögliche Ausbreitung des Aneurysmas über oder unter der Prothese oder eines Lecks aus den Rändern der Prothese kontrolliert.

Eine Notfall-Operation hat eine deutlich schlechtere Prognose als eine Operation vor einer Ruptur. Die Prognose nach der Operation ist abhängig vom Zustand des Patienten sowie der Lokalisation und Größe des Aneurysmas. Spätkomplikationen treten nach einer EVAR etwas öfter auf als nach einer offenen Operation (25,1% vs. 20.6%). Auch nach einer Operation sind die Risikofaktoren für eine Ausbreitung des Aneurysmas oder der Entstehung neuer Aussackungen zu reduzieren. Dies bedeutet eine optimale Einstellung des Blutdrucks, der Blutfette sowie der Blutzuckerwerte. Außerdem sind ausgewogene Ernährung und regelmäßige maßvolle körperliche Betätigung sinnvoll. Eine Gewichtsabnahme sowie ein Rauchstopp können mit Unterstützung von expertengeführten Programmen erzielt werden.

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Fachärzte der Gefäßchirurgie und Fachärzte der Herzchirurgie sind Spezialisten für Aorten Operationen. In Zusammenarbeit mit Hausärzten, Radiologen und Narkoseärzten wird jeder Patient individuell interdisziplinär behandelt.

ME/CFS: Spezialisierung auf Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom

ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom. Betroffene leiden unter einer tiefgreifenden Erschöpfung, die weit über das hinausgeht, was gesunde Menschen als Müdigkeit kennen. Wesentliches Merkmal von ME/CFS ist eine unverhältnismäßig starke und lang anhaltende Erschöpfung auch schon nach relativ leichten Anstrengungen körperlicher, geistiger oder seelischer Art, die vor Beginn der Erkrankung keine vergleichbare Reaktion ausgelöst hätten.

Neurologische Erkenntnisse über ME/CFS

ME/CFS tritt meistens im Nachgang einer Infektion auf, wenn »etwas« im Immunsystem nicht mehr zurück in die Balance findet. Das Immunsystem kommuniziert mit dem Nervensystem, in dem ebenfalls anhaltende Funktionsveränderungen auftreten. Das beeinflusst sich gegenseitig und findet seinen Ausdruck darin, zu welchem Wollen, Denken und Empfinden das Hirn uns befähigt. Es ändert auch die Lebensbedingungen unserer Darmbakterien und deren Zusammensetzung, was wiederum Auswirkungen auf Immun- und Nervensystem hat. In der Kommunikation zwischen Nervensystem und Körper können auch Missverständnisse auftreten, die sich dann als Funktionelle Störungen äußern. Dieses Durcheinander bietet sehr viele Ansatzpunkte zur Behandlung, die aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich gut funktionieren.

ME/CFS ist ein Syndrom, nicht eine einheitliche Krankheit. Eine Reha kann hilfreich sein, da man aus der Fülle der Erklärungsmodelle und Behandlungsansätze mit einem multiprofessionellen Team herausfinden kann, was für die einzelnen Betroffenen geeignet ist.

Pacing bei ME/CFS

Pacing meint, Pausen zu machen, bevor man sie braucht. Sich seine Energie so einzuteilen, dass man möglichst viel von dem, was ansteht, erreicht, ohne diese charakteristischen extremen Erschöpfungszustände zu erleiden. Das Ziel ist, im Lauf der Zeit mehr und mehr Abstand von dieser Klippe zu gewinnen und sich wieder Spielräume zu verschaffen.

Krankenhausreform 2025: Auswirkungen auf den Klinikarzt

Die Krankenhausreform 2025 zielt darauf ab, Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit zu verbessern. Die Klinken werden nach ihrer Leistungsfähigkeit in Versorgungsstufen/-level eingeteilt. Die Einteilung erfolgt in drei Versorgungsstufen: Grund- und Regelversorgung, spezialisierte Versorgung und hochspezialisierte Versorgung. Kliniken dürfen nur noch bestimmte Leistungen erbringen, wenn sie die dafür nötige Infrastruktur, das Patientenvolumen und Personalqualifikation nachweisen. Der Wegfall der Fallpauschalen als Hauptanreiz für die Finanzierung führt zur Einführung von Vorhaltepauschalen. Kliniken erhalten Geld für das „Bereitstellen“ von Kapazitäten, nicht nur für tatsächlich erbrachte Leistungen.

Die veränderten Rahmenbedingungen führen für die Klinik-Ärztinnen und -Ärzte zu einer Veränderung der Arbeitsstruktur und ihres Selbstverständnisses. Fachärzte werden sich auf Kernkompetenzen spezialisieren und sich „zurückziehen“ müssen. Weniger „Falljagd“, mehr Fokus auf Qualität und Koordination und Verlagerung hin zu interdisziplinärer Teamarbeit in spezialisierten Zentren. Die neuen Strukturen werden zu einer erhöhten medizinischen Behandlungsfreiheit, aber auch zu Umstellungen in Arbeitsabläufen führen. Die weiterbildungsermächtigten Ärztinnen und Ärzte werden ihre Berechtigungen in der bisherigen Form verlieren und Verbundweiterbildungen werden erforderlich werden. Dies wiederum hat zur Folge, dass Assistenzärztinnen und -ärzte in Weiterbildung ihre Facharztausbildung künftig nicht mehr an einer Klinik absolvieren werden, sondern hierzu im Rotationsprinzip an unterschiedliche Kliniken wechseln müssen, um den Facharztkatalog erfüllen zu können.

Wechselnde Zusammenarbeit gewinnt einen neuen Stellenwert für Kliniken und für Klinikärztinnen und Ärzte. Durch die neue Struktur entsteht zusätzlicher Dokumentationsaufwand.

Kompetenzen für Klinik-Ärztinnen und -Ärzte

Um in diesem Kontext und den neuen Herausforderungen zu bestehen, sind bestimmte Human Skills erforderlich. Diese orientieren sich an den Basismotiven von David McClelland: Gestaltung (Power), Leistung (Performance) und Beziehung (Relationship). Ergänzt wird dies durch Selbstbefähigung (Empowerment).

  • Power: Kompetenzen, die das Einfluss- sowie Gestaltungsbedürfnis einer Person zeigen, also das Bestreben, Führung und Verantwortung zu übernehmen sowie Entscheidungen zu treffen.
  • Performance: Kompetenzen, die das Bedürfnis einer Person nach inhaltlicher Auseinandersetzung mit herausfordernden Aufgaben widerspiegeln.
  • Relationship: Kompetenzen, die Aufschluss über das Anschlussmotiv einer Person geben, also ihr Bedürfnis nach einem wertschätzenden Miteinander, Zugehörigkeit und Geselligkeit im Arbeitskontext.
  • Empowerment: Selbststeuerungskompetenzen einer Person, also deren Fähigkeiten, im selbstbestimmten Umgang mit Belastungssituationen und Anpassung an neue Gegebenheiten umzugehen.

Der erste Schritt ist immer die Selbsteinschätzung. Im zweiten Schritt gilt es, die Ergebnisse zu reflektieren und individuelle Entwicklungsziele zu priorisieren, zu konkretisieren und dann einen persönlichen Entwicklungsplan zu gestalten inkl. der dafür passenden Unterstützung. Ein dritter Schritt ist dann das Lernen und Üben im Alltag und das wiederkehrende Reflektieren und Dranbleiben. Dies ist ein permanenter Prozess, der nie aufhört (permanentes Lernen).

Spezialisierung in der Neurochirurgie und Epilepsiechirurgie

Kliniken für Neurochirurgie und Epilepsiechirurgie sind auf die Diagnostik und Behandlung folgender Erkrankungen spezialisiert: Hirntumore, Hirnblutungen, Hirninfarkte. Dank modernster Technik lassen sich sogar komplexe Operationen an Kopf und Wirbelsäule schnell und sicher durchführen. Im sogenannten Hybrid-OP ermöglicht eine dreidimensionale Bildgebung während der Operation ein hochpräzises Arbeiten. Die Tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) wird zur Behandlung bei Morbus Parkinson angeboten.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention und Behandlung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sowie präventive Maßnahmen sind entscheidend, um das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Komplikationen zu senken.

Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine gesunde Lebensweise spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören:

  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, idealerweise eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Salat und wenig raffinierten Kohlenhydraten.
  • Entspannung: Stressbewältigung und ausreichend Schlaf.
  • Raucherentwöhnung: Verzicht auf Tabakkonsum.

Herzinfarkt: Risikobestimmung und -senkung

Das persönliche Herzinfarktrisiko kann durch wenige Informationen als globales Risiko kalkuliert werden, ausgedrückt als prozentuales Risiko, einen Herzinfarkt in den nächsten 10 Jahren zu erleiden. Ein wichtiger Score in Deutschland ist der PROCAM-Score. Die Aspekte, die für die Kalkulation benötigt werden, sind: Alter, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride, systolischer Blutdruck, blutdrucksenkende Medikamente, Nüchtern-Blutzucker, Diabetes, Zigarettenrauchen, Herzinfarkt in der Familienanamnese.

Ein erhöhtes Risiko kann immer gesenkt werden, prinzipiell. In erster Linie sind es Lebensstil-verändernde Maßnahmen. Neben der Raucherentwöhnung und Bewältigung anderer Suchterkrankungen sind es die Lebensstilsäulen Bewegung, Ernährung, Entspannung. Sollte das Risiko und spezielle Risikofaktoren deutlich zu hoch sein, dann können auch bereits Medikamente notwendig werden.

Ernährung und Herzinfarktrisiko

Die Ernährung ist von sehr großer Bedeutung, eine gesunde Ernährung kann das Herzinfarktrisiko bis zu 50% reduzieren! Vermeiden Sie soweit es geht Kohlenhydrate, insbesondere die raffinierten, als direkte Zuckerwaren, Süßigkeiten und Süßgetränke wie Limonaden, aber auch Brot, insbesondere Weißbrot und Brötchen, Pasta etc. Essen Sie viel Obst, Salate, Gemüse.

Herzvorsorge

Empfehlenswert ist ein gesundes Leben in den Lebensstilsäulen Bewegung, Ernährung und Entspannung. Rauchen ist zwingend einzustellen. Täglich wären ½ Stunde ausdauersportliche Betätigung erstrebenswert, 2 x pro Woche Krafttraining. Stress sollte ausschließlich Eustress sein. Versuchen Sie in sich zu ruhen, Ihre eigene Substanz zu erkennen (Meditation, aber auch einfache Besinnung kann helfen), versuchen Sie, Sie selbst zu sein, SEIN und nicht HABEN, dies wird sich automatisch in erfüllteren zwischenmenschlichen Beziehungen auswirken. Wichtig ist die Liebesbeziehung, sei es in der Paarbeziehung, die Elternliebe oder Kinderliebe.

Frauen und Herzerkrankungen

Frauen bekommen sehr viel seltener einen Herzinfarkt, erst nach der Menopause holen sie auf und übertreffen dann sogar die Männer. Ob es die Östrogene sind, die einen Gefäßschutz besitzen, ist nicht vollständig geklärt. Man kann auch sagen, Frauen kriegen Herzinfarkte ca. 10 Jahre später als Männer. Die Beschwerdesymptomatik ist oft sehr viel unspezifischer. Infarkte werden deswegen bei Frauen oft verkannt.

Check-Up

Der präventive Hebel liegt im mittleren Alter, also zwischen 35 - 65 Jahren. Eine professionelle Check-Up-Medizin baut auf wissenschaftlich belegten, diagnostischen Ablaufwegen auf. Der Score ist eine Basis, die den Gesundheitsinteressierten eingruppieren lässt, in einen mit niedrigen, mittleren oder hohen Risiko. Davon hängt nach Leitlinien ab, welche Untersuchungen sich daraus indizieren. Prinzipiell gibt es heute ein relativ großes Arsenal an Untersuchungsmöglichkeiten der Herzkreislauf-Früherkennung. Mit Ultraschall können die Arterienwände gut eingesehen werden, nicht nur Einengungen erkennen, sondern auch die Wanddicke vermessen, zu der heute ein prädiktive Bedeutung für Schlaganfall und Herzinfarkt bekannt ist. Dann kann mit der modernen mehrschichtigen Computertomographie den Verkalkungsgrad der Herzkranzgefäße messen.

Herzvorsorge und Schlaganfallvorsorge

Herzinfarkt und Schlaganfall gehören absolut zusammen, wenn man sich die Pathophysiologie (Krankheitslehre) anschaut. Es ist meistens die sogenannte Arteriosklerose, die ich zu Beginn als Verdickung, Entzündung, Verkalkung der Arterien beschrieben habe, die beides verursacht.

Herzkatheter-Untersuchung

Durch eine sorgfältige Anamnese mit kardiovaskulärer Risikostratifikation kann, durch gezielten Einsatz moderner bildgebender Diagnostik, die Katheterisierungsanzahl sinnvoll reduziert werden. Eine Aufdehnung und Stent-Implantation bei einem stabilen Patienten bringt keinen wesentlichen prognostischen Gewinn. Eine Herzkatheter-Indikation ist immer eindeutig gegeben, wenn ein akutes Krankheitsbild vorliegt, also ein akuter Herzinfarkt oder ein sogenannte akutes Koronarsyndrom.

Herzinfarkt erkennen

Der typische Infarktschmerz drängt einem allein von den Symptomen her die Diagnose eines akuten Herzinfarktes auf. Es ist ein starker Druck hinter dem Brustbein oder in der linken Brust, ein Zerreißen, eine Enge, oft gepaart mit fehlendem Durchatmen. Der Schmerz persistiert, er geht nicht von alleine weg. Leider ist der Schmerz aber manchmal nicht so ganz typisch, insbesondere bei Frauen.

Risiko für einen weiteren Herzinfarkt verringern

Dies nennt man Sekundär- oder auch Tertiärprävention. Die Rehabilitationsmedizin ist hilfreich, um denjenigen zum gesunden Leben zu führen. Ansonsten gilt im Grund alles genauso wie in der Primärprävention. Ein Unterschied zur Primärprävention ist, dass nach dem Herzinfarkt immer eine gewisse Anzahl an Medikamenten eingenommen werden muss, von der die Reduktion weiterer Infarkte oder auch von Tod klar wissenschaftlich bewiesen ist.

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