Dieser Artikel beleuchtet die Arbeit von Tobias Finger im Bereich der Neurochirurgie und gibt Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, an denen er und andere beteiligt sind. Dabei werden verschiedene Aspekte der modernen Medizin und ihre Auswirkungen auf die Patientenversorgung betrachtet.
Virtuelle 3D-Modelle zur Verbesserung der Patientenaufklärung und Operationsplanung
Ein von der Deutschen Krebshilfe gefördertes Forschungsprojekt der Martini-Klinik setzt auf moderne Bildgebung, wie die PSMA-PET, um kleinste Tumorabsiedelungen bei Prostatakrebs zu erkennen. Da es schwierig sein kann, diese während der Operation zu finden, planen die Forschenden, zusätzlich zur PSMA-PET ein virtuelles 3D-Modell in der präoperativen Bildgebung einzusetzen. Dieses Modell soll sowohl Patienten als auch Operateuren ein besseres Verständnis der anatomischen Lage der Tumorstreuherde ermöglichen, was sich positiv auf die Operation und den Krankheitsverlauf auswirken könnte.
EU-Förderung für Forschungsprojekt zum Ovarialkarzinom
Die Europäische Union fördert ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zur Verbesserung der Therapie bei Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Ziel ist die Entwicklung komplexer ex vivo-Modelle - sogenannte Patientinnen-Avatare -, die die Tumormikroumgebung von Patientinnen mit Ovarialkarzinom möglichst realitätsnah abbilden. Diese Modelle sollen die Erforschung und Testung innovativer immunonkologischer Therapieansätze ermöglichen, die gezielt tumorassoziierte Makrophagen und dendritische Zellen modulieren, um eine wirksame und langfristige Anti-Tumor-Immunität beim Ovarialkarzinom zu induzieren. Das Forschungsprojekt ioAVATAR wird über einen Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt 960.000 Euro gefördert.
Palliativmedizin: Behandlung und Betreuung von Patient:innen und Angehörigen
Palliativmedizin umfasst im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) nicht nur die vertrauensvolle Begleitung von Menschen mit einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung, sondern auch die Unterstützung und Einbeziehung der Angehörigen in die multiprofessionelle Versorgung. Eine Forschungsgruppe untersucht zudem die Bedürfnisse und Probleme der Angehörigen in der Palliativversorgung sowie die daraus entstehenden Anliegen, Belastungen und Bedürfnisse. Die Palliativmedizin im UKE ist strukturell der II. Medizinischen Klinik zugeordnet und Teil des Universitären Cancer Center Hamburgs. Sie besteht aus einer eigenständigen Station mit 12 Betten, einem UKE-weit tätigen multiprofessionellen Palliativdienst, einer palliativmedizinischen Sprechstunde und einem 24/7-Rufdienst.
Wann beginnt eine palliative Versorgung?
Palliativmedizin ist nicht nur in der letzten Lebenszeit wichtig, sondern kann schon viel früher unterstützen - oft Monate oder sogar Jahre vor dem Lebensende, parallel zu anderen Behandlungen. Sie kann zu jedem Zeitpunkt von der Diagnosestellung der Unheilbarkeit bis in die Sterbezeit bedarfsgerecht in die Patient:innenversorgung im UKE mit eingebunden werden.
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Wie genau werden bei der Palliativmedizin auch die Angehörigen miteinbezogen?
Zur Palliativmedizin gehört auch die einfühlsame Betreuung und Einbeziehung der Angehörigen. Denn wenn ein Mensch an einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung leidet, betrifft dies auch sein soziales Umfeld. Angehörige können eine wichtige Ressource für das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patient:innen darstellen, sie sind gleichzeitig aber auch selbst Betroffene. Das UKE bietet Angehörigen ein Schulungsprogramm, Trauerangebote und Beratung an.
Wie beteiligt sich das UKE am Welthospiztag?
Anlässlich des Welthospiztages stellt sich das multiprofessionelle Team der Palliativmedizin des UKE den Mitarbeitenden, Patient:innen und Besucher:innen vor und informiert gemeinsam mit dem Förderverein der Palliativversorgung am UKE e.V.
Rudern gegen Krebs: Sport als Therapie für junge Krebspatient:innen
Kinder und junge Erwachsene mit Krebs können beim Ruder-Club Favorite Hammonia (FARI) an wöchentlichen Trainings teilnehmen. Vertreter des Ruder-Clubs besuchten das UCC Hamburg, um sich ein Bild über den klinischen Heilungsweg ihrer Trainings-Teilnehmer:innen zu machen. Montags haben junge Erwachsene und freitags Kinder die Möglichkeit, beim Ruder-Club Favorite Hammonia auf der Hamburger Außenalster an einem kostenfreien Rudertraining teilzunehmen, welches speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Im Sommer auf dem Wasser, ab dem kommenden Winter auf der Trainingsfläche in den Clubräumen.
Bewegung als wichtiger Bestandteil der Therapie
Simon Elmers vom UCC Hamburg ermöglicht stationäre Bewegungsangebote für junge Krebspatient:innen. Ob Tischtennis, Fußball oder Bewegungscomputerspiele - für jedes Kind wird die optimale Lösung gefunden, um auch unter Therapie in Bewegung zu bleiben. Im Rahmen des Netzwerks ActiveOncokids können auch nach dem stationären Aufenthalt verschiedene Angebote gemacht werden, sei es beim Rudern, Segeln, Fußball oder Reiten.
Strategiemeeting der Patient:innenbeiräte der Cancer Center Hamburg und Schleswig-Holstein
Die Patient:innenbeiräte der beiden Cancer Center aus Hamburg und Schleswig-Holstein trafen sich zu einem Strategiemeeting, um sich kennenzulernen und gemeinsam Projekte zu erarbeiten, die in Zukunft aus Beiratssicht übergreifend umgesetzt werden können. Die Zusammenarbeit der Patient:innenbeiräte beider Cancer Center hilft, Synergien zu nutzen und voneinander zu lernen.
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Erstes Internationales Kinomics Meeting in Hamburg
Rund 80 Teilnehmer:innen aus 8 verschiedenen Nationen kamen zum ersten internationalen Kinomics Meeting in Hamburg zusammen. Die Veranstaltung markierte einen ersten Schritt, um dieses spezialisierte Forschungsfeld zusammenzubringen und eine Gelegenheit zu bieten, neue Netzwerke aufzubauen. Die Analyse des menschlichen Kinoms stellt in vielen Bereichen der Lebenswissenschaften eine spannende Ergänzung zu anderen OMICS-Technologien dar. Kinasen spielen eine Schlüsselrolle in vielen zellulären Regulationsprozessen wie Wachstum oder Differenzierung. Veränderungen, vor allem eine Hyperaktivität, kann z.B. zur Entstehung von Krebszellen beitragen und zu unkontrolliertem Zellwachstum führen. Aufgrund der Rolle von Kinasen bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Krebs sind Kinase-Inhibitoren ein wichtiger Ansatz in der Krebstherapie.
Erblich bedingtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erkennen
In Deutschland erkrankt jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Eierstockkrebs kommt zwar deutlich seltener vor, ist aber im Falle einer Erkrankung schwerer zu heilen. Dank moderner genetischer Diagnostik können Risikopatient:innen heute frühzeitig identifiziert werden. Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen entsteht Brustkrebs infolge einer erblichen Veranlagung.
Patientenerfahrungen in der Neurochirurgie
Einige Patient:innen berichten von positiven Erfahrungen in der Neurochirurgie, insbesondere in Bezug auf Bandscheibenvorfälle. Sie loben die gründliche Untersuchung, die ausführliche und kompetente Beratung sowie die Gespräche auf Augenhöhe. Andere berichten von langen Wartezeiten und unfreundlichem Personal. Ein Patient wurde vor ca. 15 Jahren erfolgreich mit minimalinvasiver Methode an einem Bandscheibenvorfall operiert.
Forschungsprofessuren an der Universität
An der Universität gibt es verschiedene Forschungsprofessuren, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten beschäftigen, darunter Data Science in Population Health, Medizininformatik, Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde, Translationale Brain Body Neuroscience, Translationale viszeralchirurgische Präzisionsonkologie, Rekonstruktive Mikrochirurgie und lymphatische (Patho-)Mechanismen zerebraler Erkrankungen, Neurologie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Radiologie und Tumorprädispositionssyndrome.
Kinderneurochirurgie: Spezialisierte Versorgung für junge Patient:innen
Die Sektion Kinderneurochirurgie betreut und behandelt Kinder mit neurochirurgischen Erkrankungen vom 1. Lebenstag bis über das 18. Lebensjahr. Jährlich werden zwischen 150 und 200 operative Eingriffe an Kindern durchgeführt. Die Kinder profitieren von einer engen Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen der Neuropädiatrie, pädiatrischen Neuroonkologie, Neonatologie, pädiatrischen Urologie, Neuroradiologie und Kinderneurochirurgie. Die ambulante Beratung findet in einer gemeinsamen neuropädiatrischen und kinderneurochirurgischen Sprechstunde statt.
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Hydrozephalus bei Kindern
Bei einem Hydrozephalus kommt es durch ein Ungleichgewicht zwischen der Produktion und der Resorption des Hirnwassers oder durch ein lokales Abflusshindernis zu einem zunehmenden Aufstau des Hirnwassers in den Hirnkammern mit erhöhtem Druck im Kopf. Bei kleinen Kindern fällt dies oft durch eine Zunahme des Kopfumfangs, einer vorgewölbten vorderen Fontanelle oder einer Verschlechterung des Allgemeinzustands auf. Die Durchführung einer MRT Bildgebung ist der Goldstandard in der Diagnostik bei Verdacht auf das Vorliegen einer Veränderung der Hirnwasserräume.
Behandlungsmöglichkeiten bei Hydrozephalus
Bei bestimmten Erkrankungen ist eine dauerhafte Ableitung des Hirnwassers aus dem Kopf in den Bauchraum erforderlich, dies ist insbesondere der Fall, wenn ein generelles Resorptionsproblem des Hirnwassers vorliegt. Das Implantat welches das Hirnwasser ableitet, wird ventrikulo-peritonealer Shunt genannt. Liegt bei einem Kind ein lokales Abflusshindernis vor, so kann hier oft auf die Implantation eines Shuntsystems verzichtet werden. Anstelle eines dauerhaften Implantats wird auf endoskopischem Weg das Abflusshindernis beseitigt, oder eine Umleitung geschaffen. Die häufigste Operation dieser Art nennt sich endoskopische Dritt-Ventrikulo-Zisternostomie (kurz ETV).
Hirntumoren bei Kindern
Bei kindlichen Hirntumoren handelt es sich um sehr heterogene Erkrankungen, die jeweils sehr spezifische Behandlungsansätze erfordern. Gehirntumoren sind nach den Leukämien die zweitgrößte Gruppe maligner Erkrankungen im Kindesalter. An spezialisierten pädiatrischen Zentren werden Kinder mit Gehirntumoren von einem multidisziplinären Team behandelt.
Moderne Verfahren in der Hirntumorchirurgie
Zur Routine gehört die Verwendung der Neuronavigation, welche eine genaue Planung der Operation sowie des Zugangswegs erlaubt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil stellt das Neuromonitoring dar, um die Funktion zu erhalten. Bei höhergradigen Tumoren die von den Stützzellen des Gehirns ausgehen, besteht die Möglichkeit des Einsatzes von 5-Aminolävulinsäure oder kurz 5-ALA, um bösartige Tumorzellen während einer Operation sichtbar zu machen. Mit Hilfe eines Endoskops kann bei einem Hydrozephalus tumorbedingt eine Umleitung geschaffen werden (endoskopische Dritt-Ventrikulo-Zisternostomie).
Epilepsiechirurgie bei Kindern
In Deutschland leben zurzeit mehr als eine halbe Million Menschen mit einer Epilepsie. Ca. ein Drittel aller von einer Epilepsie betroffenen Patienten*innen werden trotz der korrekten Einnahme mehrerer Medikamente nicht anfallsfrei. Ziele sind hier die Lokalisierung der für die Anfälle verantwortlichen Strukturen. Nur bei genauer Kenntnis des Anfallsgeschehens kann eine erfolgsversprechende operative Behandlung geplant werden.
Erweiterte prä- und intraoperative Epilepsie-Diagnostik
Das Spektrum der Epilepsiechirurgie beinhaltet den kompletten Umfang der verfügbaren invasiven prächirurgischen Epilepsiediagnostik. Hier ist die vorübergehende Implantation von Messelektroden in die Tiefe des Gehirns erforderlich. Durch die Auflage von Oberflächenelektroden auf die Gehirnoberfläche kann das Anfallsgeschehen im Umfeld einer Veränderung gut charakterisiert werden und Gehirnareale mit wichtigen Funktionen genau lokalisiert werden. Neben der erweiterten präoperativen Diagnostik verwenden wir die intraoperative Elektrokortikographie zur Differenzierung zwischen potentiell epileptogenem und nicht epileptogenem Hirngewebe.
Behandlungsmethoden in der Epilepsiechirurgie
Bei der Hemisphärotomie werden alle Faserverbindungen zwischen der betroffenen Gehirnhälfte und dem restlichen Gehirn durchtrennt. Ganz neu im epilepsiechirurgischen Repertoire ist die LITT (interstitielle Laser Thermo Therapie), bei der mit Hilfe von implantierten Elektroden die Zone im Gehirn eingegrenzt wird, in der die Anfälle ihren Ursprung haben und dann punktgenau das betroffene Gewebe durch Erhitzen zerstört wird.
Arachnoidalzysten bei Kindern
Bei Arachnoidalzysten handelt es sich um mit Liquor gefüllte intra-arachnoidale Ansammlungen, die an verschiedenen Stellen im Gehirn liegen können. Das Grundprinzip der Behandlung besteht darin, eine Verbindung der unter Druck stehenden Zyste zum regulären Liqorraum herzustellen. In der Literatur werden 3 Behandlungsoptionen genannt: die mikrochirurgische Fensterung der Zyste, die endoskopische Fensterung der Zyste und die Anlage eines zystoperitonealen Shunts.
Endoskopische Fensterung von Arachnoidalzysten
Über ein zuvor geplantes Bohrloch kann mittels endoskopischem Verfahren in minimal invasiver Technik eine Fensterung zwischen der Arachnoidalzyste und den basalen Zisternen angelegt werden. Alle endoskopischen Eingriffe zur Fensterung einer Arachnoidalzyste werden in Kombination mit der Neuronavigation durchgeführt.
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