3-Monats-Koliken beim Baby: Ursachen, Symptome und Hilfestellungen

Die ersten Monate mit einem Neugeborenen sind eine unvergleichliche Zeit, voller Wunder und Aufregung. Gleichzeitig können sie aber auch sehr anstrengend sein. Viele Eltern sind verunsichert, wenn ihr Baby viel schreit und sich scheinbar nicht beruhigen lässt. Häufig handelt es sich dabei um sogenannte Dreimonatskoliken, die fast ein Viertel aller Säuglinge betreffen - Jungen ebenso wie Mädchen - und typischerweise zwischen der 2. Lebenswoche und dem 3. Lebensmonat auftreten.

Was sind 3-Monats-Koliken?

Von Dreimonatskoliken (3-Monats-Koliken) beim Baby spricht man, wenn Säuglinge übermäßig viel schreien und unruhig sind. Normalerweise schreit ein Baby durchschnittlich etwa 30 Minuten pro Tag, etwa wenn es hungrig oder müde ist. Ein "Schreibaby" dagegen schreit an mindestens drei Tagen in der Woche täglich mehr als drei Stunden und dies über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen hinweg. Die Definition von Koliken ist ein Zustand, bei dem ein gesundes Baby mehr als drei Stunden pro Tag, mehr als drei Tage pro Woche und über einen Zeitraum von drei oder mehr Wochen weint und nur schwer zu beruhigen ist.

Die genaue Definition der 3-Monats-Koliken kann man sich ganz einfach merken: Es handelt sich dabei um unaufhörliches, lautes Schreien von mehr als 3 h täglich, mindestens 3 Tage pro Woche und über mehr als 3 Wochen hinweg. Etwa 10-30 % aller Babys sind betroffen. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie gestillt oder mit dem Fläschchen ernährt werden. Meist beginnen die 3-Monats-Koliken um die 2. Lebenswoche und erreichen ihre Hochphase, wenn das Baby 4-6 Wochen alt ist. Die gute Nachricht für junge Eltern: Bei vielen Säuglingen wird es nach 3-4 Monaten deutlich besser.

Abgesehen vom exzessiven Schreien sind die Babys in der Regel gesund und gedeihen gut. Oft kommen aber bei 3-Monatskoliken weitere Symptome zum vielen Schreien hinzu:

  • Typischerweise sind die Babys sehr unruhig und lassen sich schwer, oft auch überhaupt nicht beruhigen.
  • Viele Schreibabys haben zudem Probleme beim Ein- und Durchschlafen.
  • Während der Schrei- und Unruhephasen strecken und krümmen sie sich oft und haben zudem einen geblähten Bauch.
  • Das Bäuchlein ist gebläht und hart.
  • Dein Baby ist unruhig. Es überstreckt sich oder zieht die Füßchen eng an den Körper und ist ganz angespannt.
  • Die Beschwerden und Unruhephasen treten meist nach den Mahlzeiten und häufig zur gleichen Tageszeit auf.

Regulationsstörung statt Dreimonatskolik

Der Begriff Kolik deutet auf die früher vermutete Ursache der Schreiattacken hin: Bauchschmerzen und Blähungen. Mittlerweile weiß man jedoch, dass die Luft im Bauch der betroffenen Babys eher die Folge (Luftschlucken) und nicht die Ursache des vielen Schreiens ist. Mediziner verwenden deshalb heute statt "Dreimonatskoliken" den Begriff Regulationsstörung.

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Wann bekommen Babys Dreimonatskoliken?

Ungefähr zwei Wochen nach der Geburt beginnen bei den meisten betroffenen Babys die 3-Monats-Koliken - ab wann genau, ist individuell verschieden. 3-Monats-Koliken: Wann am schlimmsten, wann vorbei?Ihr Maximum erreichen die Beschwerden im zweiten Lebensmonat. In der Regel klingen sie nach etwa drei Monaten ab - daher der Begriff 3-Monats-Koliken. Streng eingrenzen lässt sich der Beschwerdezeitraum aber nicht: In seltenen Fällen werden Babys bis zum sechsten Monat von 3-Monats-Koliken geplagt.

Ursachen von Dreimonatskoliken

Trotz vieler Studien in den letzten Jahrzehnten ist die Ursache der Dreimonatskoliken immer noch unklar. Weil die Schreiattacken oft beim oder nach dem Füttern auftreten, wurden früher Bauchkrämpfe und Blähungen als Ursache vermutet. Allerdings zeigen Röntgenaufnahmen, dass Schreibabys im Schnitt die gleiche Gasmenge im Darm haben wie Babys, die "normal viel" schreien. Möglicherweise reagieren sie jedoch empfindlicher darauf als Babys ohne 3-Monats-Koliken.

Nach heutigem Stand gehen Experten jedoch davon aus, dass die Dreimonatskoliken auf einem Dreiklang von auslösenden Faktoren beruhen:

  1. Regulationsstörungen: Die betroffenen Babys verfügen noch nicht über die in ihrem Alter normalerweise bereits vorhandene Fähigkeit zur Selbstberuhigung. Mediziner bezeichnen dies als Regulationsstörung im Säuglingsalter. Die betroffenen Kinder sind sensibler und reagieren empfindlicher auf Umwelteinflüsse als andere Babys. Umweltreize überfordern sie rascher, und sie können schlechter abschalten. Kommen noch Ein- und Durchschlafprobleme hinzu, entsteht schnell Übermüdung, wodurch die Kleinen noch unruhiger und angespannter werden.
  2. Probleme in der Eltern-Kind-Kommunikation: Neben der Regulationsstörung werden Missverständnisse in der Eltern-Kind-Kommunikation als Ursache der Schreiattacken vermutet: Mutter und/oder Vater haben Probleme damit, die Signale ihres Babys - das sich ja nur durch Schreien äußern kann - richtig zu deuten: Ist es hungrig? Sucht es Nähe und Zuwendung? Ist es gerade von zu vielen Reizen überfordert? Oder braucht es andersherum mehr "Input"? Die wahren Bedürfnisse, die hinter dem Schreien stecken, zu erkennen, ist besonders am Anfang nicht leicht, denn Eltern und Kind müssen sich erst kennenlernen und aufeinander einstellen.
  3. Überforderung: Als dritter Faktor kommt die mit den über Wochen andauernden Schreiattacken verbundene Überforderung und Überlastung der Eltern hinzu. Dann entsteht eine Art Teufelskreis: Das Kind ist angesichts der "falschen" Reaktionen der Eltern irritiert, wird noch angespannter und schreit dementsprechend verstärkt. Die Eltern wiederum sind zunehmend überfordert, hilflos und nervlich überlastet, was sich wiederum auf das Baby überträgt, das dann noch mehr schreit.

Weitere Theorien über die möglichen Ursachen von Koliken bei Säuglingen beinhalten:

  • Blähungen: Viele Babys mit Koliken haben Blähungen, aber Blähungen können auch die Folge des Weinens sein - Luft wird verschluckt, wenn ein Baby weint oder ernährt wird, und durch die eingeschlossene Luft kann sich dein Baby unwohl fühlen.
  • Verdauungsprobleme: Diese können auftreten, wenn das Verdauungssystem deines Babys noch nicht vollständig entwickelt ist oder wenn ein Ungleichgewicht der gesunden Bakterien im Verdauungssystem besteht. Eine geregelte Verdauung wird durch eine ausreichende Enzymproduktion und eine gesunde Darmflora gewährleistet. Beim ganz jungen Säugling kann es sein, dass beides noch nicht voll ausgereift ist - das Verdauungssystem funktioniert noch unvollständig, der Transport im Darm erfolgt noch unregelmäßig. Gasbildung im Magen-Darm-Trakt gehört natürlicherweise zum Verdauungsprozess und stellt grundsätzlich keine Störung dar. Eine übermäßige Gasbildung aufgrund der Unreife kann jedoch zu Koliken und schmerzhaftem Druckgefühl führen, wenn die Blähungen wegen zu festen Stuhls nicht abgehen können.
  • Temperament: Babys werden mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen geboren, und einige Babys können sensibler oder leichter reizbar sein als andere.
  • Empfindlichkeit gegenüber Reizen: Wenn das Nervensystem deines Kleinen unreif ist, kann dein Kind besonders empfindlich auf Reize reagieren. Zum Beispiel können all die neuen Zeichen und Geräusche, denen dein Baby ausgesetzt ist, überwältigend sein, und da dein Baby sich noch nicht effektiv selbst beruhigen kann, fängt es vielleicht an zu weinen. Frühgeborene, die sich von all den neuen äußeren Reizen überfordert fühlen, können anstatt zu weinen auch unruhig erscheinen. In den ersten Lebenswochen muss ein Baby seine Balance im Tagesablauf erst einmal finden und sich an den Alltag anpassen. Es nimmt zunehmend seine Umgebung wahr und muss dabei sehr viele neue Eindrücke verarbeiten. Dazu gehört auch ein geregelter Mahlzeiten-Rhythmus, der Zeit lässt zum Schlafen, zum Spielen und zum Entwickeln eines gesunden Hungergefühls. Diese Regulation muss das Baby nach und nach erlernen.
  • Säurereflux oder gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD): Da der Schließmuskel deines Babys (der Muskel, der den Magen von der Speiseröhre trennt) noch wächst, kann Flüssigkeit im Bauch deines Babys zurück in Richtung Kehle wandern. Das dadurch entstehende Unwohlsein kann Weinen verursachen. Obwohl fast alle Babys gelegentlich Reflux haben, wird die Erkrankung als GERD bezeichnet, wenn sie chronisch wird (d. h. häufig auftritt). Zu den Symptomen von Säurereflux oder GERD gehören unter Umständen das Krümmen des Rückens, nasses Aufstoßen, Reizbarkeit und Nahrungsverweigerung oder nur wenig Appetit.
  • Überfütterung oder Unterfütterung: Sowohl Hunger als auch ein Völlegefühl können bewirken, dass sich dein Baby unwohl fühlt, und dein Kleines kann dieses Unwohlsein durch Weinen ausdrücken.
  • Zu wenig Aufstoßen: Das Aufstoßen deines Babys hilft, etwas von der eingeschlossenen Luft zu entfernen, die es während des Fütterns oder Weinens verschluckt. Wenn du dein Baby während des Fütterns nicht oft genug aufstoßen lässt, kann die eingeschlossene Luft dazu führen, dass dein Baby sich aufgebläht fühlt, und das Unwohlsein kann zu Weinen führen.
  • Nahrungsmittelallergien oder Milchunverträglichkeiten: Wenn du dein Baby stillst, kann es sein, dass dein Kleines empfindlich auf etwas in deiner Ernährung reagiert. Wenn dein Baby mit Flaschennahrung gefüttert wird, kann es empfindlich auf einen Inhaltsstoff in der Formel reagieren.
  • Rauchen in der Umgebung: Rauchen während der Schwangerschaft oder wenn dein Baby in der Wohnung Rauch ausgesetzt ist, kann die Aktivität und die optimale Funktion des Magen-Darm-Trakts deines Babys beeinträchtigen, was wiederum das Risiko von Koliken erhöhen kann. Ein rauchfreies Zuhause und eine rauchfreie Umgebung für dein Baby sind auch entscheidend, um dein Baby vor plötzlichem Kindstod (SIDS) und Atemwegserkrankungen zu schützen.
  • Familiärer Stress oder Spannungen.
  • Grunderkrankungen: In seltenen Fällen könnte es sein, dass dein Baby aufgrund eines medizinischen Problems wie eines Leistenbruchs oder einer Infektion kolikartige Schreie hat.

Diagnose von Dreimonatskoliken

Wenn Ihr Baby über längere Zeit mehr als zwei Stunden täglich schreit, sollten Sie zum Kinderarzt gehen, um auszuschließen, dass das Kleine krank ist oder Schmerzen hat.

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Der Kinderarzt wird Sie zunächst genauer über die Art und Weise des Schreiens ausfragen (Anamnese). Mögliche Fragen sind:

  • Wie häufig und zu welcher Tageszeit treten die Schreiattacken auf?
  • Wie lange dauern sie?
  • Gibt es einen Bezug zu den Mahlzeiten?
  • Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihr Baby zu beruhigen?

Außerdem wird Sie der Arzt zu Essgewohnheiten, Nahrung und Stuhlgang des Kindes befragen.

Dann wird er Ihr Kind untersuchen. So kann er beispielsweise feststellen, ob es an Verstopfung leidet oder eine Erkrankung wie Mittelohrentzündung oder Harnwegsinfektion hat. Auch ein eingeklemmter Leistenbruch kann das viele Schreien verursachen. Zur Diagnose solcher Krankheiten sind unter Umständen weitergehende Untersuchung wie Blut- und Stuhlanalysen nötig.

Ist keine körperliche Ursache feststellbar, handelt es sich vermutlich um ein Schreibaby.

Was hilft bei Dreimonatskoliken?

Ein Schreibaby kann sehr anstrengend sein und Sie als Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus führen. Machen Sie sich deshalb zuallererst bewusst, dass es sich um eine Phase handelt, die vorübergeht, und dass weder Sie noch Ihr Kind die "Schuld" dafür tragen.

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Sprechen Sie außerdem auf jeden Fall zunächst mit Ihrem Kinderarzt, um krankhafte Ursachen für das viele Schreien auszuschließen (siehe unten: "Dreimonatskoliken: Diagnose"). Beispielsweise könnten Unverträglichkeiten, etwa gegen Kuhmilch, hinter den Beschwerden stecken.

Stillbabys reagieren zudem oft empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel, welche die Mutter verzehrt. So kann es etwa helfen, wenn stillende Mütter auf stark blähende Speisen wie Zwiebeln, Kohl oder Hülsenfrüchte oder auf Kuhmilch verzichten. Am besten lässt man sich hier vom Kinderarzt oder von der Hebamme beraten.

Tipps zur Linderung der Beschwerden

Sind krankhafte Ursachen (wie Unverträglichkeiten) ausgeschlossen, können folgende Tipps die Dreimonatskolik beim Baby helfen:

  • Wechseln sie die Still- oder Fütterposition des Babys, wenn es schreit: Aufrechtes Sitzen beim Trinken kann verhindern, dass Ihr Kind nebenbei viel Luft schluckt. Legen Sie Ihr Baby so an, dass es mit dem Mund die komplette Brustwarze umschließen kann.
  • Achten Sie auf normale Trinkmengen, sorgfältiges Aufstoßen und die richtige Fütterungstechnik. Das lindert bei vielen Babys die Beschwerden. Stillen Sie nach Bedarf und suchen Sie Hilfe bei Ihrer Hebamme.
  • Oft helfen den geplagten Kleinen auch entblähende Tropfen aus der Apotheke - durch das viele Schreien schlucken sie oft eine Menge Luft. Auch entschäumende Medikamente wie das Lefax® Pump-Liquid können festsitzende Luft befreien und dem Baby Erleichterung verschaffen. Eine ganze Reihe von Mitteln enthält Simeticon (Entschäumer). Dieser Wirkstoff soll Bläschen auflösen, die sich aus unverdauter Milch oder verschluckter Luft im Magen-Darm-Trakt des Säuglings gebildet haben. Diese Mittel werden zu jeder Mahlzeit gegeben, helfen den Kindern aber nicht wirklich, die Milch besser zu verdauen.
  • Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf, um Ihrem Baby Ruhe und eine feste Struktur zu vermitteln. Natürlich kann auf Anhieb nicht alles funktionieren, ein möglichst geregelter Tagesablauf mit kleinen vorhersehbaren Routinen ist aber enorm wichtig. Legen Sie regelmäßige Zeiten fürs Füttern, Schlafen und Spielen fest. Reagieren Sie mit zunehmendem Alter des Kindes nicht jedes Mal sofort auf das Schreien - auch wenn es Ihnen schwerfällt.
  • Sorgen Sie für einen ruhigen Klangteppich: Singen Sie zum Beispiel ein Gutenachtlied oder spielen Sie beruhigende Geräusche wie Meeresrauschen über eine Smartphone-App ab. Monotone Hintergrundgeräusche, wie vom Staubsauger oder Föhn, empfinden viele Babys als angenehm. Es erinnert sie an ihre Zeit im Mutterleib, als sie noch umgeben von Herzschlag, Blutrauschen und Darmgeräuschen der Mutter waren. Tipp: Dieses sogenannte weiße Rauschen gibt es mittlerweile auch als App.
  • Die Stimmen der Eltern und Körperkontakt wirken auf Babys besonders beruhigend. Kuscheln Sie viel oder singen Sie für Ihr Kind. Auch Herumtragen mögen die Kleinen - im Fliegergriff oder bequem im Tragetuch.
  • Probieren Sie eine Babymassage oder ein warmes Bad aus. Streicheln Sie Ihr Baby, besonders das Bäuchlein im Uhrzeigersinn, und gönnen Sie ihm öfter mal ein warmes Bad.Warme Bäder können entspannend wirken und eine Kolik lösen.
  • Nutzen Sie einen Sauger mit kleinem Loch.
  • Manche Heilpflanzen wie Kümmel, Fenchel und Kamille enthalten lindernde Inhaltsstoffe. Fenchel- und Kamillentee können Sie bei Flaschenkindern einfach in die Milch mischen.

Weitere Hausmittel und alternative Behandlungsmethoden

  • Sanftes Streicheln über den Bauch im Uhrzeigersinn mit Fenchel-Kümmelöl, Winde-Öl oder Bäuchleinöl kann Erleichterung bringen.
  • Wärme spenden durch ein erwärmtes Kirschkernkissen. Hier vorher die Temperatur an der Handgelenksinnenseite testen.
  • Viele Eltern haben positive Erfahrungen mit einem Besuch beim Osteopathen gemacht. Dieser kann Verspannungen beim Kind entdecken und beseitigen. Das kommt auch der Verdauung zugute.
  • Vermuten Sie Blähungen bei Ihrem Kind, helfen häufig Bauchmassagen, Wärme oder der Fliegergriff.
  • Homöopathische Mittel, wie Chamomilla, Colocynthis und Belladonna Globuli, können durch den Placebo-Effekt Abhilfe schaffen.
  • Der Säugling sollte beim Trinken möglichst keine bis wenig Luft schlucken.
  • Feuchtwarme Auflagen mit teegetränkten Tüchern verwenden. Dazu Tee aus Anis und Fenchel oder aus Kümmel und Fenchel zubereiten. Einen Esslöffel der Saaten mit 0,5 Liter kochendem Wasser aufbrühen und zehn Minuten ziehen lassen. Das Baumwolltuch damit tränken und nach ausreichender Abkühlzeit auf den Bauch legen.
  • Positive Effekte auf die Darmflora haben natürlich vorkommende Milchsäurebakterien wie der aus der Muttermilch stammende Lactobacillus reuteri. Sind förderliche Bakterien wie der L. reuteri oder andere Muttermilchkeime in ausreichender Menge vorhanden, verbessert dies nicht nur den Aufbau und die Zusammensetzung der Darmflora. Babys können dann auch besser Nährstoffe aufnehmen. Tatsächlich können Sie den Aufbau einer gesunden Darmflora wesentlich unterstützen, indem Sie Ihr Baby stillen oder ihm förderliche Bakterienkulturen geben.

Was Sie vermeiden sollten

  • Wechseln Sie beim Ausprobieren nicht zu oft und nicht zu schnell. Beobachten Sie immer wieder Ihr Kind, manchmal hilft tatsächlich erst einmal gar nichts.
  • Verzichten Sie auf blähende Lebensmittel in Ihrer Ernährung, wenn Sie stillen. Zwiebeln, Knoblauch und Hülsenfrüchte können bei Ihrem Baby zu Koliken führen.
  • Vermeiden Sie Stress und schaffen Sie eine ruhige Umgebung für Ihr Baby. Ein Säugling bekommt bereits im Mutterleib viel von seiner Außenwelt mit. Dennoch stürzen nach der Geburt eine enorme Vielzahl von Reizen auf ihn ein. Zu viele Geräusche, ständig wechselndes Licht und unterschiedlichste Gerüche können zu einer starken Überreizung führen. Beobachten Sie also Ihr Kind und schützen Sie es vor unnötigem Stress.
  • Abgesehen von der allgemein schädlichen Wirkung des Tabakrauchens (insbesondere auch in der Schwangerschaft!) scheint Rauchen sehr wahrscheinlich Blähungen beim Säugling hervorzurufen.
  • Manchmal schütteln Eltern ihr schreiendes Baby aus Stress und Verzweiflung. Tun Sie das niemals! Schon kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod führen.

Unterstützung suchen

Wenn nichts hilft und Sie merken, dass es Ihnen zu viel wird, bitten Sie Familienangehörige oder Freunde um Unterstützung. So können Sie sich zwischendurch kurze Erholungszeiten gönnen.

Eine wichtige Anlaufstelle sind zudem Schreiambulanzen, die vielen Kliniken, Arztpraxen und Erziehungsberatungsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angegliedert sind. Es handelt sich dabei um spezielle Beratungsstellen für Eltern von Schreibabys. Sie bieten verschiedene therapeutische Ansätze an. Das Ziel ist vor allem, das Selbstvertrauen der Eltern zu stärken, wodurch diese lernen, das Verhalten ihres Kindes besser zu interpretieren.

In schweren Fällen kann eine Beziehungsanalyse mit Video-Feedback oder eine Eltern-Kind-Psychotherapie sinnvoll sein: So lassen sich zum Beispiel die Verhaltensweisen von Eltern und Baby analysieren und mögliche Missverständnisse in der Kommunikation aufdecken.

Medikamente, Akupunktur & Co.

Medikamente wie Schmerz- oder Beruhigungsmittel sind nicht zur Behandlung der Schreiattacken geeignet. Im Gegenteil - sie können dem Baby eher schaden. Krampflösende Medikamente (Anticholinergika) verlangsamen die verstärkte Peristaltik im Darm. Ein Problem stellen jedoch die möglichen unerwünschten Wirkungen dar, daher sollte die Gabe nur in Rücksprache mit den behandelnden Kinderärzt:innen erfolgen.

Alternative Heilmittel wie Pfefferminzpräparate oder Akupunktur werden zwar oft genutzt, ihre Wirksamkeit zur Behandlung von Dreimonatskoliken bzw. Regulationsstörungen konnte in Studien jedoch nicht belegt werden. Dieselben Studien zeigen aber, dass diese Mittel dem Baby wohl zumindest nicht schaden.

Am ehesten scheinen Studien zufolge chiropraktische Behandlungen der Wirbelsäule sowie Probiotika und Fenchelextrakt zu helfen. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Kinderarzt, bevor Sie auf diese Mittel und Methoden zurückgreifen.

Prognose

Dreimonatskoliken sind eine harmlose Erscheinung, die nach einiger Zeit von selbst vergeht. Für die Eltern ist diese Zeit jedoch sehr anstrengend. So leiden die meisten Mütter von Schreibabys unter einem chronischen Erschöpfungs- und Überforderungssyndrom.

Risiko: Schütteltrauma

Schreibabys können ihre Eltern über die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen - oft mit fatalen Folgen: Studien zufolge sind Schreibabys besonders gefährdet, ein potenziell tödliches Schütteltrauma zu erleiden, weil unwissende, gestresste Eltern es in ihrer Verzweiflung schütteln, um das brüllende Kind "wieder zur Besinnung" zu bringen.

Aber: Die Nackenmuskulatur ist bei Babys noch schwach, der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper relativ schwer. Hält man nun einen Säugling am Oberkörper und schüttelt ihn, schleudert der kleine Kopf hin und her - das Gehirn wird durchgerüttelt, wodurch Blutgefäße und Nervenbahnen reißen können. Hirnblutungen und -verletzungen sowie Sehstörungen oder Blindheit (durch Blutungen an der Netzhaut) sind die möglichen Folgen.

Pro Jahr gibt es allein in Deutschland etwa 400 Fälle von Schütteltrauma. In Österreich und der Schweiz liegt die Zahl - der geringeren Bevölkerungsgröße entsprechend - niedriger. Ein Viertel der betroffenen Kinder stirbt an dem Schütteltrauma, viele andere tragen schwere Folgeschäden davon.

Suchen Sie sich also unbedingt rechtzeitig Unterstützung, wenn Sie merken, dass Sie mit Ihrem Schreibaby überfordert sind. Und so schwer es in der akuten Situation auch fallen mag: Versuchen Sie, ruhig und gelassen zu bleiben - in der Gewissheit, dass die Schreibphase Ihres Kindes irgendwann vorbei ist.

Vorbeugung

Verhindern lassen sich Dreimonatskoliken (Regulationsstörungen) beim Baby nicht. Versuchen Sie aber, von Anfang an einige Tipps zum richtigen Füttern und Umgang mit Ihrem Baby zu berücksichtigen. Führen Sie zudem schon bald nach der Geburt einen geregelten Tagesablauf ein. Die Kinder brauchen die gleichbleibende Routine, weil sie ihnen Halt und Ruhe gibt - und das wirkt sich positiv auf die Verdauung und das Schreiverhalten aus.

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