In der heutigen digitalen Welt sind Smartphones und Tablets allgegenwärtig. Sie sind Werkzeuge für Kommunikation, Information und Unterhaltung. Doch wie beeinflussen diese Geräte unser Verhalten und unser Wohlbefinden? Dieser Artikel beleuchtet die Mechanismen hinter der Nutzung von Social Media und die Rolle des Belohnungszentrums im Gehirn, insbesondere im Zusammenhang mit Apple-Produkten wie dem iPad.
Karneval, Aschermittwoch und der digitale Entzug
Ich wohne im Rheinland, wo Karneval eine wichtige Tradition ist. Historisch gesehen ist Karneval die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und zum Osterfest wieder endet. In den Tagen vor Aschermittwoch habe ich mir einige Gedanken über meine Smartphone-Nutzung gemacht und mir die Apple iPhone Bildschirmzeit-Funktion genauer angeschaut. Am Aschermittwoch beschloss ich, alle Social-Media-Apps von meinem iPhone zu löschen.
Nachdem ich die Apps von meinem Smartphone gelöscht hatte, entschied ich mich zusätzlich, niemandem von meiner Fastenzeit zu erzählen, da ich skeptisch war, wie lange ich durchhalten würde. Insgeheim gab ich mir selbst maximal zwei Wochen.
Cold Turkey und die Social-Media-"Substanz"
Sicher habt ihr auch schon mal den Begriff „Cold Turkey“ gehört. Zu Deutsch spricht man gerne vom kalten Entzug. Gemeint ist damit ein plötzliches Absetzen von körperlich abhängig machenden Substanzen wie Alkohol oder Opiaten. Dass auch Social Media eine solche „Substanz“ sein kann, ist mir direkt am ersten Tag sehr deutlich aufgefallen. Konsequenz eines kalten Entzugs sind seelische oder auch körperliche Entzugssyndrome, die je nach Suchtmittel und Ausprägung der Abhängigkeit stark variieren können.
Ich persönlich habe mich am Anfang des Selbstversuchs für nicht besonders abhängig gehalten. Doch ich war abhängiger, als ich für möglich gehalten habe. Es ist jetzt nicht so, dass ich körperliche Entzugserscheinungen gehabt hätte, aber seelisch bzw. mental sah die Sache schon ganz anders aus. In den ersten Tagen habe ich sehr oft das Handy in die Hand genommen und es vielleicht sogar entsperrt, nur um dann zu merken, dass ich eigentlich gerade gar nicht weiß, warum ich es eigentlich in der Hand halte. Neben dem Entzug auf dem Smartphone habe ich mir auch vorgenommen, alle sozialen Netzwerke auf dem PC zu meiden.
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Das FOMO-Phänomen
Die größten Schwierigkeiten hat mir das so genannte FOMO-Phänomen bereitet. FOMO steht für Fear of missing out, zu Deutsch: Angst, etwas zu verpassen. Dabei handelt es nicht wirklich um ein neues Phänomen. Die Sorge, etwas zu verpassen, ist so alt wie die Gesellschaft selbst. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist ein menschliches Bedürfnis, sodass das Gefühl zu fehlen Unbehagen auslösen kann. Technische Geräte und Social Media haben diese Angst noch deutlich verstärkt. Viele Menschen verspüren einen Druck, ständig im Netz dabei sein zu müssen. Dass die Medien jederzeit zugänglich sind, führt dazu, dass die Gesellschaft jederzeit und auch ortsunabhängig erreichbar ist.
Beim Fasten ist mir dann auch aufgefallen, wie die Sozialen Netzwerke dafür sorgen, dass man auch ja möglichst oft und viel Zeit auf ihnen verbringt. Heute ist das mehr oder weniger allgemein akzeptiert, dass Posts nach einer undurchschaubaren Anordnung präsentiert werden. Ein Effekt davon ist, dass man ggf. Ein anderer ist, dass hierdurch bei jedem neuen Öffnen der App ein neues Bouquet an Posts und Bildern präsentiert wird.
Das Belohnungszentrum im Gehirn und Social Media
Primitiv, wie unser Gehirn ist, freut es sich einen Ast und sorgt dafür, dass das Belohnungszentrum im Gehirn reagiert. Schließlich sehen wir schöne neue bunte Sachen und das mag das Gehirn. Das führt natürlich dazu, dass viele von uns ständig das Handy in die Hand nehmen, um mal eben durch den Feed zu wischen und zu schauen, was sich alles so getan hat und damit wir bloß nix verpassen. Interessant fand ich bei meiner Recherche zu dem Thema, dass FOMO sowohl bei Menschen auftritt, die soziale Medien nur gelegentlich verwenden, als auch bei denen, die es exzessiv nutzen.
Warum posten wir?
Meiner Meinung nach haben Trends wie zum Beispiel Instagram-Stories den Effekt noch mal um einiges verstärkt. Zumindest ich hatte oft in der Vergangenheit dazu tendiert, viel mehr über mein Leben bei Stories zu posten als je zuvor. Das angenehme bei Stories war ja, das sie nach 24h wieder verschwinden und je nach Hashtag hatte man auch als normaler User die Chance auf tausende Views. Rückbetrachtend habe ich fünf der sieben Symptome erfüllt. Ich kann noch nicht mal behaupten, dass mich zum Beispiel das Rumhängen auf Instagram besonders glücklich gemacht hat. Als ich mit Instagram angefangen habe, war es vor allem für mich als eine Art Bilderbuch mit schönen Momenten und Erinnerungen gedacht. Wenn ich mir das Ganze jetzt so ansehe, bin ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob das nur noch der einzige Grund zum Posten war. Gerade bei den Stories wollte man doch irgendwie allen zeigen, was man für ein schönes Leben hat. Sicher ist dies nicht ausschließlich der Grund für einen Post, aber wenn ich das jetzt reflektiere, dann habe ich doch immer nur ein Best-Of aus meinem Leben gepostet.
Sozial Media - Gut oder Böse?
Ich habe die Fastenzeit tatsächlich komplett durchgehalten und auf die Apps auf meinem Handy verzichtet. Nachdem ich die ersten zwei/drei Wochen überstanden hatte, merkte ich schnell, dass es mir sogar gut getan hat, auf die Apps zu verzichten. Bei der Arbeit habe ich kaum noch auf das Handy geschaut, teilweise habe ich das Smartphone sogar liegen lassen, wenn ich mal kurz weggegangen bin - eine Sache, die mir sonst nie passiert ist. Meine größte Sorge, dass ich weniger Umgang mit meinen Freunden haben würde, hat sich auch nicht bestätigt. Tatsächlich hat sich keiner bei mir gemeldet und gefragt, ob alles bei mir gut sei. Das hat mich vielleicht ein wenig schockiert. Abgesehen davon bin dazu übergegangen, Freunde anzurufen und mich mit denen im echten Leben zu treffen. Tatsächlich häufiger als zuvor. Spannend und komplett neu für mich war die Erfahrung, dass ich gar nicht wusste, was die so gemacht haben und die auch nicht wussten, wo ich so war und was ich erlebt habe. Das war in der Vergangenheit anders.
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Was mich bei dem ganzen Experiment aber am meisten überrascht hat ist die Tatsache, dass ich mir nach Ostern keine der oben genannten Apps wieder auf meinem Handy installiert habe. Ich habe die Apps auf meinem iPad und schaue dort abends mal gelegentlich rein. Auch an meinem Arbeitsrechner schaue ich immer mal wieder auf den Seiten kurz rein. Der Hauptunterschied zu früher ist, dass ich es jetzt ganz bewusst mache. Ich hab nach langer Zeit auch wieder mal was gepostet. Tatsächlich, weil das Grillen gestern ein schöner Moment für mich war. Was mir aufgefallen ist: Wie ich dann nach dem Post doch unruhig wurde, weil ich wissen wollte, wie viele Likes das Bild wohl bekommen würde und von wem. Klar habe ich das auch nachgesehen, aber nicht wie früher alle fünf Minuten, sondern einfach abends, als ich das iPad eh wieder in der Hand hatte.
Das iPad als bewusste Alternative?
Das iPad kann eine bewusstere Alternative zum Smartphone sein, da es oft weniger impulsiv genutzt wird. Die größere Bildschirmfläche lädt eher zum Konsumieren von Inhalten als zum ständigen Checken von Benachrichtigungen ein. Dennoch ist es wichtig, auch die Nutzung des iPads kritisch zu hinterfragen und Strategien für einen bewussten Umgang zu entwickeln.
Strategien für einen bewussten Umgang mit Social Media
- Bildschirmzeit-Funktionen nutzen: Sowohl iPhones als auch iPads verfügen über integrierte Bildschirmzeit-Funktionen, mit denen du deine Nutzung überwachen und Limits setzen kannst.
- Benachrichtigungen deaktivieren: Schalte Benachrichtigungen für Social-Media-Apps aus, um Ablenkungen zu reduzieren.
- Feste Zeiten für Social Media: Lege bestimmte Zeiten am Tag fest, in denen du Social Media nutzt, und halte dich daran.
- Digitale Diät: Probiere eine digitale Diät aus, bei der du für einen bestimmten Zeitraum komplett auf Social Media verzichtest.
- App Blocker: Nutze App Blocker, um dich von ablenkenden Apps fernzuhalten.
- Achtsamkeit: Übe dich in Achtsamkeit, um deine Gewohnheiten und dein Verhalten bewusst wahrzunehmen.
- Alternativen suchen: Finde alternative Aktivitäten, die dir Freude bereiten und dich von Social Media ablenken.
- Freunde treffen: Verabrede dich mit Freunden im echten Leben, anstatt nur online zu kommunizieren.
Technik als Erweiterung der Sinne, nicht als Ablenkung
Technik sollte unser Leben schöner machen, nicht noch mehr Arbeit. Geräte, die Spaß machen, nicht noch mehr Stress. Das iPad Pro mit Magic Keyboard kann ein solches Gerät sein, wenn es bewusst und gezielt eingesetzt wird. Es kann ein Werkzeug für Kreativität, Produktivität und Unterhaltung sein, ohne uns von unseren eigentlichen Zielen abzulenken.
Das Apple iPad Pro als MacBook-Ersatz?
Die Frage, ob das iPad Pro den Laptop ersetzen kann, ist berechtigt. Für viele Web-Arbeiter könnte das iPad Pro mit Magic Keyboard eine vollwertige Alternative sein. Es bietet Multitasking, die Arbeit mit Dateien und die Möglichkeit, es als Surf- und Entertainment-Maschine zu nutzen.
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