Das automatische Gehirn: Funktionsweise, Macht und Bedeutung für moderne Arbeitskultur

Die Funktionsweise unseres Gehirns ist ein faszinierendes und komplexes Thema. Die Dokumentation „Das automatische Gehirn“ von ARTE beleuchtet auf anschauliche Weise, wie unser Unterbewusstsein einen Großteil unserer täglichen Handlungen steuert und wie dieses Wissen für moderne Führung und eine gesunde Arbeitskultur genutzt werden kann.

Das Prinzip des automatischen Gehirns

Über 90 Prozent unserer täglichen Handlungen werden vom Unterbewusstsein gesteuert. Wir laufen also oft im Autopiloten, auch wenn wir wach sind. Das ist auch gut so, denn das Unterbewusstsein ist um ein Vielfaches schneller und spontaner als der Verstand. Es reagiert in etwa 200 Millisekunden, während der Verstand deutlich langsamer ist und oft nur das begründet, was bereits gefühlt wird.

Während der Verstand seriell arbeitet, kann das Unterbewusstsein parallel komplexe Sachverhalte in rasender Geschwindigkeit bewerten. Es wird auch als „emotionales Erfahrungsgedächtnis“ bezeichnet und speichert vorgeburtliche Erfahrungen. Bewusste Erlebnisse und Erfahrungen setzen erst mit dem zweiten Lebensjahr ein.

Das Unterbewusstsein kommuniziert in Bildern, während Sprache ein abstraktes Konzept des Verstandes ist. Um erfolgreich mit dem Unterbewusstsein zu kommunizieren, benötigt man Bilder. Dies ist vor allem für die Ziel- und Visionsarbeit relevant.

Die Macht des Unbewussten

Der zweite Teil der Dokumentation zeigt, wie viel Macht das Unbewusste über uns hat und wie wenig Einfluss der Verstand auf unsere Entscheidungen nimmt. Dies wird durch Experimente und Beispiele aus dem Alltag verdeutlicht.

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Routinen und Rituale: Zeitmanagement für das Gehirn

Jeder von uns trifft täglich Tausende von Entscheidungen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie laufen eingeübt und automatisiert als Gewohnheiten ab. Routinen und Rituale ermöglichen es unserem Gehirn, vieles im Autopiloten zu bewerkstelligen und sich Aufwand zu ersparen. Experten schätzen, dass 30 bis 50 Prozent unserer täglichen Handlungen kognitiv relativ passive Wiederholungshandlungen sind.

„Im Grunde ist eine Gewohnheit ein repetitives Verhalten, das ab einem bestimmten Punkt automatisch abläuft und von bestimmten Umweltreizen ausgelöst wird“, erklärt der Sozialpsychologe Bas Verplanken. Unser Alltag würde ohne solche Routinehandlungen schlichtweg nicht existieren.

Gewohnheiten funktionieren wie Antworten auf bestimmte Auslösereize in unserer Umwelt. Das kann eine bestimmte Uhrzeit, ein bestimmter Ort oder eine bestimmte Situation während der Interaktion mit anderen Menschen sein. Auch ein körperlicher Auslöser wie Hunger kann eine Gewohnheit auslösen.

In unserem Gehirn wird dann ein bewährtes Muster abgespult, bestehend aus Auslösereiz, Routinehandlung und Belohnung. Zuständig für diese Abläufe sind die Basalganglien, tief im Großhirn liegende Kernbereiche, in denen quasi-automatisierte Prozesse wie die Bewegungskoordination und affektgesteuerte Handlungsmuster abgespeichert sind.

Schlechte Angewohnheiten loswerden

Gewohnheiten sind sehr praktisch, weil sie keine bewusste Kontrolle erfordern. Aber genau darin liegt auch ihre Tücke: Was wir nicht kontrollieren können, ist schwer wieder loszuwerden. Oft erkennen wir das Muster dahinter nicht. Dazu kommt, dass viele Gewohnheiten fest mit den Strukturen unseres Alltags verwoben sind und so immer wieder ausgelöst werden.

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Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten. „Die Mechanismen sind dieselben“, sagt Bas Verplanken. „Gewohnheiten nutzen uns immer irgendwie oder geben uns eine Art von Befriedigung.“

Um schlechte Angewohnheiten loszuwerden, ist es wichtig, den Auslösereiz zu identifizieren, die Motivation zu definieren, Handlungsalternativen zu entwickeln, die Umgebung/Bedingungen zu verändern, Verhaltensroutinen zu planen und Belohnungen zu schaffen.

Gewohnheiten und soziale Normen

Gewohnheiten sind eng verwoben mit unserem Alltag und damit auch unserem kulturellen Umfeld. Verhaltensnormen sind Gewohnheiten, die gemeinschaftlich eingeübt sind. Gewohnheiten sind generell oft ein soziales Phänomen.

Die Pandemie hat gezeigt, was passiert, wenn Gewohnheiten plötzlich erschüttert werden. „Wir haben nicht mehr wie vorher mit den Menschen um uns herum interagiert, wir konnten bestimmte Dinge nicht mehr unternehmen. Emotional und körperlich war das für uns sehr anstrengend. Daran sieht man, wie wichtig Gewohnheiten sind“, so Bas Verplanken.

Krisen als Chance für neue Gewohnheiten

Krisen können auch eine Chance sein, neue Gewohnheiten herauszubilden. „Wenn wir große Umwälzungen erleben - ein Umzug, eine neue Beziehung oder ein wirtschaftlicher Einbruch - dann ist das immer eine Gelegenheit, neue Gewohnheiten herauszubilden“, sagt Bas Verplanken.

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Moderne Organisationen brauchen "Gehirn"

Ein Verständnis über die Funktionsweise des Gehirns und ein adäquater Umgang mit den neurobiologischen Grundbedürfnissen von uns Menschen sind ein Eckpfeiler einer modernen Arbeitskultur. Wie das SCARF Modell zeigt, kann Lernen und Kooperation nur gelingen, wenn wir uns sicher und verbunden fühlen.

Die Bedeutung des Unterbewusstseins für Führung

Das Wissen um die Funktionsweise des Unterbewusstseins ist auch für Führungskräfte von Bedeutung. Wer versteht, wie das Unterbewusstsein Entscheidungen beeinflusst, kann Mitarbeiter besser motivieren und eine positive Arbeitsumgebung schaffen.

Das automatische Gehirn und die Medien

Andreas Fennel schneidet regelmäßig TV-Beiträge für ARD und WDR, die sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzen, darunter auch solche, die mit dem Unterbewusstsein und automatischen Prozessen im Gehirn in Verbindung stehen könnten. So schneidet er beispielsweise Beiträge über neuartige Kaffeespezialitäten, die gerade extrem trenden und sogar gesund sein sollen, oder über Cloud Gaming, was beides Themen sind, die stark von psychologischen Faktoren und Gewohnheiten beeinflusst werden.

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