Vor einer medizinischen Behandlung ist eine umfassende Aufklärung der Patient*innen unerlässlich. Dies beinhaltet die Erläuterung des geplanten Eingriffs, dessen Notwendigkeit, möglicher Komplikationen sowie Art und Schwere des Eingriffs. Auch Behandlungsalternativen und individuelle Besonderheiten müssen angesprochen werden. Ohne diese vollständige Aufklärung ist die Einwilligung des Patienten nicht wirksam und der Eingriff somit rechtswidrig. Aufklärungsbögen dienen hierbei als unterstützendes Werkzeug im Arzt-Patienten-Gespräch.
Die Bedeutung der Aufklärung vor einer Lumbalpunktion
Die Lumbalpunktion, auch bekannt als Liquorpunktion, ist ein diagnostischer und therapeutischer Eingriff, bei dem eine Nadel in den Lendenwirbelbereich eingeführt wird, um eine kleine Menge Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) zu entnehmen. Diese Flüssigkeit umgibt Gehirn und Rückenmark und dient als Schutz vor Erschütterungen. Die gewonnene Probe wird anschließend im Labor untersucht, um verschiedene Erkrankungen des Nervensystems zu diagnostizieren oder auszuschließen.
Indikationen für eine Lumbalpunktion
Eine Lumbalpunktion wird in verschiedenen Situationen in Betracht gezogen, darunter:
- Diagnostik von Entzündungen: Hirnhautentzündung (Meningitis), Hirnentzündung (Enzephalitis), Rückenmarkentzündung (Myelitis).
- Diagnostik von Blutungen: Hirnblutungen.
- Diagnostik neurodegenerativer Erkrankungen: Demenzerkrankungen.
- Diagnostik von Krebserkrankungen: Blutkrebs (Leukämie).
- Diagnostik von Autoimmunerkrankungen: Multiple Sklerose.
Neben der diagnostischen Anwendung kann die Lumbalpunktion auch therapeutisch genutzt werden, beispielsweise zur Verabreichung von Medikamenten wie Lokalanästhetika, Antibiotika oder Krebsmedikamenten direkt ins Nervensystem.
Der Aufklärungsprozess im Detail
Ein standardisierter Aufklärungsbogen dient als Grundlage für das Arzt-Patienten-Gespräch. Dieser Bogen enthält in der Regel folgende Abschnitte:
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Informationsteil
Dieser Teil des Bogens bietet eine umfassende und verständliche Beschreibung des Eingriffs, seiner Notwendigkeit und möglicher Erweiterungen. Patient*innen werden über Risiken, Komplikationen sowie Verhaltenshinweise vor und nach dem Eingriff informiert. Der Bogen „Lumbalpunktion (Neu 1)“ beschreibt die Entnahme von Nervenwasser (Liquor), um Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks oder Demenz nachzuweisen oder auszuschließen.
Anamneseteil
Hier werden allgemeine Informationen wie Alter, Größe etc. abgefragt. Zudem werden der Gesundheitszustand, relevante Vorerkrankungen und mögliche Allergien erfasst. Vor einer Lumbalpunktion prüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Blutgerinnung normal ist, um Blutungen vorzubeugen.
Dokumentationsteil
In diesem Abschnitt werden ärztliche Anmerkungen zum Aufklärungsgespräch festgehalten. Auch die Einwilligungserklärung ist hier eingebunden. Unterlagen, die Patientinnen im Zusammenhang mit der Aufklärung und Einwilligung unterzeichnet hat, sind als Kopie auszuhändigen. Nachträgliche Ergänzungen müssen in jedem Fall erkennbar sein. Sie sollten keinesfalls nur einen Teil des Bogens aushändigen. Sollten Patientinnen auf die Aushändigung der Unterlagen verzichten, sollte dies ebenfalls sorgfältig dokumentiert werden. Sie dürfen einen ausgefüllten und unterschriebenen Aufklärungsbogen kopieren und Ihren Patient*innen übergeben. Dies dient keinem Erwerbszweck.
Ablauf der Lumbalpunktion
Die Untersuchung findet meist in einer Klinik statt, mittlerweile wird sie aber auch in einigen neurologischen Praxen ambulant durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt führt eine feine Hohlnadel im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule ein, meist zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel. Die Dornfortsätze der Wirbel können in der unteren Wirbelsäule gut ertastet werden. Damit die Nadel genug Platz findet, müssen die Wirbel möglichst weit auseinandergezogen, der Rücken also stark gebeugt werden. Das geht am besten mit einer Art Katzenbuckel im Sitzen oder seitlich im Liegen.
Die Haut wird an der Einstichstelle betäubt und desinfiziert. Nach dem Einstich schiebt die Ärztin oder der Arzt die Nadel etwa 3 bis 4 Zentimeter tief zwischen zwei Wirbel bis nahe ans Rückenmark vor. Das Nervenwasser tropft von selbst durch die Hohlnadel in ein Röhrchen. Meistens werden 10 bis 15 Milliliter Nervenwasser entnommen. Zum Schluss wird die Nadel vorsichtig herausgezogen und die Einstichstelle mit etwas Druck verbunden, damit sich die Wunde schnell wieder schließt. Insgesamt dauert eine Punktion etwa eine Viertelstunde.
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Wichtig ist, danach für mindestens eine Stunde zu liegen, sich ungefähr 24 Stunden zu schonen und viel zu trinken. Weil ein Bluterguss im Wirbelkanal auf Nerven drücken kann, kontrolliert die Ärztin oder der Arzt einige Stunden später die Einstichstelle und ob man die Beine bewegen kann. Normalerweise bleibt man bei einer Lumbalpunktion mindestens 1 Stunde, meist aber bis zu 4 Stunden in der Klinik oder Praxis.
Untersuchung des Liquors
Das Nervenwasser wird auf seine Farbe und einzelne Bestandteile untersucht. In der Regel ist es klar wie Wasser; ist es blutig oder trüb, kann das ein Zeichen für eine Blutung oder eine Entzündung im Gehirn sein. Im Labor wird analysiert, ob die Zahl der Zellen im Nervenwasser oder die Zusammensetzung seiner Bestandteile wie Eiweiße, Glukose und Laktat, verändert ist.
- Zellzahl: Normalerweise enthält der Liquor kaum Zellen. Sind viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten) vorhanden, könnte das auf eine Entzündung wie eine Meningitis (Hirnhautentzündung) hindeuten.
- Eiweißgehalt (Proteine): Ein erhöhter Eiweißwert kann ein Zeichen für eine Entzündung, eine Verletzung oder eine Krankheit wie Multiple Sklerose sein.
- Glukose (Zucker): Der Zuckerwert im Liquor sollte ähnlich wie im Blut sein.
Mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen
Normalerweise birgt die Lumbalpunktion keine größeren Risiken. Im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule enthält der Wirbelkanal nur noch Flüssigkeit, da das Rückenmark bereits weiter oben endet. Es kann deshalb nicht verletzt werden.
Für kurze Zeit können Schmerzen auftreten: beim Einstich und falls die Nadel tiefer im Gewebe eine Nervenwurzel berührt. Dann strahlt der Schmerz in ein Bein aus, klingt aber sofort wieder ab.
Einige Stunden oder auch Tage nach der Punktion kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, einem hohen Puls oder niedrigem Blutdruck kommen. Medizinisch wird dies als „postpunktuelles Syndrom“ zusammengefasst. Diese Nachwirkungen klingen aber in der Regel nach etwa fünf Tagen ab. Postpunktioneller Kopfschmerz ist die häufigste relevante Nebenwirkung. Atraumatische LP-Nadel (z. B. atraumatisch) können das Risiko reduzieren.
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Fremdsprachige Aufklärungsbögen
Um eine umfassende Aufklärung aller Patient*innen zu gewährleisten, ist es wichtig, dass Aufklärungsbögen in verschiedenen Sprachen verfügbar sind. Die Übersetzung der Aufklärungsbögen ist in bis zu 17 Sprachen möglich: Arabisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch, Ukrainisch, Ungarisch und Slowenisch.
Rechtliche Aspekte der Aufklärung
Das Patientenrechtegesetz stärkt die Rechte der Patient*innen, schafft Transparenz und verbessert die Patienteninformation. Ohne vollständige Aufklärung ist die Einwilligung nicht wirksam und der Eingriff rechtswidrig.
Die Rolle der Digitalisierung
Digital steht Ihnen unser gesamtes Sortiment an Aufklärungsbögen, inklusive aller fremdsprachigen Bögen, im Webshop zur Verfügung. Im Webshop und im Grundmodul der Software E-ConsentPro drucken Sie den Aufklärungsbogen. Die Handhabung der Bogenkopie bleibt gleich. Beim Zusatzmodul E-ConsentPro mobile unterschreiben Ärztin und Patientin auf dem mobilen Endgerät.
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