Ein Schlaganfall, medizinisch als Apoplex bezeichnet, stellt eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns dar. Diese Störung kann entweder durch einen Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Die Symptome eines Schlaganfalls, wie beispielsweise Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen oder Sprachverlust, sind die Folge einer unzureichenden Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen, was zum Absterben von Nervenzellen im betroffenen Areal führt.
Ursachen und Arten von Schlaganfällen
Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:
- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Hierbei wird ein Gefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verstopft, wodurch das Hirngewebe dahinter nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. In etwa 75-80% der Fälle geht ein Schlaganfall auf einen Verschluss eines Hirngefäßes zurück. Gefäßverschlüsse sind also die mit Abstand häufigste Ursache.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Dabei platzt ein Blutgefäß, und es tritt Blut ins Gehirn aus - entweder ins Hirngewebe (intrazerebral) oder in die Hirnhäute (Subarachnoidalblutung). Die häufigste Form ist die sogenannte intrazerebrale Blutung, also eine Einblutung direkt ins Gehirngewebe. Dabei platzt meist ein kleines Blutgefäß im Inneren des Gehirns - häufig infolge von Bluthochdruck.
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, erhöhen. Einige davon sind nicht zu beeinflussen, wie das Alter oder die genetische Veranlagung. Geschwister, deren Bruder oder Schwester einen Schlaganfall erlitten, sind selbst stark gefährdet, ebenfalls einen Schlaganfall zu bekommen. War der Schlaganfallpatient ein Vollgeschwister, lag die Risikoerhöhung bei 64%, handelte es sich um eine Halbschwester oder einen Halbbruder, stieg das Risiko um 41%. Trat der Schlaganfall bei einem Geschwister vor dem 55. Lebensjahr auf, lag das Schlaganfallrisiko sogar 6-fach höher.
Andere Risikofaktoren sind jedoch beeinflussbar, wie beispielsweise:
- Fettstoffwechselstörungen: Östrogen hat einen gewissen gefäßschützenden Effekt, weil es den Anteil des HDL-Cholesterins im Blut erhöht. Das HDL (High Density Lipoprotein) nimmt überschüssiges Fett in Blutgefäßen auf und transportiert es zur Leber.
- Bluthochdruck (Hypertonie): Die häufigste Ursache für eine Hirnblutung ist ein zu hoher Blutdruck, der die Hirngefäße schädigt.
- Lebensstil: Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht.
Interessanterweise ist das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, zwischen 6.00 Uhr und 8.00 Uhr am höchsten, sowohl morgens als auch abends (dann 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr). Als mögliche Erklärung führen die Wissenschaftler den Blutdruck an, der nämlich morgens oft am höchsten ist, dann abflaut und abends wieder ansteigt.
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Symptome eines Schlaganfalls
Die Symptome eines Schlaganfalls treten schlagartig und meist aus völligem Wohlbefinden heraus ohne Vorboten auf. Typisch sind Beschwerden, die schlagartig und meist aus völligem Wohlbefinden heraus ohne Vorboten auftreten (Schlaganfall). Häufig sind zusätzlich Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen vorhanden.
Da sich die vom Gehirn abgehenden Nervenstränge überkreuzen und jeweils zur entgegengesetzten Körperhälfte ziehen, führt ein Schlaganfallschaden in der rechten Hirnhälfte zu Ausfallerscheinungen der linken Körperhälfte.
Einige typische Symptome sind:
- Plötzliche Lähmungen oder Taubheitsgefühle, insbesondere in einer Körperhälfte
- Sprachstörungen (verwaschene, undeutliche Sprache, Wortfindungsstörungen)
- Sehstörungen
- Bewusstlosigkeit
Es ist wichtig zu beachten, dass sich nicht jeder Schlaganfall sofort wie ein Notfall äußert. All diese Symptome können erste Hinweise auf einen Schlaganfall bzw. einen herannahenden Schlaganfall sein. Um so schneller dann der Rettungsdienst verständigt wird und der oder die Betroffene in der Klinik eintrifft, um so größer die Chancen auf einen milden Verlauf.
Diagnose eines Schlaganfalls
Die Diagnose Schlaganfall ist zwar oft schon anhand der Vorkommnisse und des Beschwerdebildes relativ eindeutig. Diese "beweisenden" Untersuchungen sind entweder eine Computertomographie (CT) oder eine Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie = MRT) des Kopfes. Die Computertomographie (CCT) des Gehirns ist die wichtigste apparative Untersuchung bei Schlaganfall-Patienten. Sie muss unverzüglich durchgeführt werden. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann die CCT ersetzen, wenn sie rasch zur Verfügung steht und eine Gradienten-Echo-Sequenz zum Blutungsausschluss durchgeführt wird. Sie ist der Computertomographie im Nachweis von frühen Stadien der verminderten bzw.
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Die Doppler-Sonographie ist ein spezielles Ultraschall-Verfahren, mit dem sich Blutströme innerhalb der Gefäße messen lassen.
Behandlung eines hämorrhagischen Schlaganfalls
Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab. Entscheidend bei einem hämorrhagischen Schlaganfall ist, den Druck der Blutung auf das umgebende Hirngewebe möglichst rasch zu verringern. Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall (Schlaganfall durch Hirnblutung) ist das wesentliche Ziel der Akutbehandlung ja, die Blutung zu stoppen und den Bluterguss zu entfernen.
Die Behandlung von Menschen mit einem akuten Schlaganfall erfolgt idealerweise in einer darauf spezialisierten Klinik mit einer Spezialstation für Schlaganfall-Betroffene, einer sogenannten Stroke Unit (engl.
Wenn der Schlaganfall auf einem Gefäßverschluss beruht, spricht man von einem ischämischen Schlaganfall (Ischämie = Gefäßverschluss). Unter Thrombolyse versteht man die (medikamentöse) Auflösung des Blutpfropfes, der das Gefäß verschließt. Bevor diese beiden Maßnahmen ergriffen werden, muss allerdings sichergestellt sein, dass der Schlaganfall tatsächlich auf einen Gefäßverschluss zurückzuführen ist - und nicht etwa auf eine Hirnblutung.
Konservative Behandlung
Ist eine kleinere Hirn-Blutung Auslöser für einen Schlaganfall, reicht meist eine konservative Schlaganfall-Behandlung aus. Hierbei ist absolute Bettruhe einzuhalten und alle Aktivitäten, die den Druck im Kopf ansteigen lassen, sind zu vermeiden. Dazu gehört etwa starkes Pressen beim Stuhlgang. Ein zu hoher Druck verstärkt nämlich die Blutung, ein zu niedriger führt unter Umständen zur Mangel-Durchblutung von Hirngewebe.
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Operative Behandlung
Bei Hirn-Blutungen, die ausgedehnter sind und nicht von allein stoppen, ist in der Regel eine Operation nötig. Die Entscheidung für eine Operation hängt aber von verschiedenen Faktoren wie Lage und Größe der Blutung, Alter und allgemeinem Zustand des Patienten sowie eventuellen Begleit-Erkrankungen ab. Bei dem Eingriff eröffnet der Arzt den Schädel, um den Blut-Erguss zu entfernen (Hämato-Evakuation) und die Blutungsquelle möglichst zu verschließen.
Bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen (sog. In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (sog. Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn (sog.
Kommt es durch Verschluss der „mittleren Gehirnarterie“ (Arteria cerebri media) zu einer ausgedehnten Durchblutungsstörung - was als raumfordernder oder maligner Media-Infarkt bezeichnet wird -, verbessert eine frühzeitige operative Druckentlastung (Hemikraniektomie) die Überlebenswahrscheinlichkeit. Auch das Ausmaß der funktionellen Beeinträchtigungen bzw. Nach Rückbildung der Schwellung wird das in der Regel einseitig abgenommene Schädeldach (Hemikraniektomie) wieder eingesetzt.
Medikamentöse Behandlung
- Blutdrucksenkung: Blutdruck und Blutzucker des Schlaganfall-Patienten müssen exakt eingestellt werden. Die Therapie erfolgt auf der Stroke Unit oder Intensivstation, wobei die Blutdrucktherapie wichtig ist.
- Behandlung von Komplikationen: Je nach Bedarf umfasst die Schlaganfall-Behandlung weitere Maßnahmen, besonders bei Auftreten von Komplikationen wie erhöhtem Hirndruck, Gefäßkrämpfen, epileptischen Anfällen, Lungenentzündung oder Harnwegsinfekten.
- Lyse-Therapie: Bei der Lyse-Therapie werden Medikamente in den Körper eingebracht, die Blutgerinnsel auflösen können. Die einfachere Art, Lyse-Medikamente zu verabreichen, ist die venöse Infusion. Aufwändiger ist die lokale Thrombolyse, bei der das lysierende Medikament über einen Katheter direkt am Ort des arteriellen Geschehens appliziert wird.
Cortison: Kortison ist nicht wirksam.
Rehabilitation nach einem hämorrhagischen Schlaganfall
Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Rehabilitation nach einem Schlaganfall um so erfolgreicher ist, je früher sie beginnt. Deshalb wird heute meist schon in der Akutklinik kurz nach dem Ereignis mit den ersten Rehabilitationsmaßnahmen begonnen.
Die Rehabilitation dient der Wiederherstellung der durch die Schädigung des Gehirngewebes beeinträchtigten Funktionen. Darüber hinaus sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend, z. B.
Die Rehabilitation dient ja vor allem dazu, die durch den Schlaganfall ausgefallenen Gehirnfunktionen wieder aufzubauen. Die infolge der akuten Mangeldurchblutung zerstörten Nervenzellen lassen sich zwar meist nicht wieder regenerieren. Aber die verschonten Gehirnareale sind in der Lage, diese ausgefallenen Funktionen zu übernehmen. Das müssen sie aber erlernen, und genau dazu dient die Rehabilitation. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Rehabilitationsmaßnahmen so bedeutsam für die Aussichten auf komplette Genesung sind. Was neben der reinen Dauer der Reha aber mindestens genauso wichtig ist: ein möglichst rascher Beginn. Man weiß heute, dass die Rehabilitationsmaßnahmen nach einem Schlaganfall den größten Erfolg versprechen, wenn sie so früh wie möglich beginnen.
Frührehabilitation
Oberstes Ziel der Frührehabilitation (kurz: Frühreha) nach einem Schlaganfall ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden. Je früher geeignete Therapiemaßnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert werden.
Bobath-Konzept
Das Bobath-Konzept geht davon aus, dass die Funktionen zerstörter Hirnareale auch von benachbarten Gehirnregionen übernommen werden können. Dahinter steckt also die gute Nachricht, dass verlorengegangene Fähigkeiten (z.B.
Frühmobilisation
Insbesondere bei einem Schlaganfall kommt der Frühmobilisation große Bedeutung zu. Der Grund: Die Lähmungen und Bewegungsstörungen nach einem Schlaganfall sind die Folge von schwer geschädigten oder abgestorbenen Gehirnzellen. Deren Aufgaben müssen nun andere Hirnabschnitte übernehmen. Nach einem Schlaganfall heißt es: so früh wie möglich das Bett verlassen. Zumindest für kurze Zeit. Wer innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Ereignis zum ersten Mal wieder aufsteht, verbessert seine Chancen auf eine rasche Wiederherstellung.
Dauer der Rehabilitation
Einige Wochen bis zu 3-4 Monaten. Genauer lässt sich das nicht beantworten, weil natürlich auch immer das Ausmaß des Schlaganfalls eine Rolle spielt. Wie lange der Reha-Aufenthalt nach einem Schlaganfall dauert, richtet sich nach mehreren Faktoren.
Prävention eines erneuten Schlaganfalls
Von Behandlungsbeginn an spielt auch die sogenannte Sekundärprävention eine wichtige Rolle. Das Risiko, nach einem Schlaganfall einen weiteren Apoplex zu erleiden, ist groß.
Neben einer medikamentösen Behandlung und der regelmäßigen Selbstmessung des Blutdrucks können Betroffene selbst durch einen Wandel des Lebensstils dazu beitragen, zukünftig Hirnblutungen zu verhindern. Mit Ihrer Hilfe können wir unsere bundesweite Aufklärung zu neurologischen Erkrankungen ausweiten.
Eine besondere Ernährung nach einem Schlaganfall kann eine gute Prävention sein, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Mit einer gesunden Ernährung im Alter können Risikofaktoren wie zu hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte durchaus in Schach gehalten werden, die als Ursache für einen Schlaganfall gelten können. Orientieren Sie sich an den Grundregeln der „mediterranen Diät“: Eine Mischkost aus viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Fisch sowie wenig rotem Fleisch.
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