Belohnungszentrum Seiten Sperren verhindern: Ein umfassender Leitfaden zum Umgang mit Online-Glücksspielsucht

Online-Glücksspiel hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und ist für viele Menschen zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden. Mit der Legalisierung von Online-Casinos in Deutschland im Jahr 2021 ist der Zugang zu Glücksspielen so einfach wie nie zuvor. Doch diese Bequemlichkeit birgt auch Gefahren, insbesondere das Risiko der Spielsucht. Dieser Artikel beleuchtet die Problematik der Online-Glücksspielsucht, die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, die psychologischen Mechanismen, die zur Sucht führen, und die Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Belohnungszentrum im Gehirn zu schützen und eine Sucht zu verhindern.

Die Geschichte des Glücksspiels: Von Würfeln zu Online-Casinos

Schon vor 5.000 Jahren wurde im Gebiet des früheren Mesopotamiens gezockt, wie Funde von Würfeln aus Knochen und Elfenbein belegen. Auch die alten Ägypter, Römer und Germanen würfelten um Haus und Hof. Seit dem Mittelalter gab es immer wieder Versuche, Glücksspiel zu verbieten. Heute ist es für Glücksspieler so einfach wie nie zuvor. Um Roulette, Black Jack, Lotto oder Poker zu spielen, braucht man nicht einmal mehr vom Sofa aufzustehen - das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten.

Um online Geld setzen zu können, muss man lediglich ein Benutzerkonto anlegen und dieses mit einem bestimmten Betrag aufladen. Die Einzahlung erfolgt per Banküberweisung, Scheck, Kreditkarte oder über Online-Bezahldienste wie Paypal. Mittlerweile gibt es mehr als 4.000 Orte im Netz, an denen man zocken kann - darunter Pokerräume, digitale Wettbüros, Bingo-Portale und Online-Casinos.

Die rechtliche Lage in Deutschland: Legalisierung und Reglementierung

Weil Glücksspiel süchtig machen kann, ist es in Deutschland streng reglementiert. Online-Casinos waren aus diesem Grund bislang offiziell sogar ganz verboten. Lediglich Online-Lotterien und -Sportwetten durften teils mit entsprechender staatlicher Lizenz angeboten werden. Das hatten die Bundesländer im bisher geltenden Glücksspielstaatsvertrag gemeinsam beschlossen. Dieser trat 2012 in Kraft - jedoch ohne Beteiligung von Schleswig-Holstein. Der Landtag hatte dort bereits 2011 ein umstrittenes Gesetz zur Regelung des Glücksspiels verabschiedet, das die Lizenzvergabe an private Anbieter von Online-Casinos ermöglichte. 2013 trat die neue Landesregierung Schleswig-Holsteins dann doch dem Glücksspielstaatsvertrag bei, die zuvor vergebenen Lizenzen blieben aber bestehen.

Seit dem 1. Juli 2021 gilt nun für ganz Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag. Daneben konnte man auch als Deutscher auf ausländische Seiten mit gültiger Lizenz zugreifen. Laut europäischem Recht dürfen Online-Anbieter, die eine gültige Lizenz in einem EU-Mitgliedsstaat besitzen, ihre Waren und Dienstleistungen nämlich EU-weit anbieten. Entsprechende Glücksspielportale haben ihren Sitz zum Beispiel in Malta. Die Folge: Online-Casinos waren in Deutschland auf dem Papier zwar illegal, der deutsche Staat hatte jedoch de facto keine Handhabe gegen virtuelle Spielstätten aus dem Ausland. In Vorbereitung auf die Legalisierung im Sommer 2021 wurde das Betreiben von Online-Casinos bereits ab Oktober 2020 von den Behörden nicht mehr geahndet, wenn sich die Anbieter an bestimmte Auflagen hielten. Plattformen, die sich an die Regeln hielten, sollten bei der Vergabe von Lizenzen ab Juli 2021 bevorzugt werden.

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Die Schattenseite des Glücksspiels: Spielsucht und ihre Folgen

Maßnahmen wie das Einsatzlimit, der Notknopf und eine zentrale Sperrdatei für abhängige Spieler sollen verhindern, dass Nutzer von Glücksspielportalen im Internet in eine Spielsucht abrutschen oder sich diese weiter verschlimmert. Vom pathologischen Spielen, umgangssprachlich Spielsucht genannt, spricht man, wenn Spieler die Kontrolle verlieren. Trotz des Vorsatzes, nach ein paar Runden aufzuhören oder nur einen bestimmten Einsatz zu verspielen, schaffen sie es nicht, aufzuhören. Das Verlangen, weiterzumachen, ist zu groß: nur noch einmal, um das verlorene Geld wieder reinzuholen. Die Probleme entwickeln sich in der Regel schleichend über mehrere Monate oder Jahre.

Statistiken zeigen, dass rund 230.000 Menschen in Deutschland ein problematisches Spielverhalten aufweisen. Mehr und mehr dominiert das Glücksspiel ihr Leben. Familie, Beruf und andere Interessen treten in den Hintergrund. Oft ziehen sich Betroffene sozial zurück, um Streit und Kritik aus dem Weg zu gehen. Sie sind in sich gekehrt, depressiv oder ängstlich. Das Spielen ist für sie zugleich Entspannung und Trost, verschärft die Probleme aber immer weiter. Mitunter bauen sich Spielsüchtige ein dichtes Lügengeflecht auf, um finanzielle Engpässe zu erklären. Sie lösen Lebensversicherungen auf, leihen sich immer wieder größere Summen oder stehlen teils sogar Geld und Wertgegenstände von Angehörigen. Nach dem finanziellen Ruin oder auf Drängen von Freunden und Familie nehmen sich Betroffene wiederholt vor, aufzuhören. Doch die Versuche scheitern häufig nach einigen Tagen oder Wochen. Besonders häufig betroffen sind Männer und Jugendliche - auch weil sie mehr Mut zum Risiko haben.

Die Neurobiologie der Spielsucht: Veränderungen im Gehirn

„Dass es eine Art Spielercharakter gibt, ist aber veraltet. Der Weg in die Abhängigkeit hat nichts mit Willensschwäche zu tun", erklärt Nina Romanczuk-Seiferth. Sie ist Professorin für Neurobiologie der Psyche und Neuropsychotherapie an der Berliner Charité und leitet dort die Arbeitsgruppe Spielsucht. Forscher wie Romanczuk-Seiferth konnten zeigen, dass es bei Menschen mit einem pathologischen Spielverhalten ähnlich wie bei Drogensüchten zu Veränderungen im Gehirn kommt. Schaltkreise, die mit Belohnung und Motivation in Verbindung stehen, reagieren zunehmend auf alles, was mit dem Spielen zu tun hat. Andere angenehme Tätigkeiten wie Freunde treffen, Essen oder Sex aktivieren das Belohnungszentrum immer weniger und verlieren so zunehmend ihren Reiz.

Eine 2021 veröffentlichte Metaanalyse von 104 Studien zum Thema zeigt: Der wichtigste Risikofaktor für problematisches Spielverhalten ist nicht etwa in der Persönlichkeit oder den Lebensumständen des Spielers zu finden, sondern in der Art des Spiels. „Online-Glücksspiel ist ein besonders großes Problem", bestätigt Nina Romanczuk-Seiferth. „Je mehr Gelegenheiten zum Spielen, desto höher die Suchtgefahr." Denn Smartphone und Co sind ständig und überall verfügbar. So kann 24 Stunden, sieben Tage die Woche gezockt werden - unbeobachtet und anonym.

Kritik an den Schutzmaßnahmen: Reichen sie aus?

Dass die mit der Legalisierung von Online-Casinos geplanten Maßnahmen Spieler ausreichend schützen, bezweifeln einige Experten. Die neue Regelung könnte vielmehr dazu führen, dass Anbieter weitere Spielerinnen und Spieler anwerben. „Das gleicht einer Kundenbeschaffungsmaßnahme in diesem gefährlichen Markt", sagt etwa die Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder. So sei das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat zu hoch angesetzt. Ob die geplanten Schutzmaßnahmen wie das Einsatzlimit wirken, sei zudem im Vorfeld nicht wissenschaftlich geprüft worden.

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Das bemängelt auch Nina Romanczuk-Seiferth von der Charité: „Oft erscheinen solche Maßnahmen eher halbherzig. Wenn man zum Beispiel für Glücksspiel wirbt und dann nur in winzig kleiner Schrift dazu schreibt ‚Glücksspiel kann süchtig machen‘, ist das meiner Meinung nach nicht sehr effektiv. Ähnlich bewertet Hans-Jürgen Rumpf von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Lübeck und Vorsitzender des Fachbeirats Glücksspielsucht die Reform: „Unabhängig von den Lücken im Spieler- und Jugendschutz bergen die betreffenden Online-Glücksspiele durch ihre schnelle Spielgeschwindigkeit in Verbindung mit der hohen Verfügbarkeit ein sehr hohes Suchtpotenzial."

Wege aus der Sucht: Psychotherapie und Prävention

Wer an diesem Punkt angekommen ist, der benötigt in aller Regel professionelle Hilfe, um sich von seiner Sucht zu befreien. „In der Psychotherapie lassen sich die Automatismen des Spielens Schritt für Schritt verlernen", erklärt Nina Romanczuk-Seiferth. Für Menschen, die hauptsächlich Glücksspiel im Internet betreiben, erweist sich dieser Weg allerdings oft als steiniger. „Insbesondere zu Beginn einer Therapie, bevor neue Umgehensweisen erlernt wurden, raten wir Betroffenen, Reize zu vermeiden, die an das Spielen erinnern und somit das Verlangen danach triggern können", sagt die Expertin. „Das ist für Menschen, die vor allem online spielen, ungleich schwieriger. Spielhallen lassen sich umschiffen, dagegen ist es kaum möglich, Laptop und Handy aus dem Weg zu gehen.

Wichtig ist in jedem Fall, sich frühzeitig Hilfe zu holen - und sich nicht aus Scham oder Hoffnungslosigkeit davor zu scheuen. Anlaufstellen bieten unter anderem Beratungszentren, Fachkliniken und Hilfetelefone. Suchtstörungen sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Sie sind nicht nur bei Menschen am Rande der Gesellschaft zu finden, sondern auch bei Mitgliedern aller Schichten.

Präventionsmaßnahmen

Neben der Therapie ist die Prävention ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Spielsucht. Dazu gehören:

  • Bessere Lebensbedingungen: Für Familien, Berufsperspektiven für Jugendliche, lebenswertere und nicht überwiegend vom Kommerz geprägte Arbeits-, Lern-, Wohn- und Freizeitbedingungen.
  • Werbeverbote und Zugangsbeschränkungen: Werbeverbote, Preiserhöhungen, Zugangsbeschränkungen und Verbraucherschutz (besonders bei Alltagsdrogen).
  • Aufklärung: Kinder und Jugendliche über die Gefahren von Alltagsdrogen und illegalen Drogen zu informieren, reicht alleine nicht aus.

App-Blocker: Ein Schutzwall gegen digitale Ablenkungen

In der heutigen digitalen Welt sind wir ständig von Ablenkungen umgeben, die unsere Konzentration beeinträchtigen können. App-Blocker können helfen, diese Ablenkungen zu reduzieren und die Konzentration auf wichtige Aufgaben zu fördern. Sie setzen die verführerischen Ablenkungen des großen, weiten Internets außer Gefecht, indem sie bestimmte Anwendungen auf dem Handy oder im Internetbrowser sperren. Studien zeigen, dass unser Handy uns sogar ablenkt, wenn es nur neben uns liegt. Jeder Widerstand gegen die digitalen Süchtigmacher kostet uns Willenskraft. Kurzum, App-Blocker machen dich gleichzeitig fokussierter, produktiver und damit letztlich zufriedener.

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Empfehlenswerte App-Blocker

  • BlockSite: Blockiert alle Apps und Internetseiten auf einmal. Nutze den Arbeitsmodus, um in selbst festgelegten Intervallen zu arbeiten. Mit einer Passwortsperre machst du die Hürde noch größer, wieder Zugang zu den ablenkenden Apps zu bekommen.
  • Forest: Kombiniert einen App Blocker mit dem konzentrationsfördernden Training der Pomodoro-Technik, eine Zeitmanagement-Methode bei der in Intervallen gearbeitet wird. Wenn du das Intervall abbrichst, um dich abzulenken, hast du einen Baum auf dem Gewissen.
  • Freedom: Ermöglicht es, Arbeits- und Pausenzeiten einzustellen.

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