Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Neben den bekannten motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamter Bewegung leiden viele Parkinson-Patienten auch unter gastrointestinalen Beschwerden, darunter Blähungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Blähungen bei Parkinson, gibt Ernährungsempfehlungen und stellt Behandlungsoptionen vor.
Parkinson und der Magen-Darm-Trakt
Mehr als 50 Prozent der Patienten mit Morbus Parkinson haben außer den charakteristischen motorischen Störungen und Depressionen auch gastrointestinale Beschwerden. Parkinson kann die Fähigkeit beeinträchtigen, Nahrung gut zu kauen und zu schlucken, und es kann schwierig sein, sich ballaststoffreich zu ernähren, um den Stuhl weich zu halten. Das Schlucken von Flüssigkeiten kann ebenfalls erschwert sein, was sich wiederum auf die Stuhlkonsistenz auswirkt. Medikamente, sowohl Medikamente gegen Parkinson als auch Antidepressiva, können die Verstopfung verschlimmern.
Verzögerte Magenentleerung
Eine Studie mit zwölf Patienten mit Parkinson, zwölf mit Multisystematrophie (MSA) sowie zwölf Gesunden ergab, dass die Magenhalbwertszeit bei Parkinson-Patienten deutlich erhöht ist. Bei den Gesunden betrug sie 46 Minuten, bei Parkinson 91 Minuten und bei MSA 82 Minuten. Behandeln lässt sich gegen die verzögerte Magenentleerung mit dem Dopamin-Antagonisten Domperidon.
Obstipation
Weit mehr als der Hälfte der Parkinson-Patienten leiden auch an Obstipation, obwohl sie häufig Laxanzien in hohen Dosierungen einnehmen. Ursache hierfür seien etwa Störungen in der Motorik des Beckenbodens. Die insgesamt verlangsamte Passage zwischen Speiseröhre und Enddarm sei meist auch ein Grund dafür, dass Parkinson-Patienten Gewicht verlieren.
Schluckstörungen (Dysphagie)
Ein Symptom der Parkinson-Erkrankung kann eine Schluckstörung (Dysphagie) sein, die allerdings nicht bei jeder erkrankten Person auftritt. Die Schluckstörung verursacht Verschlucken mit Husten. Auf längere Sicht kann dies zu einer Bronchialerkrankung und zu Untergewicht führen. Mit fortschreitender Parkinsonerkrankung kann die Schluckstörung (Dysphagie) das Risiko für Mangelerscheinungen und Gewichtsverlust erhöhen.
Lesen Sie auch: Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfe: Effektive Behandlungen
Ursachen von Blähungen bei Parkinson
Blähungen bei Parkinson können verschiedene Ursachen haben:
- Verlangsamte Magen-Darm-Passage: Die verminderte Beweglichkeit der Magen-Darm-Muskulatur führt zu einer langsameren Verdauung und somit zur Bildung von Gasen.
- Verstopfung (Obstipation): Eine häufige Begleiterscheinung von Parkinson, die durch die verlangsamte Darmtätigkeit und die beeinträchtigte Beckenbodenmuskulatur verursacht wird.
- Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente, insbesondere solche, die L-Dopa enthalten, können Übelkeit, Erbrechen und Blähungen verursachen.
- Dysbiose: Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiom) können zu vermehrter Gasbildung führen.
- Schluckstörungen (Dysphagie): Luftschlucken beim Essen und Trinken kann zu Blähungen beitragen.
- Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an blähenden Lebensmitteln kann die Beschwerden verstärken.
Ernährungsempfehlungen bei Blähungen
Eine angepasste Ernährung kann helfen, Blähungen bei Parkinson zu reduzieren:
- Ballaststoffreiche Ernährung: Ballaststoffe fördern die Verdauung und können Verstopfung entgegenwirken. Geeignete Lebensmittel sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte. Es ist wichtig, die Ballaststoffzufuhr langsam zu steigern, um Blähungen zu vermeiden.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag, um die Verdauung zu unterstützen und den Stuhl weich zu halten.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie kleine, regelmäßige Mahlzeiten, um den Magen-Darm-Trakt nicht zu überlasten.
- Blähende Lebensmittel meiden: Reduzieren Sie den Konsum von blähenden Lebensmitteln wie Kohl, Zwiebeln, Hülsenfrüchten, kohlensäurehaltigen Getränken und zuckerhaltigen Produkten.
- Probiotische Lebensmittel: Joghurt und andere fermentierte Lebensmittel können die Darmflora positiv beeinflussen und Blähungen reduzieren.
- Mediterrane Ernährung: Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Fisch, Ölen mit ungesättigten Fettsäuren, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten kann sich günstig auf den Verlauf der Krankheit auswirken, da sie Polyphenole enthält, die eine krankheitslindernde Wirkung haben können.
- Eiweißaufnahme beachten: Bei hoher Dosierung von L-Dopa sollte eiweißreiche Kost (z.B. Fisch, Fleisch, Eier, Soja) zeitlich versetzt zur Medikamenteneinnahme gegessen werden, da Eiweiß die Aufnahme von L-Dopa im Körper verringern kann. Wenn L-Dopa Übelkeit verursacht, kann man bei der Medikamenteneinnahme z.B. ein Stück trockenes Brot essen.
Behandlung von Blähungen bei Parkinson
Neben der Ernährungsumstellung gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten für Blähungen bei Parkinson:
- Medikamente:
- Domperidon: Dieser Dopamin-Antagonist kann die Magenentleerung beschleunigen und Übelkeit reduzieren.
- Laxanzien: Bei Verstopfung können milde Laxanzien wie Macrogol oder Lactulose helfen, den Stuhl weich zu machen.
- Simeticon oder Dimeticon: Diese Medikamente können die Gasbildung im Darm reduzieren.
- Physiotherapie: Spezielle Übungen können die Darmtätigkeit anregen und die Beckenbodenmuskulatur stärken.
- Ergotherapie: Hilfsmittel wie rutschfeste Unterlagen für den Teller, Besteck mit dicken Griffen, tiefe Teller und Tassen mit großem Henkel können die Nahrungsaufnahme erleichtern.
- Logopädie: Bei Schluckstörungen kann eine logopädische Therapie helfen, die Schluckmuskulatur zu stärken und die Schlucktechnik zu verbessern. Mit Hilfe von entsprechenden Schluck- und Haltungsübungen (wie zum Beispiel „Kinn zur Brust“) kann der Ablauf des Schluckens verbessert werden. Das Eindicken von Suppe und warmen/kalten Getränken kann eine wichtige Hilfestellung bei Problemen mit der Flüssigkeitsaufnahme darstellen. Eine Reihe von geschmacksneutralen Produkten guter Qualität steht zur Verfügung.
- Magensonde (PEG): Sollte es nicht gelingen, eine ausreichende Ernährung zu erreichen, kann das Legen einer Magensonde (PEG - perkutane endoskopische Gastrostomie) erforderlich werden. Die Magensonde ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen und bedarf der Zustimmung der betroffenen Person bzw.
- Vagotomie: Eine Studie deutet darauf hin, dass die Durchtrennung des Vagusnervs das Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken, reduzieren kann. Allerdings ist dieser Eingriff nicht primär zur Behandlung von Blähungen gedacht.
Der Darm als möglicher Ausgangspunkt von Parkinson
Es verdichten sich die Hinweise, dass das Parkinson-Syndrom durch Prozesse befördert wird, die im Verdauungssystem beginnen. Über bestimmte Nervenbahnen gelangen Proteine ins Gehirn und verursachen dort die problematischen Ablagerungen. Trennt man einen Nerv, der das Gehirn mit dem Bauchraum verbindet, sinkt das Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Dieses Modell zum Krankheitsverlauf, die Aszensionshypothese, geht davon aus, dass Parkinson zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt. Eine Schlüsselrolle spielt das fehlgefaltete Eiweißmolekül Alpha-Synuklein, das sich bei der Parkinson-Erkrankung typischerweise in den erkrankten Gehirnzellen ablagert. Ablagerungen von Alpha-Synuklein entstehen - womöglich durch den Einfluss von Umweltgiften - aber auch im Nervensystem des Magens und des Darms. Von dort aus, so die Hypothese, klettern die Ablagerungen ins Gehirn. Dabei nutzen sie den Vagusnerv und seine Verästelungen wie eine Steigleiter.
Lesen Sie auch: Blähbauch und Krämpfe verstehen
Lesen Sie auch: Krämpfe während des Eisprungs