Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bei Migräne: Ein ganzheitlicher Ansatz zur Linderung von Kopfschmerzen

Migräneattacken können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Migräne, der nicht nur die Symptome lindert, sondern auch die zugrunde liegenden Ursachen angeht. Die TCM betrachtet Körper und Geist als eine untrennbare Einheit und zielt darauf ab, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen, um so die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine über 2000 Jahre alte ganzheitliche Heilmethode aus China. Im Zentrum der TCM steht das Konzept des Qi, der Lebensenergie, die durch Meridiane oder Energiebahnen im Körper fließt. Ein Ungleichgewicht oder Stau dieser Energie kann zu Krankheiten und Beschwerden führen.

Die Rolle des Qi und der Meridiane

In der TCM wird die Lebensenergie oder Lebenskraft eines Menschen als Chi oder Qi bezeichnet. Das Chi durchflutet innerhalb von 24 Stunden alle Meridiane. Es gibt 12 Hauptmeridiane, die paarig auf beiden Körperseiten angelegt sind und von acht Extrameridianen sowie einigen Extrapunkten ergänzt werden. Jeder Meridian wird täglich 2 Stunden mit Energie durchflutet. Jeder einzelne Meridian ist einem Organ oder Funktionskreis zugeordnet. So gibt es z. B. den Leber-Meridian, den Lungen-Meridian, den Dünndarm-Meridian und so weiter. Entlang der Meridiane liegen die Akupunkturpunkte, also jene Punkte, in die man die hauchdünnen Nadeln in die Haut steckt. Über diese Punkte kann man sodann die Energieblockaden im jeweiligen Meridian beheben.

Ganzheitlicher Ansatz

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die in China einfach nur chinesische Medizin heißt, ist eine ganzheitliche Medizin. Das bedeutet, der gesamte Mensch steht im Mittelpunkt der Therapie (nicht nur seine Symptome und körperlichen Störungen). Es wird möglichst ursächlich therapiert. Auch wird in der TCM die Konstitution des jeweiligen Menschen bei der Diagnose und Wahl der Therapie berücksichtigt. Man schaut, was fehlt dem Menschen in seiner jetzigen Phase (was braucht er) und wovon hat er zu viel (was muss entfernt/ausgeleitet werden).

TCM-Behandlung von Migräne

Die TCM bietet verschiedene Therapiemethoden zur Behandlung von Migräne, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Dazu gehören Akupunktur, chinesische Arzneimitteltherapie, chinesische Diätetik, Tuina-Massage und Qi Gong-Übungen.

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Akupunktur

Bei der Akupunktur - einer fernöstlichen Heil- und Therapiemethode - werden dünne Nadeln in die Haut gestochen, verbleiben dort eine halbe Stunde und werden dann wieder entfernt. Die alte Heilkunst ist mindestens 2000 Jahre alt und ein wichtiger Bestandteil der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin). Durch das Lösen dieser Blockaden (u. a. durch Akupunktieren) werden die körpereigenen Regulationsmechanismen und Selbstheilungskräfte gestärkt, so dass die jeweilige Krankheit - ob physisch oder psychisch - überwunden oder zumindest gebessert werden kann.

Wirkungsweise der Akupunktur bei Migräne:

  • Stimulation von Akupunkturpunkten: Bei der Akupunktur werden kleine Nadeln in sogenannte Akupunkturpunkte gesetzt. Keine Sorge, mehr als einen leichten Piks wie eine Feder aus einem Kissen merkst du nicht. Die Akupunkturpunkte sind in deinem Körper mit Meridianen verbunden. Das sind laut TCM Leitbahnen, die durch deinen Körper laufen. Durch sie fließt laut der traditionell chinesischen Medizin die Lebensenergie, die auch Qi genannt wird. Bei der Akupunktur werden die Meridiane stimuliert und Blockaden gelöst.
  • Ausschüttung von Endorphinen: Auf biochemischer Ebene wird angenommen, dass Akupunktur die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzmitteln, stimuliert.
  • Absenkung des Sympathikotonus: Akupunktur führt nachweisbar zu einer Absenkung des Sympathikotonus, und demnach zu einer Verminderung innerer und äußerer muskulärer Verspannungen, die insbesondere dem Spannungskopfschmerz zugrunde liegen.

Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Migräne:

Der medizinische Nutzen der Akupunktur, insbesondere im Kontext von Kopfschmerzen, wurde in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht.

  • In einer groß angelegten Studie, die im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass Akupunktur eine signifikant wirksame Ergänzung zur Standardbehandlung mit Schmerzmitteln und prophylaktischen Medikamenten war.
  • Eine andere Studie, die im „British Medical Journal“ erschien, verglich echte Akupunktur mit Scheinakupunktur, bei der Nadeln an nicht-spezifisch-therapeutischen Punkten gesetzt wurden.

Ablauf einer Akupunkturbehandlung:

Eine Akupunktursitzung beginnt typischerweise mit einer gründlichen Anamnese, bei der der Therapeut Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand, Lebensstil und spezifischen Symptomen stellt. Die Nadeln, die in der Akupunktur verwendet werden, sind sehr dünn und Sie werden diese in der Regel kaum spüren. Die Nadeln bleiben für 20 bis 30 Minuten im Körper. Die Häufigkeit und Anzahl der Behandlungen variieren je nach Beschwerdebild. In der Anfangsphase sind häufig 1-2 Sitzungen pro Woche empfehlenswert. Im Schnitt sind 15 Behandlungen notwendig. Mit fortschreitender Besserung kann die Frequenz reduziert werden. Es kann sein, dass Sie nach einer initialen Serie von Behandlungen regelmäßige Auffrischungssitzungen benötigen, um die Ergebnisse aufrecht zu erhalten.

Chinesische Arzneimitteltherapie

Durch chinesische Kräuterrezepturen können Leerezustände als Ursache vieler chronischer Kopfschmerzen behandelt werden.

Chinesische Diätetik

Oftmals ist eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten erforderlich und Nahrungsmittelunverträglichkeiten müssen erkannt und behandelt werden. Wichtig ist vielmehr eine vollwertige Mischkost, die ausreichend Kohlenhydrate enthalten sollte.

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Tuina-Massage

Bei Verspannungen der gesamten Wirbelsäule kann eine Tuina-Massage helfen. Auch die Tuina-Behandlung (chinesische Massage und manuelle Therapie) kann sehr sinnvoll und heilungsfördernd sein.

Qi Gong-Übungen

Auch QiGong-Übungen können zum Einsatz kommen.

Weitere Aspekte der TCM bei Migräne

Neben den spezifischen Therapiemethoden berücksichtigt die TCM auch weitere Aspekte, die zur Entstehung von Migräne beitragen können. Dazu gehören Stress, emotionale Belastungen, Ernährung und Lebensstil.

Stress und emotionale Belastungen

In der Chinesischen Medizin werden körperliche und psychische Beschwerden nicht getrennt voneinander betrachtet. Vielmehr bilden Körper und Geist eine untrennbare Einheit, wirken aufeinander und bedingen einander. Mit diesem Ansatz bietet die TCM viele Strategien zur Behandlung von Erschöpfungssyndromen. Äußerer Stress durch übermäßige Belastungen im Privatleben oder Druck am Arbeitsplatz aktiviert Emotionen wie Angst, Sorgen und Trauer, die aus Sicht der TCM zum Stagnieren des Qi-Flusses führen und damit körperliche Störungen bewirken. Das Innere wirkt aber auch auf das Äußere: Akute und insbesondere chronische Erkrankungen der inneren Organe sowie Schmerz aktivieren negative Emotionen, führen zu psychischen Symptomen die in der Folge wiederum auf körperlicher Ebene symptomverdeutlichend wirken können.

Ernährung und Lebensstil

Ein ungesunder Lebensstil und unausgewogene Ernährungsgewohnheiten können mögliche Auslöser für Migräne-Attacken sein. Auch eine angeborene Überempfindlichkeit oder hohe Stressanfälligkeit können eine Rolle spielen. Diese Gründe solltest du beachten und gegebenenfalls mit deinem Arzt oder deiner Ärztin abklären, bevor du eine Therapie beginnst.

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Akupressur als Selbsthilfe bei Migräne

Akupressur wird als Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 5.000 Jahren praktiziert, um die Körperenergien zu harmonisieren. Im Gegensatz zur Akupunktur, welche für die Stimulation der selben Energiepunkte Nadeln einsetzt, übt Akupressur hauptsächlich Druck mit den Fingern aus. Durch die Aktivierung der Energien an den Akupressurpunkten kann sich eine bestehende Blockade im Meridian lösen und das Qi seinen gesunden Fluss wieder aufnehmen.

Wichtige Akupressurpunkte bei Kopfschmerzen:

  • Lungen-Meridian (7. Punkt - Lieque): Wirkt bei Kopfschmerzen.
  • Dickdarm-Meridian (4. Punkt - Hegu): Gilt als effektivster Anti-Schmerz-Punkt (z.B. Kopfschmerzen) und wirkt entzündungshemmend.
  • Gallenblasen-Meridian (20. Punkt - Fengchi): Wirkt bei Kopfschmerzen.
  • Leber-Meridian (3. Punkt - Taichong): Kann Stress, Nervosität, Wut, Depressionen sowie Kopf- und Menstruationsschmerzen vertreiben.

Ginkgo Biloba in der TCM

In der traditionellen chinesischen Medizin ist der Wunderbaum Ginkgo Biloba ein unentbehrliches Naturheilmittel, das bereits seit 5000 Jahren zum Einsatz kommt. Extrakte aus Gingko Biloba gibt es in den meisten Fällen in Form von Tabletten oder Kapseln zu kaufen. Längst orientieren sich aber auch die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln an den Angaben für standardisierte Extrakte.

Wirkungsweise von Ginkgo Biloba:

  • Die Flavonoide Quercetin und Kaempferol wirken antioxidativ (gegen oxidativen Stress).
  • Die Ginkgolide A, B und C sowie das Bilobalid wirken hingegen allesamt durchblutungsfördernd.

Schulmedizin und TCM: Eine sinnvolle Kombination

Aus all den obigen Informationen wird klar, dass ein großer Unterschied besteht zwischen der Schulmedizin und der TCM und ihren Therapieformen, wovon das Akupunktieren eine der wichtigsten ist. Allerdings sind viele Schulmediziner auf einem guten Weg und kombinieren ganz einfach die Schulmedizin mit der Naturheilkunde bzw. der TCM.

Fazit

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen umfassenden Ansatz zur Behandlung von Migräne, der sowohl die Symptome lindert als auch die zugrunde liegenden Ursachen angeht. Akupunktur, chinesische Arzneimitteltherapie, chinesische Diätetik, Tuina-Massage und Qi Gong-Übungen können individuell auf den Patienten abgestimmt werden, um das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die TCM berücksichtigt auch weitere Aspekte wie Stress, emotionale Belastungen, Ernährung und Lebensstil, um eine ganzheitliche Behandlung zu gewährleisten. Die Kombination von Schulmedizin und TCM kann eine sinnvolle Ergänzung sein, um die bestmögliche Versorgung für Migränepatienten zu gewährleisten.

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