Cholin für das Gehirn: Wirkung, Nutzen und Quellen

Cholin ist ein semi-essenzieller Nährstoff, der eine entscheidende Rolle für zahlreiche Körperfunktionen spielt. Es ist an der normalen Funktion des Gehirns bis hin zum Fettstoffwechsel beteiligt. Da der Körper Cholin nicht immer in ausreichender Menge selbst produzieren kann, ist eine gezielte Zufuhr über die Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen von Cholin, seine Bedeutung für das Gehirn, die potenziellen Folgen eines Mangels und die verschiedenen Möglichkeiten, den Cholinbedarf zu decken.

Was ist Cholin und wofür ist es gut?

Cholin ist ein essentieller, wasserlöslicher Nährstoff, der für zahlreiche biologische Prozesse im Körper unverzichtbar ist. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Funktion des Gehirns, unterstützt die normale Leberfunktion und ist entscheidend für den Fettstoffwechsel.

Aufgaben von Cholin im Körper

Cholin ist an vielen wichtigen Funktionen im Körper beteiligt:

  • Fettstoffwechsel: Es unterstützt den normalen Fettstoffwechsel und hilft, Triglyceride und andere Fette aus der Leber in die Gewebe zu transportieren.
  • Leberfunktion: Cholin trägt zur Erhaltung einer normalen Leberfunktion bei und unterstützt die Enzyme der Leber, die für die Entgiftung des Körpers von Chemikalien, Medikamenten und anderen schädlichen Substanzen zuständig sind.
  • Homocystein-Stoffwechsel: Es trägt zu einem gesunden Homocystein-Stoffwechsel bei.
  • Neurotransmission: Cholin ist entscheidend für die Bildung des Botenstoffs Acetylcholin, der die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln ermöglicht. Acetylcholin ist wichtig für Gedächtnisleistung, Lernfähigkeit und Muskelsteuerung.
  • Zellmembranen: In Verbindung mit Lecithin spielt Cholin eine Rolle beim Aufbau von Zellmembranen (Zellwänden). Es ist ein integraler Bestandteil von Phosphatidylcholin, einer Schlüsselkomponente der Zellmembranen.

Cholin und die Gehirnfunktion

Das Gehirn und das Nervensystem benötigen Cholin, um unter anderem das Gedächtnis, die Stimmung und die Muskelkontrolle zu regulieren. Cholin trägt dazu bei, dass in zwei Teilen des Gehirns ein anderer chemischer Stoff namens Acetylcholin vermehrt gebildet wird. Acetylcholin ist wichtig für unser Gedächtnis und unser Lernverhalten.

Acetylcholin: Ein Schlüssel-Neurotransmitter

Acetylcholin (ACh) ist ein wichtiger Neurotransmitter, der im zentralen, peripheren und autonomen Nervensystem weit verbreitet ist. Neuronen, die ACh als Neurotransmitter verwenden, werden als cholinerg bezeichnet. Cholinerge Neuronen befinden sich hauptsächlich im Gehirn und tragen zur Steuerung von Schlaf-Wach-Zyklen, Bewusstseinszuständen, Muskeltonus und Dehnungsreflexen sowie zu kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Erregung bei.

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Verminderte und reduzierte ACh-Werte im Gehirn wurden mit wichtigen neurologischen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit und den nicht-motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit, wie z. B. Gedächtnisproblemen, in Verbindung gebracht.

Cholin als Vorstufe von Acetylcholin

Cholin ist eine Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin, der für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen verantwortlich ist. Dieser Botenstoff spielt eine wesentliche Rolle bei Gedächtnisleistung, Lernfähigkeit und Muskelsteuerung. Ein ausreichender Cholingehalt ist wichtig für die Fähigkeit unseres Gehirns, Acetylcholin zu bilden, insbesondere wenn das Gehirn schwer arbeitet oder unter Stress steht.

Cholinmangel: Ursachen und Symptome

Ein Cholinmangel kann entstehen, wenn die körpereigene Produktion und die Zufuhr über die Ernährung nicht ausreichen. Besonders in Phasen mit höherem Bedarf, bei einseitiger Ernährung oder im Alter kann die Versorgung kritisch werden.

Mögliche Folgen eines langfristigen Cholinmangels

  • Einschränkungen der kognitiven Funktionen (Gedächtnis, Nerven, Konzentrationsfähigkeit)
  • Erhöhtes Risiko für eine nicht-alkoholische Fettleber, da Cholin eine lipotrope Substanz ist und die Fähigkeit besitzt, Fettmoleküle zu verflüssigen und zu transportieren.
  • Beeinträchtigung der neuronalen Membranstruktur, was zu Veränderungen von Durchlässigkeit und Integrität der Myelin-Membran der Schwann’schen Zellen führen kann (insbesondere relevant bei Morbus Alzheimer).

Risikogruppen für einen Cholinmangel

  • Schwangere und Stillende: Während der Schwangerschaft ist der Bedarf an Cholin erhöht, da es für die Gehirnentwicklung des Babys essenziell ist. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass ein Großteil der Schwangeren die empfohlene Cholinzufuhr nicht erreicht.
  • Personen mit bestimmten genetischen Voraussetzungen: Eine Reihe an genetischen Polymorphismen kann die endogene Synthesefähigkeit einschränken, sodass nicht jede Person dieselbe Menge an Cholin selbst produzieren kann.
  • Männer und Frauen nach der Menopause: Diese synthetisieren weniger eigenes Cholin als Frauen vor der Menopause und sind daher in stärkerem Maße auf eine externe Cholinzufuhr angewiesen.
  • Vegetarier und Veganer: Da viele tierische Produkte reich an Cholin sind, ist es für Menschen mit einer pflanzenbasierten Ernährung wichtig, auf eine ausreichende Zufuhr über andere Quellen zu achten.

Cholinreiche Lebensmittel

Cholin ist in verschiedenen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten.

Tierische Quellen

  • Eier (besonders Eigelb)
  • Innereien (z.B. Leber)
  • Garnelen
  • Fisch
  • Geflügel
  • Milchprodukte

Pflanzliche Quellen

  • Sojabohnen
  • Vollkornprodukte
  • Kreuzblütler-Gemüse (z.B. Brokkoli)
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse und Samen (z.B. Leinsamen, Kürbiskerne, Weizenkeime)

Mit einer ausgewogenen Ernährung lässt sich ein Teil des Cholinbedarfs decken. Dennoch reicht die Ernährung nicht immer aus, um eine optimale Versorgung sicherzustellen.

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Cholin als Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle Ergänzung sein, um den Cholinbedarf zu decken, insbesondere in bestimmten Lebensphasen oder bei erhöhtem Bedarf.

Verschiedene Cholinverbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel können unterschiedliche Cholin-Verbindungen mit unterschiedlichem prozentualem Cholinanteil, unterschiedlicher Bioverfügbarkeit und unterschiedlichem Wirkungsgrad enthalten. Die gängigsten Arten sind:

  • Cholinbitartrat: Eine Verbindung aus Cholin und Weinsäure mit einem Cholinanteil von etwa 40 %. Es ist in der Lage, die Cholin-Blutplasmaspiegel effektiv zu erhöhen und die Leberfunktion zu unterstützen, aber hat voraussichtlich keinen bzw. nur geringe Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten.
  • Alpha-Glycerylphosphorylcholin (α-GPC): Ein Derivat von Lecithin mit einem hohen Cholinanteil (ca. 40 %). Es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und die Acetylcholin-Synthese im Gehirn erhöhen, was sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken kann.
  • Citicolin (CDP-Cholin): Eine Verbindung aus Cholin und Cytidin mit einem Cholinanteil von etwa 19 %. Es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wird im Gehirn unter anderem für die Membranlipidsynthese genutzt. Studien haben positive Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten gezeigt.
  • Phosphatidylcholin (PC; Lecithin): Ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen und eine exzellente Quelle für Cholin. Es kann leicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wird im Vergleich zu Cholinbitartrat besser absorbiert.

Auswahl des richtigen Cholin-Supplements

Bei der Auswahl eines Cholin-Supplements sollte man auf die Bioverfügbarkeit und den Wirkungsgrad der jeweiligen Verbindung achten. Cholinverbindungen, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können (wie Alpha-GPC, Citicolin und Phosphatidylcholin), sind für die positiven kognitiven Effekte einer Cholinsupplementierung relevant.

Es ist auch wichtig, die Dosierungsempfehlungen zu beachten und eine Überdosierung zu vermeiden. Eine zu hohe Cholinaufnahme kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

Cholin und Hirnverletzungen: Forschungsergebnisse

CDP-Cholin wurde als potenzielles Mittel zur Förderung der Reparaturvorgänge nach Hirnverletzungen untersucht. Im Tiermodell hat CDP-Cholin wiederholt die Reparaturvorgänge nach Hirnverletzungen gefördert. Beim Schlaganfall wurden auch in ersten klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse erzielt.

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Klinische Studien zu CDP-Cholin bei Schlaganfall und Schädelhirntrauma

Allerdings haben große klinische Studien wie die „International Citicoline Trial on acUte Stroke“ (ICTUS) und die „Citicoline Brain Injury Treatment Trial“ (COBRIT) die Erwartungen nicht erfüllt. In diesen Studien konnte keine signifikante Verbesserung der Erholung von Patienten mit Schlaganfall oder Schädelhirntrauma durch die Behandlung mit CDP-Cholin nachgewiesen werden.

Eine Verbesserung im Glasgow Outcome Scale-Extended wurde unter CDP-Cholin bei 35,4 Prozent der Patienten und unter Placebo bei 35,6 Prozent der Patienten erzielt. In den anderen Bewertungsskalen schwankten die Verbesserungen unter CDP-Cholin zwischen 37,3 und 86,5 Prozent und unter Placebo zwischen 42,7 und 84,0 Prozent. Auch bei einer weiteren Untersuchung nach 180 Tagen konnten Zafonte und Mitarbeiter keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Einzig in der Untergruppe der Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Schädelhirntrauma war ein gewisser Vorteil für CDP-Cholin in der Sterberate (12,2 versus 16,8 Prozent) erkennbar, der aber das Signifikanzniveau nicht erreichte.

Zukunftsperspektiven für CDP-Cholin

Trotz der enttäuschenden Ergebnisse in den genannten Studien wird CDP-Cholin aufgrund seiner guten Verträglichkeit und der biologischen Plausibilität eines Nutzens weiterhin im Rahmen von Kombinationstherapien evaluiert werden.

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