Warum bestimmte Verhaltensweisen von Japanern irritieren können

Die japanische Kultur ist reich an Traditionen und Verhaltensweisen, die sich von westlichen Gepflogenheiten erheblich unterscheiden. Diese Unterschiede können bei Besuchern aus dem Ausland zu Verwirrung oder sogar Irritation führen. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Verhaltensweisen und versucht, Erklärungen und Hintergründe zu liefern, um ein besseres Verständnis zu fördern.

Höflichkeit und Dienstleistungsorientierung

Eine der auffälligsten Eigenschaften der japanischen Gesellschaft ist die ausgeprägte Höflichkeit und Dienstleistungsorientierung. Taxifahrer tragen Anzüge und weiße Handschuhe, begrüßen ihre Fahrgäste überaus freundlich und entschuldigen sich sogar, wenn sie den Weg nicht kennen. In Geschäften wird jeder Kunde beim Betreten begrüßt und in Ruhe gelassen, bis er Hilfe benötigt. In Restaurants wird gelächelt und gelacht, und Köche scheinen sich ehrlich über Lob zu freuen.

Diese weit verbreitete Höflichkeit kann jedoch auch als "servile Freundlichkeit" wahrgenommen werden, insbesondere wenn sich Personal noch verbeugt, nachdem sich der Gast bereits abgewandt hat. Diese Art der übertriebenen Höflichkeit kann für manche befremdlich wirken.

Raum und Distanz in der Öffentlichkeit

In öffentlichen Verkehrsmitteln, wie der U-Bahn, bemühen sich die Japaner, anderen Fahrgästen so viel Raum wie möglich zu geben. Vor dem Einsteigen in den Zug reihen sie sich ordentlich auf, ohne zu drängeln. Diese Rücksichtnahme auf den persönlichen Raum ist ein wichtiger Aspekt des japanischen Zusammenlebens. Lediglich während der Rushhour in Tokio kann es zu Gedränge kommen.

Intrinsische Motivation im Dienstleistungsbereich

Im Dienstleistungsbereich Japans scheint Freundlichkeit und Qualität nicht durch externen Druck, sondern durch intrinsische Motivation zu entstehen. U-Bahn-Fahrer, Kellner und Sommeliers streben danach, die Besten in ihrem jeweiligen Bereich zu sein. Diese Haltung führt zu einem hohen Maß an Engagement und der Bereitschaft, überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen, um Kunden glücklich zu machen.

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Kulturelle Unterschiede und Fettnäpfchen

Bei einer Reise nach Japan ist es wichtig, sich mit den dortigen Gepflogenheiten vertraut zu machen, um Missverständnisse und Fettnäpfchen zu vermeiden.

Begrüßung

Händeschütteln ist in Japan unüblich. Stattdessen gehört die Verbeugung zum gesellschaftlichen Leben. Die Tiefe und Dauer der Verbeugung geben den Status der Beteiligten wieder. In der Regel verbeugt sich der Rangniedrigere länger. Gegenüber Westlern wird meist eine mittlere Verbeugung akzeptiert, bei der man sich etwa 3 Sekunden lang um 30 bis 45 Grad nach vorne neigt. Wichtig ist, dass nur der Oberkörper geneigt wird. Die Verbeugung von Servicepersonal muss nicht erwidert werden.

Gastgeschenke

Gastgeschenke haben in Japan eine lange Tradition. Bei einer privaten Einladung ist es üblich, ein Geschenk mitzubringen, oft etwas Essbares in aufwendiger Verpackung. Auch bei Geschäftsessen können Geschenke angebracht sein. Europäer müssen sich nicht so streng an diese Regeln halten, aber ein traditionelles Geschenk aus der Heimat wird sicherlich geschätzt. Es sollte jedoch nicht erwartet werden, dass das Geschenk sofort geöffnet wird.

Essen mit Stäbchen

In Japan wird traditionell mit Stäbchen gegessen. Es ist eine Kunst, Sushi fehlerfrei mit Stäbchen in den Mund zu befördern. Rülpsen und Naseputzen am Tisch gelten als Tabu, während das Schlürfen von Suppe durchaus erwünscht sein kann.

Alkohol in Gesellschaft

In Gesellschaft schenkt man sich nicht selbst nach, sondern lässt sich von der Begleitung bedienen und bedient diese im Gegenzug. Wer nichts mehr trinken möchte, sollte sein Glas nicht ganz leeren. Es ist anzumerken, dass manche Japaner ein Enzym zum Alkoholabbau fehlt, was zu schnellerer Trunkenheit führen kann.

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Trinkgeld

Das Geben von Trinkgeld ist in Japan unüblich und gilt sogar als unhöflich. Stattdessen reicht ein einfaches Dankeschön und ein Nicken oder eine Verbeugung, um Wertschätzung auszudrücken.

Verhalten in Zügen

In Zügen ist Essen (außer im Shinkansen) nicht erlaubt, und die Füße dürfen nicht auf die Sitze gelegt werden. Anstehen und Drängeln werden vermieden. Wenn ein Zug voll ist, sollte man sich nicht mit Gewalt hineinpressen.

Schuhe ausziehen

In japanischen Häusern werden Schuhe am Eingang ausgezogen. Gästen werden Hausschuhe angeboten oder sie laufen auf Socken weiter. Es ist ratsam, auf ordentliche Socken zu achten. Für die Toilette gibt es spezielle Toilettenschlappen, die nicht außerhalb des Toilettenbereichs getragen werden dürfen.

Onsen (japanisches Bad)

Viele Onsen verbieten Tätowierungen aufgrund ihrer Verbindung zur japanischen Mafia, der Yakuza. Wer tätowiert ist, sollte sich vorher über die Regeln des jeweiligen Onsen informieren oder einen privaten Onsen buchen. Im Onsen wird traditionell nach Geschlechtern getrennt. Vor dem Bad ist Duschen obligatorisch, und man sollte sich ruhig und rücksichtsvoll verhalten. Ein kleines Handtuch, Tenugui, dient zum Einseifen und Schweißabwischen und wird während des Badens auf dem Kopf getragen.

Rauchen

In vielen japanischen Restaurants und Bars wird noch geraucht, obwohl immer mehr Lokale darauf verzichten. Rauchen in der Öffentlichkeit ist jedoch verpönt. Raucher sollten die dafür vorgesehenen Raucherbereiche nutzen und einen Taschenaschenbecher mitführen, da es kaum öffentliche Mülleimer gibt.

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Tempelbesuche

In vielen Tempeln ist der Verzehr von Getränken, einschließlich Wasser, gesetzlich verboten. Auch das Kauen von Kaugummi kann untersagt sein. In historischen Anlagen ohne Steinboden müssen oft die Schuhe ausgezogen und Leihschlappen angezogen oder Socken getragen werden. Es empfiehlt sich, Schuhe zu tragen, die man schnell an- und ausziehen kann.

Das Wort "Nein"

Das Wort "Nein" gilt in Japan als sehr unhöflich, da es Ablehnung ausdrückt, die man vermeiden möchte. Stattdessen werden indirekte Formulierungen wie "Das ist schwierig" oder die Sandwich-Methode (Verpacken der Ablehnung zwischen Höflichkeiten) verwendet.

Umgang mit Wut

In vielen Gesellschaften wird erwartet, dass man seine Wut kontrolliert und nicht offen zeigt. Das Unterdrücken von Wut kann jedoch negative Auswirkungen haben. Japanische Forscher haben eine einfache Methode entwickelt, um Wut zu lindern: Man schreibt seine Gefühle auf ein Stück Papier und zerreißt oder entsorgt es anschließend.

Xenophobie und kulturelle Unterschiede

Einige Beobachter vermuten hinter bestimmten Verhaltensweisen in Japan Fremdenfeindlichkeit. Es ist jedoch wichtig, zwischen tatsächlicher Xenophobie und kulturell bedingten Unterschieden zu unterscheiden. Was als Ablehnung wahrgenommen wird, kann in Wirklichkeit auf Unsicherheit im Umgang mit Ausländern oder auf dem Wunsch beruhen, Konfrontationen zu vermeiden. Es ist auch wichtig zu beachten, dass es in Japan, wie in jedem anderen Land, Vorurteile und Diskriminierung gibt.

Home-Office und Online-Meetings

Eine Umfrage in Japan hat gezeigt, dass viele Büroangestellte Schwierigkeiten haben, sich an Online-Meetings anzupassen. Als störend empfunden werden beispielsweise Personen, die während des Meetings stumm bleiben, laute Hintergrundgeräusche verursachen, andere nicht ausreden lassen oder Computer- und Internetprobleme haben. Auch im Chat können lange Nachrichten oder das sofortige Verlassen des Chats nach dem Senden einer Nachricht für Unmut sorgen.

Reisevorbereitung und kulturelles Bewusstsein

Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Aufenthalt in Japan. Die Auseinandersetzung mit der japanischen Kultur und Gesellschaft kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden und die Reise angenehmer zu gestalten. Es gibt zahlreiche Reiseführer, Bücher und Online-Ressourcen, die Einblicke in die japanische Kultur, Etikette und den Alltag bieten.

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