Die Herz-Gehirn-Verbindung: Emotional-Logisches Denken

Einführung

Die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen, ist ein komplexer Prozess, der sowohl rationale als auch emotionale Aspekte beinhaltet. Oftmals wird zwischen Bauch, Herz und Kopf als den drei Intelligenzzentren unterschieden, die jeweils eine andere Perspektive und Qualität in unsere Entscheidungsfindung einbringen.

Die drei Intelligenzzentren

Der Bauch: Intuition und Instinkt

Der Bauch, verbunden mit dem Stammhirn, der evolutionär ältesten Hirnregion, reagiert am schnellsten. Er liefert uns das berühmte "Bauchgefühl" und weist uns eine erste Richtung. Der Bauch nimmt holistisch wahr, bleibt aber undifferenziert, ähnlich wie ein Daumen hoch oder runter. Er steht für Unabhängigkeit und Handeln, und Gefühle wie Wut und Willensstärke sind mit ihm verbunden. Der Bauch ist ich-zentriert und äußert sich in egoistischen Haltungen, wobei die Person nicht bereit ist, Rücksicht auf andere zu nehmen oder auf sofortige Bedürfniserfüllung zu verzichten. Diese Energie ist besonders in der Trotzphase von Kindern oder der Pubertät von Jugendlichen erkennbar.

Das Herz: Empathie und Beziehungen

Das Herz, verbunden mit dem limbischen System des Gehirns, bewegt sich ebenfalls auf der Gefühlsebene, ist aber du-zentriert. Mit dem Herzen sind komplexere Gefühle wie Empathie, Fürsorge und Geringschätzung verbunden. Es möchte Kontakt aufbauen, Beziehungen pflegen und Zugehörigkeit erleben. Unser Herz ist in der Regel für die emotionale Balance in uns zuständig und kontrolliert oft den Bauch, um Harmonie zu gewährleisten. Es hat einen Platz im Koordinatensystem von Raum und Zeit der Beziehungen, an dem es sich zu Hause fühlt und den es immer wieder anstrebt.

Der Kopf: Logik und Rationalität

Der Kopf, verbunden mit dem Neocortex oder Stirnlappen im Gehirn, ermöglicht uns, die rationale Seite unserer Entscheidungen und Handlungen auszuloten. Wir erörtern Argumente und wägen differenziert zwischen Pro und Contra ab. Mit dem Verstand haben wir die Fähigkeit zum logisch-abstrakten Schlussfolgern, die es uns erlaubt, über uns hinauszudenken, uns von unseren Gefühlen zu lösen und ganz allgemein, grundsätzlich, sachlich und theoretisch zu werden. Mit dem Kopf sind Planung und Orientierung verbunden, die Sicherheit in der Zusammenarbeit geben. Im Kopf sitzt allerdings auch unser "Richter", der zu sehr scharfen Urteilen fähig ist und vor Unterdrückung der anderen Energiezentren nicht zurückschreckt. Zynismus und Depression können als Reaktion der Seele auf unterdrückte Gefühle gedeutet werden.

Die Rolle der Gehirnhälften

Lange Zeit wurde angenommen, dass das menschliche Denken hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte stattfindet. Die neuesten Erkenntnisse der Gehirnforschung zeigen jedoch, dass auch die rechte Gehirnhälfte eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Informationen spielt. Während die linke Gehirnhälfte eher für logische und analytische Aufgaben zuständig ist, übernimmt die rechte die Verarbeitung von Emotionen und die Wahrnehmung von Zusammenhängen. Es gibt zwar funktionale Unterschiede zwischen den beiden Hemisphären, doch kann man nicht von einem links fokussierten oder rechts fokussierten Denken sprechen. Das Gehirn ist ein Netzwerk aus Milliarden von Verbindungen, das ständig in Bewegung, lernfähig und reaktionsschnell ist.

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Intuition als dritte Seite des Denkens

Neben unseren beiden Gehirnhälften gibt es noch eine weitere Seite des Denkens: die Intuition. Sie ist unterbewusst und deshalb schwer fassbar und äußert sich auf verschiedene Weise. Manche Menschen glauben, dass sie durch Träume, Vorahnungen oder Visionen aus der Umgebung eine Art Einsicht erhalten. Andere verlassen sich auf ihr Bauchgefühl, das ihnen sagt, was richtig oder falsch ist. Manchmal haben wir eine plötzliche Erkenntnis, die uns wie aus dem Nichts zu kommen scheint. Diese Art des Denkens hilft uns, schneller Entscheidungen zu treffen und komplexe Probleme zu lösen. Allerdings sollten wir auch darauf achten, unsere Intuition mit rationalen Überlegungen zu ergänzen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Das Herz als Denkorgan

Die neuesten Erkenntnisse der Gehirnforschung zeigen, dass menschliches Denken nicht nur im Gehirn stattfindet, sondern auch im Herzen! Das Herz ist nicht nur ein Organ, das Blut durch den Körper pumpt, sondern auch ein wichtiger Bestandteil unseres Nervensystems. Das sogenannte Herzgehirn, ein Nervengeflecht um das Herz herum, ist in der Lage, unabhängig von unserem Gehirn zu denken und Entscheidungen zu treffen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse ebnen den Weg für ein besseres Verständnis, wie Gehirn und Herz zusammenarbeiten und unser Denken und Leben beeinflussen.

Die Bedeutung des Herzens als Sitz der Seele und des Geistes ist seit langer Zeit bekannt. Schon in alten Mythen und Religionen wurde das Herz als ein wesentliches Organ für das Wohlbefinden des Menschen betrachtet. In der Bibel wird das Herz als "Sitz" oder "Ausgang des Lebens" beschrieben. Auch in asiatischen Weisheitslehren wird das Herz als Sitz des Geistes betrachtet. Es wird angenommen, dass das Herz mit allen anderen Organen im Körper verbunden ist und somit einen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat.

Die Stärkung des "Heartsets"

Unser "Heartset" kann auf verschiedene Arten gestärkt werden. Es ist wichtig, sich bewusst Zeit für Emotionen und Gefühle zu nehmen und sich mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen. Denn wenn wir uns selbst besser kennen und verstehen, können wir auch besser auf uns selbst und andere achten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist es, wirkliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Sich um Lieblingsmenschen zu kümmern und sich mit ihnen zu verbinden, steigert auch das eigene Glück und Wohlbefinden. Darüber hinaus ist es wichtig, dass man sich Zeit für sich selbst nimmt und sich auf die körperliche und geistige Gesundheit konzentriert. Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und genügend Schlaf sind wichtige Faktoren für ein erfülltes Leben.

Emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz bedeutet, die eigenen Gefühle zu kennen und sie optimal managen zu können. Empfindungen so zu regulieren, dass Zorn effektiv wird, Furcht bezähmbar. Das neuartige an dem Begriff Emotionale Intelligenz ist die Verbindung von zwei Welten, die lange Zeit als unvereinbar galten: Diffuse Emotionen und konkrete Intelligenz. Denn in unserer Gesellschaft dominiert weithin das Bild vom vernunftgesteuerten, bewussten und frei entscheidenden Menschen. Gefühle gelten als schwer fassbar und beängstigend; sie haben im Gegensatz zu Gedanken keinen konkret benennbaren Inhalt, sind gegenstandsarm und daher unpräziser.

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Die Hirnfoschung lehrt uns heute, dass Vernunft und Verstand eingebettet sind in die emotionale Natur des Menschen. Körper, Denken und Gefühle sind durch neuronale Netzwerke eng miteinander verbunden und funktionieren als Einheit. Emotionale Reize wirken auf nahezu alle Bereiche der Großhirnrinde, die unsere Wahrnehmung und komplexen Denkabläufe steuert. Das limbische System bewertet und wägt alles, was wir tun mit unserem emotionalen Erfahrungsschatz ab.

Stress und seine Auswirkungen auf das Gehirn

Unser Körper ist darauf eingerichtet, uns so gut wie möglich vor Gefahren zu schützen. Das Gehirn spielt dabei eine maßgebliche Rolle. In den frühen evolutionären Zeiten, aus denen die Stressreaktion stammt, ging es oft um Gefahren für Leib und Leben. Heute stehen in vielen Gesellschaften andere Gefahren im Vordergrund. Menschen erleben beispielsweise Stress, wenn ihr Selbstwert bedroht ist, wenn sie Angst haben, zu versagen oder von wichtigen anderen Menschen getrennt zu sein. Oder manchmal ganz einfach, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es gerne möchten. Doch egal was die Ursache ist, die Stressreaktion läuft immer noch nach dem gleichen alten Muster ab - selbst wenn man sich die stressige Situation nur vorstellt.

Eine sehr wichtige Hirnregion für unsere Erleben von Stress und Angst ist die Amygdala, ein kleiner, mandelförmiger Komplex von Nervenzellen im unteren Bereich des Gehirninneren. Sie ist Teil des sogenannten Limbischen Systems. Die Amygdala steuert unsere psychischen und körperlichen Reaktionen auf stress- und angstauslösende Situationen. Ab einer bestimmten Schwelle der Nervenaktivität setzt die Amygdala die Stressreaktion in Gang und aktiviert so die Kampf- und Flucht-Reaktion.

Chronischer Stress allerdings kann den präfrontalen Cortex verändern, so dass es schwieriger wird, sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Die Amygdala und die Angst

Die Amygdala schätzt Gefahren ein und steuert die Kaskade der Angstreaktionen. Direkt vom Thalamus erhält die Amygdala eine grobe Skizze der Situation, um schnell die Gefahr einzuschätzen. Eine genaue Analyse liefert etwas später der langsamere Weg vom Thalamus über den Neocortex und den Hippocampus. Die Amygdala dient Tier und Mensch also als Alarmanlage. Innerhalb von wenigen Millisekunden bewertet sie Situationen und schätzt Gefahren ein.

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Herzensbildung in der Geschichte

Im Laufe der Geschichte haben viele Philosophen, Pädagogen und Dichter immer wieder die These in Frage gestellt, dass Gefühle im absoluten Gegensatz zur Vernunft stehen. Pascal vertrat die Ansicht, dass die Mathematik zwar rationales Denken fördere, aber es viele nichtwissenschaftliche Lebensfragen gäbe, die weder die mathematische Vernunft noch der geometrische Geist beantworten könnten. In den existentiellen Fragen des menschlichen Lebens sei vielmehr die gefühlsmäßige Intuition als feinsinniger Geist gefragt.

Rousseau stellte in seinem Erziehungsroman das Ideal einer naturnahen, undogmatischen Erziehung auf, in der sich die natürlichen Anlagen des Kindes frei entwickeln sollen. Und dazu gehört natürlich auch das Recht auf die Freiheit von Gefühl und Leidenschaft. Pestalozzi betonte den Vorrang der Herzensbildung gegenüber der Geistesbildung.

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