Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus): Anatomie, Funktion und häufige Erkrankungen

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus), auch Hüftnerv oder Sitzbeinnerv genannt, ist der stärkste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er spielt eine entscheidende Rolle für die Funktion und Sensibilität der unteren Extremitäten. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie, die vielfältigen Funktionen und die häufigsten Erkrankungen, die mit dem Ischiasnerv in Verbindung stehen.

Anatomie des Ischiasnervs

Ursprung und Verlauf

Der Ischiasnerv ist ein peripherer Nerv des Beines, der sich aus mehreren Nervenwurzeln zusammensetzt. Sein Ursprung liegt im Plexus sacralis (Kreuzbeinnervengeflecht), welcher sich aus den Rückenmarkssegmenten L4 bis S3 zusammensetzt. Aus dem Plexus sacralis geht der dickste periphere Nerv des Menschen hervor. Seine Äste versorgen einen großen Teil der unteren Extremität sowohl motorisch als auch sensibel. Der Plexus sacralis ist ein Nervengeflecht, welches auf der Vorderseite des Kreuzbeins liegt. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet der Name daher auch “Kreuzgeflecht”. Zusammen mit dem Plexus lumbalis bilden beide die wichtigsten Nerven zur Versorgung der unteren Extremität. Häufig werden sie daher auch zum Plexus lumbosacralis zusammengefasst. Aus dem Plexus sacralis gehen fünf wichtige Nervenäste zur Versorgung der Rückseite des Oberschenkels, des Unterschenkels sowie des Fußes hervor. Zusätzlich dazu entspringen dem Nervengeflecht noch weitere, direkte Äste. Diese ziehen direkt zu Muskeln und werden daher auch als “Rami musculares” bezeichnet. M. Mm. M. M. Das Nervengeflecht befindet sich lateral der vorderen Foramina sacralia des Kreuzbeins. Anschließend verlaufen die Nerven durch das Foramen ischiadicum majus und schließlich durch das Foramen infrapiriforme. Ausnahme: Der N. Nerv Segmente Qualität Innervation N. gluteus superior L4 - S1 rein motorisch M. gluteus medius M. gluteus minimus M. tensor fasciae latae N. gluteus inferior L5 - S2 rein motorisch M. glutes maximus N. cutaneus femoris posterior S1 - S3 rein sensibel Dorsalfläche Oberschenkel bis Kniekehle Gesäßhaut Dammgegend N. ischiadicus L4 - S3 gemischt Ischiocrurale Muskulatur Alle Muskeln von Unterschenkel und Fuß Sensible Anteile an Unterschenkel und Fuß (ohne Medialseite) N. Läsion des Plexus sacralisSchäden am Plexus sacralis äußern sich durch eine Störung der Streckung und Abduktion im Hüftgelenk sowie der Beugung im Kniegelenk. Taubheitsgefühle können auf der Rückseite des Oberschenkels und an Unterschenkel beziehungsweise Fuß auftreten. Bei Irritation des N.

Der Ischiasnerv verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins, verläuft im Bereich des Beckens durch das Foramen ischiadicum majus und zieht dann in den Oberschenkel. Im weiteren Verlauf zieht er über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich in seine zwei Hauptäste aufteilt:

  • Nervus tibialis (Schienbeinnerv)
  • Nervus fibularis communis (Gemeinsamer Wadenbeinnerv)

Genau betrachtet besteht der Ischiasnerv schon seit seinem Ursprung aus diesen beiden Nerven. Die Nerven ziehen weiter bis zum Fuß und versorgen verschiedene Bereiche des Beines, wie die Oberschenkelrückseite, den Adductor magnus an der Beininnenseite, Teile des Unterschenkels und des Fußes.

Begleitende Strukturen

Zu den begleitenden Arterien des Nervs gehören die Arteria comitans nervi ischiadici sowie die Äste der Arteria circumflexa femoris medialis.

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Funktion des Ischiasnervs

Zu den wichtigsten Aufgaben des Ischiasnervs gehört es, Empfindungen des Beins an das Rückenmark weiterzuleiten. Er versorgt einen großen Teil der unteren Extremität sowohl motorisch als auch sensibel. Seine Äste versorgen die ischiocrurale Muskulatur, alle Muskeln von Unterschenkel und Fuß, sowie sensible Anteile an Unterschenkel und Fuß (ohne Medialseite).

Ein intakter Ischiasnerv bewegt und gleitet mit unseren Bewegungen, um mäßige Belastungen oder Kompressionen, welche auftreten auszugleichen. Probleme entstehen dann, wenn diese Fähigkeit des Nervs beeinträchtigt ist. Quetschungen, Reizungen, Entzündungen oder Verletzungen schränken die Bewegung und Funktionsfähigkeit des Nervs ein und haben eine Zunahme der Sensibilität zur Folge.

Häufige Erkrankungen des Ischiasnervs (Ischialgie)

Die häufigste Erkrankung des Ischiasnervs ist die so genannte Ischialgie, die man auch als Ischias oder Ischiasnervreizung bezeichnet. Schmerzen, die aufgrund einer Ischiasreizung entstehen, bezeichnet man als Ischialgie (umgangssprachlich auch kurz: Ischias).

Ursachen der Ischialgie

Verursacht werden kann solch eine schmerzhafte Ischiasnervreizung durch eine Entzündung des Nervs oder mechanischen Druck. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Bandscheibenvorfall: Normalerweise haben die Bandscheiben die Funktion eines Stoßdämpfers auf die Wirbelsäule. Durch den Alterungsprozess wird der Faserring, der die Bandscheiben umgibt, jedoch spröde, sodass es durch Belastung zum Einreißen des Ringes kommen kann. können eine Ischiasnervreizung verursachen, wenn sie von außen auf den Nerv drücken. Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (meist zwischen L4/L5 oder L5/S1) ist eine der häufigsten Ursachen für Ischialgie. Die Bandscheiben bestehen aus einem weichen Gallertkern, der von einem faserigen Ring umschlossen wird. Durch Verschleiß, Fehlbelastungen oder plötzliche Überbelastung kann es passieren, dass der Faserring reißt und Teile des Gallertkerns austreten. Wenn diese vorgefallene Bandscheibenmasse auf eine Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule drückt, entstehen starke Schmerzen, die entlang des Ischiasnervs bis ins Bein ausstrahlen können. Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall sind unter anderem Bewegungsmangel, Übergewicht, schwere körperliche Arbeit oder eine genetische Veranlagung zu schwächerem Bindegewebe.
  • Spinale Stenose: Die spinale Stenose ist eine degenerative Erkrankung, bei der sich der Wirbelkanal verengt und Druck auf die darin verlaufenden Nervenstrukturen ausübt. Ursachen für eine Wirbelkanalverengung sind: Arthrose der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenksarthrose), die zu knöchernen Anbauten (Osteophyten) führt, Verdickung des Ligamentum flavum, eines Bandes, das den Wirbelkanal stabilisiert, aber mit der Zeit verdicken und auf die Nerven drücken kann, Bandscheibenvorwölbungen (Protrusionen), die den Nervenraum einschränken. Typisch für die spinale Stenose ist ein belastungsabhängiger Schmerz, der sich beim Gehen oder Stehen verstärkt, aber durch Vorbeugen oder Sitzen bessert („Schaufensterkrankheit der Lendenwirbelsäule“).
  • Piriformis-Syndrom: Vom Piriformis-Syndrom spricht man, wenn der in der tiefen Hüftmuskulatur lokalisierte Piriformis-Muskel verkürzt oder verspannt ist. Da unterhalb dieses birnenförmigen Muskels der Ischiasnerv verläuft, kann eine Verhärtung des Muskels zu Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß führen, die in einigen Fällen bis ins Bein ausstrahlen. Die häufigste Ursache des Piriformis-Syndroms ist eine Überlastung. Daher zielt die Behandlung auf eine Entspannung des Piriformis-Muskels ab.
  • Weitere Ursachen: Ein weiterer Grund für eine Ischiasnervreizung kann eine Nervenentzündung wie die Lyme-Borelliose sein. Dabei kommt es durch Zeckenbisse zu einer schmerzhaften Entzündung der Nervenwurzeln. Becken-, Oberschenkelbrüche oder Erkrankungen des Iliosakralgelenkes können den Nerven in seiner Funktion stören oder sogar lähmen.

Symptome der Ischialgie

Die Beschwerden bei einer Ischiasnervreizung fallen verschieden aus, was davon abhängt, an welchem Ort es zu der Ischialgie kommt. Wird die Nervenreizung durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst, macht sich dies durch reißende und ziehende Schmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen, bemerkbar. Eine Reizung des N. ischiadicus äußert sich typischerweise in Form von einseitigen Schmerzen, die vor allem auf der Rückseite des Ober- und Unterschenkels sowie an der Fußaußenseite bzw. Niesen oder Husten verstärken die Beschwerden.

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Weitere Symptome können sein:

  • Schmerzen im Rücken, Gesäß und/oder hinterem Oberschenkel, die manchmal bis in die Wade und in die Zehen ausstrahlen
  • Plötzlich einschießende Schmerzen, teils brennend, stechend oder elektrisch
  • Je nach Ursache kann Gehen, längeres Sitzen, Treppensteigen, Beugen und Strecken der Wirbelsäule schmerzhaft sein
  • Nächtliche Schmerzen
  • Taubheitsgefühl und Lähmungen in der Gesäß- oder Oberschenkelregion
  • Kribbeln und Gefühlsstörungen im Bein
  • Kraft- und/oder Reflexverlust
  • Inkontinenz (bei diesen Symptomen sollte umgehend eine ärztliche Abklärung erfolgen)

Häufig wird eine Ischialgie mit dem Hexenschuss (Lumbago) verwechselt. Ein Hexenschuss beschränkt sich jedoch nur auf den Rücken. Ist der Nerv richtig eingeklemmt, kann es auch zu Lähmungserscheinungen kommen. Lähmungen des Ischiasnervs entstehen auch durch bestimmte Verletzungen wie z.B. Luxationen des Kreuz-Darmbeingelenks sowie Oberschenkel- oder Beckenbrüche.

Diagnose der Ischialgie

Eine genaue Diagnose ist entscheidend für die effektive Behandlung von Ischiasnerv-Schmerzen:

  • Anamnese: Erfassung der Krankengeschichte und Beschreibung der Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Tests wie der Lasègue-Test, bei dem das gestreckte Bein angehoben wird, um Schmerzen zu provozieren, können Hinweise auf eine Ischialgie geben. Eine Beteiligung des Ischiasnerven an den Schmerzbeschwerden weist der sogenannte Lasègue-Test nach: Der Patient liegt mit gestreckten Beinen und Füßen in neutraler Lage auf dem Rücken. Das passive Anheben eines Beines löst Schmerzen auf der erkrankten Seite aus.
  • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT-Scans können strukturelle Ursachen wie Bandscheibenvorfälle oder spinale Stenosen sichtbar machen.

Behandlung der Ischialgie

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Symptome:

  • Konventionelle Behandlungsmethoden: In weniger dramatischen Fällen wird eine Ischialgie mit Medikamenten oder orthopädischen Maßnahmen behandelt. Zudem sollte man Bettruhe halten und die Beine hochlagern; das verringert die Zugbelastung auf den Ischiasnerv.
    • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Muskelrelaxantien.
    • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Verbesserung der Flexibilität.
    • Injektionen: Kortikosteroid-Injektionen zur Reduzierung von Entzündungen.
    • Chirurgische Eingriffe: Bei schweren Fällen, die nicht auf konservative Behandlungen ansprechen, kann eine Operation erforderlich sein.
  • Osteopathie: Osteopathen verwenden verschiedene Techniken, um die Ursachen von Ischiasnerv-Schmerzen zu behandeln:
    • Strukturelle Techniken: Mobilisation und Manipulation der Wirbelsäule und des Beckens, um Fehlstellungen zu korrigieren und den Druck auf den Ischiasnerv zu reduzieren.
    • Weichteiltechniken: Behandlung von Muskelverspannungen, insbesondere im Bereich des Musculus piriformis, um eine mögliche Nervenkompression zu lindern.
    • Viszerale Techniken: Verbesserung der Beweglichkeit innerer Organe, die indirekt Einfluss auf die Wirbelsäulenfunktion haben können.
  • Weitere Maßnahmen:
    • Transkutane Elektrische Nervenstimulation ist ein konservatives Verfahren zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen. Die elektrische Reizung von Hautarealen erfolgt über Oberflächenelektroden. Dabei unterbindet der elektrische Reiz die Schmerzübertragung der Nerven zwischen Gehirn und Entstehungsort des Schmerzes.
    • Mit verschiedenen Techniken der Osteopathie löst der Therapeut Blockaden und Verspannungen. Die Osteopathie (griech. osteon “Knochen” und pathos “Leiden”) ist eine Behandlungsform aus dem Bereich der manuellen Therapien.

Prävention der Ischialgie

Das Risiko, eine Ischiasnerventzündung zu erleiden, steigt beispielsweise in der Schwangerschaft. Durch Verschiebungen anatomischer Strukturen, bedingt durch das stetige Wachstum des Kindes, kann es schnell passieren, dass es zu einem erhöhten Druck auf den Nerv kommt.

Mit den richtigen Maßnahmen und einer rückenfreundlichen Lebensweise kann man selbst einiges gegen Rückenschmerzen tun. Dazu gehören einseitige und übermäßige Belastungen, z. B. durch Fließbandarbeit oder körperlich schwere Tätigkeiten.

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Mitunter ist es möglich, einem Schmerz in der Region des Ischiasnervs vorzubeugen. Dafür sind regelmäßige Übungen für die Gesäß- und Rückenmuskulatur zu empfehlen. Bei einer Übung hebt man im Stand ein Bein langsam ab und senkt es dann wieder, ohne es dabei auf dem Boden abzusetzen. Bei einer anderen Übung begibt man sich in Rückenlage. Nun winkelt man ein Knie an und zieht es in Richtung der Schulter, während man darauf achtet, dass der Rücken flach auf dem Boden liegen bleibt. Im Alltag ist darauf zu achten, schwere Gegenstände immer nur aus den Knien heraus hochhebt, statt aus dem Rücken.

Um das Risiko von Ischiasnerv-Schmerzen zu minimieren, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßige Bewegung: Aktivitäten wie Schwimmen, Gehen oder Yoga stärken die Rückenmuskulatur und fördern die Flexibilität.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Anpassung von Sitzmöbeln und Arbeitsflächen, um eine korrekte Körperhaltung zu unterstützen.
  • Vermeidung von Überlastung: Richtige Hebetechniken und das Vermeiden von abrupten Bewegungen können Verletzungen vorbeugen.

Nervus femoralis: Ein weiterer wichtiger Nerv im Oberschenkel

Neben dem Ischiasnerv spielt auch der Nervus femoralis eine wichtige Rolle für die Funktion des Oberschenkels.

Anatomie und Verlauf des Nervus femoralis

Der Nervus femoralis ist der größte und stärkste Nerv des Plexus lumbalis, einem wichtigen Nervengeflecht, das aus den Rückenmarkssegmenten L1 bis L4 entspringt. Er ist wie die Hauptversorgungsleitung für die gesamte Vorderseite deines Oberschenkels.

Der Nervus femoralis verläuft zunächst im Becken, gut geschützt in einer Art Nische zwischen zwei wichtigen Muskeln: dem Musculus psoas major und dem Musculus iliacus. Schon in dieser frühen Phase gibt der Nerv erste, kleinere motorische Äste an genau diese beiden Muskeln ab. Der wohl entscheidendste Moment auf seiner Reise ist der Durchtritt unter dem Leistenband (Ligamentum inguinale). Genau hier verlässt der Nervus femoralis das Becken und gelangt endlich in den Oberschenkel. Diesen Durchgang, die sogenannte Lacuna musculorum, teilt er sich mit dem Hüftbeugemuskel (Musculus iliopsoas).

Unmittelbar nach dem Durchtritt unter dem Leistenband fächert sich der Nervus femoralis auf wie die Krone eines Baumes.

  • Vordere Äste (Rami anteriores): Diese sind hauptsächlich für das Gefühl zuständig und versorgen die Haut an der Vorder- und Innenseite des Oberschenkels.
  • Hintere Äste (Rami posteriores): Sie sind das Kraftwerk für den mächtigen vierköpfigen Oberschenkelmuskel, den Musculus quadriceps femoris.
  • Ein ganz besonderer Ast ist der Nervus saphenus. Er ist der längste rein sensible Ast des Nervus femoralis.

Funktion des Nervus femoralis

Der Nervus femoralis ist ein echter Held des Alltags, denn ohne ihn wäre Gehen, Treppensteigen oder das simple Aufstehen von einem Stuhl kaum denkbar. Er ist ein dynamischer Akteur in unserem Körper - ein Bote, der blitzschnell Befehle vom Gehirn an die Muskeln weiterleitet und genauso schnell sensorische Eindrücke zurückmeldet.

  • Die motorische Funktion des Nervus femoralis ist quasi dein unsichtbarer Helfer bei unzähligen Aktivitäten. Ohne diese feine Steuerung würde die Stabilität deines Knies sofort den Bach runtergehen.
    • Treppensteigen: Wenn du hochgehst, muss der Quadrizeps dein komplettes Körpergewicht gegen die Schwerkraft stemmen.
    • Gehen und Laufen: Bei jedem Schritt sorgt der Nerv dafür, dass dein Knie im passenden Moment gestreckt wird.
  • Neben der reinen Muskelkraft ist der Nervus femoralis aber auch für deine Sinneswahrnehmung zuständig. Er erschafft eine Art Landkarte deines Körpers im Gehirn. Sie sind aber für viel mehr als nur angenehme Gefühle verantwortlich. Sie schützen dich, indem sie bei Verletzungen Schmerzsignale senden und dir dabei helfen, deine Gliedmaßen im Raum wahrzunehmen, ohne ständig hinschauen zu müssen.

Schädigung des Nervus femoralis

Verfolgt man den Weg des Nervus femoralis von seinem geschützten Ursprung im Becken bis hin zu seinen feinsten Verästelungen im Bein, wird eines schnell klar: Diese wichtige Nervenbahn ist an mehreren Stellen ziemlich verletzlich.

Eine Läsion des Nervus femoralis kommt selten aus heiterem Himmel. Meistens steckt direkter Druck, eine Verletzung oder eine Erkrankung in unmittelbarer Nähe seiner anatomischen Route dahinter.

  • Druckschäden bei Operationen: Besonders bei Hüft-OPs, wie dem Einsetzen einer künstlichen Hüfte, kann der Nerv durch die Lagerung auf dem OP-Tisch oder durch Wundhaken unter Druck geraten.
  • Diabetes mellitus: Eine langjährige Zuckererkrankung kann zu einer sogenannten diabetischen Neuropathie führen.

Wenn der Nervus femoralis beleidigt ist, sendet der Körper ziemlich klare Signale. Das auffälligste Zeichen ist eine Schwäche des Musculus quadriceps femoris. Betroffene haben plötzlich massive Schwierigkeiten, ihr Knie zu strecken. Das führt zu einem unsicheren Gang und dem berüchtigten „Giving-way-Phänomen“, bei dem das Knie ohne Vorwarnung einfach wegknickt. Gleichzeitig kommt es zu Gefühlsstörungen im Versorgungsgebiet der sensiblen Äste. Patienten klagen oft über ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln an der Vorder- und Innenseite des Oberschenkels. Ist auch der Nervus saphenus mitbetroffen, können diese Missempfindungen bis zur Innenseite des Unterschenkels und zum Fuß ausstrahlen. Schmerzen, oft brennend oder stechend, sind ebenfalls häufig.

Diagnose und Therapie von Schädigungen des Nervus femoralis

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt prüft ganz gezielt die Muskelkraft, vor allem die Kniestreckung. Ein entscheidender Hinweis ist der Test des Patellarsehnenreflexes.
  • Elektroneurographie (NLG): Mit dieser Messung lässt sich die Nervenleitgeschwindigkeit bestimmen. Ein beschädigter Nerv leitet elektrische Impulse langsamer weiter.

Die Therapie hängt immer von der Ursache ab. Drückt zum Beispiel ein Bluterguss auf den Nerv, muss dieser vielleicht operativ entfernt werden.

  • Physiotherapie: Das ist das A und O.
  • Orthesen: Spezielle Schienen können das Kniegelenk stabilisieren.

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es leider nicht, denn Unfälle oder unvorhergesehene Folgen von OPs lassen sich nicht planen. Dein bester Schutzschild ist eine starke, ausbalancierte Muskulatur. Trainiere gezielt deine Rumpf-, Hüft- und Beinmuskulatur. Vermeide außerdem, lange Zeit direkten Druck auf die Leiste auszuüben. Das kann schon durch eine ungünstige Sitzhaltung oder schlecht sitzende Gürtel passieren.

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