Die Realität sieht oft so aus: In fast jedem Job gibt es Kollegen, die einem auf die Nerven gehen. Besonders in größeren Teams steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine Person regelmäßig die Geduld auf die Probe stellt. Unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsweisen, Einschätzungen und Erwartungen an die Zusammenarbeit sind häufige Gründe für dieses Gefühl. Oft wird jedoch vergessen, dass nervige Kollegen meist keine böse Absicht haben.
Auch wenn man sich seine Kollegen nicht immer aussuchen kann und ein Jobwechsel nicht unbedingt eine Verbesserung der Situation bedeutet, gibt es Möglichkeiten, den Umgang mit nervigen Kollegen zu erlernen und den Arbeitsalltag motivierter und produktiver zu gestalten. Entscheidend ist, die verschiedenen Typen von nervigen Kollegen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Die verschiedenen Typen nerviger Kollegen und passende Strategien
Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensweisen, die Kollegen nervig machen können. Hier werden einige der häufigsten Typen und Strategien für den Umgang mit ihnen vorgestellt:
Der chronisch Unpünktliche
Termine und Deadlines sind für diesen Kollegen nur Richtlinien. Aus 12 Uhr wird schnell 13:30 Uhr, und er kommt zu Meetings, wenn diese bereits im Gange sind. Chronische Unpünktlichkeit signalisiert fehlenden Respekt und den Glauben, sich mehr herausnehmen zu können als andere.
Strategie: Klare Grenzen setzen. Verspätungen nicht stillschweigend akzeptieren, da dies das Verhalten nur verstärkt.
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Der Besserwisser
Typische Sätze sind "Das sollten wir lieber so machen…" oder "Ich habe da eine viel bessere Idee…". Besserwisserei ist ein verbreitetes Phänomen, bei dem sich Kollegen in Szene setzen und andere kleiner machen wollen, um sich selbst aufzuwerten.
Strategie: Dem Besserwisser keine Bühne bieten. Nicht auf das Gesagte eingehen oder ungefragte Einwände bis ins kleinste Detail hinterfragen.
Der Hilfsbedürftige
Dieser Kollege kann nichts alleine, fragt ständig um Erklärungen, bittet um Hilfe oder jammert, weil er etwas nicht verstanden hat. Oft wird gar nicht erst versucht, ein Problem selbst zu lösen.
Strategie: Den Betroffenen auch einmal hängen lassen. Nicht immer sofort zur Hilfe eilen, damit der Kollege lernt, selbstständig zu arbeiten.
Der Rampensau
Für diesen Kollegen gibt es nur einen Platz: den Mittelpunkt. Egal, ob es sich um eine Präsentation oder eine Teamaufgabe handelt, er drängt sich in den Vordergrund und will die Lorbeeren ernten. Anerkennung und Aufmerksamkeit stehen im Vordergrund.
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Strategie: Für Klarstellung und Korrektur sorgen. Wenn jemand die gesamte Verantwortung und Anerkennung für sich beansprucht, sofort unterbrechen und die Beteiligung aller Teammitglieder hervorheben. Mit einem deutlichen "Eigentlich war es eine Teamleistung von Frau Schmitz, Herr Meier, Herr Müller und mir selbst" nimmt man Protagonisten den Wind aus den Segeln.
Der Choleriker
Dieser Kollege rastet aus, kocht vor Wut, regt sich über Kleinigkeiten auf und verliert regelmäßig die Kontrolle. Andere Mitarbeiter bekommen die Schimpftirade ab, was nicht nur nervig, sondern auch unprofessionell ist.
Strategie: Im akuten Wutanfall abwarten, bis sich der Choleriker beruhigt hat. Anschließend ein Vier-Augen-Gespräch führen und deutlich machen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist. Bei Uneinsichtigkeit den Chef einschalten.
Der Faule
Während alle anderen im Stress sind und kaum mit der Arbeit hinterherkommen, scheint dieser Kollege davon nichts zu merken. Er sitzt faul an seinem Platz und schlürft Kaffee, während andere seine Arbeit mit erledigen müssen.
Strategie: Den faulen Kollegen bloßstellen, damit seine Nichtleistung auffällt.
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Der Schleimer
Schleimer biedern sich beim Chef an, stellen sich bei jeder Gelegenheit auf seine Seite und wollen von der guten Beziehung zur Führungskraft profitieren. Das ständige "Oh ja Chef, schon wieder so eine tolle Idee von Ihnen…" ist für das gesamte Team unerträglich.
Strategie: Das Schleimen selbst kann man kaum stoppen. Idealerweise macht der Chef deutlich, dass solche Versuche nicht funktionieren. Für Sie bleibt vor allem eins: Machen Sie es dem Schleimer nicht nach, sondern punkten Sie mit Engagement und Leistung.
Der Angeber
Dieser Kollege erzählt ständig von seinen Erfolgen, wichtigen Projekten und großen Verantwortungen, egal ob es jemanden interessiert oder nicht. Angeber suchen Anerkennung und wollen ihr Selbstwertgefühl steigern.
Strategie: Ignorieren. Sich vollkommen unbeeindruckt geben oder die Angeberei höchstens mit einem gelangweilten Lächeln quittieren. Gegebenenfalls von noch größeren Erfolgen berichten.
Der Intrigant
Dieser Kollege streut Gerüchte, macht andere Kollegen schlecht oder versucht, das Team gegeneinander aufzubringen. Sein Ziel ist immer der eigene Vorteil.
Strategie: Kontakt so gut es geht meiden. Dem Intriganten möglichst wenig Angriffsfläche bieten, indem man nichts von sich erzählt. Sollte er dennoch Gerüchte oder Lügen verbreiten, diese sofort richtigstellen.
Der Nörgler
Dieser Kollege ist grundsätzlich gegen alles und stellt sich quer. Ideen sind blöd, die Aufgabenverteilung passt nicht, Entscheidungen sind falsch, und Veränderungen sind sowieso schlecht.
Strategie: Endlose Diskussionen vermeiden. Die negative Grundeinstellung lässt sich kaum mit Argumenten überwinden.
Zusätzliche Strategien für den Umgang mit schwierigen Kollegen
Neben den spezifischen Strategien für die einzelnen Typen gibt es auch allgemeine Verhaltensweisen, die helfen können, den Umgang mit schwierigen Kollegen zu erleichtern:
- Selbstreflexion: Reflektieren Sie, warum Sie sich über das Verhalten des Kollegen ärgern. Oft stört man sich an Eigenschaften, die man selbst nicht hat oder gerne hätte.
- Gespräch suchen: Sprechen Sie das Problem direkt an, aber vermeiden Sie Vorwürfe. Formulieren Sie Ich-Botschaften und beschreiben Sie die Situation neutral.
- Akzeptanz: Wenn sich die Situation nicht ändern lässt, versuchen Sie, den Kollegen zu akzeptieren, wie er ist.
- Grenzen setzen: Reduzieren Sie den Kontakt auf das Nötigste und lassen Sie sich nicht in Diskussionen verwickeln.
- Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson, dem Betriebsrat oder einem Coach, um gemeinsam Lösungen zu finden.
- Sich abgrenzen: Tragen Sie den Konflikt nicht mit nach Hause. Sorgen Sie für einen Ausgleich in Ihrer Freizeit.
- Nicht persönlich nehmen: Versuchen Sie, das Verhalten des Kollegen nicht persönlich zu nehmen. Oft hat es nichts mit Ihnen zu tun.
- Ignorieren: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Arbeit und ignorieren Sie das nervige Verhalten des Kollegen.
- Humor: Versuchen Sie, die Situation mit Humor zu nehmen. Das kann helfen, die Anspannung zu reduzieren.
- Konsequenzen aufzeigen: Machen Sie dem Kollegen klar, welche Konsequenzen sein Verhalten hat.
- Dokumentieren: Dokumentieren Sie Vorfälle, um im Falle einer Eskalation Beweise zu haben.
- Eskalation vermeiden: Vermeiden Sie es, den Konflikt zu eskalieren. Bleiben Sie ruhig und sachlich.
- Professionelle Hilfe: Ziehen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie den Konflikt nicht alleine lösen können.
- Resilienz stärken: Bauen Sie Ihre psychische Widerstandskraft auf, um besser mit Stress und schwierigen Situationen umgehen zu können.
- Perspektivenwechsel: Versuchen Sie, die Situation aus der Perspektive des Kollegen zu betrachten.
- Den Feierabend leben: Gestalten Sie Ihre Freizeit so, dass Sie sich erholen und neue Energie tanken können.
- Sich Luft machen: Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über den Konflikt.
- Die Reißleine ziehen: Wenn alle Stricke reißen und die Situation unerträglich wird, ziehen Sie die Konsequenzen und suchen Sie sich einen neuen Job.
Kommunikative Methoden, um leichter mit Andersdenkenden umzugehen
Es gibt verschiedene kommunikative Methoden, die helfen können, den Umgang mit schwierigen Kollegen zu erleichtern:
- Konsequent alle Auffälligkeiten ignorieren: Tun Sie so, als hätten Sie das nervige Verhalten nicht bemerkt.
- Reden lassen und auf Durchzug schalten: Lassen Sie die Nervensäge reden, hören Sie aber kaum zu und kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten.
- So tun, als würden Sie es nicht verstehen: Stellen Sie sich ahnungslos, naiv oder dumm, bis die Nervensäge aufgibt.
- Anerkennen und direkt zurückgeben: Versichern Sie Zustimmung, geben Sie die Verantwortung aber zurück.
- Ohne schlechtes Gewissen auflaufen lassen: Verweigern Sie sich jeder Vereinnahmung und stehen Sie weder als Tröster noch als Helfer zur Verfügung.
- Absichtlich eskalieren lassen: Eskalieren Sie den Konflikt absichtlich, indem Sie - eindrucksvoll gespielt - ausflippen.
- Durch Beschäftigung zum Schweigen bringen: Verteilen Sie Aufgaben an unterbeschäftigte Nervensägen und binden Sie so deren überschüssige Energie produktiv.
- Die weitere Zusammenarbeit ablehnen: Erklären Sie, mit einer bestimmten Nervensäge nicht mehr zusammenzuarbeiten.
- Darauf vertrauen, dass sie sich selbst erledigen: Vertrauen Sie darauf, dass sich die Nervensäge von selbst erledigt, da ihr Verhalten sich irgendwann gegen sie selbst richtet.
Wann man sich wehren muss
Nicht jeder Ärger mit Kollegen ist gleich ein Grund zur Sorge. Persönliche Angriffe, Beleidigungen oder Mobbing sind jedoch ernstzunehmende Konflikte, die nicht hingenommen werden dürfen. Auch dauerhafte Sticheleien, passiv-aggressives Verhalten oder wiederholte Respektlosigkeit beeinträchtigen auf Dauer Stimmung, Selbstwertgefühl und Motivation. In solchen Fällen ist es wichtig, sich zu wehren und Unterstützung zu suchen.