Dimenhydrinat-Überdosierung bei Kindern: Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem und wichtige Sicherheitshinweise

Einführung

H1-Antihistaminika der ersten Generation, wie Dimenhydrinat, werden in der Pädiatrie zunehmend kritisch gesehen. Eine neue Studie bestätigt die Bedenken, dass diese Substanzen bei Kindern Krampfanfälle auslösen können. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken einer Dimenhydrinat-Überdosierung bei Kindern, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem (ZNS), und gibt wichtige Sicherheitshinweise für Eltern und medizinisches Fachpersonal.

Was sind H1-Antihistaminika?

H1-Antihistaminika sind eine Gruppe von Medikamenten, die die Wirkung von Histamin blockieren, einem Gewebshormon, das eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen spielt. Histamin verursacht unter anderem Rötungen und Juckreiz auf der Haut. In schweren Fällen kann es auch zu einem Abfall des Blutdrucks, Atemnot bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen.

Generationen von Antihistaminika

Es gibt verschiedene Generationen von Antihistaminika, die sich in ihrer Wirkung und ihren Nebenwirkungen unterscheiden:

  • Antihistaminika der ersten Generation: Diese älteren Antihistaminika, wie Diphenhydramin, Dimenhydrinat und Doxylamin, sind lipophil und können daher gut in das ZNS eindringen. Sie wirken an zentralen H1-Rezeptoren und haben zusätzlich sedierende und antiemetische Eigenschaften. Sie werden hauptsächlich als Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie als Antiemetika eingesetzt.
  • Antihistaminika der zweiten Generation: Diese neueren Antihistaminika, wie Loratadin oder Cetirizin, weisen nur eine geringe Lipophilie auf und gelangen daher kaum ins ZNS. Sie haben weniger sedierende Nebenwirkungen und werden bevorzugt bei Allergien eingesetzt.

Sicherheitsbedenken bei Antihistaminika für Kinder

Früher waren Antihistaminika der ersten Generation fester Bestandteil der Arzneimitteltherapie bei Kindern. Die entsprechenden Präparate waren nicht verschreibungspflichtig und wurden oft als harmlos angesehen. Insbesondere bei Magen-Darm-Infekten mit Übelkeit und Erbrechen griffen Eltern häufig auf diese Medikamente zurück.

Im Jahr 2012 äußerte die Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter jedoch Sicherheitsbedenken, da es bei jüngeren Kindern teilweise zu schweren Nebenwirkungen und sogar zu Todesfällen gekommen war. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) leitete daraufhin ein Risikobewertungsverfahren zur Anwendung der Antihistaminika der ersten Generation ein.

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Ergebnisse des Risikobewertungsverfahrens

Nach Abschluss des Verfahrens wurde Doxylamin (Sedaplus® Saft) zur Behandlung von Schlafstörungen bei Kindern bis 18 Jahren verschreibungspflichtig. Für Dimenhydrinat (Vomex A® Sirup) wurden verschiedene Warnhinweise aufgenommen:

  • Der Wirkstoff darf bei Kindern unter drei Jahren bei einem akuten Magen-Darm-Infekt mit Erbrechen und Fieber sowie bei fieberhaften Infekten nicht mehr angewendet werden.
  • Ein Warnhinweis macht darauf aufmerksam, dass Überdosierungen lebensbedrohlich sein können und daher unbedingt vermieden werden müssen.
  • Diphenhydramin wird als Schlafmittel (vivinox® Sleep Tabletten) ab 18 Jahren oder bei Reiseübelkeit (Emesan® Tabletten) ab 6 Jahren eingesetzt und ist für jüngere Kinder ohnehin nicht geeignet.

Studie untersucht Anfallsrisiko nach H1-Antihistaminika

Eine aktuelle Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einnahme von H1-Antihistaminika und dem Auftreten von Krampfanfällen bei Kindern. Das Forschungsteam wertete Abrechnungsdaten der südkoreanischen Krankenversicherung aus und analysierte die Daten von über 10.000 Kindern über sechs Monate, die aufgrund eines Krampfanfalls in die Notaufnahme eingeliefert wurden.

Die Ergebnisse zeigten, dass nach der Einnahme eines H1-Antihistaminikums der ersten Generation bei den Kindern ein um 22 % erhöhtes Anfallsrisiko bestand. Dieser Zusammenhang war besonders ausgeprägt bei Kindern zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.

Die Studie unterstreicht, dass jüngere Kinder besonders empfindlich auf zentral wirksame Arzneimittel reagieren. Kinder dieser Altersklasse neigen ohnehin zu Fieberkrämpfen im Rahmen von Infektionen. Dieses Risiko kann durch die Einnahme eines möglicherweise krampfauslösenden Arzneistoffs gesteigert werden.

Dimenhydrinat: Dosierung unbedingt beachten

Dimenhydrinat (Vomex A® Sirup) ist zwar für Kinder ab 6 kg Körpergewicht zugelassen, jedoch sollten Eltern darauf hingewiesen werden, dass Kinder unter 3 Jahren mit einfachen Magen-Darm-Infekten oder fiebrigen Infektionen nicht mit Dimenhydrinat behandelt werden sollten. In dieser Altersklasse ist bei Erbrechen und Durchfall vielmehr auf eine ausreichende Zufuhr von Elektrolyten und Flüssigkeit zu achten.

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Überdosierungen sind bei jüngeren Kindern besonders gefährlich, da es zu schweren Nebenwirkungen wie Krampfanfällen kommen kann. Um eine unbeabsichtigte Überdosierung durch die Eltern zu verhindern, darf die Dosierung bei Säften nicht nur in Milligramm angegeben werden. Die jeweilige Einzeldosis sowie die maximale Tagesdosis sollten in Millilitern auf der Packung notiert werden.

Empfohlene Dosis von Vomex A® Sirup

Körpergewicht des KindesEinzeldosisTagesgesamtdosis
6 bis 10 kg2,5 ml (= 8,25 mg Dimenhydrinat)3 mal 2,5 ml (= 24,75 mg Dimenhydrinat)
> 10 bis 15 kg5,0 ml(= 16,5 mg Dimenhydrinat)3 mal 5,0 ml(= 49,5 mg Dimenhydrinat)
> 15 bis 20 kg7,5 ml(= 24,75 mg Dimenhydrinat)3 mal 7,5 ml(= 74,25 mg Dimenhydrinat)

Eltern sollten außerdem darüber informiert werden, dass bei einer vermeintlich ungenügenden Aufnahme des Medikaments, beispielsweise durch Erbrechen des Kindes, nicht nachdosiert werden darf.

Sind Antihistaminika bei Reisekrankheit geeignet?

Antihistaminika der ersten Generation werden häufig zur Prophylaxe und Behandlung von Kinetosen (Reisekrankheiten) eingesetzt. Vomex A® Sirup ist auch zur Therapie der Reisekrankheit zugelassen. Reiseübelkeit entsteht, wenn der Körper während einer Fahrt widersprüchliche Sinneseindrücke wahrnimmt. Histamin gilt hier als mitverantwortlich für möglicherweise auftretendes Erbrechen.

Bei Kindern ab 3 Jahren ist der Einsatz Dimenhydrinat-haltiger Präparate vertretbar, auch Diphenhydramin kann ab 6 Jahren eingesetzt werden. Bei Kindern unter 3 Jahren sollten dagegen bei Reisekrankheit nichtpharmakologische Maßnahmen ausgeschöpft werden.

Wirkungsweise von Dimenhydrinat

Dimenhydrinat wirkt im Brechzentrum (Area postrema) im Gehirn. Dort blockiert es Histamin-Rezeptoren, welche Impulse zum Brechzentrum weiterleiten und verhindert so Erbrechen bzw. das Gefühl von Übelkeit. Dimenhydrinat wirkt als H1-Rezeptor-Antagonist hauptsächlich antiemetisch und anticholinerg.

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Überdosierung von Dimenhydrinat

Dimenhydrinat besitzt eine sehr geringe therapeutische Breite. Die Letaldosis bei Kindern beträgt 10 mg/kgKG, es sind zahlreiche Todesfälle von Kindern durch die falsche Verabreichung von Dimenhydrinat beschrieben. Eine Überdosierung mit Diphenhydraminhydrochlorid kann insbesondere bei Kindern unter 3 Jahren lebensbedrohlich sein und muss deshalb insbesondere in dieser Altersgruppe unter allen Umständen vermieden werden.

Symptome einer Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung können Symptome wie starke Schläfrigkeit, Krampfanfälle, Atemnot und Herzrhythmusstörungen auftreten.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem epileptischen Anfall mit Bewusstseinsstörung

  • Am wichtigsten ist es, anfallsbedingte Verletzungen zu verhindern. Deshalb: Den Betroffenen aus etwaigen Gefahrenzonen wie Treppennähe, Straßenverkehr etc. bringen, scharfkantige Möbel entfernen, evtl. Brille abnehmen und etwas Weiches unter den Kopf schieben.
  • Nicht versuchen, krampfende Gliedmaßen festzuhalten, festgehaltene Gegenstände mit Gewalt zu entfernen oder die Zähne auseinanderzubringen.
  • Kleidung lockern, um die Atmung zu erleichtern.
  • Möglichst während der gesamten Anfallsdauer beim Betroffenen bleiben. Ruhe bewahren. Ein epileptischer Anfall hört in der Regel von selbst wieder auf und schädigt das Gehirn nicht. Nach dem Anfall kann der Betroffene allerdings eine Zeit lang verwirrt sein.
  • Wenn der Betroffene nach dem Anfall schläft, ihn in eine stabile Seitenlage bringen (um Speichelabfluss zu ermöglichen).
  • Dauert der Anfall länger als 5 bis 10 Minuten oder treten mehrere Anfälle hintereinander auf, Notruf absetzen.

Behandlung einer Überdosierung

Bei schweren Vergiftungen (Bewusstlosigkeit, Herzrhythmusstörungen) bzw. OÂ2OY ΨêãϽÀ.&Õ,ÙÁYäª âú[kÆ“¼ ²4Â? 㔂?ùé'?Ù‘+Ƀ#ì×. Ž´ÕÕ#??’Ee¨³³óúõë‚ÒÆ¦éη)ªO? ym¿94쉮Ö­ðxP>(L•$½EJ*? ï}ö>ïû¾. _eÛùWðu¾Á?ðM¾Å·ùßåùßçìà‡ü~Dé]¦+t•l>º]u] .H¬ûæò~òª:ãð÷¾ç{ÎyßûÞ{ÎåÂ6¶ï²]:"eYšéì‰IŒ13$!‚Ò”ÞAš4AP œÄÉ8†ƒ„. ,Ztåʲ,‘! \*­LŸc/R‰>˜ß›ëŽm¿‹¾˜£;~‡•›ŠKDj‹Bu£’ÏØlÅQBz§»˜ñ;˜!i^ƒÛ?b]ý6µqA6O:úVéuï2ÄðÂ}Ðí(X(Ö?ßÝ5†ýÖvÑù‚ãüìzÕ-VÞtÛ-†ýv£RXv¾z³ \~Çm8Öð\_ì|èÝuæúö´W/ç’;ixt#WÚÚÓï&öçm8>4Ý;“f-ú;ïÖœ±›¼,†¿Ë…ë 2Ïd·'BWojí£É3iô´_³*iwî3? Šü]Oß 62xUŽüZk¬‹í')zNÌg·ÖŠiqYVU¦öGìö­qªfRxE§J§mŠ’éI€àʽÕ;XïNJ+ÙÔv¹Ê® ɪ•âÚê"u;'¶f“ëÍâÝ£¥Ù9³5¤¢ªñ~"_ ò¤í”iVŽ_Ch h ¥ZÖbÓ^ÀíàmJ‘¤³'„DõÎT4 µR´r¹À-QÕìœÙšM§W›Ä:ß²gf®f¡¼XÐMå/IÚ98Ò­®†Ò%kƺÌZ~. ß j:`ܱ9§¡­eÞÆ¥ëjß? zÿ­êûÉù7|-\¨éK½ñ¶g¢Zö!°ï~ÿÖõ}äüÞýÿ­êûÉù7|-\¨éƒ{ãlÏDµâ³÷þ·«ï'ä÷ïýoWÞOÈ7|-\¨éƒ{âìÏDµàl;ß¿õ½_y? w¿ëz¾ò~A»ámGI½ñvg¢Zð3ûÞ¿õ½_y? S-­˜wϾŽ-­ ûÓÏð¬N>'‰ß2¬]VÖî|DÄÖùS.¿´¹]ÕóÜ^àE /ðb^’˜D-ÚFÊn! ist eine Magenspülung (innerhalb der 1. Volumensubstitution, Antikonvulsiva, gefäßverengende Medikamente (kein Adrenalin!) und ggf. Antiarrhythmika, bei kardialen Komplikationen u. U. Natriumhydrogencarbonat indiziert.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Dimenhydrinat kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Es ist daher wichtig, vor der Einnahme von Dimenhydrinat eine Ärztin oder einen Arzt bzw. zu konsultieren. Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern (z. B. Monoaminooxidase-Hemmer (z.B. Das Risiko für additive anticholinerge Effekte ist erhöht. Additive (QT verlängernde/sedative) Wirkung. Kombination kontraindiziert. Kombination vermeiden. Blutdrucksenkende Arzneimittel (z.B. Die Plasmakonzentration der blutdrucksenkenden Arzneimittel kann erhöht sein. Bei dauerhafter Verabreichung von Dimenhydrinat sollte das Ansprechen auf die blutdrucksenkenden Mittel überwacht und ggf.

Kontraindikationen

Kontraindikationen schließen unter anderem Engwinkelglaukom, Prostatahyperplasie, Epilepsie und bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein.

Lagerungshinweise

Dimenhydrinat sollte bei Raumtemperatur und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Nicht mehr benötigte oder abgelaufene Medikamente sollten nicht im Hausmüll entsorgt werden.

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