Gefühl Gehirn wackelt Ursachen: Ein umfassender Überblick über Schwindel

Schwindel, im Lateinischen als Vertigo bekannt, ist ein weit verbreitetes Symptom, das das Gefühl von Bewegung oder Instabilität hervorruft, selbst wenn keine tatsächliche Bewegung stattfindet. Betroffene beschreiben oft, dass sich die Umgebung dreht oder schwankt, was zu Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen führen kann. Schwindel ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Anzeichen für verschiedene zugrunde liegende Ursachen, die unterschiedliche Therapieansätze erfordern.

Arten von Schwindel

Es lassen sich grundsätzlich zwei Hauptarten von Schwindel unterscheiden:

  • Zentraler Schwindel: Diese Form entsteht durch Störungen im Gehirn, insbesondere im Hirnstamm oder Kleinhirn, die für die Verarbeitung von Gleichgewichtsinformationen zuständig sind.
  • Peripherer Schwindel: Hier liegt die Ursache in einer Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr oder des Gleichgewichtsnervs (Nervus vestibularis), der Informationen vom Innenohr zum Gehirn leitet. Zu den häufigsten Ursachen für peripheren Schwindel zählen der gutartige Lagerungsschwindel und die Menière-Krankheit.

Ursachen von Schwindel

Die Ursachen für Schwindel sind vielfältig und können sowohl organische als auch psychische Faktoren umfassen. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die geeignete Behandlung einzuleiten.

Gutartiger Lagerungsschwindel (BPLS)

Der gutartige Lagerungsschwindel ist die häufigste Form von Schwindel und betrifft etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Er wird durch kleine Kalziumkristalle (Otolithen) verursacht, die sich in den Bogengängen des Innenohrs ansammeln. Diese Kristalle reizen die Sinneszellen und führen zu kurzzeitigen, heftigen Schwindelattacken, insbesondere bei bestimmten Kopfbewegungen wie dem Umdrehen im Bett oder dem Aufrichten aus dem Liegen.

Symptome:

  • Kurze, heftige Drehschwindelattacken, die durch Kopfbewegungen ausgelöst werden
  • Übelkeit

Diagnose:

  • Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
  • Hallpike-Test: Dabei werden Kopf und Rumpf mit ärztlicher Unterstützung rasch in einer fest vorgegebenen Abfolge bewegt. Wird dadurch ein Schwindelanfall ausgelöst, handelt es sich um einen gutartigen Lagerungsschwindel.
  • Beobachtung der Augenbewegungen (Nystagmus) während des Schwindelanfalls

Behandlung:

  • Lagerungsmanöver: Spezielle Übungen, die von einem Arzt oder Physiotherapeuten durchgeführt werden, um die Kristalle aus den Bogengängen zu entfernen.
  • In vielen Fällen bildet sich Lagerungsschwindel von selbst zurück.

Morbus Menière

Die Menière-Krankheit ist eine Erkrankung des Innenohrs, die die Funktion des Gleichgewichtsorgans erheblich beeinträchtigt.

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Symptome:

  • Anfallsartiger Drehschwindel, der zwischen 20 Minuten und 24 Stunden andauern kann
  • Ohrendruck
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Einseitige Hörminderung

Behandlung:

  • Salzarme Ernährung
  • Diuretika ("Wassertabletten")
  • Behandlung der Migräne bei Schwindelmigräne

Neuritis vestibularis

Eine Neuritis vestibularis ist eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs, die in den meisten Fällen durch Herpesviren verursacht wird.

Symptome:

  • Plötzlicher Dreh- und Kippschwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Die Beschwerden nehmen in den ersten Stunden rasch zu, bleiben einige Tage und bilden sich schließlich innerhalb von Tagen bis Wochen zurück.

Behandlung:

  • Die Besserung der Beschwerden ist darauf zurückzuführen, dass das Gehirn lernt, den Ausfall eines Gleichgewichtsorgans zu kompensieren.

Psychosomatischer Schwindel

Schwindel kann auch psychisch bedingt sein, insbesondere im Rahmen von Angsterkrankungen. Experten sprechen dann von einem somatoformen oder psychosomatischen Schwindel.

Symptome:

  • Phobischer Schwankschwindel: Schwindelanfälle treten nur in bestimmten Situationen auf, zum Beispiel beim Aufenthalt in großen Menschenmengen oder beim Überqueren großer Plätze.
  • Erlernter Schwindel: Betroffene fühlen unbewusst einen Schwindel, auch wenn sich keine organische Ursache mehr finden lässt.

Behandlung:

  • Psychotherapie
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Unterstützende physiotherapeutische Therapien
  • Ablenkung durch Sport und Bewegung

Weitere Ursachen

Neben den genannten Ursachen können auch andere Faktoren Schwindel auslösen:

  • Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere solche gegen Bluthochdruck, können als Nebenwirkung Schwindel verursachen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck oder Durchblutungsstörungen im Gehirn können zu Schwindel führen.
  • Neurologische Erkrankungen: Migräne, Multiple Sklerose, Parkinson oder Schlaganfälle können ebenfalls Schwindel verursachen.
  • Infektionen: Innenohrentzündungen oder Virusinfekte können das Gleichgewichtsorgan beeinträchtigen.
  • Hormonelle Veränderungen: In seltenen Fällen können hormonelle Veränderungen, beispielsweise in den Wechseljahren, Schwindel auslösen.
  • Angst und Panikstörungen: Menschen mit Angststörungen oder Panikattacken leiden häufiger unter Schwindelgefühlen.
  • Zervikogener Schwindel: Verspannungen im Nackenbereich können zu Schwindel führen.
  • Vestibuläre Migräne: Diese Form von Migräne tritt am häufigsten bei Patienten auf, bei denen Migräne bereits aus der familiären Vorgeschichte bekannt ist. Die Patienten leiden oft unter Kopfschmerzen mit Schwindel oder Benommenheit.

Diagnose von Schwindel

Um die Ursache von Schwindel zu ermitteln, ist eine umfassende Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Art des Schwindels, die Begleitsymptome, mögliche Auslöser und die Krankengeschichte des Patienten.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Gleichgewichtsorgan, die Augen, das Nervensystem und das Herz-Kreislauf-System.
  • Hörtest: Ein Hörtest kann Hinweise auf eine Innenohrerkrankung liefern.
  • Gleichgewichtstests: Verschiedene Tests, wie der Romberg-Test oder der Unterberger-Test, können das Gleichgewicht beurteilen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen oder Infektionen zu identifizieren.
  • Kreislaufmessung: Eine Kreislaufmessung kann helfen, die orthostatische Benommenheit aufzudecken.

Behandlung von Schwindel

Die Behandlung von Schwindel richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch helfen, die Symptome zu lindern:

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  • Medikamente: Antihistaminika, Antivertiginosa oder Antiemetika können Übelkeit und Schwindel reduzieren.
  • Physiotherapie: Vestibuläre Rehabilitationstherapie kann helfen, das Gleichgewicht zu verbessern und den Schwindel zu reduzieren.
  • Psychotherapie: Bei psychosomatischem Schwindel kann eine Psychotherapie helfen, die zugrunde liegenden psychischen Probleme zu bewältigen.
  • Lagerungsmanöver: Bei gutartigem Lagerungsschwindel können Lagerungsmanöver die Kristalle aus den Bogengängen entfernen.
  • Anpassung der Lebensweise: Vermeiden Sie auslösende Faktoren wie Stress, Alkohol oder bestimmte Medikamente.
  • Gleichgewichtstraining: Regelmäßiges Gleichgewichtstraining kann helfen, das Gleichgewicht zu verbessern und Stürze zu vermeiden.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Kreislauf zu stabilisieren.

Spezielle Aspekte bei älteren Menschen

Mit zunehmendem Alter treten Schwindel und Gleichgewichtsstörungen häufiger auf. Dies liegt an altersbedingten Veränderungen des Gleichgewichtssystems, Sehproblemen, Durchblutungsstörungen und der Einnahme von Medikamenten. Bei älteren Menschen ist es besonders wichtig, die Ursache des Schwindels abzuklären und geeignete Maßnahmen zur Sturzprophylaxe zu ergreifen.

Differenzierung zwischen Schwindel und Benommenheit

Es ist wichtig, zwischen Schwindel und Benommenheit zu unterscheiden, da dies Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben kann. Schwindel ist ein Gefühl von Bewegung oder Drehung, während Benommenheit ein unspezifischeres Gefühl von Unsicherheit, Schwäche oder Desorientierung ist.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Schwindel plötzlich und heftig auftritt
  • Schwindel länger als eine Stunde anhält
  • Schwindel mit anderen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Hörverlust oder Gangunsicherheit einhergeht
  • Schwindel wiederholt auftritt
  • Schwindel den Alltag beeinträchtigt

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