Die Gehirnregionen der Empathie: Ein Blick auf die neuronalen Grundlagen des Mitgefühls

Empathie, die Fähigkeit zu fühlen, was andere fühlen, ist ein grundlegender Aspekt des menschlichen Sozialverhaltens. Sie ermöglicht es uns, die Emotionen unserer Mitmenschen zu verstehen und darauf einzugehen. Die neurowissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte bei der Aufklärung der neuronalen Grundlagen der Empathie gemacht und spezifische Gehirnregionen identifiziert, die an diesem komplexen Prozess beteiligt sind. Dieser Artikel beleuchtet die Schlüsselregionen des Gehirns, die für Empathie von Bedeutung sind, und untersucht, wie sie zusammenarbeiten, um uns in andere hineinzuversetzen.

Einführung

Was andere fühlen - Schmerz, Ekel, Freude - bewegt auch das eigene Gehirn, und zwar in ähnlicher Weise, als wäre man selbst betroffen. Die Fähigkeit, die Gefühle, Bedürfnisse, Absichten, Erwartungen oder Meinungen unserer Mitmenschen zu vermuten, ermöglicht es uns, adäquat auf ihre Bedürfnisse zu reagieren. Die Neurowissenschaft hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte bei der Aufklärung der neuronalen Grundlagen der Empathie gemacht.

Die Inselrinde: Das Zentrum der Gefühlswahrnehmung

Die Inselrinde, ein kleines, aber wichtiges Hirnareal, das in der Großhirnrinde versteckt liegt, spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Empfindungen. Sie ist an der Wahrnehmung von Geruch, Geschmack, Schmerz, Ekel und Empfindungen der inneren Organe beteiligt. Die Inselrinde steht in Kontakt mit anderen gefühlsverarbeitenden Regionen im Gehirn und nimmt Einfluss auf Emotionen.

Die vordere Inselrinde und das Mitfühlen

Insbesondere der vordere Bereich der Inselrinde ist aktiv, wenn wir mit anderen mitfühlen. Studien haben gezeigt, dass die vordere Inselrinde reagiert, wenn wir den Schmerz einer anderen Person beobachten oder uns in ihre Gefühlslage hineinversetzen. Dies deutet darauf hin, dass die vordere Inselrinde eine Schlüsselrolle bei der emotionalen Empathie spielt.

Die hintere Inselrinde und die Unterscheidung von Gefühlen

Der hintere Teil der Inselrinde scheint dagegen für die Unterscheidung verschiedener Aspekte von Gefühlen zuständig zu sein, wie z. B. die Lokalisation und Intensität von Schmerz. Entsprechend sind auch die Aktivierungsmuster in der Inselregion verschieden, wenn man selbst etwas fühlt oder aber mit anderen mitfühlt.

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Alexithymie und die Inselrinde

Menschen mit Alexithymie, einer Störung, die durch Schwierigkeiten beim Wahrnehmen und Verbalisieren eigener Gefühle gekennzeichnet ist, zeigen eine verminderte Aktivität in der Inselrinde. Dies deutet darauf hin, dass die Fähigkeit, die eigenen Empfindungen wahrzunehmen, eine wichtige Voraussetzung für Empathie ist.

Das Theory-of-Mind-Netzwerk: Die Gedankenwelt anderer verstehen

Um im alltäglichen Miteinander angemessen reagieren zu können, müssen wir jedoch auch nachvollziehen können, was in den Köpfen unserer Mitmenschen vorgeht. Die Theory of Mind (ToM) bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle, Bedürfnisse, Absichten, Erwartungen oder Meinungen bei unseren Mitmenschen zu vermuten. Diese Fähigkeit greift auf andere Strukturen im Gehirn zurück als die reine Empathie.

Schlüsselregionen des Theory-of-Mind-Netzwerks

Wichtige Mitspieler im Theory-of-Mind-Netzwerk sind Areale im Stirnhirn und im Scheitellappen sowie der temporo-parietale Übergang (TPJ), der Verbindungsbereich von Temporal- und Parietallappen. Auch die Amygdala, die eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt, tritt in Aktion, wenn es gilt, sich in andere hineinzuversetzen.

Der rechte temporo-parietale Übergang (rTPJ): Eine Schlüsselrolle bei der Interpretation des Verhaltens anderer

Der rechte TPJ spielt eine besondere Rolle bei der Interpretation des Verhaltens anderer Menschen. Wann immer wir ernsthaft darüber nachgrübeln, wie sich eine andere Person in einer bestimmten Situation fühlen mag, tritt dieser Bereich in Aktion. Studien haben gezeigt, dass eine Beeinträchtigung des rTPJ das Urteilsvermögen beeinträchtigen kann.

Empathie und Theory of Mind: Keine strikte Trennung

Ganz strikt ist die Trennung zwischen Empathie und der Fähigkeit, sich in die Gedankenwelt des Gegenübers hineinzuversetzen, übrigens nicht. Offensichtlich bemüht das Gehirn auch beim Mitfühlen den rechten TPJ - insbesondere dann, wenn wir gefordert sind, unsere eigenen Empfindungen von denen unserer Mitmenschen abzugrenzen.

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Weitere Hirnregionen, die an Empathie beteiligt sind

Neben der Inselrinde und dem Theory-of-Mind-Netzwerk spielen auch andere Hirnregionen eine Rolle bei der Empathie. Dazu gehören:

  • Amygdala: Die Amygdala ist an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt und spielt eine Rolle beim Erkennen und Verstehen der Emotionen anderer.
  • Spiegelneuronen-System: Das Spiegelneuronen-System ist ein Netzwerk von Neuronen, das sowohl bei der Ausführung einer Handlung als auch bei der Beobachtung derselben Handlung aktiv ist. Es wird vermutet, dass Spiegelneuronen eine Rolle beim Verstehen der Handlungen und Absichten anderer spielen.
  • Präfrontaler Kortex: Der präfrontale Kortex ist an höheren kognitiven Funktionen beteiligt, wie z. B. Entscheidungsfindung und moralisches Urteilen. Er spielt eine Rolle bei der Bewertung der Situation anderer und der Planung angemessener Reaktionen.

Die Bedeutung der Empathie im sozialen Miteinander

Empathie ist eine wichtige Fähigkeit für das soziale Miteinander. Sie ermöglicht es uns, Beziehungen aufzubauen, Konflikte zu lösen und zusammenzuarbeiten. Empathie motiviert uns, anderen zu helfen und uns moralisch zu verhalten.

Mangel an Empathie

Ein Mangel an Empathie kann zu sozialen Problemen führen. Menschen mit einem geringen Empathievermögen haben oft Schwierigkeiten, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Sie können auch Schwierigkeiten haben, die Perspektive anderer zu verstehen und angemessen auf ihre Bedürfnisse zu reagieren.

Kann Empathie erlernt werden?

Empathie ist nicht nur eine angeborene Fähigkeit, sondern kann auch erlernt und trainiert werden. Studien haben gezeigt, dass bestimmte Formen der Achtsamkeitsmeditation und andere soziale Trainingsprogramme die Empathiefähigkeit verbessern können.

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