Parkinson und Übergewicht: Eine komplexe Beziehung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, und die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden der Betroffenen. Sowohl Gewichtsverlust als auch Übergewicht können die Symptome und den Verlauf der Krankheit beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Parkinson und Gewicht, die Ursachen für Gewichtsveränderungen und gibt Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung.

Gewichtsverlust bei Parkinson

Unerklärlicher Gewichtsverlust ist ein häufiges Problem bei Menschen mit Parkinson. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass frühe Gewichtsverluste den Schweregrad der Parkinson-Symptome erhöhen können. Dies kann auf die Beteiligung des neuroendokrinen Systems oder des gastrointestinalen Nervensystems zurückzuführen sein. Eine unzureichende Nahrungsaufnahme kann zu Vitaminmangel führen, der das Risiko von Müdigkeit, Gebrechlichkeit und Infektionen erhöhen kann.

Ursachen für Gewichtsverlust

  • Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns: Menschen mit Morbus Parkinson leiden sehr häufig an einem Verlust ihres Geschmacks- und Geruchssinns.
  • Medikamenteninteraktion: Eiweiß in der Nahrung kann mit Parkinson-Medikamenten wie Levodopa interferieren, was es schwierig macht, ausreichend Eiweiß zu sich zu nehmen und eine angemessene Ernährung aufrechtzuerhalten.
  • Schluckstörungen: Gewichtsverlust ist oft mit Schluckstörungen verbunden. Trockene Lebensmittel wie Brot, Toast, Cracker und Kekse können beim Schlucken schwieriger zu essen sein.
  • Appetitlosigkeit: Bestimmte psychische Erkrankungen, einschließlich Depressionen, die bei etwa 30-40% aller Menschen mit Parkinson auftreten können, können zu Appetitlosigkeit beitragen.
  • Erschöpfung: Wenn das Kochen und Einkaufen zu einer größeren Herausforderung geworden ist, könnten Sie versucht sein, Mahlzeiten auszulassen, was zu einem schnellen Gewichtsverlust führen kann.
  • Erhöhter Energiebedarf: Das Zittern, die Daueranspannung der Muskulatur und die Anstrengung, eine begonnene Bewegung zu Ende zu führen, kosten viel Kraft. Bekommt der Körper weniger Energie als er braucht, greift er auf seine Energiereserven zurück und verliert an Gewicht.

Was kann man gegen Gewichtsverlust tun?

  • Schluckuntersuchung: Bei Gewichtsverlust sollte eine Schluckuntersuchung durchgeführt werden, um Schluckstörungen zu erkennen und zu behandeln.
  • Ernährungsberatung: Ein Termin mit einem Ernährungsberater, idealerweise mit Erfahrung mit Morbus Parkinson, kann helfen, Strategien zur Gewichtsreduktion zu besprechen.
  • Anpassung der Ernährung: Bei Schluckbeschwerden sollten spezielle Nahrungsmittel und Techniken zur Zubereitung von Mahlzeiten angewendet werden, die das Schlucken erleichtern.

Übergewicht und Metabolisches Syndrom bei Parkinson

Neuere Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Übergewicht, metabolischem Syndrom und einem erhöhten Risiko für Morbus Parkinson hin. Das metabolische Syndrom ist eine Kombination aus abdominaler Adipositas, erhöhtem Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten.

Studienergebnisse

  • Eine prospektive Beobachtungsstudie ergab, dass Menschen mit einem metabolischen Syndrom im Alter häufiger an Morbus Parkinson erkranken, insbesondere bei genetischer Prädisposition.
  • Eine weitere Studie zeigte, dass Menschen mit einem hohen Anteil an Körperfett im Bauch und an den Armen möglicherweise häufiger an Alzheimer und Parkinson erkranken, während Muskelkraft schützend wirkt. Menschen mit einem hohen Bauchfettanteil erkrankten zu 13 Prozent und Menschen mit einem hohen Armfettanteil zu 18 Prozent häufiger als Menschen mit wenig Fett in diesen Körperbereichen, während Menschen mit viel Muskelkraft zu 26 Prozent seltener erkrankten als Menschen mit wenig Muskelkraft.
  • Eine retrospektive Kohortenstudie fand heraus, dass mit zunehmender Trizeps-Hautfaltendicke (als Messgröße für periphere Adipositas) die altersadjustierte Parkinson-Inzidenz signifikant anstieg.

Bedeutung der Ergebnisse

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines gesunden Lebensstils zur Vorbeugung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson.

Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Parkinson

Eine ausgewogene Ernährung ist essenziell für Menschen mit Parkinson, um eine adäquate Nährstoffversorgung zu gewährleisten und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

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Allgemeine Prinzipien

  • Ausgewogene Ernährung: Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, gesunden Fetten und magerem Eiweiß ist wichtig.
  • Mediterrane Ernährung: Die mediterrane Küche mit viel Gemüse, Ölen mit ungesättigten Fettsäuren, Fisch, Hülsenfrüchten und wenig Fleisch ist besonders gesund.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Täglich sollten mindestens zwei Liter Wasser getrunken werden.
  • Ballaststoffe: Ballaststoffreiche Nahrung wie Vollkornprodukte kann bei Darmträgheit helfen.

Spezielle Aspekte

  • Fett: Bei der Nahrungsaufnahme von Fetten ist nicht die Menge, sondern die Qualität entscheidend. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind essenziell.
  • Kohlenhydrate: Mehrfachzucker wie Vollkornprodukte gewährleisten eine langfristige Energieversorgung und sollten gegenüber Zucker bevorzugt werden.
  • Vitamine und Probiotika: Probiotika können die Darmflora unterstützen, während Vitamin D und B12 bei Mangelzuständen sinnvoll sein können. Menschen mit Parkinson haben oft niedrigere Vitamin-D-Spiegel als gleichaltrige Gesunde, da sie aufgrund der Bewegungseinschränkungen weniger mobil sind und deshalb seltener direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Ein Vitamin-D-Mangel kann u. a. zu einer Osteoporose und damit zu einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche führen. Mangelzustände an Vitamin B12 und auch Vitamin B6 treten bei Menschen mit Parkinson möglicherweise häufiger auf als in der gesunden Bevölkerung. Dies könnte durch eine Wechselwirkung zwischen L-Dopa (dem am häufigsten eingesetzten Parkinson-­Medikament) und dem Vitamin B-Stoffwechsel bedingt sein.
  • L-Dopa und Eiweiß: L-Dopa sollte idealerweise auf nüchternen Magen und mindestens 30 Minuten vor der nächsten Mahlzeit eingenommen werden, da Eiweiß die Aufnahme des Medikaments beeinträchtigen kann. Eiweißreiche Mahlzeiten können vorwiegend auf den Abend gelegt werden.

Umgang mit spezifischen Problemen

  • Darmträgheit: Ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit können helfen.
  • Mangelndes Geschmacksempfinden: Vermeiden Sie zu starkes Würzen und verwenden Sie stattdessen Küchenkräuter.
  • Übelkeit und Erbrechen: Beginnen Sie mit der L-Dopa-Medikation langsam und steigern Sie die Dosis vorsichtig. Teilen Sie die Essensmengen auf mehrere kleine Mahlzeiten auf.
  • Schluckstörungen: Logopädie, Physiotherapie und Anpassung der Nahrungskonsistenz können helfen. Verwenden Sie Hilfsmittel wie Strohhalm, Schnabelbecher oder Tellerranderhöhung.
  • Vermehrter Speichelfluss: Sialorrhoe kann im Laufe der Erkrankung auftreten.

Kochen als Therapie

Die Zubereitung der Speisen kann sich positiv auf die Parkinson-Erkrankung und ihre Symptome auswirken und sogar Spaß machen. Nehmen Sie sich Zeit und Sorgfalt bei der Zubereitung der Speisen, essen Sie bewusst, vermeiden Sie Hektik und Ablenkung beim Essen und genießen Sie Ihre Mahlzeiten.

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