Das menschliche Gehirn, eine hochkomplexe Konstruktion mit bis zu 100 Milliarden Neuronen, die durch 5,8 Millionen Kilometer Nervenbahnen miteinander verbunden sind, fasziniert Wissenschaftler und Künstler gleichermaßen. Diese Faszination hat zu einer spannenden Schnittstelle zwischen Neurowissenschaft und Kunst geführt, in der Künstler das Gehirn als Inspirationsquelle nutzen und Wissenschaftler die Auswirkungen von Kunst auf das Gehirn erforschen.
Das Gehirn als Inspirationsquelle
Für den südkoreanischen Neurochirurgen Ha Yoon ist das Gehirn nicht nur sein Spezialgebiet, sondern auch eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Im Jahr 2020 entdeckte er eine innovative Möglichkeit, seine Faszination für das Gehirn gestalterisch zum Ausdruck zu bringen: Er begann, menschliche Gehirne auf seinem Tablet zu zeichnen. Zeitgleich entwickelte sich die Technologie der Non-Fungible Tokens (NFTs), zertifizierte digitale Kunstwerke, deren Einzigartigkeit garantiert wird. Ha Yoon erkannte das Potenzial dieser Technologie und begann, seine digitalen Gehirnzeichnungen als NFTs zu verkaufen.
Ha Yoons künstlerische Interpretation des Gehirns
Ha Yoons Kunstwerke sind farbenfrohe und abstrakte Darstellungen des Gehirns. Jede Farbe stellt einen separaten Moment der Erinnerung dar. In seinen Werken verwebt er auch kartografische Darstellungen realer Orte mit den Strukturen des Gehirns. So verarbeitet er beispielsweise in dem Bild "Don't Break in Nurburgring" die Koordinaten der legendären Rennstrecke. Ein anderes Werk, "Palladium Arc Reactor in NYC", verweist auf Ha Yoons Leidenschaft für Filme. In seinem aktuellen Bild "The spring of Ukraine" drückt er seine Freundschaft mit der Ukraine aus.
Ha Yoons künstlerischer Hintergrund reicht bis in seine Kindheit zurück. Seine Mutter war Kunstlehrerin und sein Vater Leiter des Nationalmuseums für moderne und zeitgenössische Kunst in Seoul. Doch es brauchte fünf Jahrzehnte, ehe der Neurochirurg dem Vorbild seiner Eltern folgte. Bevor er mit dem Malen begann, war er ein Workaholic, spezialisiert auf komplexe Operationen wie Fehlstellungen an der Wirbelsäule oder das Entfernen von Tumoren. Die Kunst wurde für ihn zu einem Ausgleich und einer Möglichkeit, seine Kreativität auszuleben.
NFTs: Eine neue Ära für digitale Kunst
Ha Yoon war sofort von der NFT-Technologie überzeugt, da sie einen Paradigmenwechsel für digitale Kunst darstellt. Die Blockchain-Technologie ermöglicht eine digitale Signatur und damit die bestätigte Einzigartigkeit des digitalen Kunstwerks. Für Ha Yoon ist es eine Möglichkeit, seine Kunst einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig die Kontrolle über seine Werke zu behalten.
Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben
Neuroästhetik: Die Wissenschaft der ästhetischen Empfindung
Die Neuroästhetik ist eine relativ neue Forschungsdisziplin, die sich mit den neuronalen Grundlagen ästhetischer Erfahrungen befasst. Sie untersucht, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir Kunst betrachten, Musik hören oder andere ästhetische Reize wahrnehmen.
Die Rolle des Default Mode Network (DMN)
Forscher haben herausgefunden, dass das Default Mode Network (DMN), ein System von Hirnarealen, das für reflektierende mentale Prozesse zuständig ist, eine wichtige Rolle bei der ästhetischen Empfindung spielt. Wenn wir ein Kunstwerk als ästhetisch ansprechend empfinden, werden Teile des DMN aktiv, obwohl unser Fokus auf der Außenwelt - dem Kunstwerk - liegt. Dies deutet darauf hin, dass ästhetische Erfahrungen nicht nur auf unseren Sinneseindrücken beruhen, sondern auch von unseren inneren Gedanken und Emotionen beeinflusst werden.
Die Ausstellung "Das Gehirn in Kunst & Wissenschaft"
Die Bundeskunsthalle in Bonn widmete dem Thema "Gehirn in Kunst & Wissenschaft" eine Ausstellung, in der Kunst, Kulturgeschichte und Wissenschaft aufeinandertrafen. Die Ausstellung beleuchtete die vielfältigen Aspekte des Gehirns aus unterschiedlichen Perspektiven, von der Hirnforschung und Neurologie bis hin zur Philosophie, Religion, Medizingeschichte und Psychologie.
Das Gehirn der Zukunft
Die Frage, wie das Gehirn der Zukunft aussehen wird, beschäftigt Wissenschaftler, Künstler und Philosophen gleichermaßen. Werden wir zu computergestützten Cyborgs? Die Hirnforschung liefert uns fortwährend aktuelle Erkenntnisse, steht aber auch noch vor vielen ungelösten Fragen. Die Kunst kann dabei helfen, frei über Denken und Fühlen, Bewusstsein und Wahrnehmung, Erinnerung und Traum nachzudenken.
Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.
Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick