Die Auswirkungen einer Narkose auf das Gehirn, insbesondere im Hinblick auf Demenz und Parkinson, sind ein wachsendes Anliegen in der medizinischen Forschung. Es ist wichtig, die potenziellen Risiken zu verstehen und Strategien zu entwickeln, um diese zu minimieren.
Narkose und ihre Auswirkungen auf das Gehirn
Eine Narkose unterscheidet sich grundlegend von natürlichem Schlaf. Während einer Narkose wird die elektrische Aktivität des Gehirns durch Narkosemittel stark reduziert. Das Nervensystem muss nach der Narkose die gestörte Funktion mühsam wiederherstellen.
Selbst bei jüngeren Patienten können nach einer Narkose Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auftreten, die Tage oder Wochen andauern können. Daher ist es ratsam, nach einer Operation keine schwierigen Prüfungen abzulegen.
Bei älteren Menschen können die Auswirkungen einer Narkose besonders gravierend sein. Es ist daher wichtig, während der Operation die Narkosetiefe anhand der elektrischen Hirnaktivität zu optimieren und Überdosierungen zu vermeiden.
Eine Möglichkeit, die Auswirkungen der Narkose zu minimieren, ist die Kombination verschiedener Anästhesieverfahren. Durch die Kombination von Allgemein- und Regionalanästhesie können die benötigte Menge an Narkosegas und Opioiden reduziert werden. Bei den Regionalanästhesien werden sogenannte Nervenblockaden durchgeführt.
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Postoperatives Delir: Eine häufige Komplikation
Ein postoperatives Delir ist eine akute Verwirrtheit, die nach einer Operation auftreten kann. Etwa jeder zehnte ältere Mensch, der operiert wird, ist davon betroffen. Angehörige berichten häufig, dass die betroffene Person nach der Operation nicht mehr dieselbe ist. Sie können sich nicht mehr selbstständig versorgen und werden pflegebedürftig.
Die häufigste Form des Delirs ist oft unspektakulär. Die Betroffenen wirken teilnahmslos und in sich zurückgezogen. Sie treten wenig oder nur sehr kurz mit anderen in Kontakt.
Es ist wichtig, ein Delir frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, da es chronisch werden kann. Psychologische Screeningtests können helfen, ein Delir zu identifizieren. Eine frühzeitige Behandlung kann dazu beitragen, dass der Zustand nicht dauerhaft wird.
Die Behandlung eines Delirs umfasst in erster Linie die Reorientierung des Patienten, die maximale Aktivierung und die Schaffung eines bekannten Umfelds. Besuche von Angehörigen oder Rooming-In können ebenfalls hilfreich sein. Medikamente können eingesetzt werden, um Symptome zu lindern, aber die Reorientierung ist der wichtigste Ansatz.
Das Delir-Problem in der Praxis
Obwohl jährlich etwa eine Million Menschen über 80 Jahre in Deutschland operiert werden, wird die Diagnose Delir in den Abrechnungsdaten der Kliniken selten erfasst. Dies deutet darauf hin, dass das Delir-Problem in der Praxis systematisch ignoriert wird.
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Ein Grund dafür ist der Personalmangel in den Kliniken. Besonders eklatant ist das Problem im Bereich der Herzchirurgie, wo es aufgrund der langen Narkosedauer und des Einsatzes der Herz-Lungen-Maschine häufig zu postoperativen Verwirrtheitszuständen kommt.
Eine Umfrage des Herzzentrums Bad Oeynhausen hat gezeigt, dass das Thema Delir nach einer Operation in den Kliniken offenbar ein Tabuthema ist. Viele Krankenhäuser haben nur unzureichende Kenntnisse über die Leitlinien für Analgosedierung und Delir-Management.
Ein unerkanntes Delir, das chronisch wird, ist nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern verursacht auch hohe Kosten in der ambulanten Nachsorge. Die Krankenkassen haben daher Modellprojekte initiiert, um die Delir-Prophylaxe zu verbessern.
Delir-Prophylaxe: Was kann getan werden?
Eine umfassende Delir-Prophylaxe umfasst verschiedene Maßnahmen:
- Frühzeitige Mobilisierung: Patienten sollten so früh wie möglich nach der Operation mobilisiert werden.
- Flexible Besuchszeiten: Viele vertraute Gesichter am Krankenbett können helfen, die Orientierung zu erhalten.
- Optimale Schmerztherapie: Regionale Anästhesieverfahren können dazu beitragen, Schmerzen zu lindern und gleichzeitig das Gehirn zu schonen.
- Überwachung der Narkosetiefe und des Kreislaufs: Während der Operation sollten Narkosetiefe und Kreislauf streng überwacht werden, um das Gehirn nicht zu beeinträchtigen.
- Schlafbrillen und Ohrstöpsel: Diese einfachen Hilfsmittel können zu einer besseren Nachtruhe beitragen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Insbesondere ältere Patienten sollten ausreichend trinken, um einer Dehydratation vorzubeugen. Im Helios-Klinikum in Zehlendorf dürfen Patienten bis unmittelbar vor der OP klare Flüssigkeiten trinken, um das Delir-Risiko zu senken.
- Strukturierte Vorbereitungsgespräche: Patienten sollten vor der Operation über den Ablauf und die Besonderheiten des Krankenhausaufenthalts informiert werden.
- Vertraute Gegenstände: Patienten sollten vertraute Gegenstände mit ins Krankenhaus bringen, um sich wohler zu fühlen.
- Nicht-medikamentöse Schlafhilfen: Beruhigende Tees, Ohrstöpsel oder Schlafbrillen können helfen, den Schlaf zu verbessern.
- Bezugspflege: Möglichst wenig wechselnde Bezugspersonen können Sicherheit geben.
Parkinson und Anästhesie
Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die genauen Ursachen der Parkinson-Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren, Umweltfaktoren und der Alterungsprozess eine Rolle spielen.
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Die Parkinson-Symptome können auch durch bestimmte Medikamente oder andere Erkrankungen ausgelöst werden.
Bei Parkinson-Patienten ist es wichtig, bei der Anästhesie bestimmte Aspekte zu berücksichtigen:
- Medikation: Die Parkinson-Medikation sollte wenn möglich auch während des Krankenhausaufenthalts fortgesetzt werden.
- Dopamin-Antagonisten: Dopamin-Antagonisten, die u. a. gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden, sind kontraindiziert, da sie die Parkinson-Symptome verschlimmern können.
- Narkosetiefe: Die Narkosetiefe sollte sorgfältig überwacht werden, um Überdosierungen zu vermeiden.
- Kreislaufstabilität: Der Kreislauf sollte stabil gehalten werden, um eine Minderdurchblutung des Gehirns zu vermeiden.
Demenz und Anästhesie
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene neurologische Krankheitsbilder, die mit einem Abbau der kognitiven Funktionen einhergehen. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.
Auch bei Demenzpatienten ist es wichtig, bei der Anästhesie bestimmte Aspekte zu berücksichtigen:
- Präoperatives Assessment: Vor der Operation sollte ein umfassendes Assessment durchgeführt werden, um den kognitiven Zustand des Patienten zu beurteilen und das Risiko für ein postoperatives Delir zu bestimmen.
- Delir-Prophylaxe: Bei Demenzpatienten ist eine besonders sorgfältige Delir-Prophylaxe erforderlich.
- Kommunikation: Die Kommunikation mit Demenzpatienten sollte ruhig, einfach und verständlich sein.
- Einwilligungsfähigkeit: Die Einwilligungsfähigkeit des Patienten sollte vor der Behandlung geprüft und dokumentiert werden.
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