Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, von der in Deutschland etwa 10,6 % der Bevölkerung betroffen sind, wobei Frauen mit 15,6 % häufiger betroffen sind als Männer mit 5,3 %. Diese Erkrankung kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und ist oft mit einer Vielzahl von Begleiterscheinungen verbunden. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Migräne und anderen gesundheitlichen Problemen, wie z.B. Allergien und insbesondere der Nickelallergie, zu beleuchten.
Nickel: Ein essentielles Spurenelement mit allergenem Potenzial
Nickel ist ein essentielles Spurenelement, das der Körper für bestimmte Enzymfunktionen benötigt. Es ist in vielen Alltagsgegenständen enthalten, von Schmuck über Uhren bis hin zu Brillengestellen. Allerdings kann Nickel in höheren Mengen auch schädlich sein und bei manchen Menschen eine allergische Reaktion auslösen.
Nickelallergie: Eine Überreaktion des Immunsystems
Die Nickelallergie ist eine Kontaktallergie, die durch eine Überreaktion des Immunsystems auf Nickelionen ausgelöst wird. Sie zählt zu den häufigsten Kontaktallergien und betrifft etwa 15 % der Bevölkerung. Typischerweise reagiert die Haut beim Kontakt mit nickelhaltigen Gegenständen mit Rötungen, Juckreiz oder Ekzemen.
Die Diagnose einer Nickelallergie erfolgt in der Regel durch einen Hautarzt (Dermatologen) mithilfe eines Epikutantests (Pflastertests). Dabei werden Proben von Nickel und anderen häufigen Allergenen auf den Rücken des Patienten aufgetragen und mit Pflastern abgedeckt. Zeigt sich nach ein bis zwei Tagen an der Stelle, an der Nickel aufgetragen wurde, eine Hautreaktion, spricht dies für eine Nickelallergie.
Orale Nickelallergie: Symptome nach dem Verzehr nickelhaltiger Lebensmittel
Neben der Kontaktallergie gibt es auch die orale Nickelallergie. Hierbei treten Symptome nach dem Verzehr nickelhaltiger Lebensmittel auf. Diese Form ist seltener und betrifft etwa 2-10 % der Nickelallergiker.
Lesen Sie auch: Funktion und Bedeutung hemmender Synapsen
Typische Symptome einer oralen Nickelallergie sind:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung
- Hautreaktionen wie Ekzeme oder Juckreiz
- Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
- Kopfschmerzen oder Migräne
Nickel in Lebensmitteln: Eine Quelle für orale Nickelallergien
Nickel ist in vielen Lebensmitteln enthalten, wobei der Gehalt je nach Lebensmittel variiert. Besonders hohe Nickelkonzentrationen finden sich in:
- Haferflocken
- Kakao
- Hülsenfrüchte
- Nüssen
- Samen
- Vollkornprodukten
- Kaffee
- Schalen von Obst und Gemüse
Der mögliche Zusammenhang zwischen Nickel und Migräne
Der Zusammenhang zwischen Nickelallergie und Migräne ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Nickel eine Rolle bei der Entstehung oder Verstärkung von Migräneattacken spielen könnte.
Nickel als Triggerfaktor für Migräne
Einige Studien deuten darauf hin, dass Nickel als Triggerfaktor für Migräne wirken kann, insbesondere bei Personen mit einer Nickelallergie. Der Verzehr nickelhaltiger Lebensmittel oder der Kontakt mit nickelhaltigen Gegenständen könnte bei diesen Personen eine Migräneattacke auslösen.
Mastzellen und Entzündungen: Eine mögliche Verbindung
Eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen Nickel und Migräne liegt in der Aktivierung von Mastzellen. Mastzellen sind Immunzellen, die in verschiedenen Geweben des Körpers vorkommen, einschließlich der Hirnhaut (Dura mater). Sie spielen eine Rolle bei allergischen Reaktionen und Entzündungsprozessen.
Lesen Sie auch: Neuronale Kommunikation durch Synapsen
Nickel kann Mastzellen aktivieren und zur Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen führen. Diese Botenstoffe können die Schmerzaktivierung über den Trigeminusnerv verstärken und so zu einer Migräneattacke beitragen.
Nickelarme Ernährung als Therapieansatz
Einige Studien legen nahe, dass eine nickelarme Ernährung die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken bei Personen mit einer Nickelallergie reduzieren könnte. Durch den Verzicht auf nickelhaltige Lebensmittel und die Vermeidung von Kontakt mit nickelhaltigen Gegenständen soll die Aktivierung von Mastzellen und die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen reduziert werden.
Weitere Faktoren, die bei Migräne eine Rolle spielen
Neben Nickel gibt es eine Vielzahl weiterer Faktoren, die bei der Entstehung und Auslösung von Migräneattacken eine Rolle spielen können. Dazu gehören:
- Genetische Veranlagung: Migräne tritt häufig familiär gehäuft auf.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräneattacken auslösen.
- Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräne.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke, wie z.B. Alkohol, Koffein, Käse oder Schokolade, können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Schlafstörungen: Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus oder Schlafmangel können Migräneattacken begünstigen.
- Umweltfaktoren: Wetterumschwünge, grelles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
Diagnose und Behandlung von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten und einer neurologischen Untersuchung. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen, wie z.B. eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Die Behandlung von Migräne umfasst in der Regel sowohl akute als auch vorbeugende Maßnahmen.
Lesen Sie auch: Symptome einer Nervenentzündung erkennen
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome der Attacke zu lindern. Dazu können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol eingesetzt werden. Bei stärkeren Attacken können Triptane, eine spezielle Gruppe von Migränemitteln, erforderlich sein.
Vorbeugende Behandlung
Die vorbeugende Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneattacken zu reduzieren. Dazu können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, wie z.B. Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika. Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, wie z.B. Entspannungstechniken, Akupunktur oder eine Änderung des Lebensstils, können hilfreich sein.
Fallbeispiel: Offenes Foramen ovale (PFO) und Migräne
Ein Patient mit Vorhofflimmern und Migräne, bei dem im Rahmen einer Pulmonalvenenisolation ein kleines offenes Foramen ovale (PFO) festgestellt wurde, fragt sich, ob es sinnvoll ist, das PFO in einem Eingriff zu verschließen.
Ein PFO ist eine Öffnung zwischen dem rechten und linken Herzvorhof, die sich normalerweise nach der Geburt verschließt. Bei manchen Menschen bleibt diese Öffnung jedoch bestehen. Ein PFO kann in seltenen Fällen zu Migräneattacken führen, insbesondere bei Migräne mit Aura.
Ob ein Verschluss des PFO bei diesem Patienten sinnvoll ist, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Neurologen und Kardiologen besprochen werden. Dabei sollten die individuellen Risiken und Vorteile des Eingriffs sorgfältig abgewogen werden.
PFO-Verschluss und Nickelallergie
Bei einem PFO-Verschluss wird in der Regel ein Schirmchen eingesetzt, um die Öffnung zu verschließen. Viele dieser Schirmchen bestehen aus einer Nickel-Titan-Legierung (Nitinol). Bei Patienten mit einer Nickelallergie muss daher sorgfältig geprüft werden, ob der Einsatz eines nickelhaltigen Schirmchens geeignet ist.
Es gibt auch nickel-freie Schirmchen, die bei Patienten mit einer Nickelallergie eine Alternative darstellen können.
Ernährung bei Migräne: Eine nickelarme Diät?
Bei Patienten mit einer Nickelallergie und Migräne kann eine nickelarme Ernährung in Erwägung gezogen werden. Diese Diät zielt darauf ab, den Verzehr von nickelhaltigen Lebensmitteln einzuschränken und so die Symptome der Nickelallergie und möglicherweise auch die Migräneattacken zu reduzieren.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine nickelarme Ernährung nicht für jeden geeignet ist und nur in Absprache mit einem Arzt oder Ernährungsberater durchgeführt werden sollte.