Das Gehirn ist die oberste Schaltzentrale des Körpers. Es verarbeitet bewusst und unbewusst wahrgenommene Sinneseindrücke und ermöglicht Integration und Koordination. Als Teil des zentralen Nervensystems (ZNS) ist das Gehirn durch den knöchernen Schädel geschützt. Es steuert lebenswichtige Abläufe im Körper und ist das Zentrum für Gefühle, Empfindungen und Gedanken.
Gliederung des Gehirns
Das Gehirn lässt sich in verschiedene Hauptabschnitte und Unterabteilungen gliedern:
- Prosencephalon (Vorderhirn)
- Telencephalon (Großhirn): Großhirnrinde, subkortikale Kerne, limbisches System
- Diencephalon (Zwischenhirn): Epithalamus, Thalamus, Hypothalamus, Hypophyse
- Mesencephalon (Mittelhirn): Pedunculi cerebri, Tectum mesencephali
- Rhombencephalon (Rautenhirn)
- Metencephalon (Hinterhirn): Pons (Brücke) + Cerebellum (Kleinhirn)
- Myelencephalon (Nachhirn): Medulla oblongata (verlängertes Mark)
Das Zwischenhirn (Diencephalon)
Das Zwischenhirn, auch Diencephalon genannt, liegt zwischen dem Großhirn (Telencephalon) und dem Mittelhirn (Mesencephalon). Es ist ein wichtiger Teil des Hirnstamms und erfüllt vielfältige Aufgaben. Es fungiert als "Tor zum Bewusstsein", ist wichtig für die endokrine und vegetative Steuerung und beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus.
Entwicklung des Zwischenhirns
In der embryonalen Entwicklung entsteht das Zwischenhirn aus einer unteren Ausweitung des Vorderhirnbläschens des Neuralrohrs. Der Hohlraum des Zwischenhirn-Bläschens bildet den Zwischenhirn-Teil des 3. Ventrikels, den er umschließt. Die verdickten Seitenwände werden zum Thalamus und zum Pallidum des Linsenkerns (Basalganglien).
Bereiche des Zwischenhirns
Das Zwischenhirn wird in fünf Hauptbereiche unterteilt:
Lesen Sie auch: Der Hypothalamus im Fokus
- Epithalamus: Das Zwischenhirndach mit der endokrinen Drüse Epiphyse (Zirbeldrüse).
- Thalamus: Die wichtigste Schaltstation für Informationen aus den Sinnesorganen und das "Tor zum Bewusstsein".
- Metathalamus: Umfasst die beiden Kniehöcker (Corpus geniculatum mediale et laterale).
- Hypothalamus: Kontrolliert vegetative Funktionen und die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) für die Hormonsekretion.
- Subthalamus: Besteht hauptsächlich aus dem Nucleus subthalamicus und dem Pallidum.
Funktionen der einzelnen Bereiche
- Epithalamus: Die Epiphyse produziert Melatonin und reguliert den zirkadianen Rhythmus. Kerne in den Habenulae sind Umschaltstationen für das olfaktorische System. Der Kernbereich des Epithalamus erhält Afferenzen aus der Netzhaut des Auges und sorgt für die reflektorische Verengung der Pupillen bei Lichteinfall.
- Thalamus: Sammelstelle für alle Sinneseindrücke (außer Geruchssinn), die zur Großhirnrinde geleitet werden. Er entscheidet, welche Sinneseindrücke ins Bewusstsein dringen sollen.
- Metathalamus: Die Kniehöcker sind Schaltstationen der Seh- und Hörbahn auf dem Weg zur Seh- und Hörrinde. Sie modifizieren die Durchgängigkeit für ankommende Erregungen, sodass bei Aufmerksamkeit manche Sinneseindrücke stärker wahrgenommen werden.
- Hypothalamus: Kontrolliert endokrine Funktionen und produziert Neurohormone. Er reguliert Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Körpertemperatur, Sexualverhalten und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Er ist auch für Gemütsempfindungen verantwortlich.
- Subthalamus: Steuert die Grobmotorik. Der Nucleus subthalamicus steht mit dem Pallidum in Verbindung und empfängt Signale, die eine bewegungshemmende Funktion haben.
Lage des Zwischenhirns
Das Zwischenhirn liegt zwischen den beiden Stirnlappen (Frontallappen) und den beiden Schläfenlappen (Temporallappen) des Großhirns und dem vorderen Rand der Brücke (Pons). Es ruht auf der mittleren Schädelgrube. Vorne in der Mitte, zwischen den beiden Hirnschenkeln und an der Basis des Hirnstamms, befinden sich zwei Halbkugeln (Corpus mamillare). Der Epithalamus liegt direkt auf dem Thalamus.
Klinische Bedeutung: Probleme und Erkrankungen des Zwischenhirns
Erkrankungen oder Schädigungen des Zwischenhirns können verschiedene Probleme verursachen:
- Diencephal-autonome Krise: Atypische epileptische Anfälle, die durch Erkrankungen des Hypothalamus entstehen.
- Gliome: Tumoren im Diencephalon können psychische Verlangsamung, Desinteresse, Herabsetzung der Affekte und gesteigertes Schlafbedürfnis verursachen.
- Schädigung des Nucleus subthalamicus: Führt zum Krankheitsbild des Ballismus (Hemiballismus) mit blitzartig auftretenden, schleudernden Bewegungen der Extremitäten.
- Schluck- und Sprachstörungen: Können auf eine Störung im Zwischenhirn hindeuten.
- Ausfall des Pallidums im Thalamus: Bewirkt Muskelstarre und Verminderung der Motorik, wie bei der Parkinson-Krankheit.
Die elektrische Stimulation des Nucleus subthalamicus wird therapeutisch zur Linderung der Symptome der Parkinson-Krankheit eingesetzt.
Weitere Gehirnabschnitte und ihre Funktionen
Neben dem Zwischenhirn gibt es weitere wichtige Gehirnabschnitte mit spezifischen Funktionen:
Großhirn (Telencephalon)
Das Großhirn ist der größte Teil des Gehirns und Sitz des Bewusstseins. Es besteht aus zwei Hemisphären, die durch den Hirnbalken (Corpus callosum) verbunden sind. Die Oberfläche des Großhirns ist stark gefaltet (Gyri und Sulci) und lässt sich in verschiedene Lappen einteilen:
- Stirnlappen (Lobus frontalis): Motorische Aktivitäten, Sprache, Persönlichkeit, Urteilsvermögen, Planung, Kontrolle der Emotionalität.
- Scheitellappen (Lobus parietalis): Zentrum der sinnlichen Aufmerksamkeit, Berührungsempfindungen, Zuordnung und Gebrauch von Objekten.
- Schläfenlappen (Lobus temporalis): Hören und Verstehen des Gehörten, Wiedererkennen, Bedeutungsgebung.
- Hinterhauptslappen (Lobus occipitalis): Bildverarbeitung, räumliches Sehen, Farbunterscheidung, Abschätzung von Bewegungen.
- Lobus olfactorius: Geruchssinn-Verarbeitung.
Das Großhirn enthält auch das limbische System, das für die Verbindung von Sinneseindrücken mit Gefühlen verantwortlich ist. Der Hippocampus ist eine wichtige Schaltstation des limbischen Systems und spielt eine Rolle bei der Gedächtnisbildung.
Mittelhirn (Mesencephalon)
Das Mittelhirn ist eine Schaltstelle für Motorik und Verarbeitung von Seheindrücken. Es enthält die Vierhügelplatte (Schaltstelle des visuellen und akustischen Systems) und Schaltstellen für Hirnnerven.
Hinterhirn (Metencephalon)
Das Hinterhirn besteht aus der Brücke (Pons) und dem Kleinhirn (Cerebellum). Die Brücke enthält auf- und absteigende Bahnen und Schaltstationen für Verbindungen zwischen Großhirn- und Kleinhirnrinde. Das Kleinhirn kontrolliert Gleichgewichtssinn, Muskeltonus und das pyramidale und extrapyramidale System.
Nachhirn (Myelencephalon)
Das Nachhirn (Medulla oblongata) ist die Verlängerung des Rückenmarks und enthält wichtige Kerngebiete von Hirnnerven. Es ist eine Schaltstelle von Leitungsbahnen und kontrolliert Atmung, Kreislauf, Tränensekretion und Reflexe.
Hirnstamm
Der Hirnstamm verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark und besteht aus verlängertem Mark, Mittelhirn und Brücke. Er reguliert lebenswichtige Systeme wie Herzschlag, Atmung und Blutdruck.
Limbisches System
Das limbische System ist eine funktionelle Einheit, die aus verschiedenen Teilen von Großhirn, Zwischenhirn und Mittelhirn besteht. Es spielt eine wichtige Rolle bei Gefühlen und triebgesteuertem Verhalten.
Das Gehirn im Allgemeinen
Das Gehirn ist das komplexeste Organ des Körpers und ermöglicht uns zu denken, zu fühlen, zu lernen und uns zu bewegen. Es besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die miteinander vernetzt sind und Informationen austauschen. Die Blutversorgung des Gehirns erfolgt über die Halsschlagadern und die Arteria vertebralis. Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Substanzen geschützt.
tags: #hauptteil #des #zwischenhirns #med