Parkinson und Multiple Sklerose: Ein Vergleich zweier neurologischer Erkrankungen

Die Diagnose einer chronischen neurologischen Erkrankung wie Parkinson oder Multipler Sklerose (MS) kann für Betroffene und ihre Angehörigen einen Schock bedeuten. Obwohl beide Erkrankungen das Nervensystem betreffen und zu Beeinträchtigungen der Motorik und anderer Körperfunktionen führen können, gibt es wesentliche Unterschiede in Bezug auf Ursachen, Symptome, Verlauf und Behandlung. Dieser Artikel beleuchtet die Charakteristika beider Erkrankungen und stellt die wichtigsten Unterschiede heraus.

Parkinson-Syndrom: Ursachen, Symptome und Verlauf

Das Parkinson-Syndrom, oft auch als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung bezeichnet, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen zuständig ist. Der Dopaminmangel führt zu den typischen Parkinson-Symptomen, zu denen Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor), Ruhezittern (Tremor) und Gleichgewichtsstörungen gehören.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen des idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS), der häufigsten Form der Parkinson-Erkrankung, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass ein Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen:

  • Alter: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Die meisten Patienten entwickeln die ersten Symptome nach dem 60. Lebensjahr. Allerdings können auch jüngere Menschen betroffen sein. Etwa 25 Prozent der Betroffenen sind jünger als 65 Jahre, 5 bis 10 Prozent sogar jünger als 50 Jahre.
  • Genetische Faktoren: Mutationen in bestimmten Genen, wie beispielsweise dem Glucocerebrosidase-Gen (GBA1), erhöhen das Risiko, an Parkinson zu erkranken.
  • Umweltfaktoren: Bestimmte Umweltfaktoren, wie Pestizide (z. B. Paraquat) und Chemikalien (z. B. Trichlorethylen), stehen im Verdacht, das Risiko für Parkinson zu erhöhen.
  • Weitere Faktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass auch andere Faktoren, wie beispielsweise Kopfverletzungen, Entzündungen im Gehirn und bestimmte Medikamente, das Risiko für Parkinson beeinflussen können.

Symptome

Die Parkinson-Erkrankung verläuft langsam fortschreitend und die Symptome können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Bewegungsverlangsamung (Bradykinese): Betroffene haben Schwierigkeiten, Bewegungen auszuführen, und benötigen mehr Zeit für alltägliche Aufgaben. Die Bewegungen werden kleinräumiger (Hypokinese).
  • Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln sind angespannt und steif, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Ruhezittern (Tremor): Ein Zittern, das vor allem in Ruhe auftritt, betrifft meist die Hände, kann aber auch andere Körperteile betreffen.
  • Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität): Betroffene haben Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, und neigen zu Stürzen.
  • Nicht-motorische Symptome: Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie beispielsweise Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Riechstörungen, Müdigkeit, Schmerzen, häufiger Harndrang, Kreislaufschwindel, Apathie, Halluzinationen, Orientierungs- und Gedächtnisstörungen.

Diagnose

Die Diagnose des Parkinson-Syndroms basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Neurologinnen und Neurologen achten dabei auf die typischen motorischen Symptome und schließen andere Erkrankungen aus, die ähnliche Symptome verursachen können. Apparative Zusatzuntersuchungen wie bildgebende Verfahren (z. B. MRT, PET, DaTSCAN) können zur Unterstützung der Diagnose und zum Ausschluss anderer Erkrankungen eingesetzt werden. Ein gutes Ansprechen auf L-Dopa, ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird, ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis für das Vorliegen des klassischen Morbus Parkinson.

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Behandlung

Es gibt derzeit keine Heilung für die Parkinson-Krankheit, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Die Behandlung umfasst in der Regel:

  • Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Hierzu werden vor allem L-Dopa-Präparate eingesetzt, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt werden. Daneben gibt es weitere Medikamente, wie Dopamin-Agonisten, MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer, die die Wirkung von Dopamin verstärken oder den Abbau von Dopamin hemmen.
  • Aktivierende Therapien: Physio-, Ergo- und Logopädie können helfen, die Beweglichkeit, Koordination, Sprache und Schluckfunktion zu verbessern.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, die elektrische Impulse abgeben und so die Symptome lindern können.
  • Weitere Therapien: Ergänzend können weitere Therapien eingesetzt werden, wie beispielsweise Psychotherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie, Akupunktur, Magnetstimulation und Massage.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Parkinson-Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Bei einigen Patienten schreitet die Erkrankung langsam voran, während sie bei anderen schneller verläuft. Im Laufe der Zeit können motorische Komplikationen auftreten, wie beispielsweise Wirkungsschwankungen der Medikamente (Wearing-off, On-Off-Phänomen) und unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien). Im fortgeschrittenen Stadium können weitere Symptome hinzukommen, wie beispielsweise Schluckstörungen, Gleichgewichtsstörungen und psychische Beschwerden. Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson ist im Durchschnitt um vier bis elf Jahre verkürzt. Die Parkinson-Krankheit selbst ist jedoch nicht unmittelbar tödlich. Die meisten Patienten sterben an Komplikationen, die im Krankheitsverlauf auftreten können, wie beispielsweise Lungenentzündungen oder Stürze.

Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome und Verlauf

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden angreift. Die Myelinscheiden sind Schutzschichten, die die Nervenfasern umhüllen und für eine schnelle und reibungsloseSignalübertragung sorgen. Durch die Entzündung und Zerstörung der Myelinscheiden entstehenMultiple Sklerose Herde (Plaques) im Nervengewebe, die die Nervenleitgeschwindigkeit beeinträchtigen und zu vielfältigen neurologischen Symptomen führen können.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass ein Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen:

  • Genetische Faktoren: Es gibt eine genetische Veranlagung für MS, d. h. Menschen, bei denen Familienmitglieder an MS erkrankt sind, haben ein höheres Risiko, selbst an MS zu erkranken.
  • Umweltfaktoren: Verschiedene Umweltfaktoren werden mit einem erhöhten MS-Risiko in Verbindung gebracht, wie beispielsweise Vitamin-D-Mangel, Rauchen, Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) und Übergewicht.
  • Geografische Faktoren: MS tritt häufiger inRegionen auf, die weiter vom Äquator entfernt liegen. Dies könnte mit der geringeren Sonneneinstrahlung und dem damit verbundenen Vitamin-D-Mangel zusammenhängen.
  • Weitere Faktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass auch andere Faktoren, wie beispielsweise Stress, das Immunsystem und hormonelle Veränderungen, das Risiko für MS beeinflussen können.

Symptome

Die Symptome der Multiplen Sklerose sind sehr vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Sie hängen davon ab, welche Bereiche des Nervensystems von der Entzündung betroffen sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Sehstörungen: Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis).
  • Gefühlsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen, Brennen in Armen, Beinen oder im Gesicht.
  • Koordinationsprobleme: Gleichgewichtsstörungen,Gangunsicherheit, Zittern.
  • Muskelschwäche: Schwäche in Armen oder Beinen,Spastik (erhöhte Muskelspannung).
  • Müdigkeit (Fatigue): Erschöpfung, die durch körperliche oder geistige Anstrengung verstärkt wird.
  • Weitere Symptome: Blasen- und Darmfunktionsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, kognitive Beeinträchtigungen (Gedächtnis-, Konzentrationsstörungen),Depressionen, Angstzustände.

Diagnose

Die Diagnose der Multiplen Sklerose kann schwierig sein, da die Symptome vielfältig sind und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Die Diagnose basiert in der Regel auf folgenden Kriterien:

  • Klinische Untersuchung: Der Neurologe untersucht den Patienten und achtet auf neurologische Ausfälle, die typisch für MS sind.
  • Anamnese: Der Neurologe erfragt die Krankengeschichte des Patienten und achtet auf Symptome, die auf MS hindeuten könnten.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, mit dem Entzündungsherde (Plaques) im Gehirn und Rückenmark sichtbar gemacht werden können.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion wird Nervenwasser (Liquor) entnommen und auf bestimmte Entzündungsmarker untersucht.
  • Evozierte Potentiale: Mit evozierten Potentialen können die Nervenleitgeschwindigkeit und die Funktion der Nervenbahnen gemessen werden.

Behandlung

Es gibt derzeit keine Heilung für die Multiple Sklerose, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Die Behandlung umfasst in der Regel:

  • Schubtherapie: Bei akuten MS-Schüben werden Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.
  • Basistherapie: Die Basistherapie zielt darauf ab, dieEntzündungsaktivität zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Hierzu werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem modulieren (Immunmodulatoren).
  • Symptomatische Therapie: Die symptomatische Therapie zielt darauf ab, die einzelnen Symptome der MS zu lindern, wie beispielsweise Schmerzen, Spastik, Fatigue, Blasenfunktionsstörungen und Depressionen.
  • Rehabilitation: Physio-, Ergo- und Logopädie können helfen, dieFunktionen und Fähigkeiten zu erhalten oder wiederherzustellen, die durch die MS beeinträchtigt wurden.
  • Weitere Therapien: Ergänzend können weitere Therapien eingesetzt werden, wie beispielsweisePsychotherapie, Entspannungstechniken, Akupunktur und alternative Heilmethoden.
  • Stammzellentherapie: In bestimmten Fällen kann eine Stammzellentherapie in Betracht gezogen werden. Dabei werden dem Patienten zunächst Stammzellen entnommen. Anschließend wird das Immunsystem durch eine Chemotherapie ausgeschaltet, bevor die zuvor entnommenen Stammzellen wieder transplantiert werden.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Multiplen Sklerose ist individuell sehr unterschiedlich. Bei einigen Patienten verläuft die Erkrankung schubförmig, d. h. es treten immer wieder akute Schübe auf, gefolgt von Phasen der Besserung oder Stabilität. Bei anderen Patienten verläuft die Erkrankung primär progredient, d. h. die Symptome nehmen kontinuierlich zu, ohne dass es zu Schüben kommt. Es gibt auch Mischformen zwischen diesen beiden Verlaufsformen. Die Lebenserwartung von Menschen mit MS ist heute dank moderner Therapiemöglichkeiten kaum noch verkürzt. Die meisten Patienten können ein weitgehend normales Leben führen.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Parkinson und MS

Obwohl sowohl Parkinson als auch MS neurologische Erkrankungen sind, die das Nervensystem betreffen, gibt es wesentliche Unterschiede in Bezug auf Ursachen, Symptome, Verlauf und Behandlung:

MerkmalParkinson-SyndromMultiple Sklerose
UrsacheVerlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn. Die genauen Ursachen des idiopathischen Parkinson-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.Chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden angreift. Die genauen Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
Typisches AlterBeginn meist nach dem 60. Lebensjahr, kann aber auch früher auftreten.Beginn meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
HauptsymptomeBewegungsverlangsamung (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor), Ruhezittern (Tremor), Gleichgewichtsstörungen.Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Koordinationsprobleme, Muskelschwäche, Müdigkeit (Fatigue).
VerlaufLangsam fortschreitend, Symptome können im Laufe der Zeit schwanken und motorische Komplikationen auftreten.Individuell sehr unterschiedlich, kann schubförmig oder primär progredient verlaufen.
DiagnoseKlinische Untersuchung, Anamnese, bildgebende Verfahren (MRT, PET, DaTSCAN), Ansprechen auf L-Dopa.Klinische Untersuchung, Anamnese, MRT, Lumbalpunktion, evozierte Potentiale.
BehandlungMedikamentöse Therapie zur Linderung der Symptome, aktivierende Therapien (Physio-, Ergo-, Logopädie), tiefe Hirnstimulation (THS), weitere Therapien (Psychotherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie, Akupunktur, Magnetstimulation, Massage).Schubtherapie (Kortikosteroide), Basistherapie (Immunmodulatoren), symptomatische Therapie, Rehabilitation (Physio-, Ergo-, Logopädie), weitere Therapien (Psychotherapie, Entspannungstechniken, Akupunktur, alternative Heilmethoden), Stammzellentherapie.
HeilungDerzeit nicht heilbar.Derzeit nicht heilbar.
LebenserwartungIm Durchschnitt um vier bis elf Jahre verkürzt.Dank moderner Therapiemöglichkeiten kaum noch verkürzt.

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