Helmut Kohl, der von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler Deutschland regierte, war eine prägende Figur der deutschen und europäischen Geschichte. Seine Amtszeit war von der Wiedervereinigung Deutschlands und der Vertiefung der europäischen Integration geprägt. Doch wie stand es um die Gesundheit des Kanzlers während seiner langen politischen Karriere und im hohen Alter? Dieser Artikel beleuchtet Helmut Kohls gesundheitlichen Zustand im Laufe der Jahre, basierend auf öffentlichen Berichten und Medienberichterstattung.
Gesundheitliche Spekulationen während seiner Kanzlerschaft
Schon während seiner aktiven Zeit als Bundeskanzler gab es immer wieder Spekulationen über Helmut Kohls Gesundheitszustand. Trotz seines hohen Arbeitspensums und seiner barocken Statur dementierten er und sein Umfeld hartnäckig jegliche Gerüchte über ernsthafte Erkrankungen.
Prostata-Operation und Dementis
Im Herbst 1989 unterzog sich Kohl einer Prostata-Operation. Gegenüber der "Bild"-Zeitung äußerte er sich zu den Krebsgerüchten und bezeichnete sie als "freie Erfindungen", mit denen die deutsche Bevölkerung verunsichert werden solle. Er betonte, dass er sich seit der Operation jährlich entsprechenden Kontrolluntersuchungen unterziehe - mit sehr erfreulichen Resultaten.
Schutz der Privatsphäre
1995 entstanden erneut Gerüchte, als ein kleinerer Prostata-Eingriff vom Kanzleramt offiziell als Grippe bezeichnet wurde. Der Hintergrund dieser Informationspolitik war Kohls energisches Beharren auf dem Schutz seiner Privatsphäre. Er verabscheute es, wenn über Wehwehchen und Details aus seinem Privatleben berichtet wurde.
Eiserne Kondition und Energiereserven
Trotz der Spekulationen strafte Kohls Lebenswandel, seine Statur und vor allem seine Kondition alle Mutmaßungen Lügen. Beobachter betonten, dass kein chronisch kranker Mensch in der Lage wäre, Kohls Arbeitspensum und Reisestrapazen zu bewältigen. Seine Fähigkeit, an den unmöglichsten Orten Energie "aufzutanken", indem er schlief, war legendär.
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Umgang mit Schmerzen und Parteitagen
Es gab Situationen, in denen Kohl gesundheitliche Probleme verheimlichte, um seine politische Position nicht zu gefährden. So soll er beispielsweise beim CDU-Parteitag 1989 in Bremen trotz schlimmer Prostata-Schmerzen ausgeharrt haben, um einen parteiinternen Putsch zu verhindern.
Gesundheitliche Probleme im Alter
Nach dem Ende seiner Kanzlerschaft wurde es stiller um Helmut Kohl. Im hohen Alter kamen jedoch Berichte über gesundheitliche Probleme ans Licht.
Sturz und Schädel-Hirn-Trauma
Ein schwerer Sturz im Jahr 2008, nach einer Knie-Operation, führte zu einem Schädel-Hirn-Trauma. Infolgedessen war Kohl auf den Rollstuhl angewiesen und hatte Schwierigkeiten beim Sprechen. Seine öffentlichen Auftritte wurden seltener und er war schwer zu verstehen.
Operationen und Klinikaufenthalte
Anfang Mai unterzog sich Kohl einer Hüftoperation im Universitätsklinikum Heidelberg. Im Anschluss war ein weiterer Eingriff notwendig, der den Klinikaufenthalt verlängerte. Medienberichte sprachen von einem kritischen Zustand und längerer Bewusstlosigkeit nach dem Eingriff.
Tod im Jahr 2017
Helmut Kohl verstarb am 16. Juni 2017 im Alter von 87 Jahren nach langer schwerer Krankheit.
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Der Umgang von Politikern mit Krankheit
Der Fall Helmut Kohl verdeutlicht, wie Politiker mit Krankheit umgehen. Oft wird Krankheit als Schwäche ausgelegt, sowohl von Parteikollegen als auch von den Medien. Dies kann dazu führen, dass Politiker ihren tatsächlichen Gesundheitszustand verschleiern, um ihre Position nicht zu gefährden.
Angst vor Beobachtung und Spekulation
Heide Simonis, ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, äußerte die Angst, dass sie nach Bekanntwerden einer Krankheit beobachtet würde, ob sie ihren Pflichten noch nachkommen könne. Sie befürchtete, dass Parteifreunde einen Vorwand suchen würden, um über ihre Krankheiten zu tratschen.
Offenheit als Strategie
Im Gegensatz dazu gibt es auch Politiker, die offen mit ihren gesundheitlichen Problemen umgehen. Matthias Platzeck, ehemaliger SPD-Vorsitzender, bekannte sich zu einem Kreislauf- und Nervenzusammenbruch und gab aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme den Parteivorsitz ab. Auch Jürgen Trittin, ein grüner Spitzenpolitiker, erlitt einen Herzinfarkt und ging offen damit um.
Der Fall Wolfgang Schäuble
Der Fall Wolfgang Schäuble, der seit einem Attentat im Rollstuhl sitzt, zeigt, wie der Gesundheitszustand eines Politikers zum Politikum werden kann. Schäuble bemühte sich stets, das Bild eines kerngesunden Machers zu vermitteln, und vermied es, sich in hilflosen Situationen ablichten zu lassen.
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