Die Gesundheit des Herzens, die Funktion der Nerven und der Zustand der Wirbelsäule sind eng miteinander verbunden. Störungen in einem dieser Bereiche können sich auf die anderen auswirken und zu vielfältigen Beschwerden führen. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Herz, Nerven und Wirbelsäule und zeigt, wie man mögliche Ursachen für Beschwerden erkennen und behandeln kann.
Das alternde Herz und die Rolle der Nerven
Jüngste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Blutgefäßen im Herzen im Alter Veränderungen erfährt. Die Studie "Ageing impairs the neuro-vascular interface in the heart" des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration, des Cardio-Pulmonary Institute der Goethe-Universität und des Deutschen Zentrums für Herzkreislaufforschung (DZHK) konnte nachweisen, dass sich in der linken Herzkammer, die das Blut durch den Körperkreislauf pumpt, die Nerven im Alter zurückbilden.
Dieser Rückgang der Nerven wird durch alternde Blutgefäße verursacht, die den Botenstoff Semaphorin-3A freisetzen. Dieser Botenstoff hemmt das Wachstum und die Aussprossung von Nervenzellen im Herzmuskelgewebe. Infolgedessen können die Herzmuskelzellen nicht mehr adäquat auf Impulse der Nervenzellen reagieren, was zu einer verminderten Fähigkeit des Herzens führt, unter Belastung die Herzfrequenz zu erhöhen und den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Das Herz gerät sozusagen aus dem Takt.
Interessanterweise konnte in Experimenten gezeigt werden, dass die gezielte Reduktion sogenannter seneszenter Zellen im Gefäßsystem durch Medikamente (Senolytica) das Nachwachsen der Nervenzellen fördert und die autonome Kontrolle des Herzens über die Pulsregulation wiederherstellt. Diese Erkenntnisse tragen wesentlich zum Verständnis der Herzgesundheit im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess bei.
Rückenschmerzen als Warnsignal für Herzprobleme
Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das meist auf Verspannungen, Muskelverhärtungen oder Reizungen der Wirbelsäule zurückzuführen ist. Allerdings können Rückenschmerzen in manchen Fällen auch ein Hinweis auf Herzprobleme oder Durchblutungsstörungen sein, wie Dr. Panorea Styllou, Leitende Oberärztin am Isar Herzzentrum der Isar Kliniken München, erklärt.
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Der sogenannte „Referred Pain“ (übertragener Schmerz) erklärt dieses Phänomen: Das Gehirn empfängt Schmerzsignale aus verschiedenen Körperregionen über dieselben Nervenbahnen. Bei Herzproblemen sind es oft die Nervenbahnen, die auch Informationen aus dem linken Arm, der Schulter, dem Rücken oder dem Kiefer weiterleiten.
Es ist wichtig, zwischen Schmerzen zu unterscheiden, die vom Bewegungsapparat ausgehen, und solchen, die durch das Herz verursacht werden. Schmerzen des Bewegungsapparates sind meist stechend und treten bei bestimmten Bewegungen, Positionen oder im Liegen auf. Herzbedingte Schmerzen äußern sich dagegen als Druck, Brennen oder Beklemmung in der Brust, meist bei körperlicher Belastung.
Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten regelmäßige Kontrollen wahrnehmen und sich bei Bedarf an Kardiologen wenden. Auch wer sich gesund fühlt, sollte Werte wie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin kennen. Müdigkeit, Atemnot und ein schwacher Händedruck können ebenfalls Anzeichen für eine Herzschwäche sein und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Differenzierung von Herz- und Wirbelsäulenschmerzen
Bei Brustschmerzen ist es entscheidend, die Ursache einzugrenzen. Treten die Schmerzen bei körperlicher Anstrengung auf, ist eher an das Herz zu denken, während wirbelsäulenbedingte Beschwerden oft in Ruhe auftreten und sich bei bestimmten Bewegungen verstärken oder abschwächen.
Ein Belastungs-EKG oder eine Stressechokardiographie können helfen, das Herz zu überprüfen. Bei unklaren Beschwerden ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Schmerzen abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
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Das BWS-Syndrom und seine Auswirkungen auf das Herz
Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) werden als BWS-Syndrom bezeichnet. Blockaden, degenerative Veränderungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule können zu BWS-Schmerzen führen, die oft bewegungs- und/oder atemabhängig sind. Die Schmerzen können gürtelförmig über den Brustkorb ausstrahlen.
Blockaden im Bereich der Brustwirbelsäule können sich langfristig auf die Funktion des Herzens auswirken. Werden durch die Wirbelblockade wichtige Nerven im Rückenmark bedrängt, kann das Herz darunter leiden. Die Durchblutung und die Aktivität der Nerven, die zum Herzen führen, können eingeschränkt sein. Auch der Blutdruck kann erhöht sein, meist aufgrund der zusätzlich verspannten Nackenmuskulatur.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Herz direkt von einer BWS-Blockade betroffen ist, relativ selten ist. In der Regel entsteht die unangenehme Brustenge aufgrund der Wirbelblockade.
Diagnose und Therapie des BWS-Syndroms
Die Diagnose des BWS-Syndroms umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT und gegebenenfalls neurologische Untersuchungen.
Die Therapie des BWS-Syndroms richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel, Physiotherapie, manuelle Therapie, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Massagen können helfen, die Muskulatur zu lockern und die Bandscheiben zu entlasten. In einigen Fällen kann auch eine Operation erforderlich sein.
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Übungen zur Linderung von BWS-Schmerzen
Es gibt verschiedene Übungen, die zur Linderung von BWS-Schmerzen beitragen können. Diese Übungen zielen darauf ab, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern, die Muskulatur zu kräftigen und die Körperhaltung zu korrigieren.
Einige Beispiele für Übungen sind:
- Katze-Kuh-Übung im Vierfüßlerstand
- Dehnung der Brustmuskulatur
- Rotation der Brustwirbelsäule
- Dehnung der Schulterblätter
- Übungen auf dem Gymnastikball
Es ist wichtig, die Übungen korrekt auszuführen und auf den Körper zu hören. Bei Schmerzen sollte die Übung abgebrochen werden.
Die Rolle der Psyche beim BWS-Syndrom
Die Psyche spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Verschlimmerung des BWS-Syndroms. Stress, Angst und Depressionen können Muskelverspannungen verstärken und die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Daher ist es wichtig, auch psychologische Aspekte bei der Behandlung des BWS-Syndroms zu berücksichtigen.
Herzrhythmusstörungen und osteopathische Behandlung
Herzrhythmusstörungen sind keine primäre Indikation für eine osteopathische Behandlung. Patienten mit Herzrhythmusstörungen sollten zunächst von einem Kardiologen untersucht und behandelt werden.
Allerdings kann eine osteopathische Behandlung in einigen Fällen ergänzend zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden, insbesondere wenn Gelenksdysfunktionen in der oberen Brustwirbelsäule vorliegen. Diese Segmente stehen in direktem Zusammenhang mit dem Herzen, da aus diesem Wirbelsäulenabschnitt die sympathische Innervation für das Herz entspringt.
Durch die Auflösung von Gelenksstörungen und die Behandlung des umliegenden Fasziengewebes kann die Nervenversorgung des Herzens verbessert und die Herzfunktion unterstützt werden.
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