Impfung und Armlähmung: Ursachen und Zusammenhänge

Impfungen sind ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Gesundheit und schützen vor einer Vielzahl von Infektionskrankheiten. Wie bei allen medizinischen Eingriffen können jedoch auch Impfungen Nebenwirkungen oder Komplikationen verursachen. In seltenen Fällen kann es nach einer Impfung zu einer Armlähmung kommen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen und Zusammenhänge zwischen Impfungen und Armlähmungen, basierend auf verfügbaren Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach Impfung mit Pandemrix

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sammelt und bewertet Verdachtsfallberichte von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen. Im Zusammenhang mit dem Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix gingen in einem bestimmten Zeitraum 451 Meldungen über unerwünschte Reaktionen ein. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich bei diesen Meldungen um Verdachtsfälle handelt und nicht zwangsläufig ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung besteht.

Die gemeldeten Reaktionen umfassten insgesamt 1699 unerwünschte Ereignisse bei Patienten im Alter von 10 Monaten bis 92 Jahren. Die häufigsten Symptome waren Kopfschmerzen, Fieber, Schmerzen in einer Extremität, Schüttelfrost, Übelkeit, Ermüdung und Schwindelgefühl.

In keinem der gemeldeten Fälle wurde über einen bleibenden Schaden berichtet. Allerdings wurden dem PEI im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung 10 Todesfälle gemeldet. In den meisten Fällen konnte jedoch eine andere Ursache für den Tod festgestellt werden, wie z.B. eine bakterielle Lungenentzündung, ein plötzlicher Herztod oder eine diabetische Stoffwechselentgleisung.

Neurologische Reaktionen nach Impfung

In einigen Fällen wurden nach Impfungen neurologische Reaktionen gemeldet, darunter das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) und Neuritis.

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Guillain-Barré-Syndrom (GBS)

Das GBS ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu Entzündungen des peripheren Nervensystems und der Nervenwurzeln führt. Dies kann zu aufsteigenden Lähmungen und dem Nachlassen der Sehnenreflexe führen. In schweren Fällen kann auch die Atem- und Schluckmuskulatur betroffen sein.

Die genaue Ursache des GBS ist unbekannt, aber es wird vermutet, dass die Erkrankung durch einen immunpathologischen Mechanismus ausgelöst wird. In vielen Fällen geht dem GBS eine virale oder bakterielle Infektion voraus.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Auftreten eines GBS im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung nicht automatisch bedeutet, dass die Impfung die Ursache ist. Laut einer aktuellen Veröffentlichung ist zu erwarten, dass rein zufällig ein Fall eines GBS innerhalb von 7 Tagen nach Impfung unter 2,5 Millionen Geimpften auftritt.

Neuritis

Neuritis bezeichnet eine Entzündung eines Nervs. Im Zusammenhang mit Impfungen wurden Fälle von Neuritis des Nervus ulnaris und Plexusneuritis des Arms gemeldet. Die Symptome einer Neuritis können Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen umfassen.

Der zeitliche Abstand zwischen Impfung und Auftreten der Neuritis war in einigen Fällen sehr kurz, was einen ursächlichen Zusammenhang fraglich erscheinen lässt. Ein immunpathologisches Geschehen wenige Stunden oder einen Tag nach einer Impfung ist nicht plausibel.

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Weitere neurologische Ereignisse

Neben GBS und Neuritis wurden auch andere neurologische Ereignisse im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen berichtet, darunter:

  • Vorübergehende Halbseitenlähmung
  • Apoplex mit Hemiparese
  • Armlähmung
  • Radialisparese mit Fallhand
  • Lähmung beider Beine
  • Gesichtsparese
  • Sensibilitätsstörungen

Es ist wichtig zu betonen, dass es sich bei diesen Ereignissen um isolierte Berichte handelt und dass sie insgesamt unabhängig von Impfungen vergleichsweise häufig vorkommen.

Fazialisparese nach COVID-19-Impfung

Eine systematische Überprüfung mit Metaanalyse untersuchte die Inzidenz einer idiopathischen Fazialisparese (Gesichtslähmung) bei Personen, die mit einer SARS-CoV-2-Vakzine geimpft wurden. Die Analyse ergab eine um 200% erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Fazialisparese bei den Impfstoffempfängern im Vergleich zu den Placebogruppen.

Interessanterweise hatten Probanden, die mit mRNA-Vakzinen geimpft wurden, ein signifikant höheres Risiko für eine Fazialislähmung als Personen aus der Placebogruppe. Für die Untergruppe der Vektorimpfstoffe wurde keine statistische Signifikanz nachgewiesen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das relative Risiko, nach einer Coronavirusinfektion an einer Fazialisparese zu erkranken, deutlich höher war als nach Erhalt der Impfung. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass eine Impfung gegen SARS-CoV-2 die Wahrscheinlichkeit einer Fazialisparese im Vergleich zu einer SARS-CoV-2-Infektion deutlich verringern kann.

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Impfreaktionen und ihre Ursachen

Impfreaktionen sind meist milde und kurzlebige Symptome, die direkt nach einer Impfung auftreten. Sie sind ein Zeichen einer unbedenklichen Immunreaktion des Körpers. Zu den typischen Symptomen gehören Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle sowie Allgemeinreaktionen wie Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Fieber.

Impfreaktionen werden durch die Aktivierung des Immunsystems durch den Impfstoff ausgelöst. Die Stärke der Symptome ist jedoch kein Gradmesser dafür, wie gut die Impfung schützt.

Umgang mit Impfreaktionen

Lokalreaktionen können durch Kühlen der schmerzenden Region gelindert werden. Körperliche Belastungen sollten am Tag der Impfung vermieden werden. Bei Allgemeinreaktionen können schmerz- und fiebersenkende Mittel eingenommen werden.

Wann ärztlichen Rat einholen?

Die meisten Menschen haben nach einer Impfung keine oder nur leichte Impfreaktionen. In seltenen Fällen kann es jedoch auch zu Impfnebenwirkungen und Impfschäden kommen. Personen, die nach einer Impfung an Komplikationen oder Schäden leiden, sollten ihren behandelnden Arzt oder Ärztin aufsuchen.

Schlaganfall und Impfung

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Schlaganfall-Betroffene allein aufgrund des Schlaganfalls ein erhöhtes Risiko für Impf-Nebenwirkungen haben. Allerdings sollten Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, einige Vorsichtsmaßnahmen beachten, wie z.B. die Verwendung einer sehr feinen Injektionskanüle und eine verlängerte Nachbeobachtungszeit nach der Impfung.

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Poliomyelitis ist eine leicht übertragbare Viruserkrankung, die zu dauerhaften Lähmungen und zum Tod führen kann. Es gibt sichere und zuverlässig wirksame Impfungen gegen die Erkrankung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt einen vollständigen Impfschutz gegen Polio durch Impfungen mit einem inaktivierten Polio-Impfstoff (IPV).

Guillain-Barré-Syndrom (GBS) und COVID-19-Impfung

Eine Impfung mit mRNA-Impfstoffen scheint das Risiko für GBS sogar um mehr als die Hälfte zu verringern. Eine SARS-CoV-2-Infektion erhöht das Risiko eines GBS um über das Sechsfache.

Neuralgische Amyotrophie (Parsonage-Turner-Syndrom)

Die Neuralgische Amyotrophie ist eine seltene Erkrankung, die durch plötzlich auftretende, starke Schmerzen in der Schulter und im Arm gekennzeichnet ist, gefolgt von einer rasch fortschreitenden Lähmung der proximalen Muskulatur. Die Ursache der Neuralgischen Amyotrophie ist unbekannt, aber es wird vermutet, dass sie durch eine Entzündung der Nerven ausgelöst wird. In einigen Fällen kann die Neuralgische Amyotrophie durch eine Impfung ausgelöst werden.

Impfen - Fettnäpfchen vermeiden

Bei der Durchführung von Impfungen können Fehler vermieden werden, indem man sich an die aktuellen Empfehlungen der STIKO hält, die richtige Injektionstechnik anwendet und das medizinische Personal ausreichend impft.

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