Fußschmerzen sind ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte, da der Fuß den größten Teil unseres Körpergewichts trägt und anfällig für Überlastungen ist. Neben Fehlstellungen, Verletzungen und Entzündungen kann auch Gelenkverschleiß (Arthrose) zu Fußschmerzen führen. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Arthrose und neuropathischen Schmerzen, ihre Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze.
Fußschmerzen als Warnsignal
Fußschmerzen sind ein wichtiges Warnsignal des Körpers und weisen auf Probleme und Gefahren für Ihren Fuß hin. Sie können viele Ursachen haben und benötigen die Abklärung durch einen Spezialisten. Die Untersuchung der Beinachse und der Stellung der Ferse gehört zu den grundlegenden Aufgaben des Fußspezialisten.
Häufig hilft bereits ein Wechsel des Schuhwerks, damit die Schmerzen abklingen. Dauern die Fußschmerzen allerdings länger als drei Tage an oder ist eine Belastung des Fußes nicht mehr möglich, sollten Sie einen Spezialisten für Fußerkrankungen aufsuchen.
Für eine exakte Diagnose sind folgende Informationen wichtig für den orthopädischen Facharzt:
- Wo genau haben Sie Fersenschmerzen?
- Zu welcher Tageszeit treten Fersenschmerzen auf?
- Haben Sie bereits beim Stehen Fersenschmerzen oder erst beim Gehen und Laufen?
- Strahlen Ihre Fersenschmerzen in die Wade aus?
Die gründliche Diagnose des Experten ist Grundlage für eine treffsichere Behandlung Ihrer Fersenschmerzen, die individuell angepasst wird. In den meisten Fällen helfen erfolgreich gegen Fersenschmerzen die umfangreichen Möglichkeiten der konservativen Therapie.
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Grundlagen der Arthrose
Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch den Abbau von Knorpelgewebe gekennzeichnet ist. Dieser Abbau führt zu Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen im betroffenen Gelenk. Arthrose kann verschiedene Gelenke betreffen, einschließlich der Fußgelenke.
Neuropathische Schmerzen: Eine Definition
Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems. Sie können sich von nozizeptiven Schmerzen (Schmerzen, die durch Gewebeschäden verursacht werden) unterscheiden und werden oft als brennend, stechend oder elektrisierend beschrieben.
Ursachen neuropathischer Schmerzen bei Arthrose
Arthrose kann auf verschiedene Weisen neuropathische Schmerzen verursachen oder verstärken:
- Nervenkompression: Arthrosebedingte Veränderungen im Gelenk können Nerven komprimieren oder reizen, was zu neuropathischen Schmerzen führt. Ein Beispiel hierfür ist die Baxter-Neuropathie, eine Einengung des Baxter-Nervs, die Fuß- und Fersenschmerzen auslösen kann. Die Baxter-Neuropathie gehört wie das Tarsaltunnelsyndrom und das Karpaltunnelsyndrom zu den Nervenkompressionssyndromen. Neben konservativen Therapien (Ruhigstellung, orthopädische Einlagen) kann ein Orthopäde die Baxter-Neuropathie mithilfe einem erweiternden operativen Eingriff (Dekompression) behandeln. Eine Einengung oder Reizung dieser Nerven führt zu seitlichen Fersenschmerzen. Zwei Erkrankungen, welche die nervöse Versorgung des Fußes mit sensiblen Reizen betreffen, können zu seitlichen Fersenschmerzen führen: die Einengung (Kompression) des Schienbeinnervs (Tarsaltunnelsyndrom) und die Baxter-Neuropathie. Beide zählen zu den Nervenkompressionssyndromen und werden nicht selten bei Laufsportlern beobachtet.
- Entzündungen: Entzündungsprozesse im Rahmen der Arthrose können Nervenfasern schädigen oder sensibilisieren, was neuropathische Schmerzen verursachen kann.
- Veränderte Schmerzverarbeitung: Chronische Schmerzen, wie sie bei Arthrose auftreten, können zu Veränderungen in der Schmerzverarbeitung im Gehirn führen, was die Entstehung neuropathischer Schmerzen begünstigen kann. Nach aktuellem Wissen können länger anhaltende Schmerzen im Nervensystem „Schmerzspuren“ hinterlassen, die die Nervenzellen immer empfindlicher machen. Manchmal wird in diesem Zusammenhang von einem „Schmerzgedächtnis“ gesprochen.
Differenzialdiagnosen
Es ist wichtig, andere Ursachen für neuropathische Schmerzen auszuschließen, bevor eine Diagnose gestellt wird. Dazu gehören:
- Polyneuropathie: Eine Polyneuropathie muss nicht sehr ausgeprägt sein, um über eine neuropathische Schmerzkomponente einen Arthroseschmerz zu verstärken. Speziell bei Vorhandensein einer sog. small fiber-Komponente, also einer Schädigung im Bereich der schmerz- und temperaturleitenden Nervenfasern, werden neuropathische Sensitivierungen begünstigt und zwar nicht nur in den Arealen, die klinisch am deutlichsten betroffen sind (Füße, Unterschenkel, Hände), sondern im gesamten Körper, da es sich bei Polyneuropathien in der Regel um systemische Erkrankungen handelt.
- Neuropathischer Gelenkschmerz nach Interventionen: Neuropathische Schmerzen nach invasiven Maßnahmen im Bereich der Gelenke entstehen z.T. erst mit einer zeitlichen Latenz von Wochen bis Monaten, selten Jahren.
Diagnosemethoden
Die Diagnose neuropathischer Schmerzen bei Arthrose erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche diagnostische Tests:
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- Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu Art, Lokalisation und Intensität der Schmerzen stellen, sowie zu auslösenden Faktoren und Begleitsymptomen. Anamnestisch achtet man auf die Angabe brennender, stechender oder elektrisierender Schmerzen, insbesondere, wenn sie spontan oder besonders in der Ruhephase wahrgenommen werden. Auch die Angabe von Kälte- und Wärme-Missempfindungen, die offensichtlich nicht entzündlich oder ischämisch ausgelöst werden, sind immer hochverdächtig auf eine neuropathische Schmerzkomponente. Darüber hinaus lassen sich oft auch sehr unangenehme, drückende Fehlempfindungen erfragen („wie bandagiert“, „wie geschwollen“).
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird das betroffene Gelenk untersuchen, um Anzeichen von Arthrose festzustellen und neurologische Tests durchführen, um die Nervenfunktion zu überprüfen. Bei der klinischen Untersuchung achtet man auf eine vermehrte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) und/oder eine Schmerzangabe bei Applikation per se nicht schmerzhafter Reize (Allodynie) im Bereich des betroffenen Gelenkes.
- Zusätzliche Tests: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder MRT eingesetzt werden, um den Zustand des Gelenks zu beurteilen und andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen. Um einer neuropathischen Schmerzkomponente auf die Spur zu kommen, kann die Verwendung des painDETECT-Fragebogens erste wichtige Indizien liefern.
Behandlungsansätze
Die Behandlung neuropathischer Schmerzen bei Arthrose zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Schmerzen und individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können:
- Medikamentöse Therapie:
- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können zur Linderung von Entzündungen und Schmerzen eingesetzt werden.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (TZA) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) können bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin können bei neuropathischen Schmerzen helfen, indem sie die Nervenaktivität reduzieren.
- Opioide: In einigen Fällen können Opioide zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt werden, aber aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen und Abhängigkeit sollten sie nur mit Vorsicht verwendet werden.
- Nicht-medikamentöse Therapie:
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken, die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, Alltagsaktivitäten schmerzfreier zu gestalten und die Funktion zu verbessern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem es die Nerven stimuliert.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Menschen mit neuropathischen Schmerzen wirksam sein.
- Psychologische Therapie: Psychologische Therapie kann helfen, mit chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Invasive Therapie:
- Injektionen: Injektionen von Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika in das betroffene Gelenk können zur Schmerzlinderung beitragen.
- Nervenblockaden: Nervenblockaden können eingesetzt werden, um die Schmerzsignale von bestimmten Nerven zu blockieren.
- Rückenmarkstimulation (SCS): SCS kann bei schweren neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind.
- Weitere Therapieansätze:
- Bewegung: Durch Bewegung werden körpereigene Stoffe freigesetzt, die eine schmerzlindernde Wirkung haben. Außerdem regt Bewegung die Durchblutung und den Stoffwechsel an und sorgt dafür, dass Knochen und Knorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.
- Entspannung: Bei chronischen Schmerzen sind vor allem Bewegung, Entspannung und Methoden zur Schmerzbewältigung aus der kognitiven Verhaltenstherapie hilfreich.
- Multimodale Schmerztherapie: Oft werden Bewegung, Entspannung und Methoden zur Schmerzbewältigung in einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie kombiniert.
Peripherer Schmerz und seltene Krankheiten
Peripherer Schmerz, der Arme, Hände, Beine und Füße betrifft, kann in seltenen Fällen auf seltene Erkrankungen hinweisen. Einige seltene Erkrankungen, wie die Fabry-Krankheit, hereditäre Amyloidose oder bestimmte Stoffwechsel- und genetische Störungen, können chronische und stark beeinträchtigende Schmerzen in den Extremitäten verursachen.
Warnzeichen für peripheren Schmerz sind:
- Brennen, Kribbeln oder elektrische Schocks
- Schmerz ausgelöst durch Wärme, Kälte oder Berührung
- Schmerzen in Kombination mit anderen Symptomen wie Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Seh- oder Hörproblemen und wiederkehrendem Fieber
- Symmetrische Schmerzen an Händen und Füßen
- Familiäre Vorgeschichte mit ähnlichen Symptomen
- Schmerzbeginn bereits in Kindheit oder Jugend
- Muskelschwäche oder Koordinationsstörungen
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