Wadenkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen schon einmal erlebt haben. Sie können plötzlich und unerwartet auftreten, oft nachts, und sind durch schmerzhafte Kontraktionen der Wadenmuskulatur gekennzeichnet. Obwohl sie in der Regel harmlos sind, können sie äußerst unangenehm sein und den Schlaf erheblich stören. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Wadenkrämpfen, gibt Tipps zur Soforthilfe und zeigt, wie man ihnen vorbeugen kann.
Ursachen von Wadenkrämpfen
Die Ursachen für Wadenkrämpfe sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu bestimmen. Meist ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich. In vielen Fällen sind die Gründe jedoch harmlos.
Überlastung der Muskulatur: Eine Überlastung der Wadenmuskulatur, beispielsweise durch intensives Training oder ungewohnte körperliche Anstrengung, kann zu einem Krampf führen. Vermeiden Sie Trainingsspitzen und gönnen Sie Ihrem Körper nach jedem Training eine angemessene Regenerationszeit.
Elektrolytmangel: Der Körper benötigt bestimmte Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Magnesium für die Reizübertragung von Nerven auf Muskeln. Ein Mangel dieser Elektrolyte kann die Muskelkontraktion beeinträchtigen und Krämpfe verursachen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls wichtig, da andernfalls der Elektrolythaushalt ins Ungleichgewicht geraten kann. Dies ist vor allem beim Sport und bei Hitzeperioden wichtig.
Flüssigkeitsmangel: Ein möglicher Grund für nächtliche Wadenkrämpfe ist Flüssigkeitsmangel, da der Körper während des Schlafens dehydrieren kann.
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Schwangerschaft: Schwangere Frauen sind anfälliger für Wadenkrämpfe. Die veränderte Körperhaltung, der erhöhte Bedarf an Mineralstoffen und die veränderte Durchblutungssituation können die Entstehung von Krämpfen begünstigen. Daher ist eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse umso wichtiger in der Schwangerschaft.
Alkohol: Eine Studie belegt den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und nächtlichen Wadenkrämpfen. Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat häufiger unter solchen nächtlichen Wadenkrämpfen zu leiden.
Weitere Ursachen: In seltenen Fällen können Wadenkrämpfe ein Anzeichen einer ernsten Erkrankung sein, wie z. B. Nervenerkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Auch bestimmte Medikamente können Wadenkrämpfe als Nebenwirkung auslösen.
Was tun bei einem akuten Wadenkrampf?
Bei einem akuten Wadenkrampf ziehen sich die betroffenen Muskeln oder Muskelgruppen abrupt zusammen. Die Muskelkontraktionen sind meist von außen sichtbar und dauern wenige Sekunden bis einige Minuten. Wadenkrämpfe sind sehr unangenehm und äußern sich durch Schmerzen im betroffenen Muskel sowie in der Muskelumgebung.
Dehnen: Strecken Sie Ihr Bein und ziehen Sie die Zehen zum Schienbein, um einen Wadenkrampf zu lösen. Bitten Sie ggf. einen Anwesenden, die Wade passiv zu dehnen. Das Bein muss dafür gestreckt und die Zehen zum Schienbein gezogen werden. Bestimmte Rezeptoren übermitteln den Dehnungszustand des Muskels an das Gehirn. Dies veranlasst als Reaktion eine Entspannung des Muskels, um einem Sehnen- oder Muskelfaserriss durch die Dehnung entgegenzuwirken.
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Massage: Eine leichte Massage kann die verspannten Muskelpartien lockern.
Wärme: Auch Wärme hilft bei Wadenkrämpfen. Indem sie die Durchblutung anregt, löst Wärme die Verspannung des verkrampften Muskels. Sie können dafür ein warmes Bad nehmen oder wärmende Auflagen bzw. eine Wärmflasche auf die betroffene Stelle legen.
Aufstehen und Herumlaufen: Nachts im Bett kann Aufstehen und vorsichtiges Herumlaufen den Krampf lösen.
Vorbeugung von Wadenkrämpfen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Wadenkrämpfen vorzubeugen:
Ausreichend Bewegung: Sie können Wadenkrämpfen vorbeugen, indem Sie sich ausreichend moderat bewegen.
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Vermeiden Sie Überlastung: Vermeiden Sie Trainingsspitzen und eine Überlastung der Muskulatur.
Regenerationszeit: Gönnen Sie Ihrem Körper nach jedem Training eine angemessene Regenerationszeit.
Ausreichend Flüssigkeit: Denken Sie außerdem daran, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um einem Entgleisen des Elektrolythaushaltes entgegenzuwirken. Dies ist vor allem beim Sport und bei Hitzeperioden wichtig. Wer genug trinkt, beugt Störungen des Elektrolythaushalts vor.
Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung sollte aus frischen Produkten und einem hohen Anteil an Vollkornprodukten, Obst und Gemüse bestehen.
Vitamine: Vitamine spielen eine wichtige Rolle für die Funktion und Gesundheit der Muskeln. Vitamin B1 ist wichtig für die Signalübertragung von Nerven auf Muskeln. Es kommt vor allem in Nahrungsmitteln wie Vollkornprodukten, Fleisch oder Hülsenfrüchten vor. Vitamin B6 spielt eine Rolle beim Energiestoffwechsel und bei der Muskelkontraktion. Es ist z. B. in Avocado, Lachs oder Kartoffeln enthalten. Zudem benötigt der Körper Kalzium, das mithilfe von Vitamin D aufgenommen wird. Ein Kalziummangel kann ebenfalls zu Muskelkrämpfen führen. Gute Kalziumspender sind Milchprodukte und grünes Gemüse wie Brokkoli.
Dehnübungen: Gezielte tägliche Dehnungsübungen können helfen - zum Beispiel ein Vorbeugen des Körpers im Stand, ohne dass die Fersen abheben.
Magnesium: Dass die tägliche Einnahme von Magnesium gegen Krämpfe hilft, ist nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Allerdings hilft die Einnahme von Magnesium vielen Menschen und sie bekommen seltener Krämpfe.
Vermeiden Sie Alkohol und Koffein: Meiden Sie Alkohol und Koffein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Einen Arzt sollten Sie dann kontaktieren, wenn die Muskelkrämpfe gehäuft auftreten, sie länger als ein paar Sekunden anhalten oder wenn sie sich nicht einfach durch Dehnen auflösen lassen. Dann könnten sie ein Anzeichen für eine Stoffwechsel- oder Nervenerkrankung sein. Auch wenn der Wadenkrampf lange anhält oder auf Dauer Ihre Nachtruhe oder den Tagesablauf stört, ist ein Arztbesuch ratsam. Besonders hellhörig sollen Sie sein, wenn Sie unter einer chronischen Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus oder einer Nierenschwäche leiden. Wer hohes Fieber und/oder Durchfall und Erbrechen hat, sollte ebenfalls dringend zum Arzt. Der Wadenkrampf kann auf ein bedrohliches Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt und Mineralstoffmangel hinweisen.
Hausmittel gegen Wadenkrämpfe
Neben den genannten Maßnahmen gibt es auch einige Hausmittel, die bei Wadenkrämpfen helfen können:
Wärmekompresse: Legen Sie eine Wärmekompresse auf die betroffene Stelle, um die Durchblutung zu fördern und so die Muskulatur zu entspannen.
Gurkenwasser: Eine Studie in den USA bewies, dass Gurkenwasser, also die Einlegeflüssigkeit von sauren Gurken, die Länge der Muskelkrämpfe bei dehydrierten Menschen tatsächlich verkürzt - und zwar um die Hälfte der Zeit. Die Versuchspersonen nahmen dabei einen Mililiter Gurkenwasser je Kilogramm Körpergewicht zu sich.
Massage mit Latschenkiefernöl: Ein sanftes Massieren mit Latschenkiefernöl wirkt beim Wadenkrampf besonders wohltuend. Das ätherische Öl fördert die Durchblutung, wärmt und lindert Muskel- und Gelenksbeschwerden.
Wadenkrämpfe und Thrombose
Wadenkrämpfe können ähnliche Symptome verursachen wie eine Thrombose. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Beschwerden ganz genau beobachten und im Zweifel einen Arzt hinzuziehen. Ebenso wie Wadenkrämpfe äußert sich eine Thrombose durch Schmerzen und eine möglicherweise verhärtete Wade. Bei einem Wadenkrampf sieht man allerdings häufig von außen, wie sich die Muskulatur immer wieder zusammenzieht.