Epilepsie-Rückfallursachen: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Obwohl viele Menschen mit Epilepsie durch Medikamente anfallsfrei werden können, erleiden einige dennoch Rückfälle. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Epilepsie-Rückfällen, Behandlungsstrategien und wichtige Aspekte für Betroffene und Angehörige.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der fast 1 % der Bevölkerung in Europa und den USA betroffen ist. Sie manifestiert sich durch wiederholte epileptische Anfälle, die durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn verursacht werden. Diese Anfälle können sich auf vielfältige Weise äußern, von kurzen Bewusstseinsaussetzern (Absencen) bis hin zu tonisch-klonischen Anfällen (Grand-Mal-Anfällen) mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Die Diagnose Epilepsie wird in der Regel gestellt, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden auftreten oder wenn ein einzelner Anfall mit einem hohen Rückfallrisiko verbunden ist.

Ursachen von Epilepsie und Anfällen

Ein epileptischer Anfall ist zunächst eine unspezifische Reizantwort des Zentralnervensystems, zum Beispiel auf eine Hypoglykämie, Alkoholentzug oder ein Schädel-Hirn-Trauma. Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben, darunter genetische Faktoren, Hirnschäden durch Verletzungen oder Krankheiten, Stoffwechselstörungen und Autoimmunerkrankungen. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache jedoch unbekannt.

Behandlung von Epilepsie

Ziel der Epilepsiebehandlung ist es, Anfallsfreiheit zu erreichen oder die Anfallshäufigkeit und -schwere zu reduzieren. Die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika ist die häufigste Behandlungsform. Es stehen mehr als 20 verschiedene Antiepileptika zur Verfügung, die auf unterschiedliche Weise wirken, um die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn zu verringern und die Ausbreitung epileptischer Aktivität zu verhindern. Bei etwa zwei Dritteln der Patienten können mit der richtigen medikamentösen Behandlung Anfallsfreiheit erzielt werden.

Medikamentöse Therapie

Die Auswahl des geeigneten Antiepileptikums hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art der Epilepsie, das Alter des Patienten, Begleiterkrankungen und mögliche Nebenwirkungen. Bei fokalen Epilepsien werden häufig Lamotrigin und Levetiracetam als Mittel der ersten Wahl eingesetzt. Bei generalisierten Epilepsien können Valproat und Topiramat wirksamer sein.

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Es ist wichtig, die Antiepileptika regelmäßig und in der verordneten Dosis einzunehmen. Eine eigenmächtige Änderung oder das Absetzen der Medikamente kann zu einem Rückfall führen. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können die Wirksamkeit der Antiepileptika beeinträchtigen.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder zu unerträglichen Nebenwirkungen führt, können alternative Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden. Dazu gehören:

  • Epilepsiechirurgie: Bei einigen Formen der Epilepsie, insbesondere bei fokalen Epilepsien, kann eine Operation sinnvoll sein, um den epileptogenen Fokus im Gehirn zu entfernen.
  • Neurostimulation: Verfahren wie die Vagusnervstimulation (VNS) oder die tiefe Hirnstimulation (DBS) können die Anfallshäufigkeit reduzieren, indem sie bestimmte Hirnregionen elektrisch stimulieren.
  • Ketogene Diät: Diese spezielle Diät mit hohem Fett- und niedrigem Kohlenhydratanteil kann bei einigen Patienten, insbesondere bei Kindern mit bestimmten Epilepsieformen, die Anfallshäufigkeit reduzieren.

Ursachen für Epilepsie-Rückfälle

Trotz erfolgreicher Behandlung können bei manchen Menschen mit Epilepsie Rückfälle auftreten. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Nicht-Adhärenz zur Medikation: Eine der häufigsten Ursachen für Rückfälle ist die unregelmäßige oder falsche Einnahme der Antiepileptika. Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, z. B. Vergesslichkeit, Nebenwirkungen oder dem Wunsch, die Medikamente abzusetzen.
  • Medikamentenwechselwirkungen: Einige Medikamente können die Wirksamkeit der Antiepileptika beeinträchtigen und so das Rückfallrisiko erhöhen. Es ist wichtig, den behandelnden Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren.
  • Genetische Substitution: Wegen der variablen Bioverfügbarkeit und des damit verbundenen Rückfall­risikos (Fahrtauglichkeit gefährdet) sollte ein Wechsel des Präparats vor allem bei anfallsfreien Patienten vermieden oder nur nach sorgfältiger Risikoabwägung und Aufklärung vorgenommen werden.
  • Auslöser: Bestimmte Faktoren können bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen. Dazu gehören Schlafentzug, Stress, Alkoholkonsum, Flackerlicht und hormonelle Veränderungen.
  • Veränderungen im Lebensstil: Veränderungen im Lebensstil, wie z. B. eine neue Arbeit oder eine Reise, können sich auf die Anfallskontrolle auswirken.
  • Fortschreiten der Erkrankung: In seltenen Fällen kann sich die Epilepsie im Laufe der Zeit verschlimmern, so dass die Medikamente weniger wirksam werden.
  • Akute Infektion: Symptomatische Krampfanfälle etwa infolge einer akuten Infektion, eines Schlaganfalls oder Traumas sind naturgemäß völlig anders zu beurteilen als Krämpfe infolge chronischer Erkrankungen.

Risikofaktoren für Rückfälle nach Absetzen der Medikamente

Bei Patienten, die über einen längeren Zeitraum anfallsfrei waren, kann in Absprache mit dem Arzt ein Absetzversuch der Antiepileptika in Betracht gezogen werden. Allerdings ist das Rückfallrisiko nach dem Absetzen der Medikamente erhöht. Eine Metaanalyse von zehn Studien mit zusammen mehr als 1.700 Patienten und einem medianen Follow-up von fünf Jahren identifizierte u.a. die folgenden Punkte als Risikofaktoren für einen Rückfall:

  • lange Krankheitsdauer
  • mehr als zehn Anfälle vor Remission
  • nur kurzes anfallsfreies Intervall vor dem Absetzen
  • höheres Lebensalter bei Krankheitsbeginn
  • Fieberkrämpfe
  • epileptiforme Entladungen im interiktalen EEG

Was tun bei einem Rückfall?

Wenn ein Rückfall auftritt, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:

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  • Sicherheit gewährleisten: Sorgen Sie dafür, dass die Person während des Anfalls nicht verletzt wird. Legen Sie sie auf den Boden und entfernen Sie alle Gegenstände, an denen sie sich stoßen könnte.
  • Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die Person während des Anfalls festzuhalten oder ihre Bewegungen zu unterdrücken.
  • Atemwege sichern: Drehen Sie die Person nach dem Anfall in die stabile Seitenlage, um zu verhindern, dass sie an Erbrochenem erstickt.
  • Arzt rufen: Rufen Sie einen Arzt, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, wenn mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten oder wenn die Person sich verletzt hat.

Leben mit Epilepsie: Tipps für Betroffene und Angehörige

Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen. Hier sind einige Tipps, die helfen können, mit der Erkrankung umzugehen:

  • Informieren Sie sich: Je mehr Sie über Epilepsie wissen, desto besser können Sie damit umgehen. Es gibt viele zuverlässige Informationsquellen, wie z. B. medizinische Fachkräfte, Selbsthilfegruppen und Online-Ressourcen.
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein: Die regelmäßige Einnahme der Antiepileptika ist entscheidend für die Anfallskontrolle. Verwenden Sie eine Erinnerungshilfe, um die Einnahme nicht zu vergessen.
  • Vermeiden Sie Auslöser: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Auslöser und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
  • Führen Sie ein Anfallstagebuch: Notieren Sie alle Anfälle, um Muster zu erkennen und mögliche Auslöser zu identifizieren.
  • Sprechen Sie mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Menschen, die ebenfalls von Epilepsie betroffen sind, kann sehr hilfreich sein. In Selbsthilfegruppen können Sie Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie Schwierigkeiten haben, mit der Epilepsie umzugehen, suchen Sie professionelle Hilfe bei einem Arzt, Psychologen oder Therapeuten.
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf: Schlafentzug ist ein häufiger Auslöser für Anfälle. Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
  • Vermeiden Sie Alkohol und Drogen: Alkohol und Drogen können die Anfallsschwelle senken und Anfälle auslösen.
  • Seien Sie aktiv: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
  • Tragen Sie einen Notfallausweis: Im Notfall kann ein Notfallausweis wichtige Informationen über Ihre Erkrankung und Medikation liefern.
  • Informieren Sie Ihr Umfeld: Informieren Sie Ihre Familie, Freunde, Kollegen und Lehrer über Ihre Epilepsie und was im Falle eines Anfalls zu tun ist.

Epilepsie im Alter

Immerhin ein Drittel aller Neuerkrankungen beginnt jenseits des 60. Lebensjahrs. Hier gilt meist das Motto »slow and low«, also eine niedrige erste Zieldosis und langsame Auftitration. Neben Gabapentin und Lamotrigin könne auch Levetiracetam »theoretisch« empfohlen werden. Mit Epilepsie alt gewordene Patienten vertragen auch die alten Wirkstoffe wie Phenobarbital selbst in hohen Plasmakonzentrationen oft erstaunlich gut.

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