Der Zusammenhang zwischen Hundefutter und Epilepsie: Ernährung als unterstützende Maßnahme

Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die bei Hunden auftritt und durch wiederkehrende Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine plötzliche Übererregung von Nervenzellen im Gehirn, die sich in unkontrollierten Muskelzuckungen, Bewusstseinsverlust oder Verhaltensänderungen äußern können. Neben der medikamentösen Therapie rückt die Ernährung zunehmend in den Fokus der Behandlung, um die Anfallshäufigkeit und -intensität positiv zu beeinflussen.

Epilepsie beim Hund: Ursachen und Symptome

Epilepsie zählt zu den häufigsten neurologischen Störungen beim Hund. Die Ursachen für Epilepsie können vielfältig sein. Sie können genetisch bedingt, traumatisch, infektiös oder metabolisch sein. In vielen Fällen, insbesondere bei der idiopathischen Epilepsie, lässt sich jedoch keine eindeutige organische Ursache feststellen. Neben den klassischen epileptischen Anfällen können auch andere neurologische Symptome auftreten, die sorgfältig beobachtet und tierärztlich abgeklärt werden sollten.

Der Einfluss der Ernährung auf das Nervensystem

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des zentralen Nervensystems. Ein stabiler Blutzuckerspiegel, eine ausgewogene Versorgung mit Mikronährstoffen und die Auswahl geeigneter Fette können das Nervensystem entlasten und Anfälle positiv beeinflussen. Umgekehrt kann eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Zucker, synthetischen Zusätzen oder Konservierungsstoffen entzündungsfördernd wirken und das Risiko für neurologische Reizungen erhöhen.

BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter)

BARF ermöglicht eine natürliche, entzündungsarme Fütterung ohne künstliche Zusatzstoffe oder Zucker. Die Ration lässt sich individuell zusammenstellen und an die speziellen Bedürfnisse von Hunden mit Epilepsie anpassen. Hochwertige tierische Proteine und gesunde Fette liefern wichtige Bausteine für das Nervensystem. Besonders Omega-3-Fettsäuren aus Lachsöl sowie bestimmte Aminosäuren wirken stabilisierend auf das Gehirn. Es ist ratsam, die Ernährung gemeinsam mit einem spezialisierten Tierarzt oder Ernährungsberater abzustimmen.

Getreidefreie Ernährung: Empfehlung aus dem Internet

In der Kleintierpraxis am Concordienplatz in Kempen häuften sich Anfang diesen Jahres die Anfragen verschiedener Patientenbesitzer, die berichteten, dass im Internet eine getreidefreie Ernährung für Hunde mit Epilepsie empfohlen und auf „sichtbare Verbesserungen“ der Anfälle verwiesen werde.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse und Studienlage

Experte Dr. med. vet. Konrad Jurina, European Diplomate of Veterinary Neurology und Fachtierarzt für Kleintiere, weist darauf hin, dass es bisher keine validen Daten oder entsprechende veterinärmedizinische Studien zu dieser Frage gibt. Ihm ist ein Bericht über eine Fallserie bekannt, in der ein Effekt einer hypoallergenen Diät vermutet wurde. Allerdings sei bei Studien mit epileptischen Hunden mittlerweile ein Placebo-Effekt gut nachgewiesen, weshalb eine geringe Fallzahl mit Vorsicht zu genießen sei.

Ketogene Diät: Ein Therapieansatz aus der Humanmedizin

Die Idee, dass die Ernährung Einfluss auf das Anfallsgeschehen nehmen könnte, ist nicht neu. Bereits zu biblischen Zeiten wurde Fasten als Therapie bei humaner Epilepsie eingesetzt. Heutzutage erhalten Menschen mit wiederauftretenden epileptischen Anfällen nicht selten eine sogenannte „ketogene Diät“ oder eine modifizierte Atkins-Diät. Durch eine sehr fettreiche und kohlenhydratarme Ernährung wird eine Ketose hervorgerufen, die bei einigen Epileptikern zu einer klinischen Verbesserung führt.

Es ist jedoch nicht bekannt, ob eine ketogene Diät auch beim Hund Erfolg haben könnte, aber einiges spricht dagegen. Karnivoren sind an längere Fastenzeiten angepasst, sodass es nicht unbedingt möglich ist, über die Ernährung eine ausreichende Ketose zu erzeugen. Ob sie den Typ von Epilepsie haben, bei dem die Ketose therapeutisch wirksam wäre, ist ebenfalls nicht bekannt.

Futtermittelallergien und Epilepsie: Ein möglicher Zusammenhang

Ein anderer Erklärungsansatz für die Wirkung einer Futterumstellung wäre ein Zusammenhang zwischen Futtermittelallergien und Epilepsie. Dieser wurde auch in der Humanmedizin noch nicht gezeigt, es gibt nur Fallberichte, die auf diese Möglichkeit hinweisen. Grundsätzlich wäre es möglich, dass sich auch bei Hunden eine Empfindlichkeit gegenüber Futtermitteln als Anfallsgeschehen äußern könnte.

Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen

Jurina fasst zusammen, dass ein Effekt im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden kann, auch wenn es nur ein Placebo-Effekt ist. Er ermutigt daher Patientenbesitzer, die mit diesem Anliegen zu ihm kommen, eine hypoallergene oder getreidefreie Ernährung ruhig einmal auszuprobieren - falls nicht andere Probleme dagegen sprechen. Er warnt jedoch vor zu viel Erwartungen im Hinblick auf die Beeinflussung der Anfälle.

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Künstliche Zusatzstoffe und Xylitol: Zu vermeidende Inhaltsstoffe

Künstliche Geschmacksstoffe und Konservierungsmittel sind für keinen Hund gesund, können aber bei Hunden, die anfällig für Epilepsie sind, so stark wirken, dass sie einen Anfall erleiden. Xylitol, auch bekannt als E967, ist ein natürlicher Süßstoff, der in Gemüse und Obst vorkommt. Bei Hunden kann Xylitol jedoch zu einem niedrigen Blutzuckerspiegel führen, was selbst bei gesunden Hunden zu epileptischen Anfällen und Leberversagen führen kann.

Kaliumbromid und Salzgehalt

Einige Hunde mit Epilepsie erhalten Medikamente mit Kaliumbromid. In diesem Fall ist es wichtig, den Salzgehalt im Körper des Hundes so konstant wie möglich zu halten, da Salz bewirkt, dass Kaliumbromid schneller ausgeschieden wird.

Die Rolle der Darmmikrobiota

Ein Einfluss der Darmmikrobiota auf Gesundheit, Verhalten und kognitive Funktionen durch die Produktion von Metaboliten, Hormonen und Immunfaktoren konnte bereits aufgezeigt werden. Einige Darmbakterien können beispielsweise direkt inhibitorische Neurotransmitter, die die Blut-Hirn-Schranke passieren können, sowie kurzkettige Fettsäuren, die zur Aufrechterhaltung der Blut-Hirn-Schranke und der Regulation von Neurotransmittern beitragen, produzieren.

Hunde mit Epilepsie wiesen im Vergleich zu den gesunden Kontrollhunden einen signifikant reduzierten Anteil von GABA- (Pseudomonadales, Pseudomonadaceae, Pseudomonas und Pseudomonas graminis) und SCFA-produzierenden Bakterien (Peptococcaceae, Ruminococcaceae und Anaerotruncus) sowie von Bakterien, die mit einer Reduktion für das Risiko von Hirnerkrankungen in Verbindung gebracht werden konnten (Prevotellaceae), auf. Eine Reduktion der Pseudomonadenpopulationen führt so vermutlich zu einer verminderten Verfügbarkeit von GABA, einem essenziellen Neurotransmitter zur Anfallskontrolle, im zentralen Nervensystem.

Diese Ergebnisse tragen zum Verständnis des Erkrankungsbildes der kaninen idiopathischen Epilepsie bei und schaffen die Möglichkeit zur Untersuchung neuer therapeutischer Ansätze, einschließlich der Gabe von Probiotika zur Wiederherstellung des Darmmikrobioms bei Hunden mit Epilepsie.

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Mittelkettige Triglyceride (MKT)

Eine ketogene Nahrung mit mittelkettigen Triglyceriden (MKT) kann die Anfallsfrequenz bei Hunden deutlich reduzieren bzw. sogar für eine vollständige Anfallsfreiheit sorgen. Bei 48 Prozent der Hunde konnte die Anfallsfrequenz sogar um 50 Prozent oder mehr reduziert werden. 14 Prozent der Hunde erreichten eine komplette Anfallsfreiheit. PURINA PRO PLAN NC NeuroCare ist eine Nahrung mit 6,5% MKT (mittelkettigen Triglyceriden). Diese stellen eine alternative Energiequelle für das Gehirn dar und können so zusammen mit ausgewählten neuroprotektiven Nährstoffen in PURINA PRO PLAN NC NeuroCare dazu beitragen, die Gehirngesundheit und kognitive Funktion von älteren Hunden zu unterstützen.

Studienergebnisse zu MCT-Fetten

Dem Hundefutter bestimmte Fettsäuren hinzuzufügen, kann einen positiven Effekt auf das Ausmaß der Epilepsie beim Hund haben. Dazu liegt eine Studie vor, die im April 2020 veröffentlicht wurde. Durch Fütterungsversuche mit 28 Hunden, die sich über sechs Monate erstreckten und placebokontrolliert wurden, konnte die Wirksamkeit von sogenannten mittelkettigen Fettsäuren (MCT) geprüft werden. Diese sind beispielsweise in Kokosfett oder speziellen MCT-Ölen enthalten und werden im Körper in sogenannte Ketonkörper umgewandelt, welche einen antiepileptischen Effekt auf das Gehirn haben können. In der Studie konnte damit die Anzahl der Anfälle im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die nur ein Placebo erhielt, deutlich reduziert werden. Allerdings gab es auch Hunde, bei denen der Nahrungszusatz überhaupt keine Wirkung zeigte.

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