Die Diagnose eines Hirntumors ist ein einschneidendes Ereignis, das viele Fragen aufwirft. Eine der häufigsten Fragen ist, ob ein Hirntumor durch eine einfache Blutuntersuchung festgestellt werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen der Erkennung von Hirntumoren im Blut und gibt einen umfassenden Überblick über Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Hirntumoren.
Hirntumoren: Eine Übersicht
Hirntumoren sind Wucherungen von Zellen innerhalb des Schädels. Es wird zwischen primären und sekundären Hirntumoren unterschieden. Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn oder in den Hirnhäuten, während sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, Absiedlungen von Krebszellen aus anderen Körperregionen sind.
Nicht jeder Tumor im Gehirn ist ein Hirntumor
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Tumor im Gehirn ein Hirntumor im eigentlichen Sinne ist. Sogenannte Hypophysen-Adenome werden beispielsweise den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet. Auch Sarkome oder bösartige Tumoren des Lymphsystems (Lymphome) können im zentralen Nervensystem auftreten, sind aber keine primären Hirntumoren.
Häufige Tumortypen
Primäre Hirntumoren können sich aus verschiedenen Zelltypen im Gehirn entwickeln. Die häufigsten sind Gliome, die aus den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen, entstehen. Zu den Gliomen gehören Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist eine besonders aggressive Form des Astrozytoms. Andere häufige Hirntumoren sind Meningeome, Neurinome und Medulloblastome.
Wie häufig sind Hirntumoren?
Hirntumoren sind relativ selten. Im Jahr 2020 erkrankten in Deutschland etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Bei Kindern sind Hirntumoren jedoch die zweithäufigste Krebserkrankung.
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Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen können:
- Erbliche Krankheitsbilder: Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Strahlentherapie: Hirntumoren können viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich auftreten.
- Familiäre Vorbelastung: Bei jungen Patienten mit Hirntumoren ist das Risiko für Verwandte ersten Grades ebenfalls leicht erhöht.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Eine solche Untersuchung kann das Risiko geringfügig erhöhen.
Früherkennung von Hirntumoren
Es gibt kein allgemeines Programm zur Früherkennung von Hirntumoren, da diese insgesamt eher selten sind und es keine einfachen und regelmäßig durchführbaren Tests gibt. Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) zur Früherkennung beitragen können.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und hängen von der Größe und Lage des Tumors ab. Mögliche Symptome sind:
- Kopfschmerzen (besonders morgens und bei Anstrengung)
- Neurologische Ausfälle (Sehstörungen, Sprachstörungen, Lähmungen)
- Epileptische Anfälle
- Übelkeit und Erbrechen
- Persönlichkeitsveränderungen
- Hormonelle Störungen
Diagnose von Hirntumoren
Bei Verdacht auf einen Hirntumor führt der Arzt zunächst eine neurologische Untersuchung durch und erhebt die Krankengeschichte. Anschließend kommen bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Die MRT ist in der Regel das Verfahren der Wahl, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn detaillierter darstellen kann.
Biopsie zur Sicherung der Diagnose
Um die Diagnose zu sichern, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird während einer Operation Gewebe aus dem verdächtigen Bereich entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Dies ermöglicht die Bestimmung des Tumortyps und möglicher Erbgutveränderungen.
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Therapie von Hirntumoren
Die Therapie von Hirntumoren ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Tumortyp, dem Stadium, der Lage und dem Allgemeinzustand des Patienten. Mögliche Therapieoptionen sind:
- Operation: Ziel ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors unter Schonung der umliegenden Hirnstrukturen.
- Strahlentherapie: Sie wird häufig nach der Operation eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören.
- Chemotherapie: Sie kann bei bestimmten Hirntumoren eingesetzt werden, um das Wachstum der Tumorzellen zu hemmen.
- Zielgerichtete Therapien: Diese Medikamente greifen gezielt bestimmte Eigenschaften der Tumorzellen an.
- Klinische Studien: Patienten können im Rahmen von klinischen Studien Zugang zu neuen Therapien erhalten.
Supportive Therapie
Eine supportive Therapie dient dazu, Beschwerden zu lindern, die durch den Tumor selbst oder durch die Therapie verursacht werden. Dazu gehören beispielsweise Schmerzmittel, Antiemetika gegen Übelkeit und Antikonvulsiva gegen epileptische Anfälle.
Nachsorge bei Hirntumoren
Nach der Therapie finden regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen statt, um ein mögliches Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst in der Regel neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie die MRT.
Hirntumoren im Blut feststellen: Der aktuelle Stand
Die Frage, ob Hirntumoren im Blut festgestellt werden können, ist Gegenstand aktueller Forschung. Bisher ist es nicht möglich, Hirntumoren zuverlässig durch eine einfache Blutuntersuchung zu diagnostizieren. Die herkömmlichen Blutuntersuchungen, wie das kleine und große Blutbild, geben lediglich Auskunft über die Blutzellen und können Mangelerscheinungen oder Hinweise auf mögliche Ursachen einer Krankheit erkennen, aber keine direkten Hinweise auf einen Hirntumor liefern. Die Bestimmung von Leber- und Nierenwerten, Cholesterin, Hormonen, Entzündungswerten oder Nährstoffen sind ebenfalls nicht Bestandteil des Blutbildes im medizinischen Sinne.
Hoffnungsträger Liquid Biopsy
Ein vielversprechender Ansatz ist die sogenannte Liquid Biopsy. Dabei werden im Blut oder in der Rückenmarksflüssigkeit Bruchstücke von Tumorzellen aufgespürt und analysiert. Diese Bruchstücke, die zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) enthalten, können Informationen über Genveränderungen und andere Eigenschaften des Tumors liefern.
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Anwendung der Liquid Biopsy
Die Liquid Biopsy könnte in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Therapieplanung von Hirntumoren spielen. Sie könnte beispielsweise eingesetzt werden, um:
- Gliome frühzeitig zu erkennen, insbesondere bei unklaren Bildgebungsbefunden.
- Den Verlauf einer Therapie zu überwachen und die Behandlungsstrategie anzupassen.
- Mutationen im Tumorerbgut zu identifizieren, die für zielgerichtete Therapien in Frage kommen.
- Das Rückfallrisiko nach einer Therapie besser einzuschätzen.
Grenzen der Liquid Biopsy
Die Liquid Biopsy ist jedoch noch ein relativ neues Verfahren und befindet sich noch in der Entwicklung. Es gibt noch einige Herausforderungen zu bewältigen, bevor sie in der klinischen Routine eingesetzt werden kann. Dazu gehören:
- Die Entwicklung sensitiverer Nachweismethoden, um auch geringe Mengen an ctDNA im Blut zu erfassen.
- Die Identifizierung spezifischer Biomarker, die eine zuverlässige Unterscheidung zwischen verschiedenen Tumortypen ermöglichen.
- Die Standardisierung der Verfahren, um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen verschiedenen Labors zu gewährleisten.
Forschungsprojekte zur Früherkennung
Aktuelle Forschungsprojekte konzentrieren sich auf die Entwicklung von Tests, die Erbgut-Fragmente mit spezifischen Mutationen im Blut oder in der Rückenmarksflüssigkeit aufspüren und analysieren können. Ein Beispiel ist die Untersuchung von Meningeomen, bei denen häufig eine Mutation im Gen AKT1 vorliegt.