Der Zusammenhang zwischen schlechten Zähnen und dem Meningitisrisiko

Die Mundgesundheit ist ein wichtiger Aspekt des allgemeinen Wohlbefindens. Kranke und tote Zähne können unbehandelt schwerwiegende Folgen haben und verschiedene Erkrankungen nach sich ziehen. In diesem Artikel wird der Zusammenhang zwischen schlechten Zähnen und dem Risiko einer Meningitis untersucht.

Die Mundhöhle als Mikrobenparadies

Die Mundhöhle ist ein wahres Mikrobenparadies, das bis zu 700 verschiedene Bakterienarten beherbergen kann. Während einige dieser Bakterien nützlich sind, können andere schädlich sein und zusammen mit Nahrungsresten einen Biofilm bilden, der Zahnschmelz und Zahnfleisch angreifen kann.

Zahninfektionen und ihre Folgen

Eine Zahninfektion tritt auf, wenn Bakterien in das Innere eines Zahns eindringen. Dies kann durch Karies, Verletzungen oder frühere zahnärztliche Eingriffe geschehen. Mit fortschreitender Infektion bildet sich um den betroffenen Zahn herum eine Eitertasche, ein sogenannter Zahnabszess.

Unbehandelt kann sich eine Zahninfektion auf andere Bereiche des Körpers ausbreiten und zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Im 17. Jahrhundert galten Zahninfektionen als eine der häufigsten Todesursachen, die an fünfter oder sechster Stelle rangierten. Bis zum Jahr 1908 waren zehn bis vierzig Prozent der Fälle von Zahninfektionen tödlich.

Der Weg der Bakterien ins Gehirn

Wenn man Krankheiten wie Karies oder Parodontitis nicht rechtzeitig behandelt, können die daraus resultierenden Bakterien im Körper umherwandern und ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Unterlässt man die Behandlung eines Zahnabszesses über einen längeren Zeitraum von Wochen oder gar Monaten, so besteht das Risiko, dass sich dieser auf benachbarte Bereiche wie den Kiefer, den Hals oder gar das Gehirn ausbreitet.

Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?

In seltenen Fällen können Bakterien aus einer Zahninfektion in die Blutbahn gelangen und sich bis zu den Hirnhäuten (Meningen) ausbreiten, was zu einer Meningitis führen kann. Die Polypen, die bevorzugt rund um die Ausgänge der Nebenhöhlen (Ostien) siedeln, verschließen diese kleinen Öffnungen und stauen dort das Nasensekret, was zu immer wiederkehrenden Entzündungen in den Nasennebenhöhlen (chronische Sinusitis) führt. Schwerwiegende Komplikationen drohen, wenn die Infektion der Nebenhöhlen auf umliegendes Gewebe übergreift. Die Folge können gefährliche Entzündungen der Augenhöhle (Orbitaphlegmone), der Hirnhaut (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis) sein. Bei einer bakteriellen Meningitis handelt es sich oft nicht um eine Erstinfektion. Stattdessen breiten sich die Bakterien manchmal unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum oder stammen aus anderweitigen Infektionsherden im Körper. In einigen Fällen kommt es z. B. zu Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen und auch zu eitrigen Zahnwurzelentzündungen und / oder Abszessen im Mundraum oder auch - bei invasiven Pneumokokken - zu Lungenentzündung. Über die Blutbahnen können die heimtückischen Keime bis in die Gehirn- und Rückenmarkshäute vordringen.

Meningitis: Eine gefährliche Entzündung der Hirnhäute

Der Befall der Hirnhäute durch Erreger wird als Meningitis bezeichnet. Bei schwerer verlaufenden Infektionen kommt es häufig auch zur Beteiligung des Gehirns und damit zur Meningoenzephalitis. Die jährliche Inzidenz der bakteriellen Meningitis liegt in Europa bei 2-6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner.

Eine beginnende Hirnhautentzündung kann sich durch grippeähnliche Beschwerden äußern, insbesondere durch Nackensteife, hohes Fieber und starke Kopf- und Gliederschmerzen, begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Besonders anfällig sind Säuglinge, ältere Menschen oder Erkrankte mit geschwächtem Immunsystem.

Fallbeispiele

Es gibt einige dokumentierte Fälle, in denen Zahninfektionen zu schwerwiegenden Komplikationen, einschließlich Meningitis, geführt haben. Hier sind einige Beispiele:

  • Deamonte Driver (2007): Deamonte Driver war ein 12-jähriger Junge aus Maryland, USA, der an einer Gehirninfektion starb, die auf eine unbehandelte Zahninfektion zurückzuführen war. Die Bakterien seines vereiterten Zahns breiteten sich im Gehirn aus und führten zu einem lebensbedrohlichen Zustand.
  • Kyle Willis (2011): Kyle Willis, ein 24-jähriger Mann aus Ohio, USA, starb an einer Zahninfektion, die sich auf sein Gehirn ausbreitete. Er hatte Zahnschmerzen, entschied sich jedoch aufgrund fehlender Versicherung und finanzieller Einschränkungen gegen zahnärztliche Versorgung.
  • Vadim Kondratyuk (2019): Vadim Kondratyuk, ein 26-jähriger Mann aus Kalifornien, USA, starb an Komplikationen einer Zahninfektion. Er hatte einen entzündeten Weisheitszahn, verzögerte jedoch die Behandlung aufgrund fehlender zahnärztlicher Versicherung und Bedenken hinsichtlich der Kosten.

Diagnose und Behandlung von Zahninfektionen

Eine Zahninfektion erfordert eine rechtzeitige Behandlung, damit sich die Infektion nicht ausbreitet. Je nach Stadium und Schweregrad variieren die Behandlungsmöglichkeiten:

Lesen Sie auch: Sicher Autofahren mit Parkinson: Ein Leitfaden für Deutschland

  • Drainage: Ihr Zahnarzt wird einen kleinen Schnitt in Ihr Zahnfleisch machen, um den Abszess zu entleeren.
  • Wurzelkanalbehandlung: Bei einer Wurzelkanalbehandlung wird die infizierte Pulpa aus dem Zahn entfernt. Das Zahninnere wird sorgfältig gereinigt und gefüllt.
  • Zahnextraktion: In einigen Fällen kann es notwendig sein, den betroffenen Zahn zu ziehen.
  • Antibiotika: Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten können. Sie werden manchmal zur Behandlung von Zahninfektionen verwendet. Abhängig von der Schwere Ihrer Infektion können Sie orale Antibiotika oder intravenöse Antibiotika erhalten.

Meningitis: Diagnose und Therapie

Die klassische Meningitis-Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung und die sogenannte Liquorpunktion, also die Entnahme von Nervenwasser aus der Lendenwirbelsäule. Danach kann geprüft werden, inwieweit bestimmte Zähne am Krankheitsgeschehen beteiligt sind und ob Erste Hilfe im Mund geleistet werden muss.

Entscheidend ist der frühzeitige Beginn einer Antibiotikatherapie. Das Antibiotikum sollte dabei gut die Blut-Liquor-Schranke überwinden können. Bei unbekanntem Erreger wird eine empirische Antibiotikatherapie in Abhängigkeit von Alter und prädisponierenden Faktoren (z. B. Immunsuppression) schnellstmöglich begonnen.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen, eine gründliche Zahnpflege und eine prompte Behandlung von zahnmedizinischen Problemen können dazu beitragen, derartige Gesundheitsrisiken vorzubeugen. Hier sind einige Tipps für eine gute Mundhygiene:

  • Konsequentes Entfernen der Zahnbeläge zwei Mal täglich
  • Verwenden von Zahnseide oder Interdentalbürsten zur Reinigung der Zahnzwischenräume
  • Jährliche oder halbjährliche Kontrolltermine beim Zahnarzt
  • Regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt

Die Rolle der Immunfitness

Aktuell sind weder Impfung noch Wirkstoff gegen SARS-CoV-19 in Sicht. Wenn also eine Infektion mit der Krankheit unvermeidlich ist, ist das Immunsystem überlebenswichtig. Der einfache aMMP-8-Speicheltest hat in zahlreichen Studien gezeigt, dass er nicht nur bei oralen Erkrankungen des Zahnbettes eine zentrale Rolle spielt. Er ist auch bei systemischen Begleiterkrankungen signifikant erhöht, beispielsweise Diabetes mellitus, chronische Herzerkrankung und rheumatoider Arthritis. Ist das Immunsystem angegriffen, setzt es das Enzym Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) als Teil entzündlicher Reaktionen frei. Wir wissen, dass bei vielen Krankheiten nicht der Erreger selbst, sondern die Entzündungsreaktion des Körpers auf den Erreger den Körper schädigt. COVID-19 ist nicht anders. Der einfache Mundspültest (dentognostics, Deutschland) für aMMP-8 identifiziert orale Entzündungen in nur fünf Minuten. Dies ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens trägt eine orale Entzündung zur gesamten Entzündungslast des Körpers bei und die Entzündungsquelle Mundhöhle sollte mit geeigneten Maßnahmen eingedämmt werden.

Fazit

Obwohl Todesfälle aufgrund von Zahnproblemen vergleichsweise selten vorkommen, unterstreichen sie die Bedeutung einer gründlichen Mundhygiene sowie einer zeitnahen zahnärztlichen Versorgung, um mögliche Komplikationen zu vermeiden. Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen, eine gründliche Zahnpflege und eine prompte Behandlung von zahnmedizinischen Problemen können dazu beitragen, derartige Gesundheitsrisiken vorzubeugen.

Lesen Sie auch: Corona und das Gehirn: Was wir wissen

tags: #kann #man #von #schlechten #zahnen #meningitis