Depressionen sind eine ernstzunehmende Erkrankung, die professioneller Behandlung bedarf. Die Therapie umfasst verschiedene Säulen, wobei Antidepressiva eine wichtige Rolle spielen. Viele Betroffene stehen der Einnahme von Medikamenten jedoch zunächst skeptisch gegenüber. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Citalopram, einem häufig verschriebenen Antidepressivum, und geht auf die Frage ein, ob Neurologen dieses Medikament verschreiben können.
Antidepressiva: Eine wichtige Säule der Depressionsbehandlung
Antidepressiva sind Medikamente, die hauptsächlich bei depressiven Erkrankungen eingesetzt werden. Sie sind weder Aufputsch- noch Beruhigungsmittel und machen nicht "high". Stattdessen bewirken sie eine Abnahme der depressiven Symptome wie Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Freudlosigkeit. Es ist sehr wichtig, sich mit den Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung zu beschäftigen, denn nur wenn man von der Behandlung überzeugt ist, nimmt man das antidepressiv wirksame Medikament auch regelmäßig und über einen ausreichend langen Zeitraum ein.
Wie wirken Antidepressiva im Gehirn?
Antidepressiva beeinflussen die Botenstoffe im Gehirn, die sogenannten Neurotransmitter. Diese sind maßgeblich an der Reizübertragung zwischen Nervenzellen beteiligt. Ein bekanntes Beispiel ist Serotonin, das Auswirkungen auf Schlaf, Schmerzempfinden, Emotionen und die allgemeine Stimmung hat. Es gibt Antidepressiva mit recht unterschiedlichen Wirkungen auf die Botenstoffe im Gehirn. Die Gruppe der SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren) beispielsweise erhöht die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt, indem sie einen Mechanismus hemmen, durch den das Serotonin von der Synapse wieder aufgesaugt und aus dem synaptischen Spalt entfernt wird.
Entscheidung für oder gegen Antidepressiva
Ob Antidepressiva sinnvoll sind, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit Antidepressiva hängt u.a. vom Schweregrad der Depression, den Präferenzen des Patienten und dem früheren Krankheitsverlauf ab. Bei leichten Depressionen kann auch zunächst abgewartet werden, und es können unterstützende Angebote aus dem Bereich Selbstmanagement gemacht werden. Bessert sich die Depression nicht oder gab es bereits früher schwerere Depressionen, dann muss individuell entschieden werden, ob mit Antidepressiva, Psychotherapie oder einer Kombination aus beiden behandelt wird.
Wirkungseintritt und Therapiedauer
Antidepressiva wirken nicht sofort wie beispielsweise Schmerztabletten oder Schlafmittel unmittelbar nach der Einnahme. Meist zeigt sich aber innerhalb der ersten zwei Wochen eine erste Besserung der depressiven Symptome. Oft dauert es dann weitere drei bis vier Wochen, bis sich die volle antidepressive Wirkung zeigt. Antidepressiva dürfen bei Besserung nicht sofort wieder abgesetzt werden, da sonst das Risiko groß ist, dass die Depression zurückkommt, ähnlich wie sich auch nach Absetzen eines Blutdruckmittels der Blutdruck wieder verschlechtern würde. Um langfristig einen Rückfall zu vermeiden, sollten die Antidepressiva auch nach Abklingen der Depression für circa vier bis acht Monate in gleicher Dosierung weiter eingenommen werden.
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Auswahl des geeigneten Antidepressivums
Das Ziel der Behandlung ist immer das Gleiche: das Abklingen der Depression bei gleichzeitig guter Verträglichkeit des Antidepressivums. Welches Medikament am besten passt, entscheiden Patient und behandelnder Arzt gemeinsam. Wird ein Antidepressivum nicht vertragen, so kann auf ein anderes mit einem anderen Nebenwirkungsrisiko umgestellt werden. Letztere sollten aber wegen der Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung nicht über längere Zeit eingenommen werden.
Weitere Behandlungsoptionen
In der Behandlung leichter und mittelschwerer Depressionen können auch Johanniskrautpräparate zum Einsatz kommen. Hinweise auf eine antidepressive Wirksamkeit liegen aber nur für einige hoch dosierte Präparate vor, und auch nicht für die Behandlung schwerer Depressionen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind wie bei anderen Antidepressiva auch bei Johannniskrautpräparaten zu beachten. Ketamin wird seit Längerem als Narkosemittel eingesetzt. Eine Form des Ketamins, das sogenannte Esketamin hat in der Forschung eine rasche antidepressive Wirkung gezeigt. Es ist deshalb als Nasenspray in Europa zur Depressionsbehandlung Erwachsener zugelassen. Allerdings nur, wenn die Behandlung mit mindestens zwei verschiedenen Antidepressiva keine ausreichende Besserung gebracht hat. Weiterhin darf das Nasenspray zur kurzfristigen Notfallbehandlung eingesetzt werden. Esketamin wird immer in Kombination mit Antidepressiva angewendet. Das Nasenspray darf ausschließlich unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Patientinnen und Patienten kommen wöchentlich oder alle 14 Tage in eine Klinik oder Praxis. Die Nebenwirkungen sind überwiegend vorübergehend. Esketamin ist insbesondere bei hartnäckigen Depressionen einen wertvolle Möglichkeit der Behandlung.
Nebenwirkungen von Antidepressiva
Menschen reagieren auf Antidepressiva unterschiedlich. Während viele Menschen keine Nebenwirkungen oder nur in den ersten Tagen leichte Nebenwirkungen verspüren, leiden andere unter Nebenwirkungen, die auf Dauer nicht akzeptabel sind. Nebenwirkungen sind zum Beispiel Mundtrockenheit, ein veränderter Blutdruck, Schlaflosigkeit, verminderte Libido oder Erektionsstörungen. Da unterschiedliche Antidepressiva unterschiedliche Nebenwirkungen haben können, kann dann kann eine Umstellung auf ein anderes Antidepressivum sinnvoll sein. Wichtig ist, auftretende Nebenwirkungen dem behandelnden Arzt mitzuteilen. Mit ihm kann der Patient besprechen, wie sehr die Nebenwirkungen beeinträchtigen, und ob gegebenenfalls eine Änderung (zum BeispielReduktion der Dosis, anderes Medikament) vorgenommen werden muss.
Absetzen von Antidepressiva
Wenn Sie das Antidepressivum einfach absetzen, oder die Dosis auf einmal stark senken, kann das vorübergehend Beschwerden auslösen. Diese Beschwerden werden Absetzbeschwerden genannt und haben nichts mit Abhängigkeit zu tun. Diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen können innerhalb von 2 bis 4 Tagen nach dem Absetzen auftreten. Außerdem ist es möglich, dass nach einem plötzlichen, d.h. zu schnellem Absetzen die Depression wiederkommt (sog. Welches Vorgehen für Sie geeignet ist, hängt dann von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel: Warum soll das Mittel abgesetzt werden? Es gibt bisher nur wenige Studien dazu, wie man Antidepressiva am besten absetzt. Aber aufgrund ihrer Erfahrung empfehlen Fachleute unterschiedliche Vorgehensweisen. Nicht immer ist ein sehr langsames Vorgehen nötig.
- unzureichende Wirksamkeit: Wenn Ihr Antidepressivum nach 3 bis 4 Wochen keine Wirkung gezeigt hat und Ihnen deshalb ein anderes Medikament verordnet wird, kann das Ausschleichen schnell gehen.
- am Behandlungsende: Wenn Ihre Depression seit mindestens mehreren Monaten vorbei ist und eine längere Behandlung mit dem Antidepressivum beendet wird, sollte das Ausschleichen mindestens 8 bis 12 Wochen dauern. Wenn bei Ihnen Absetz-Beschwerden auftreten, ist es wichtig, dass Sie wieder die vorherige Dosis erhalten. Dann plant Ihre Ärztin oder Ihr Arzt das Absetzen in noch kleineren Schritten. Aus Expertensicht sind während des Absetzens regelmäßige Arztbesuche empfehlenswert. Auch danach vereinbart Ihre Ärztin oder Ihr Arzt noch weitere Kontrolltermine mit Ihnen.
Citalopram: Ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Citalopram ist ein Antidepressivum aus der Klasse der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI).
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Anwendungsgebiete
Citalopram ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) mit folgenden Anwendungsgebieten:
- Behandlung von Episoden einer Major Depression
- Behandlung von Panikstörungen mit oder ohne Agoraphobie
- Behandlung von Zwangsstörungen und generalisierte Angststörungen
Wirkmechanismus
Citalopram besitzt ein Stereozentrum, wodurch zwei Enantiomere des Wirkstoffs existieren. Wird Citalopram verordnet, handelt es sich also um eine Mischung aus S-und R-Enantiomer, wovon das S-Enantiomer (Escitalopram) hauptsächlich für die antidepressiven Effekte verantwortlich ist. Die Wirkung beruht auf einer kompetitiven Hemmung des Serotonintransporters. Diese Hemmung erhöht die Konzentration an Serotonin in der Präsynapse und trägt so zur Wirkung bei. Nach einigen Wochen SSRI-Einnahme, werden Serotonin-Neurone auf die überschüssige Menge an Serotonin desensibilisiert. Da die Transporter noch blockiert sind, sammelt sich dadurch mehr Serotonin in der Synapse an. Die Zeit, die für Autorezeptoren und postsynaptische Rezeptoren zur Desensibilisierung benötigt wird, steht im Einklang mit den verzögerten klinischen Wirkungen der SSRI und mit der allmählichen Toleranz gegenüber Nebenwirkungen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Citalopram wird nach oraler Gabe nahezu vollständig resorbiert, unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Maximale Plasmakonzentration (Tmax): Durchschnittlich nach 3 Stunden. Bioverfügbarkeit: Etwa 80%.
- Verteilung: Verteilungsvolumen: Etwa 12 - 17 l/kg. Plasmaproteinbindung: Unter 80% für Citalopram und seine Hauptmetaboliten.
- Biotransformation: Citalopram wird zu Demethylcitalopram, Didemethylcitalopram, Citalopram-N-Oxid und einem inaktiven desaminierten Propionsäurederivat verstoffwechselt. Aktive Metaboliten: Sind ebenfalls SSRIs, aber schwächer wirksam als Citalopram. Plasmakonzentrationen: Demethylcitalopram beträgt 30 - 50% und Didemethylcitalopram 5 - 10% der Citalopram-Plasmakonzentration. Biotransformation: Vermittelt durch CYP2C19 (ca. 60%), CYP3A4 (ca. 30%) und CYP2D6 (ca. 10%).
- Elimination: Eliminationshalbwertszeit: Etwa 1,5 Tage. Plasma-Clearance: Systemische Clearance beträgt etwa 0,3 - 0,4 l/min, orale Clearance etwa 0,4 l/min. Ausscheidung: 85% über die Leber, 15% über die Nieren. Urin: 12 - 23% der Tagesdosis werden unverändert über den Urin ausgeschieden. Hepatische Clearance: Etwa 0,3 l/min. Renale Clearance: Zwischen 0,05 und 0,08 l/min.
- Linearität: Pharmakokinetik: Linear. Plasmaspiegel: Im Gleichgewicht nach 1 - 2 Wochen. Durchschnittliche Plasmakonzentration: 300 nmol/l (165 - 405 nmol/l) bei täglicher Gabe von 40 mg.
- Ältere Patienten (> 65 Jahre): Halbwertszeiten: Länger (1,5 - 3,75 Tage). Clearance: Vermindert (0,08 - 0,3 l/min). Steady-state-Plasmakonzentrationen: Doppelt so hoch wie bei jüngeren Patienten.
- Eingeschränkte Leberfunktion: Elimination: Langsamer. Halbwertszeit und Plasmaspiegel: Um den Faktor zwei erhöht im Vergleich zu normaler Leberfunktion.
- Eingeschränkte Nierenfunktion: Renale Elimination: Geringfügig langsamer bei leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz. Schwere Niereninsuffizienz: Keine wesentlichen Erfahrungen vorliegend (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min).
- Polymorphismus: Eingeschränkte CYP2C19-Funktion: Bis zu doppelt so hohe Plasmakonzentration von Citalopram. Eingeschränkte CYP2D6-Funktion: Keine signifikante Änderung der Plasmakonzentration. Dosisempfehlung: Bei verringerter Verstoffwechselung über CYP2C19 sollte mit einer Anfangsdosis von 10 mg täglich behandelt werden.
Dosierung
- Behandlung von Depressionen: Anfangsdosis: 20 mg pro Tag. Maximaldosis: 40 mg pro Tag. Wirkeintritt: Nach 2 bis 4 Wochen. Therapiedauer: Normalerweise sechs Monate oder länger zur Rückfallvorbeugung.
- Behandlung von Panikstörungen mit und ohne Agoraphobie: Erste Woche: 10 mg pro Tag. Danach: Erhöhung auf 20 mg pro Tag. Maximaldosis: 40 mg pro Tag. Wirkungsmaximum: Nach ca. drei Monaten.
- Ältere Patienten (>65 Jahre): Anfangsdosis: 10 - 20 mg pro Tag. Maximaldosis: 20 mg pro Tag.
- Kinder und Jugendliche (<18 Jahre): Hinweis: Nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen empfohlen.
- Leberinsuffizienz: Anfangsdosis: 10 mg pro Tag in den ersten zwei Wochen. Maximaldosis: 20 mg pro Tag. Hinweis: Vorsicht bei stark eingeschränkter Leberfunktion.
- Niereninsuffizienz: Leichte bis mittelschwere Niereninsuffizienz: Keine Dosisanpassung erforderlich. Stark eingeschränkte Nierenfunktion: Anwendung nicht empfohlen (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min).
- Verringerte Verstoffwechselung über CYP2C19: Anfangsdosis: 10 mg pro Tag in den ersten zwei Wochen. Maximaldosis: 20 mg pro Tag.
Nebenwirkungen
Die unter der Therapie mit Citalopram beobachteten Nebenwirkungen sind in der Regel leicht und vorübergehend. Sie treten besonders in den ersten zwei Behandlungswochen auf und lassen mit der Besserung der Depression gewöhnlich nach.
- Sehr häufige Nebenwirkungen (≥ 1/10): Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Tremor, Mundtrockenheit, Übelkeit, Vermehrtes Schwitzen, Asthenie (Schwäche)
- Häufige Nebenwirkungen (≥ 1/100, < 1/10): Agitiertheit, Verminderter Appetit, Gewichtsabnahme, Ängstlichkeit, Nervosität, Verwirrtheit, anormale Träume, Konzentrationsstörungen, Frauen: Orgasmusstörungen, Geschmacksstörungen, Parästhesie, Schwindel, Aufmerksamkeitsstörungen, Sehstörungen, Tinnitus, Tachykardie, Herzklopfen, Lageabhängige Hypotonie, Gähnen, Rhinitis, Diarrhö, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Flatulenz, Vermehrter Speichelfluss, Abdominalschmerzen, Juckreiz, Hautausschlag, Myalgie, Arthralgie, Harnretention, Impotenz, Ejakulationsstörungen, Ausbleibende Ejakulation, Müdigkeit, Gestörtes Allgemeinbefinden, Apathie, Fieber
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Citalopram zu beachten:
- Serotonin-Syndrom: Kann z.B. bei Kombination von Citalopram mit Moclobemid oder Buspiron auftreten.
- MAO-Hemmer: Die gleichzeitige Anwendung mit MAO-Hemmern (z.B. Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin) kann zu schweren Nebenwirkungen einschließlich Serotonin-Syndrom führen. Nach Absetzen eines MAO-Hemmers ist ein bestimmter Zeitraum einzuhalten, bevor Citalopram begonnen wird.
- QT-Intervall-Verlängerung: Die gleichzeitige Anwendung von Citalopram mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern (z.B. Antiarrhythmika, Antipsychotika, bestimmte Antibiotika), sollte vermieden werden.
- Pimozid: Die gleichzeitige Gabe von Citalopram und Pimozid ist kontraindiziert.
- Johanniskraut: Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen; die Kombination sollte vermieden werden.
- Selegilin: Keine klinisch relevanten Wechselwirkungen bei einer Dosis von 10 mg/Tag. Regelmäßige Überwachung empfohlen.
- Arzneimittel, die Hypokaliämie/Hypomagnesiämie verursachen: Vorsicht geboten wegen erhöhtem Risiko für maligne Arrhythmien.
- Hämorrhagien: Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern.
- EKT (Elektrokrampftherapie): Keine ausreichenden Daten zur gleichzeitigen Anwendung mit Citalopram.
- Alkohol: Keine Interaktionen bekannt, aber gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden.
- Arzneimittel, die die Krampfschwelle herabsetzen: Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen Arzneimitteln, die die Krampfschwelle senken (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika).
- Pharmakokinetische Wechselwirkungen: Citalopram wird hauptsächlich durch CYP2C19, CYP3A4 und CYP2D6 metabolisiert. Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von CYP2C19-Inhibitoren (z.B. Omeprazol).
- Metoprolol: Kombination kann zu erhöhten Metoprolol-Spiegeln führen, eine Dosisanpassung kann erforderlich sein.
- Nahrung: Beeinflusst die Resorption und pharmakokinetischen Eigenschaften von Citalopram nicht.
Kontraindikationen
Citalopram darf nicht angewendet werden bei:
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- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Anwendung von Monoaminoxidase-Hemmern (einschließlich Selegilin in einer Dosierung von mehr als 10 mg pro Tag) oder innerhalb von zwei Wochen nach Beendigung einer Therapie mit irreversiblen MAO-Hemmern sowie nicht früher als einen Tag nach Absetzen von Moclobemid oder Selegilin. Nach Absetzen eines reversiblen MAO-Hemmers [RIMA] ist der in der Fachinformation für den RIMA beschriebene Zeitraum einzuhalten. Schwerwiegende und manchmal tödliche Reaktionen sind aufgetreten bei Patienten, die SSRIs zusammen mit MAO-Hemmern (auch Moclobemid, Linezolid oder Selegilin) erhalten haben. Eine Behandlung mit MAO-Hemmern darf frühestens eine Woche nach Absetzen von Citalopram begonnen werden.
- gleichzeitiger Behandlung mit Pimozid.
- gleichzeitiger Behandlung mit Linezolid, es sei denn, es besteht die Möglichkeit der engmaschigen Überwachung und Kontrolle des Blutdrucks.
- Patienten mit bekannter Verlängerung des QT-Intervalls oder angeborenem Long-QT-Syndrom.
- gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, für die bekannt ist, dass sie zu einer Verlängerung des QT-Intervalls führen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung von Citalopram bei schwangeren Frauen vor. Tierstudien zeigten reproduktionstoxische Wirkungen. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist unbekannt. Citalopram sollte während der Schwangerschaft nur bei eindeutiger Notwendigkeit und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Fälle von Absetzerscheinungen bei Neugeborenen wurden nach der Verwendung von SSRIs am Ende der Schwangerschaft beschrieben. Neugeborene sollten überwacht werden, wenn die Anwendung von Citalopram bei der Mutter bis in die späten Stadien der Schwangerschaft, vor allem im letzten Drittel, fortgesetzt wird. Ein plötzliches Absetzen sollte während der Schwangerschaft vermieden werden. Beobachtungsdaten weisen auf ein erhöhtes Risiko für eine postpartale Hämorrhagie hin, wenn SSRIs/SNRIs innerhalb des Monats vor der Geburt eingenommen werden. Folgende Symptome können bei Neugeborenen nach der Anwendung von SSRIs/SNRIs in den späten Stadien der Schwangerschaft auftreten: Atemnot, Zyanose, Apnoe, Krampfanfälle, instabile Körpertemperatur, Schwierigkeiten beim Trinken, Erbrechen, Hypoglykämie, Muskelhypertonie, Muskelhypotonie, Hyperreflexie, Tremor, nervöses Zittern, Reizbarkeit, Lethargie, ständiges Schreien, Benommenheit und Schlafstörungen. Diese Symptome können durch serotonerge Wirkungen oder Absetzsymptome verursacht sein und treten meist innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt auf. Studien deuten darauf hin, dass die Anwendung von SSRIs in der Schwangerschaft, insbesondere im späten Stadium, das Risiko für eine primäre pulmonale Hypertonie bei Neugeborenen (PPHN) erhöhen kann. Das Risiko liegt bei etwa fünf Fällen pro 1000 Schwangerschaften, während in der Gesamtbevölkerung ein bis zwei Fälle pro 1000 Schwangerschaften auftreten. Citalopram geht in die Muttermilch über. Es wird angenommen, dass der gestillte Säugling ca. 5% der mütterlichen Tagesdosis aufnimmt. Keine oder nur geringfügige Auswirkungen wurden bei den Säuglingen beobachtet. Die vorhandenen Informationen sind jedoch unzureichend, um das Risiko für das Kind vollständig einschätzen zu können. Vorsicht ist geboten.
Verkehrstüchtigkeit
Citalopram hat geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Psychopharmaka können die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit einschränken. Patienten sollten darüber informiert werden, dass diese Wirkungen auftreten können und ihre Verkehrstüchtigkeit oder Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Serotonin-Syndrom: Symptome wie Hyperthermie, Muskelstarre, Tremor und mentale Veränderungen können auftreten. Bei Verdacht muss Citalopram abgesetzt und eine symptomatische Behandlung eingeleitet werden.
- Verlängerung des QT-Intervalls: Citalopram kann eine dosisabhängige Verlängerung des QT-Intervalls verursachen, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Vorsicht bei Patienten mit Herzerkrankungen.
- Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Citalopram sollte nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden, da es das Risiko für suizidales Verhalten erhöhen kann.
- Leberfunktionsstörungen: Bei schweren Leberfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten und die Dosierung muss angepasst werden.
- Niereninsuffizienz: Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion wird die Anwendung von Citalopram nicht empfohlen.
- Krampfanfälle: Bei Auftreten von Krampfanfällen ist Citalopram abzusetzen. Vorsicht bei Patienten mit Epilepsie.
- Diabetes: Citalopram kann die Blutzuckereinstellung beeinflussen, möglicherweise müssen die Dosen von Insulin und/oder oralen blutzuckersenkenden Medikamenten angepasst werden.
- Hyponatriämie: Selten treten Fälle von Hyponatriämie auf, besonders bei älteren Patienten oder Patienten mit Volumenmangel.
- Manie: Bei Patienten mit manisch-depressiven Erkrankungen kann es zu manischen Phasen kommen. In diesem Fall muss Citalopram abgesetzt werden.
- Paradoxe Angstsymptome: Zu Behandlungsbeginn können verstärkte Angstsymptome auftreten, die meist nach 14 Tagen abklingen. Eine niedrige Anfangsdosis wird empfohlen.
- Suizid / Suizidgedanken oder klinische Verschlechterung: Patienten müssen engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen.
- Akathisie / psychomotorische Unruhe: Citalopram kann Akathisie verursachen, eine unangenehme Ruhelosigkeit. Eine Dosiserhöhung kann schädlich sein.
- Hämorrhagien: Es kann zu verlängerten Blutungszeiten kommen, besonders bei Patienten mit Blutungsanomalien oder bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten.
- Absetzreaktionen: Symptome wie Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit und Reizbarkeit können beim Absetzen auftreten. Eine schrittweise Reduktion der Dosis wird empfohlen.
- Psychosen: Die Behandlung von psychotischen Patienten kann die psychotischen Symptome verstärken.
- EKT (Elektrokrampftherapie): Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von Citalopram und Elektrokrampftherapie.
- Johanniskraut: Die gleichzeitige Einnahme von Citalopram und Johanniskraut kann die Häufigkeit von Nebenwirkungen erhöhen.
- Engwinkelglaukom: Citalopram kann zu einer Verengung des Augenwinkels führen, was den Augeninnendruck erhöhen kann.
- Sexuelle Funktionsstörung: SSRI/SNRI können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen, die auch nach Absetzen des Medikaments bestehen bleiben können.
Alternativen
Neben Citalopram sind weitere SSRI auf dem deutschen Markt zugelassen:
- Escitalopram
- Fluoxetin
- Fluvoxamin
- Paroxetin
- Sertralin
Unterschiede der Vertreter
Citalopram, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin werden langsam resorbiert und besitzen eine Halbwertszeit von ca. 20 Stunden.
Können Neurologen Citalopram verschreiben?
Ärzte und Ärztinnen mit entsprechender Ausbildung und Zulassung können Antidepressiva verschreiben. Dazu gehören Hausärzte, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologen und Fachärzte für Psychosomatische Medizin. Neurologen sind also grundsätzlich berechtigt, Citalopram zu verschreiben, insbesondere wenn die Depression im Zusammenhang mit einer neurologischen Erkrankung steht.
Die Rolle des Hausarztes
Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der hausärztlichen Versorgung. Hausärzte nehmen als primärer Ansprechpartner eine zentrale Rolle bei der Erkennung und Behandlung etwa von Depressionen ein. Mehr als jeder zehnte Patient, der seinen Hausarzt aufsucht, ist einer Studie von 2017 zufolge depressiv. Wird die Depression richtig diagnostiziert, übernimmt gut die Hälfte der Hausärzte die Behandlung allein. Nur ein Drittel der Betroffenen ist sowohl beim Hausarzt als auch bei einem Spezialisten (etwa einem Facharzt für Psychiatrie) in Behandlung. Wer mit Depressionen zum Hausarzt geht, erhält häufig ein Rezept für Antidepressiva. Das Problem: Oft werden ausschließlich Medikamente verschrieben, obwohl eine (zusätzliche) Psychotherapie für den Patienten hilfreich wäre - doch nur wenige Hausärzte haben eine Ausbildung in Psychotherapie. Die Hausarztpraxis ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt: So stellt der Hausarzt normalerweise den ärztlichen Konsiliarbericht aus, den man vor einer Psychotherapie benötigt. Wenden sich Patienten in akuten Krisensituationen an ihren Hausarzt, kann er über weitere Optionen beraten und die nötigen Schritte in die Wege leiten - sei es eine stationäre Behandlung oder die Betreuung in einer Tagesklinik. Bei Depressionen kann der Hausarzt zwar die Weichen für eine leitliniengerechte Therapie stellen und die Betreuung des Patienten ergänzen und koordinieren. Die eigentliche Behandlung sollten aber - ebenso wie bei körperlichen Erkrankungen - Spezialisten übernehmen. Man sollte nicht zögern, die Hilfe kompetenter Spezialisten in Anspruch zu nehmen! Fachärzte und Psychotherapeuten haben eine mehrjährige Ausbildung in ihrem Fachbereich absolviert und können eine wissenschaftlich fundierte Behandlung auf hohem Niveau gewährleisten.
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