Eine Kieferentzündung kann äußerst schmerzhaft sein und unbehandelt schwerwiegende Folgen haben. Viele denken bei Zahnproblemen in erster Linie an die Zähne sowie das Zahnfleisch. Dabei lassen sie jedoch außer Acht, dass auch der Zahnhalteapparat essenziell für unsere Mundgesundheit ist. Mangelnde Mund- und Zahnhygiene kann daher nicht nur unsere Zähne schädigen, sondern auch zu Entzündungen im Mundraum führen, die sich dann auf unseren Kieferknochen ausbreiten können.
Einführung
Gesichtsschmerzsyndrome sind eine häufige und herausfordernde Erkrankung, die oft im Zusammenhang mit zahnärztlichen Eingriffen steht. Es ist wichtig zu verstehen, dass Gesichtsschmerzsyndrome nicht nur die Folge von zahnärztlichen Eingriffen sein können, sondern von ursächlichen zahnabhängigen Faktoren. Zahnärztliche Eingriffe selbst können ebenfalls zu Gesichtsschmerzen führen. Ein Beispiel für einen zahnärztlichen Eingriff, der zu Gesichtsschmerzen führen kann, ist die Weisheitszahnentfernung. Dieser Eingriff wird oft durchgeführt, um Platzmangel im Kiefer zu verhindern oder um Entzündungen zu behandeln. Ein weiterer zahnärztlicher Eingriff, der zu Gesichtsschmerzen führen kann, ist die Wurzelkanalbehandlung. Diese Therapie wird durchgeführt, um einen infizierten oder entzündeten Zahnnerv zu entfernen und den Zahn dennoch zu erhalten. Es gibt auch andere, nicht auf zahnärztliche Eingriffe zurückzuführende Faktoren, die zu Gesichtsschmerzsyndromen beitragen können, wie zum Beispiel Tumore und Nervenschäden sowie Stress, Kiefergelenkprobleme oder muskuläre Verspannungen.
Ursachen einer Kieferentzündung
Hat sich erst einmal eine Kieferentzündung manifestiert, führt diese häufig zu starken Schmerzen bei den Betroffenen. Das Gebiss ermöglicht es, feste Nahrung zu kauen oder von harten Lebensmitteln abzubeißen. Dabei sind jedoch nicht nur die Zähne wichtig, sondern auch das Zusammenspiel von Kaumuskeln und Kieferknochen ist zentral für eine optimale Funktion. Die Zähne stecken dabei in den Zahnfächern oder Alveolen. Das sind kleine Mulden im Ober- und Unterkieferknochen, in denen die Zähne fest verankert sind. Erwachsene besitzen sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer jeweils maximal 16 Zähne - vier Schneidezähne in der Mitte, links und rechts von den Schneidezähnen sitzt jeweils ein Eckzahn und auf jeder Seite befinden sich fünf Backenzähne.
Eine Entzündung im Kiefer kann durch bakterielle Keimerreger einer bereits im Mundraum bestehenden Entzündung oder Vorerkrankung hervorgerufen werden, die nicht rechtzeitig erkannt wird. Von Karies und Parodontitis über Zahnfleischentzündungen bis hin zu Weisheitszahndurchbrüchen oder einem toten Zahn - sie alle können sich negativ auf die Oberflächenstruktur unseres Zahnapparates auswirken, da sie Toxine bilden, die sich wiederum im Mundraum verteilen. Werden diese zu spät oder gar nicht erkannt, können sie sich ausbreiten und so in den Kieferknochen eindringen und dort eine Entzündung auslösen.
Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Kieferknochenentzündung führen können:
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- Zahnextraktion: Beim Ziehen eines entzündeten Zahns besteht die Gefahr, dass sich die Bakterien ausbreiten. Bei der Extraktion eines Weisheitszahns ist dieses Risiko noch höher, da dieser Zahn eine größere Lücke hinterlässt.
- Zahnerkrankungen: Karies oder Parodontitis können eine Kieferknochenentzündung auslösen.
- Wurzelbehandelte oder tote Zähne: Bei toten oder wurzelbehandelten Zähnen kann das Immunsystem keine Bakterien mehr im Zahn bekämpfen.
- Mangelnde Mundhygiene: Eine schlechte Mundhygiene verstärkt die eben genannten Ursachen zusätzlich. Der Mund ist dann anfälliger für die Vermehrung von Krankheitserregern und das Auslösen von Entzündungen.
Formen der Kieferentzündung
Zahnärzte unterscheiden dabei verschiedene Formen der Kieferentzündung:
- Knochenentzündung (Kieferostitis): Kleine Gefäßkanäle, die sich im Knochen befinden, sind entzündet. Eine spezifische Form der Kieferostitis ist die NICO (Neuralgia Inducing Cavitational Osteonecrosis), die den Kieferknochen zerstört. Die entzündliche Reaktion spielt sich im Knochenmarkgewebe, im Gefäßbindegewebe der Haversschen und Volkmannschen Kanäle sowie im Periost ab. Diese Form der Entzündung ist keine eigenständige Erkrankung; sie tritt nur in Verbindung mit einer Osteomyelitis oder Periostitis auf.
- Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis): Es liegt eine Entzündung des Knochenmarks vor. Dieses Gewebe befindet sich in der Mitte jedes Knochens und ist für die Herstellung der Blutzellen verantwortlich.
- Knochenhautentzündung (Periostitis): Eine Periostitis ist eine chronische Entzündung der Kieferhaut, die den Kieferknochen umgibt. Die Knochenhaut ist für die Nährstoffversorgung des Knochens verantwortlich.
- Abszess: Ein Abszess ist eine Eiteransammlung im Gewebe, der häufig durch einen entzündeten Zahn hervorgerufen wird.
Symptome einer Kieferentzündung
Schmerzt der Kiefer oder wird ein Druckgefühl oder eine Kieferklemme wahrgenommen, könnten das bereits erste Anzeichen auf eine Kieferentzündung sein. Im Falle einer Kieferentzündung leiden Betroffene oft unter starken Schmerzen und der Kieferbereich ist zudem oft geschwollen - es können auch Abszesse auftreten. Von außen tritt häufig eine Rötung der Wange auf und sie fühlt sich warm oder heiß an. Die Erkrankung kann dabei sowohl den Kieferknochen, das Zahnfleisch, den Ober- und Unterkiefer, die Kieferhöhle oder das Kiefergelenk betreffen. Es können sich zudem Schmerzen am Zahn selbst, im Gesicht oder den Ohren entwickeln. Bei einer fortgeschrittenen Entzündung kann es auch zu Müdigkeit, Fieber, Schüttelfrost, Kreislaufbeschwerden, einem Taubheitsgefühl im Mundraum sowie einer Schwellung der Lymphknoten kommen. Auch Zahnlockerungen bis hin zu einer Kiefernekrose können die Folge sein. Bei einer Osteomyelitis ist die Entzündung bereits bis ins Knochenmark vorgedrungen.
Nicht immer treten alle Beschwerden gleichzeitig auf. Kommen zudem Zahnlockerungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und eine schlechte Wundheilung hinzu, sollten Patienten umgehend einen Arzt aufsuchen. Es besteht die Gefahr, dass die Entzündung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium ist. Die Symptome einer chronischen Kieferknochenentzündung haben Auswirkungen auf den gesamten Körper. Da bei einer chronischen Kieferentzündung nicht immer sofort Symptome auftreten, kann sie sich über einen längeren Zeitraum unbemerkt ausbreiten.
Typisch für die Erkrankung sind pochende Schmerzen, Schwellungen im Gesicht und Einschränkungen beim Kauen oder Sprechen. Um Komplikationen zu vermeiden, ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend. Die Beschwerden treten häufig einseitig auf. Besonders eine Kieferentzündung mit Ohrenschmerzen wird oft zunächst falsch eingeordnet.
Mögliche Komplikationen einer unbehandelten Kieferentzündung
Breiten sich die entzündlichen Prozesse weiter aus, kann dies schwerwiegende Folgen haben:
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- Chronifizierung: Es besteht die Gefahr, dass die Entzündung chronisch wird und Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit des Körpers hat.
- Schäden im Mund: Schwellungen und Schmerzen im Mund erschweren das Essen und Sprechen. Wenn die Entzündung nicht behandelt wird, kann sie zu Dehydration und einem Nährstoffmangel führen. Darüber hinaus sind langfristige Schäden im Mundbereich wie Kieferknochenschwund möglich.
- Verspannungen: Bei einer einseitigen Kieferentzündung kauen Betroffene häufig nur auf einer Seite, was zu Fehlbelastungen, Nackenverspannungen sowie Rücken- und Kopfschmerzen führen kann.
- Rheumatische Erkrankungen: Eine Entzündung im Kieferknochen kann die Ursache für das Auslösen von rheumatischen Beschwerden sein.
- Infarkte: Unbehandelte Entzündungen erhöhen das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Bakterien vermehren sich und erreichen über die Blutbahn auch andere Körperregionen.
Diagnose einer Kieferentzündung
Hausmittel reichen bei einer Kieferentzündung als Behandlung nicht aus. Liegt der Verdacht vor, sollte daher umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden. Da diese Erkrankung von außen oft schwierig festgestellt werden kann, wird oft ein bildgebendes Verfahren benötigt.
Zu Beginn wird der Zahnarzt eine körperliche Untersuchung durchführen, um nach Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen im Mundbereich zu suchen. Anschließend erfragt er die medizinische Vorgeschichte des Patienten, um mögliche Ursachen der Beschwerden zu ermitteln. Zur Diagnose einer Kieferknochenentzündung helfen zudem Bilder vom Röntgen, die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Computertomografie (CT). In bestimmten Fällen reicht ein herkömmliches Röntgenbild nicht aus, um eine Kieferentzündung vollständig zu beurteilen. Mit einer Digitalen Volumentomographie (DVT) lässt sich der betroffene Bereich im Kiefer dreidimensional und hochauflösend darstellen.
Behandlung einer Kieferentzündung
Um die Entzündung im Körper zu bekämpfen, ist meist die Einnahme von Antibiotika nötig. Neben einer speziellen Zahnreinigung können auch operative Eingriffe erfolgen, um eine vollständige Heilung zu ermöglichen. Sind bereits starke Schäden am Kieferknochen entstanden, kann eine Kieferrekonstruktion erfolgen. Wichtig ist nach Abklang der Entzündung die eigentliche Ursache für die Entzündung zu behandeln.
Die Behandlung einer Kieferknochenentzündung hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab:
- Behandlung mit Antibiotika: Medikamente wie Antibiotika und Schmerzmittel wie Ibuprofen werden häufig angewendet, um die Infektion zu bekämpfen und Schmerzen zu lindern. Welches Antibiotikum bei einer akuten Kieferentzündung infrage kommt, entscheidet der behandelnde Arzt. Zunächst ungezielte Antibiotikatherapie (Blindtherapie) mit dem Kombinationspräparat Augmentan (Amoxycillin + Clavulansäure): 3 x tgl. 2 Filmtabletten. Nach Vorliegen des Antibiogramms gezielte Antibiotikatherapie mit als wirksam befundenen Antibiotika in hoher Dosierung. Die Antibiotikabehandlung sollte etwa drei Wochen durchgeführt werden. Bei Therapiebeginn in den ersten drei Tagen kann in 90 % der Fälle mit eine Ausheilung gerechnet werden. Wird mit der Antibiotikatherapie erst zwischen dem 3. und 8. Tag begonnen, so beträgt die Ausheilungsquote bestenfalls 60 %. Bei späterem Therapiebeginn ist das chronische destruktive Stadium in der Regel nicht mehr zu vermeiden.
- Entzündungsherde beseitigen: Medikamente reichen allein jedoch nicht aus, denn auch die Ursache der Kieferknochenentzündung muss beseitigt werden. Sobald die Entzündung abgeklungen ist, erfolgt beispielsweise die Behandlung von Karies, Parodontitis oder des Abszesses. Auch das Ziehen eines Zahns kann notwendig sein, wenn dieser zu stark betroffen ist. Bei schlechter Mundhygiene kommt zudem eine Professionelle Zahnreinigung zum Einsatz. Extraktion nicht erhaltungswürdiger Zähne mit apikalen und marginalen Entzündungsprozessen.
- Operation: Ist die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass eine chronische Kieferentzündung vorliegt und sich der Knochen bereits abgebaut hat, raten Zahnärzte zu einer Operation.
Chirurgische Maßnahmen bei Osteomyelitis:
- Frühzeitige Inzision von Weichteilabzessen.
- Beseitigung der vaskulären Insuffizienz durch Entfernung des nekrotischen und schlecht durchbluteten Gewebes. Je nach Umfang der notwendigen Maßnahmen stationäre oder ambulante Behandlung.
- Bei umschriebenen osteomyelitischen Prozessen Exkochleation mit Entfernung vorhandener Sequester: Tamponade der Knochenhöhle mit einem Nebacetinsalbenstreifen oder Füllung mit einem Knochenersatzmaterial mit Zusatz von Eigenblut und Antibiotikum, dichter Nahtverschluss. Weiterführung der Antibiotikatherapie.
- Bei größeren osteomyelitischen Prozessen Dekortikation: Bei weniger umfangreichen Prozessen intraoraler Zugang, bei größeren Prozessen und bei extraoralen Fisteln extraoraler Zugang. Abtragen der bukkalen Kortikalis über dem befallenen Knochenabschnitt nach Aufklappung der Gingiva und der bukkalen Weichteile. Exkochleation von Granulationsgewebe und nekrotischem Knochen, Entfernung von Sequestern unter Schonung der Wurzeln erhaltungswürdiger Zähne und des N. alveolaris inferior, bis überall durchbluteter Knochen freiliegt. Ausfüllung der Hohlräume und Nischen mit einem Knochenersatzmaterial unter Zugabe von Eigenblut und Antibiotikum. Dichte Naht der Schleimhautränder nach Anlegen einer Saugdrainage und Druckverband zur exakten Adaptation der Weichteile am Knochen. Weiterführung der Antibiotikatherapie.
- Bei ausgedehnten Prozessen mit umfangreicher Knochendestruktion und Spontanfraktur Kontinuitätsresektion des erkrankten Unterkiefersegments und Ersatz durch Beckenkammtransplantat: Gezielte perioperative Antibiotikatherapie nach Antibiogramm. Resektion des befallenen Unterkiefersegments unter Erhaltung des N. alveolaris inferior: Sofortiger Ersatz des Unterkiefersegments durch ein Beckenkammtransplantat mit funktionsstabiler Osteosynthese. Alternative: Sekundärer Unterkieferersatz nach Abheilung. Nach Einheilung des Transplantats prothetischer Ersatz der fehlenden Zähne, gegebenenfalls auch Dentalimplantate.
Spezifische Therapieformen bei besonderen Osteomyelitis-Formen:
- Chronisch-sklerosierende Osteomyelitis: Versuch einer Röntgenreizbestrahlung. Bei umschriebenen Prozessen gegebenenfalls modellierende Osteotomie. In hartnäckigen Fällen Kieferresektion mit Sofortrekonstruktion durch ein Knochentransplantat.
- Osteomyelitis nach Bestrahlung: Resektion des nekrotischen Kieferanteils und Exzision der nekrotischen Weichteilregion. Gegebenenfalls Weichteilersatz durch Lappenplastik. Knochenersatz durch Knochentransplantat mit perioperativer Antibiotikaprophylaxe.
Dauer der Behandlung und Heilung
Die Behandlung einer Kieferknochenentzündung kann ein langwieriger Prozess sein, der mehrere Wochen oder sogar Monate dauern kann. Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt sind wichtig, um den Fortschritt der Behandlung zu überwachen und sicherzustellen, dass die Infektion vollständig beseitigt wurde. Die Dauer der Heilung einer Kieferknochenentzündung hängt vom Schweregrad ab.
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Was tun nach einer Zahnextraktion?
Nach einer Zahnextraktion ist es wichtig, die Empfehlungen des Zahnarztes zu befolgen, um Komplikationen zu vermeiden und die Heilung zu fördern. Hier sind einige wichtige Punkte:
- Schmerzen: Schmerzen nach der Zahnextraktion sind normal. Normalerweise beginnen die Patienten 3-4 Stunden nach der Verabreichung der Anästhesie Schmerzsymptome zu verspüren. Schmerzen im Zahnfleischbereich: Die Schmerzen an der Stelle der Zahnextraktion können von leicht pochend bis intensiver variieren. Wenn die Schmerzen zunehmen, kann dies ein Zeichen für Komplikationen sein. Kopfschmerzen: Nach dem Abklingen der Narkose, in der Regel 4-5 Stunden nach dem Eingriff, können Kopfschmerzen auftreten. Diese Schmerzempfindungen gehen mit einer Schädigung der Nervenenden einher, die zum Gehirn führen. Ausstrahlender Schmerz: Der Schmerz kann sich auf benachbarte Bereiche wie Kopf, Ohr, Rachen, Augenpartie, Wange, Nasopharynx oder Unterkiefer ausbreiten (wenn die unteren Weisheitszähne entfernt werden). Es ist wichtig zu bedenken, dass die Schmerzen nach einer Zahnextraktion in der Regel vorübergehender Natur sind und die meisten Patienten nach kurzer Zeit eine deutliche Linderung verspüren.
- Spülen: Spülen Sie Ihren Mund in den ersten 24 Stunden nach der Extraktion nicht aus.
- Zähneputzen: Vermeiden Sie das Zähneputzen am ersten Tag nach der Operation.
- Ernährung: Streichen Sie in den ersten Tagen nach der Operation harte, salzige, saure und bittere Lebensmittel aus Ihrer Ernährung.
- Kühlen: Legen Sie in den ersten 2-3 Stunden nach der Zahnextraktion regelmäßig im Abstand von 15 Minuten kalte Kompressen auf die Wangenpartie.
- Schlafen: Versuchen Sie, auf der Seite Ihres Gesichts zu schlafen, auf der kein Eingriff durchgeführt wurde.
- Schmerzmittel: Wenn Sie keine Besserung Ihrer Schmerzen feststellen, sollten Sie zur Linderung Ihrer Symptome auf nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) zurückgreifen.
Komplikationen nach Zahnextraktion
Komplikationen im Zusammenhang mit zahnärztlichen Eingriffen treten in der Regel aufgrund schlechter postoperativer Mundhygiene oder mangelnder Befolgung der Empfehlungen des Arztes auf. Seltener können Komplikationen durch einen Fehler des Arztes verursacht werden.
- Alveolitis: Dieser Zustand ist durch eine Entzündung des Alveolarknochens und des umgebenden Gewebes nach der Zahnextraktion gekennzeichnet. Zu den Symptomen einer Alveolitis gehören scharfe pochende Schmerzen, Schwellungen, eine graugrüne Verfärbung des Gewebes, Exsudat aus der Wunde und fauliger Atem. Therapie der Alveolitis: Spülung der Alveole mit 3%igem Wasserstoffsuperoxid. Gegebenenfalls Kürettage in Lokalanästhesie. Tamponade der Alveole mit Jodoformgazestreifen oder mit Chlor-Phenol-Kampfer-Menthol-Gazestreifen mit täglichem oder zweitägigem Wechsel. Therapie bei gleichzeitigem Dolor post extractionem: Die Tamponadestreifen werden zusätzlich mit Anäthesinpulver bestreut. Hochwirksames Analgetikum oral. Bei Verdacht auf Neuritis Breitbandantibiotikum.
- Trockensteckdose: Diese Komplikation tritt auf, wenn sich in der Alveole kein Blutgerinnsel bildet oder der Patient es selbst entfernt.
- Periostitis: Hierbei handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Knochenhautgewebes im Bereich des Alveolarfortsatzes.
- Osteomyelitis (Kiefernekrose): Hierbei handelt es sich um eine eitrige und nekrotische Läsion im Knochen und Knochenmark des Kiefers. Eine Osteomyelitis kann durch Alkoholmissbrauch und Rauchen nach einer Operation oder durch eine Infektion der heilenden Alveole entstehen.
- Perforation des Kieferhöhlenbodens: Dies ist eine Verletzung der Integrität der Knochenplatte bei der Entfernung der oberen Zähne.
- Trigeminusneuralgie (Gesichtsneuralgie): Dies ist eine seltene Komplikation, die bei der komplexen Entfernung dystopischer und retinierter Zähne auftreten kann, wenn ein Durchsägen des Knochens erforderlich ist. Behandlung der Neuralgie durch Langzeitanästhesien mit Bupivacain 0,5 % als Leitungsanästhesie im Unterkiefer am Foramen mandibulare und im Oberkiefer als Tuber- oder Infraorbitalisanästhesie oder als Plexusanästhesie. Unterstützend Vitamin B 12 in hohen Dosen, jeden 2. Tag 1 mg.
Vorbeugung einer Kieferentzündung
Am besten ist es aber natürlich, wenn es gar nicht erst zu einer Entzündung des Kiefers kommt. Dafür ist eine zuverlässige und vor allem sorgfältige Mund- und Zahnhygiene von zentraler Bedeutung. So kann der Mund durch regelmäßiges Putzen der Zähne sowie die Verwendung von Interdentalbürsten oder Zahnseide für die Zahnzwischenräume vor Ansammlungen von Bakterien geschützt werden. Dadurch können Erkrankungen wie Parodontitis oder Karies, die oft die Ursache oder den Auslöser für eine Kieferentzündung darstellen, vermieden werden.
Unabhängig von den Beschwerden sollte zudem regelmäßig eine Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt erfolgen, der mögliche Entzündungsherde bereits frühzeitig erkennen und behandeln kann und mit einer professionellen Zahnreinigung zudem vorbeugen kann.
Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung:
- Regelmäßige Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene wie regelmäßiges Zähneputzen und die Reinigung von Zahnzwischenräumen tragen dazu bei, Plaque und Bakterien zu entfernen.
- Zahngesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, stärkt das Immunsystem und verringert das Risiko einer Infektion.
- Vermeiden von Zahnverletzungen: Vermeiden Sie Aktivitäten, die zu Zahnverletzungen führen können, wie z.B. Kauen von harten Gegenständen oder Öffnen von Flaschen mit den Zähnen.
- Regelmäßige Zahnarztbesuche: Regelmäßige Zahnarztbesuche tragen dazu bei, Probleme im Mund frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Vermeiden von Rauchen und Alkohol: Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum schwächen das Immunsystem und erhöhen das Risiko einer Infektion.
Gesichtsschmerzsyndrome
Neben den physischen Symptomen können Gesichtsschmerzsyndrome auch ernsthafte psychosoziale Auswirkungen haben. Die psychosozialen Auswirkungen von Gesichtsschmerzsyndromen sind vielfältig und können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Menschen, die unter chronischen Gesichtsschmerzen leiden, sind oft mit starken Schmerzen konfrontiert, die ihre Lebensqualität stark beeinflussen. Depressionen sind eine häufige Begleiterscheinung von Gesichtsschmerzsyndromen. Die anhaltenden Schmerzen und die damit verbundenen Schwierigkeiten können zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit führen. Angstzustände sind eine weitere psychosoziale Auswirkung von Gesichtsschmerzsyndromen. Die ständige Sorge vor dem nächsten Schmerzereignis und die Unsicherheit über die Wirksamkeit der Behandlung können zu erheblicher Angst führen. Die soziale Isolation ist ein weiteres Problem, mit dem Menschen mit Gesichtsschmerzsyndromen konfrontiert sein können. Aufgrund der Schmerzen und der damit verbundenen Einschränkungen können sie Schwierigkeiten haben, soziale Aktivitäten zu genießen und Kontakte zu pflegen. Dies beinhaltet nicht nur die Behandlung der physischen Symptome, sondern auch die Unterstützung der Patienten bei der Bewältigung der psychischen Belastungen. Es ist auch wichtig, dass Betroffene Unterstützung in ihrer sozialen Umgebung finden. Familie, Freunde und Selbsthilfegruppen können eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der psychosozialen Auswirkungen von Gesichtsschmerzsyndromen spielen.
Ein bekanntes Gesichtsschmerzsyndrom im Gesichtsbereich ist die sogenannte Trigeminusneuralgie. Diese Erkrankung betrifft den Trigeminusnerv, der für die Sensibilität im Gesichtsbereich zuständig ist. Typischerweise treten bei einer Trigeminusneuralgie meist einseitige, starke, blitzartige Schmerzattacken auf, die sich entlang der Nervenbahnen im Gesicht ausbreiten können. Die Schmerzen können von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten dauern und werden oft als extrem intensiv und unerträglich beschrieben.
Ein weiteres Gesichtsschmerzsyndrom im Mundkieferbereich ist die sogenannte Atypische Odontalgie, auch bekannt als Phantomzahnschmerz. Bei dieser Erkrankung verspüren Patienten Schmerzen im Zahnbereich, obwohl keine offensichtliche zahnbezogene Ursache vorliegt. Die Symptome der Atypischen Odontalgie sind oft schwierig zu diagnostizieren, da sie sich von herkömmlichen Zahnschmerzen unterscheiden können. Die Schmerzen können konstant oder intermittierend auftreten und können von einem leichten Druckgefühl bis zu starken Schmerzen reichen.
Das brennende Mundsyndrom, auch als Mundbrennen oder orales Brennen bekannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung, bei der Menschen anhaltende Schmerzen und ein brennendes Gefühl in der Mundhöhle verspüren. Es betrifft häufig die Zunge, die Lippen, das Zahnfleisch und den Gaumen. Menschen, die an dieser Erkrankung leiden, beschreiben das Gefühl oft als ein brennendes oder prickelndes Gefühl, ähnlich wie bei Verbrennungen durch heißes Essen oder Getränke. Bei einigen Menschen mit brennendem Mundsyndrom kann es zu einer Schwellung oder Rötung der Zunge kommen. Es betrifft hauptsächlich Frauen in der Menopause oder nach den Wechseljahren, kann aber auch bei Männern und jüngeren Frauen auftreten. Die Intensität der Symptome kann von leichtem Unbehagen bis hin zu starken Schmerzen reichen, die das Sprechen, Essen und Trinken beeinträchtigen. Die genauen Ursachen des brennenden Mundsyndroms sind unbekannt, es wird jedoch vermutet, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen können. Um die Symptome des brennenden Mundsyndroms zu lindern, können verschiedene Behandlungsansätze verfolgt werden. Um andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, kann der Arzt eine Differentialdiagnose durchführen. Dies beinhaltet die Untersuchung anderer Erkrankungen wie Mundsoor, Unterfunktion der Schilddrüse oder orale Allergien.
Die Behandlung variiert je nach Art und Ursache des Schmerzes und kann von medikamentösen Therapien bis hin zu operativen Eingriffen reichen. Abgesehen von medikamentösen Behandlungen können auch Veränderungen in Ernährung und Lebensstil zur Kontrolle von Gesichtsschmerzsyndromen beitragen. Zusätzlich zur richtigen Schmerzkontrolle und Mundhygiene können auch physikalische Therapien eingesetzt werden, um Gesichtsschmerzsyndrome zu vermeiden. Dies kann die Anwendung von Wärme- oder Kältepackungen, Massagen oder bestimmten Übungen umfassen, um die Muskeln im Gesicht zu entspannen und Schmerzen zu lindern. Darüber hinaus sollten Patienten darauf achten, Stress zu reduzieren, da Stress ein Faktor sein kann, der zu Gesichtsschmerzen beiträgt. Es ist wichtig zu betonen, dass jeder Patient individuelle Bedürfnisse und Voraussetzungen hat. Daher ist es ratsam, mit dem behandelnden Zahnarzt über die besten Möglichkeiten zur Vermeidung einer Chronifizierung von Gesichtsschmerzen zu sprechen.
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