Eine kortikale Kopfverletzung, oft als Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet, ist eine Verletzung des Gehirns, die durch äußere Krafteinwirkung verursacht wird. Die Schwere eines SHT kann von einer leichten Gehirnerschütterung bis hin zu schweren Hirnverletzungen reichen, die dauerhafte Schäden verursachen können. Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten variieren je nach Art und Schwere der Verletzung.
Ursachen von kortikalen Kopfverletzungen
Kortikale Kopfverletzungen können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter:
- Unfälle: Verkehrsunfälle, Stürze und andere Unfälle sind häufige Ursachen für SHT.
- Sportverletzungen: Kontaktsportarten wie Football, Eishockey und Boxen bergen ein hohes Risiko für Kopfverletzungen.
- Gewalt: Körperliche Auseinandersetzungen und Misshandlungen können zu schweren Kopfverletzungen führen.
- Arbeitsunfälle: Bestimmte Berufe, wie z. B. Bauarbeiter, sind einem erhöhten Risiko für Kopfverletzungen ausgesetzt.
Symptome von kortikalen Kopfverletzungen
Die Symptome einer kortikalen Kopfverletzung hängen von der Schwere der Verletzung ab. Leichte SHT, wie Gehirnerschütterungen, können folgende Symptome verursachen:
- Bewusstseinsstörungen
- Retrograde Amnesie (Erinnerungsverlust vor dem Unfall)
- Übelkeit und Erbrechen
- Selten anterograde Amnesie (Erinnerungsverlust nach dem Unfall)
- Apathie
- Kopfschmerzen
- Schwindel
Schwerere SHT können zu folgenden Symptomen führen:
- Bewusstlosigkeit (länger als 60 Minuten deutet auf ein schweres SHT hin)
- Einklemmung des Gehirns
- Ödeme (Schwellungen)
- Hirnblutungen
Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen können kortikale Kopfverletzungen auch langfristige Folgen haben, wie z. B.:
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- Chronische Traumatische Enzephalopathie (CTE): Repetitive leichte SHT, Gehirnerschütterungen und subklinische Hirntraumata können zu progressiven neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn führen. Diese Veränderungen treten nach einer Latenz von 10 bis 20 Jahren auf und können sich in Form von kognitiven Beeinträchtigungen, Verhaltensänderungen und motorischen Störungen äußern.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Für den Morbus Alzheimer ist das SHT als Risikofaktor akzeptiert. Ein erlittenes SHT kann die Zeit bis zum Auftreten eines M. Alzheimer verkürzen. Je schwerer das erlittene SHT, umso wahrscheinlicher scheint dieser Zusammenhang. Es existieren Hinweise, dass sich gerade im Fußball nach repetitiven Kopftraumata eine ALS entwickeln kann. Personen mit mehr als einem erlittenen SHT wiesen ein 3,1-fach höheres Risiko für die Entwicklung einer ALS auf.
- Psychische Störungen: Frühe Untersuchungen legten einen Zusammenhang einer Suizidalität und der Schwere eines SHT nahe. Aktuell verdichten sich die Hinweise, dass repetitive Kopftraumata einen zwar geringen, aber vorhandenen Risikofaktor für die Lebenszeitprävalenz einer Depression darstellen.
Diagnose von kortikalen Kopfverletzungen
Die Diagnose einer kortikalen Kopfverletzung umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren und neuropsychologische Tests.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt beurteilt den Zustand des Patienten anhand der Glasgow-Koma-Skala (GCS), die das Bewusstseinsniveau, die verbale Reaktion und die motorische Funktion misst.
- Bildgebende Verfahren: Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns kann Blutungen, Schwellungen oder andere strukturelle Schäden aufdecken.
- Neuropsychologische Tests: Diese Tests bewerten kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und exekutive Funktionen. Ein zunehmend am häufigsten verwendeter Test zur Spielfeldrandbeurteilung einer Gehirnerschütterung ist der King-Devick-Test.
Behandlung von kortikalen Kopfverletzungen
Die Behandlung einer kortikalen Kopfverletzung hängt von der Schwere der Verletzung ab. Leichte SHT erfordern möglicherweise nur Ruhe und Schmerzmittel. Schwerere SHT können eine Operation, eine Rehabilitation und eine langfristige Betreuung erfordern.
- Akutversorgung: Das primäre Ziel der Akutversorgung ist die Aufrechterhaltung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns, um sekundäre Schäden zu verhindern. Bei Hirnüberdruck kann eine operative Druckentlastung erforderlich sein.
- Rehabilitation: Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie und neuropsychologische Therapie umfassen. Ziel ist es, verlorene Funktionen wiederherzustellen und dem Patienten zu helfen, sich an verbleibende Beeinträchtigungen anzupassen.
- Langzeitbetreuung: Einige Patienten mit schweren SHT benötigen eine langfristige Betreuung, wie z. B. häusliche Pflege oder einen Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung.
Tiefe Hirnstimulation (THS) bei Dystonie infolge von Kopfverletzungen
Die Tiefe Hirnstimulation (THS) hat sich als wirksame Option für die Behandlung von Dystonie erwiesen, insbesondere für Patienten, bei denen andere Therapien nicht ausreichend wirksam sind. Bei der THS werden Elektroden in spezifische Bereiche des Gehirns implantiert, die an der Entstehung der Dystonie beteiligt sind, wie z.B. der Globus pallidus oder der Thalamus. Diese Elektroden senden gezielte elektrische Impulse aus, die die abnorme neuronale Aktivität unterdrücken und so die Symptome der Dystonie reduzieren können.
Optikusatrophie nach kortikalen Kopfverletzungen
Unter Optikusatrophie versteht man eine degenerative Erkrankung des Sehnervs, bei der der Nervus Opticus und seine umliegenden Nervenfasern verkümmern (atrophieren). Sämtliche Verletzungen, Schädigungen oder Erkrankungen des Sehnervs können eine Optikusatrophie auslösen, sofern sie nicht behandelt werden oder nicht behandelt werden können. Auch traumatische Verletzungen, ein erhöhter Hirndruck oder eine verminderte Durchblutung können die Erkrankung auslösen.
Hirnblutungen als Folge von SHT
Je nach Lage der Blutung im Kopf/Schädel (intrakranielle Blutung) unterscheidet man verschiedene Blutungsformen: Die intrazerebrale Blutung im Bereich des Hirngewebes, die epi- beziehungsweise subdurale Blutung, das heißt Blutungen ober- beziehungsweise unterhalb der harten Hirnhaut und die Subarachnoidalblutung unterhalb der Spinngewebshaut (Arachnoidea). Für eine epidurale beziehungsweise eine subdurale Blutung ist meist ein Schädel-Hirn-Trauma verantwortlich. Bei einer Subarachnoidalblutung finden sich häufig Gefäßaneurysmen oder ein Schädel-Hirn-Trauma als Auslöser.
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Prävention von kortikalen Kopfverletzungen
Viele kortikale Kopfverletzungen können durch vorbeugende Maßnahmen verhindert werden, darunter:
- Sicherheitsgurte: Das Tragen von Sicherheitsgurten im Auto kann das Risiko von Kopfverletzungen bei Verkehrsunfällen erheblich reduzieren.
- Helme: Das Tragen von Helmen beim Fahrradfahren, Motorradfahren, Skifahren und anderen Sportarten kann Kopfverletzungen verhindern.
- Sturzprävention: Maßnahmen zur Sturzprävention, wie z. B. die Beseitigung von Stolperfallen in der Wohnung, können das Risiko von Kopfverletzungen bei älteren Menschen verringern.
- Gewaltprävention: Programme zur Gewaltprävention können dazu beitragen, Kopfverletzungen durch körperliche Auseinandersetzungen zu verhindern.
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