Was tun, wenn man zur Nervensäge wird: Ein Leitfaden für schwierige Situationen

Jeder kennt das Gefühl, anderen auf die Nerven zu gehen, zu viel zu sein oder die Angst davor. Doch manchmal ist es wichtig, eine Nervensäge zu sein - zumindest, wenn es gute Gründe dafür gibt.

Wann es wichtig ist, eine Nervensäge zu sein

Es gibt Situationen, in denen Hartnäckigkeit und das Ansprechen unbequemer Themen notwendig sind:

  • Gesundheitliche Bedenken: Der Vater, dem man immer wieder rät, zum Arzt zu gehen, weil er sich nicht wohlfühlt.
  • Schwierige Beziehungen: Die Freundin, die in einer ungesunden Beziehung steckt und es nicht erkennt.
  • Finanzielle Probleme: Der Bruder, der seine Finanzen nicht im Griff hat, oder die Schwester, die sich um ihre Altersvorsorge kümmern sollte.
  • Eigene Bedürfnisse: Wenn man selbst viel Gesprächsbedarf hat, aber niemandem zur Last fallen will.

Wenn niemand mehr den Mund aufmacht, woher soll dann der Gegenwind kommen, der Veränderung bringt? Und gehört es nicht auch dazu, wenn man sich nah sein will?

Es ist oft anstrengend und kräftezehrend, aber wenn uns etwas oder jemand sehr viel bedeutet, sollten wir uns trauen, eine Nervensäge zu sein. Natürlich braucht es Feingefühl und viele Gespräche, aber es ist schlimmer, es besser gewusst zu haben und am Ende zu bereuen, nichts gesagt zu haben. Manchmal braucht es eben mehrere Anläufe, bis etwas bewirkt wird. Gibt es nicht Themen, die so wichtig sind, dass man sie immer wieder ansprechen sollte?

Themen, bei denen es wichtig ist, hartnäckig zu sein

1. Finanzen

Geld ist ein großes Streitthema, sei es im Job, in der Partnerschaft, in Familien oder unter Freunden.

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  • Im Job: Für eine angemessene Bezahlung einzustehen.
  • In Beziehungen: Wenn finanzielle Dinge in die falsche Richtung laufen.

Wegschauen macht es nur schlimmer. Gemeinsam nach Lösungen suchen und sich gegenseitig bestärken kann helfen, beispielsweise indem man zusammen das Gehaltsgespräch vorbereitet.

2. Altersvorsorge

Es ist schwierig, sich rechtzeitig darum zu kümmern, weil der Anfang kompliziert erscheint. Dennoch wird oft abgewunken, wenn man das Thema anspricht. Aber am Ende ist es wichtig, will man nicht seinen Lebensabend in Armut verbringen. Vor allem für Frauen ist dies ein großes Thema.

3. Gesundheit

Wenn geliebte Menschen sich nicht um ihre Gesundheit kümmern, löst das oft Hilflosigkeit aus. Natürlich kann man niemanden zwingen, zum Arzt zu gehen, aber aufgeben ist keine Option, wenn wir uns um andere sorgen. Hier will man definitiv nicht bereuen, etwas nicht getan oder gesagt zu haben.

4. Ungesunde Beziehungen

Die Freundin steckt in einer Beziehung, die nicht passt? Alle Welt sieht es, nur sie selbst hält daran fest? Vielleicht ist der Partner sogar manipulativ oder gewalttätig? Dann höre bloß nicht auf zu nerven! Das Schlimmste ist, wegzusehen, nichts mehr zu sagen oder gar die Freundschaft zu beenden.

5. Emotionale Bedürfnisse

Es gibt Momente, da liegt ein komischer Vibe in der Luft, den wir nicht richtig greifen können. Vielleicht hatten wir Streit mit unserem besten Freund oder Partner, vielleicht sind wir unsicher, weil der andere sich komisch verhält oder haben einen doofen Tag. Es gibt Tage, an denen wir hören wollen, dass alles okay ist und wenn nicht, dass wir es klären können, auch wenn wir damit nerven oder das Gefühl haben, zu viel zu sein. Jemand, der uns liebt, hält das aus.

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6. Eigene Bedürfnisse

Die eigenen Bedürfnisse dürfen Raum haben, auch wenn es andere nervt. Es ist okay, sie zu äußern. Am Ende können wir uns nur so vollumfänglich kennenlernen und gesehen werden. Und wenn du etwas dringend brauchst und damit niemandem geschadet wird, nerve so lange, bis du es bekommst.

7. Ängste

Die einen haben zu viel davon, andere zu wenig. In jedem Fall stimmt eines: Sie ist nicht rational. Wenn wir vor etwas Angst haben oder auch um jemanden, sollten wir das sagen dürfen. Auch wenn es vielleicht nervt - Angst sucht man sich schließlich nicht aus.

8. Liebe

Gibt es ein zu viel an Liebe? Wenn du das Gefühl hast, deine Liebe nervt andere, dann solltest du dich fragen, ob das die richtigen Personen an deiner Seite sind. Denn Liebe ist vielleicht das Einzige, das niemals nerven sollte.

Die Kunst des richtigen Nervens

Andere mit wichtigen Themen zu nerven ist eine Sache. Die andere ist, zu akzeptieren, wann es genug ist, wann die Grenzen erreicht sind und wo wir pausieren und Raum geben sollten, Dinge sacken zu lassen. Es geht nicht darum, etwas zu erzwingen, auch nicht darum, Verantwortung für jemanden, der erwachsen ist, zu übernehmen oder ihm etwas abzunehmen. Es geht vielmehr um das Bewusstmachen und im Gespräch bleiben. Manchmal braucht es Zeit, um vielleicht später nochmal die kleine Nervensäge rauszuholen. Doch auch dabei können wir die Grenzen des anderen wahren und sensibel sein, auch wenn es schwer fällt - und uns trotzdem trauen, unangenehm zu sein.

Was tun, wenn man selbst genervt wird?

Jeder Mensch hat eine gewisse Geduldsspanne. Wenn das Gegenüber aber immer wieder nicht das tut, was man von ihm erwartet - obwohl er genau das auch weiß - hat jeder irgendwann genug. Manche sind sehr dünnhäutig, die sind ganz schnell genervt, andere halten mehr aus.

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Die Perspektive des Genervten

Wenn dich jemand nervt, hilft es meistens, wenn dieser dir kurzzeitig ein wenig Abstand/Zeit lässt. In einer Beziehung muss man miteinander reden können. Frag ihn, was los ist. Lass ihn zu dir kommen, sollte er sich längere Zeit nicht melden, also richtig melden, nicht nur was sagen oder so. Wenn das nicht passiert, solltest du dir überlegen, ob er der Richtige ist. Warte, bis er auf dich zukommt.

Die Nervensäge in uns allen

Die Nervensägen selbst haben übrigens auch ein Problem mit ihrem Verhalten, selbst wenn sie sich überhaupt nicht daran stören, dass alle von ihnen genervt sind: Irgendwann sind alle so sauer, dass die Nerver gar keine Vorschläge oder Ziele umsetzen können. Ein klein wenig mehr Rücksicht und Kompromissbereitschaft sind wichtig, egal ob es um einen Streit zwischen Staaten geht oder um den Kollegen.

Wann nerve ich? - Eine psychologische Betrachtung

Soziale Allergien

"Soziale Allergene" sind Verhaltensweisen anderer Menschen, die einen anfangs vielleicht nur leicht stören, mit der Zeit aber ganz gewaltig. Je öfter man aber mit dem Verhalten konfrontiert wird, desto sensibler wird man, bis es auf Dauer zu heftigen Reaktionen kommt.

Michael Cunningham hat ermittelt, welche Verhaltensweisen zu sozialen Allergenen werden können:

  1. Rüdes, pöbelhaftes Verhalten: Pupsen oder schlechte Tischmanieren.
  2. Unaufmerksamkeit: Wenn der Partner sein Smartphone checkt, während man von seinen Problemen erzählt.
  3. Aufdringlichkeit: Anderen immerzu ungefragt die eigene Meinung und Ratschläge aufzwingen.
  4. Normverstöße: Wenn jemand in verbotenen Zonen raucht oder auf dem Fußweg parkt.

Was ist Genervtsein?

Genervtsein ist eine milde Form von Ärger oder geht sogar mit leichter Verachtung einher. Wenn andere einen im Straßenverkehr am Vorwärtskommen hindern, ist das extrem nervig. Verkehrspsychologen nennen das "Blockieren einer zielgerichteten Handlung".

Selbstzweifel und Selbstwahrnehmung

Wir gehen davon aus, dass andere uns so sehen wie wir uns selbst. Unsere Selbstbilder sind aber nicht hundertprozentig genau, denn wir möchten uns selbst meistens positiv sehen. Wir sind kreativ darin, neu auf uns eintreffende Informationen in unserem Sinne zu interpretieren. Unsere Selbstwahrnehmung unterliegt Verzerrungen. Oft schätzen wir uns etwas zu positiv ein.

Interaktionstoxische Verhaltensweisen

Rainer Sachse, Professor für Psychologie und Therapeut, nennt einige Verhaltensweisen "interaktionstoxisch":

  • Nörgeln: Eine geringe Kritik, die aber immer und über eine lange Zeit passiert.
  • Rabattmarken-Sammeln: Verfehlungen sammeln und sie anderen immer und immer wieder vorhalten.

Narzissten als Nervensägen

Narzissten können die größten Nervensägen sein. Anfangs wirken sie charmant und unterhaltsam, aber im Laufe der Zeit merkt man, dass sie immer nur von sich erzählen und auf sich achten. Sie streben einzig nach sozialer Anerkennung und meiden enge, langfristige Beziehungen.

Unterwerfung als Nervfaktor

Es ist erstaunlich, wie viele Eigenschaften nerven können. Auch Menschen, die sich unterwerfen, nie Nein sagen und sich alles bieten lassen, können nerven. Sie werden auf Dauer übersehen und von anderen nicht geachtet.

Kleine Marotten und Gewohnheiten

Gerade die kleinen Dinge, die wir gar nicht bewusst tun, nerven andere oft kolossal. Das liegt daran, dass die Basalganglien im Gehirn alle unsere Gewohnheiten, auch die schlechten, abgespeichert haben.

Was tun, wenn man von der Familie als nervig empfunden wird?

Es ist verletzend, von der eigenen Familie als nervig und dumm bezeichnet zu werden. Besonders schlimm ist es, wenn man ständig hört, dass man etwas nicht kann und keine Ahnung hat.

Tipps für Betroffene

  1. Sprich es an: Sag deiner Familie, dass dich solche Kommentare verletzen. Vielleicht meinen sie es eher humorvoll und es kommt falsch rüber.
  2. Suche dir Unterstützung: Lass diese Miesmacher hinter dir und such dir Leute, die dich wertschätzen.
  3. Stärke dein Selbstwertgefühl: Arbeite an deinem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Lerne, dich in deinem Körper und deinem sensiblen Wesen wohlzufühlen und gut für dich zu sorgen.
  4. Finde heraus, was dich ausmacht: Der Ursprung des Problems liegt oft in uns selbst. Wenn wir mit uns verbunden sind, können wir selbstbewusst und selbstbestimmt unseren Weg gehen.

Strategien für den Umgang mit "nervigen" Partnern

Die Macke des Partners akzeptieren oder verändern?

Kurzfristig gedacht wäre es natürlich am einfachsten, wenn der Partner sich ändert. Das wäre die am wenigsten anstrengende Lösung. Die meisten Paare versuchen, ihre Partner zu überzeugen, indem sie ihre guten Argumente vortragen.

Differenzierung statt Kommunikation

Oft liegt das Problem nicht darin, dass der Partner einen nicht versteht, sondern dass er nicht einverstanden ist. An dieser Stelle geht es dann um Differenzierung und nicht um Kommunikation.

Den Fokus auf die positiven Dinge lenken

Besser als Energie in diesen Konflikt zu geben, wäre es, den Fokus auf die positiven Dinge zu lenken, die man in der Beziehung erlebt hat. Eine schöne Übung ist, jeden Abend vor dem Einschlafen drei Dinge zu notieren, für die man dem Partner dankbar gewesen ist. Die weitere Folge: Der Partner wird ebenfalls achtsamer und wird selbst überprüfen, was seine Macken bei einem auslösen und ob er nicht doch etwas ändern möchte - einem zuliebe.

Die "Anteilearbeit"

Die "Anteilearbeit" kann helfen, innere Konflikte auf eine neue, respektvolle Weise zu klären. Mit der 2-Stühle-Arbeit können Menschen, die sich innerlich zerrissen und durch den Stress blockiert fühlen, Klarheit finden.

Sich fremd fühlen inmitten anderer Menschen

Kennst du die Situation, dass du inmitten anderer Menschen bist und dich fremd fühlst? Dieses Fremd-fühlen entspringt jedoch weniger der Tatsache, dass du diese Menschen nicht kennst. Du kannst dich sogar sehr fremd fühlen, obwohl du unter Menschen bist, die dir bekannt sind.

Ursachen für das Gefühl, fremd zu sein

  • Ein schwaches Selbstwertgefühl: Man glaubt, dass man sich ändern muss, um in die Welt zu passen und Verbundenheit zu spüren.
  • Ein Umfeld, das nicht der Denk- und Lebensweise entspricht: Es wird immer Menschen geben, mit denen man nicht auf einer Wellenlänge liegen wird und unter denen man sich fremd fühlt.
  • Eine fehlende und lieblose Beziehung zu sich selbst: Man fühlt sich fremd und allein unter seinen Mitmenschen.

Was tun, um Verbundenheit zu finden?

  • Entwickle eine liebevolle Beziehung zu dir selbst: Lerne, dich zu mögen. Dich in allem, was du bist, liebevoll anzunehmen.
  • Finde heraus, was dich ausmacht: Der Ursprung des Problems liegt oft in uns selbst. Wenn wir mit uns verbunden sind, können wir selbstbewusst und selbstbestimmt unseren Weg gehen.
  • Akzeptiere dein "Anderssein": Viele hochsensible Menschen kennen das Gefühl, sich fremd auf der Welt zu fühlen. Der Grund liegt in ihrem feineren Gespür für Energien, Reize und Wahrnehmungen und ihrem oft tiefgründigen Wesen.

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