Der letzte warme Tag in Berlin. Trotz des schönen Wetters liegt eine merkwürdige Spannung über der Stadt. Max Rieger, ein vielseitiger Musiker, hat mit 30 Jahren bereits einen beeindruckenden Katalog an Arbeiten vorzuweisen. Seine musikalische Karriere begann 2010 mit der Gründung von Die Nerven und der Wave-Band Die Selektion. Neben seiner Arbeit bei Die Nerven veröffentlicht Rieger Black Metal unter dem Pseudonym Obstler und ist Mitglied des Minimal-Electronic-Experimental Trios Jauche. Mit ‘“ALLES IST NUR ÜBERGANG“’ erscheint nun das vierte Album von All Diese Gewalt.
Musikalische Vielseitigkeit und Projekte
Max Rieger ist bekannt für seine Vielseitigkeit und sein Engagement in verschiedenen musikalischen Projekten. Er startete seine musikalische Laufbahn mit der Gründung von Die Nerven, einer Band, die für ihren Post-Punk und Noise-Rock bekannt ist. Parallel dazu gründete er die Wave-Band Die Selektion, die er jedoch bald wieder verließ. Im Jahr 2023 kehrte er zu Die Selektion zurück und veröffentlichte mit ihnen das Album „Zeuge aus Licht“.
Neben seiner Arbeit bei Die Nerven und Die Selektion ist Rieger auch in anderen musikalischen Projekten aktiv. Unter dem Pseudonym Obstler veröffentlicht er Black Metal, eine Musikrichtung, die sich durch extreme Geschwindigkeit, aggressive Gitarrenriffs und gutturalen Gesang auszeichnet. Zudem ist er Mitglied des Minimal-Electronic-Experimental Trios Jauche, das sich der Erforschung elektronischer Klänge und experimenteller Musik widmet.
"ALLES IST NUR ÜBERGANG": Ein neues Kapitel
Mit ‘“ALLES IST NUR ÜBERGANG“’ erscheint nun das vierte Album von All Diese Gewalt. Während es bei Die Nerven oft um Wut, Verzweiflung und Trotz geht, die man mit Wumms und großem Hallo ins Gesicht geklatscht bekommt, wird hier zwar genau so dringlich erzählt, aber der Druck kommt nicht von vorn, er schleicht von hinten ran und nimmt einen in eine kühle, klammernde Umarmung. Die Welt, die Rieger mit All Diese Gewalt aufmacht, ist eine eigene und um sie zu besuchen, sollte man sich Zeit nehmen. Sie ist komplex und direkt und zeichnet Bilder irgendwo zwischen schmutziger Kellerdisco und Penthouse in den Wolken.
Auch wenn man den konsequenten Progress der Veröffentlichungen nachverfolgen kann, sind diese zu keinem Punkt ‚Muckeralben‘, die mit ihrem Perfektionismus angeben, obwohl hier jemand am Werk ist, der ganz genau weiß, was er tut. ‚Andere‘, das Album von 2020, dessen Fertigstellung laut Max vier Jahre gedauert hat und ihn aufgrund seines Perfektionismus halb in den Wahnsinn trieb, wollte viel. Mit ‘ALLES IST NUR ÜBERGANG’ kommt nun nicht, wie es eventuell zu erwarten gewesen wäre, die berühmte Schippe Richtung Großraumdisco oder Mainstream-Radio drauf, sondern schlägt den Bogen zurück zur Introspektion von ‚Welt in Klammern‘ und ins Intimere. Über Droneflächen und Ambient-Teppichen hallen Gitarren, flirrn Chöre, es knistert und knarzt, zusammengehalten von fliehenden Keyboard- und Synthiemelodien sowie Max sehr nahem Gesang, mal flüsternd, mal schreiend.
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Entstehungsprozess und Thematik
Das Album ist relativ schnell entstanden, innerhalb von ca. zwei Monaten. Es entstehen gleich mehrere Songs über einen gewissen Zeitraum und ich finde sofort Sachen, die zueinander passen und die zueinander gehören - also Song X passt sehr gut zu Song Y und deswegen werden die auch gleich miteinander zu Ende gedacht. Bei ‚Andere‘ hat das alles ewig gedauert und ich hab’ da bis zum allerletzten Moment dran gesessen. Die Songs sind nicht so richtig miteinander eingerastet, weil es so songlastig war. Jetzt lief es komplett anders, es ist alles sehr natürlich passiert und zu mir gekommen. Ich saß quasi nur daneben, hab dem ganzen zugeguckt und dachte „Ah ja, nett, ich mach da einfach mal mit und versuche dem hier nicht im Weg zu stehen“ und hab‘s raus, und durch mich durchlaufen lassen. Da gab es kein stringentes Konzept oder sowas.
Eine für Rieger bisher ungewohnte Thematik zieht sich durch das Album, denn es wird viel mit spirituellen Bildern gearbeitet, wie zum Beispiel im Song „ICH BIN DAS LICHT“ (“Ich bin das Licht / das durch alles spricht / durch Wolken bricht”), „zu Staub werden“ (“100 km über der Erde / Goldene Altäre / 100 km über der Erde / zu staub werden”) oder “Beleuchtete Höhle” (“Ich bin ein Gast auf Erden / Stille will ich werden”). Jemand sagte sogar mal „religiös“. Das Wort spirituell gefällt mir in jedem Fall besser, da geh’ ich mit. Ich hatte den Eindruck, die Bildsprache wäre jetzt für dieses Album die richtige, dass es auch mit dem Sound einhergeht, wo alles so ein bisschen in der Schwebe ist.
Kreislauf der Suche und Akzeptanz
Die Platte bildet einen Kreislauf, eine Geschichte der Suche, der Verzweiflung, des Zusammenbruchs, der Akzeptanz und Versöhnung. Textlich und von der Stimmung her gesehen sind die ersten Songs sehr introvertiert, suchend, fragil und teilweise auch ganz schön traurig. Dann kommt in der Mitte das Instrumental “100.000 Tonnen” und ab da hatte ich das Gefühl, dass es jetzt nach oben ans Licht geht, es versöhnlich wird.
Für Rieger ist der Einschnitt statt bei “100.000 Tonnen” eher nach “Ab AB ab” (“bau es ab ab ab / zieh’ es ab / zieh’ die Kabel / ab die Haut / alles ab”). Das ist für mich das Schlüsselstück, ohne ein Schlüsselstück zu sein. Der Song war am Anfang nur 3 Minuten lang und hatte nur den ersten Teil, jetzt ist er ein Dreiteiler. Nach den ersten Minuten bricht er komplett runter und hat dann noch das 2 Minuten lange Outro. Ab da ist für mich dann in Anführungszeichen die Luft raus. Also, ab da finde ich, gibt es einen ganz krassen Druckabfall, der Zenit ist für mich schon klar bei diesem Song. “So leicht” (“Es war noch nicht so leicht / über Wasser gehen / 5 cm über allem schweben”) gehört da für mich auch noch dazu. Anstelle eines Zyklus war die Idee eher auf ein Momentum zuzusteuern und dieses dann loszulassen. Es wird aber nicht aufgehört, sondern weitergemacht, auch nachdem alles zusammengebrochen ist.
Persönliche Botschaften und Ehrlichkeit
Ein Song wie “Ihr seid nicht allein” ist eher ungewöhnlich und wirkt recht persönlich, jedenfalls hatte man sowas bisher von Rieger noch nicht gehört, sowas textlich direktes (“allen grauen Stufen / allen stummen Rufen / allen die noch suchen / ihr seid nicht allein”). Im schlechtesten Fall kann das ja auch cheesy sein, aber ich finde, da hast du ganz gut die Kurve bekommen. Mit diesen ‚Hey, ich bin bei euch, ich weiß wie’s euch geht‘-Messages kann man ja schlimm kitschig oder im worst case anbiedernd wirken. Rieger sagt dazu, dass er Angst hatte, kitschig zu sein. Ich finde, der Song ist schon recht nah am Kitsch, aber ich hab’ den, als ich ihn geschrieben habe, sehr gefühlt und der ist auch komplett ehrlich gemeint. Also ich will sagen, mir geht sowas nicht leicht über die Lippen und es war auch null geplant sowas zu schreiben.
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Samples und Texturen
In diesem Fall waren Samples eher eine Texturfrage. Sie sind zwar überall auf dem Album, ich habe aber kaum musikalische Elemente genutzt, eher Knistern, Stimmen, Grundrauschen. Neulich sagte mal jemand zu mir “Es spukt auf diesem Album”. Dieser Faktor kommt sicherlich durch das Vinyl, weil es schwer ist, mit dem Computer solche Stimmungen herzustellen.
Das Cover: Ein Kinderbild
Das Cover passt auch sehr gut zur Stimmung des Albums. Es ist ein Kinderbild von Rieger! Sein Opa hat das mal gemacht, er stand vorm Fenster, daher auch das diffuse Gegenlicht. Er hatte das Bild noch nie gesehen und wusste sofort, ich muss das gleich digitalisieren und irgendwann mal benutzen. Ich hab’ dann allerdings noch relativ lange gebraucht um zu checken, dass ich ja grade ein Album mache und dann war klar, ich muss das jetzt als Cover nehmen. Ursprünglich hatte ich ganz andere Ideen und wollte nochmal auf das erste All Diese Gewalt Album Bezug nehmen (‘Kein Punkt wird mehr fixiert’), aber dass mir das Bild jetzt zugeflogen ist, hätte gar nicht besser laufen können. Man kann sagen, die letzten drei Alben stellen jetzt quasi eine Trilogie dar, sprich ‘Welt in Klammern’ mit dem Jungen, ‘Andere’ und jetzt dieses.
Zusammenarbeit mit Ralv Milberg
Für das Mastering hat Rieger die Platte wieder an Ralv Milberg abgegeben wie auch schon die ersten All Diese Gewalt Alben, im Gegensatz zum letzten, wo er alles alleine gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, Ralv wäre wieder der Richtige. All Diese Gewalt ist ein sehr emotionales oder sagen wir mal persönliches Ding und ich weiß, dass Ralv diese Emotionalität in seine Arbeit miteinbeziehen kann, da wir sehr ähnlich über Musik denken. Bei dieser Platte war es mir außerdem wichtig, jemanden zu haben, der nicht nur auf Technik achtet. Das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber mir war es wichtiger, dass da jemand ist, der mit dem Herzen hört und nicht so analytisch ist, sondern den Sound checkt und übersetzen kann. Außerdem wollte ich dieses Mal auch Leerstellen zulassen. Mit dem Material, das ich für ‘Andere’ hatte, war ich nicht so wirklich 100% zufrieden und habe daher ewig daran rumgeschraubt. Das ist vielleicht so’n Anfängerfehler, dass man nicht die Power hat, das ganze einfach loszulassen und zu sagen „Es ist jetzt so wie es ist und so ist es auch gut“. Das war jetzt wiederum super leicht.
Rieger als Produzent
Rieger ist nicht nur Musiker, sondern u.a. auch begehrter Produzent. Es wirkt glaube ich nur nach Außen, dass ich so viel um die Ohren habe, es gibt immer wieder einige Inseln des Nichtstuns. Dazu muss ich auch sagen, dass ich das Album schon vor zwei Jahren gemacht habe, meine Sachen liegen also auch gerne mal länger etwas rum. Daher kann es halt so wirken, als ob ich viel gleichzeitig mache, wenn dann mehrere Projekte, an denen ich beteiligt war, zeitnah erscheinen, aber normalerweise läuft eher alles so block-mäßig. Wenn ich was Neues beginne, bin ich aus dem Alten gedanklich komplett raus und recht gut darin, komplett ins Neue reinzugehen.
Schon früh begann Max befreundete Bands zu mixen oder zu produzieren und autodidaktisch seinen Klang zu entwickeln und zurechtzufeilen. Begannen die Produktionen mit kleineren Gruppen aus dem Freundeskreis und waren eher postpunkig bis noisig (u.a. Friends of Gas, Karies) arbeitete Rieger recht schnell schon mit Feuilletonlieblingen wie Stella Sommer oder Jungstötter zusammen und kann seine Bio inzwischen sogar mit großen Nummern wie Casper schmücken, dessen Album ‘Alles war schön und nichts tat weh’ auf Platz 1 der deutschen Charts landete.
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Künstlerische Identität
Da kann man sich doch sicherlich auch mal die Frage stellen "Will ich das alles noch?" Also Instrumente durch die Gegend schleppen, im Van hocken, wenig schlafen, viel schwitzen. Den Moment hatte ich in der Tat schon, 2020/2021. Ich hatte das extreme Glück, als alles wegen Corona zusammenbrach, dass ich mit der Casper-Produktion den bisher größten Job meines Lebens hatte, was mich komplett durch diese Zeit durchgetragen hat und ich ein relativ geregeltes Leben führen konnte. Also tagsüber ins Studio und abends nach Hause und hab’ mich nach Feierabend dann auch gar nicht weiter mit Musik beschäftigt. Zu der Zeit hab mich dann schon gefragt, ob ich mir das wirklich noch weiter antun will, live unterwegs sein, ob ich wirklich noch den Schmerz brauche, Lieder zu schreiben oder ob ich nicht langsam zu alt für das alles bin. Doch dann gab es diese zwei All Diese Gewalt-Konzerte bei der PopKultur Berlin, was mich vollkommen aus meiner Komfortzone rausgeholt hat und ich dann schnell wieder gemerkt habe, dass ich das schon auch brauche, dieses Extrem. Ich bin dann wohl doch mehr Künstler als ich es mir oftmals eingestehen will. Wenn du mich fragst, ob ich eher Musiker oder Produzent bin oder in welche Richtung ich mich künftig bewege, kann ich nur sagen: Ich sehe mich einfach als Künstler. Diese Entscheidung war für mich auch eine komplett bewusste, da es nach dem Casper-Album durchaus die Möglichkeit gab, in dieser Schiene als Produzent zu bleiben oder in einen Bereich zu wechseln, wo es um Jobs geht, in denen man wirklich auch mal was verdienen kann. Diese Tür stand halt offen, aber dann merkte ich doch, dass das eigentlich nicht das ist, was ich schlussendlich für mich vorstelle. Das wäre in jedem Fall total safe gewesen.
Seit dem Erfolg mit Casper hat Rieger keine weirde Anfragen zum Produzieren bekommen. Ich bekomme eigentlich nie so größere Business-Anfragen.
Zusammenarbeit mit Swans
Rieger ist ein bekennender Swans-Fan. Bei den Swans war ich einfach Assistent als die ihr Album aufgenommen haben. Das habe ich mir so ein bisschen geleistet um da mal Einblick in den klassischen Studioalltag aus anderer Perspektive zu kriegen. Die Band nahm zuvor mal im gleichen Studio auf, wo wir auch mit den Nerven zum letzten Album waren und ich meinte zum Besitzer des Studios „Wenn die Swans nochmal wiederkommen sollten, sag mir mal bitte Bescheid, da würde ich gerne Assistenz machen.“ Durfte ich dann auch, komplett ohne Bezahlung, und hab echt nur den letzten HiWi gemacht, so jeden Tag runter zur Markthalle und für alle Fischbrötchen holen, einmal wieder komplett unten anfangen mit so richtigen Opfer-Jobs. Aber das war gut für mich, weil ich das Studioleben so nie kennengelernt hab, da ich immer als Künstler eingestiegen bin und das Studio eher von oben kenne, also als jemand der Entscheidungen trifft und Leute delegiert. Und da war’s so: okay, ich bin halt irgendwie der Praktikant und alle machen mit mir was sie wollen.
Was befriedigt Rieger als Künstler am meisten?
Ich würde mich ungern für eine Sache entscheiden wollen, das eine geht nicht ohne das andere. Intensive Studioarbeit geht nur weil intensives Touren und das geht wiederum nur weil intensives Zuhause sitzen und einfach nachdenken und das geht auch nur mit Spazieren gehen und Texte schreiben. Es muss sich alles die Waage halten. Mein ganzes Leben mit den Nerven auf Tour zu gehen: Bitte nicht! Mein ganzes Leben nur im Studio zu sitzen: Bitte nicht! Mein ganzes Leben nur All Diese Gewalt-Platten machen: Bitte nicht!
All Diese Gewalt: Abstinenz von Bühnen
Eine Besonderheit, die All Diese Gewalt von Max’ Hauptband unterscheidet, dürfte die Abstinenz von Bühnen sein. Drehen Die Nerven gerne mal 3 Runden zu einer Platte durch die Clubs, gibt es seit Jahren keine All Diese Gewalt-Shows mehr. Ausnahme waren in jüngerer Vergangenheit zwei Auftritte 2021 bei der PopKultur Berlin im Rahmen einer Comissioned Work. Die beiden Auftritte fanden bestuhlt zu Corona-Zeiten statt und ich erinnere mich noch, wie es mich weggepustet hat und wie befreiend es sich anfühlte, endlich wieder gescheiten Lärm von einer Bühne zu hören. Nachts schrieb ich einem Freund noch eine Nachricht: „All Diese Gewalt waren GOTTGLEICH!“, es gab also was zu erleben.
Der Aufwand ist zeitlich und finanziell zu krass - ganz simpel. Diese Popkultur-Sache war eine Ausnahme, weil das Festival halt ganz andere Gelder hat und es sich so lohnte, sich mit 5 Leuten fast 1 Monat lang vorzubereiten, sowas geht normalerweise nicht. Ein bisschen stresst mich aber auch der Gedanke, mit All Diese Gewalt zu touren. Licht ist zum Beispiel auch ein großer Faktor, um den man sich Gedanken machen muss oder könnte. Überhaupt das ganze Bühnen Set Up und w…
Die Nerven: Auf dem Gipfel der Entwicklung
Die rasante Entwicklung von Die Nerven erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt. “Du hast 15 Sekunden/ Biete mir was an” - Max Riegers Aufforderung in “15 Sekunden” ist eindeutig. Aber Die Nerven halten sich nicht daran. Stattdessen eröffnen die viereinhalb Minuten von “Europa” ein Album, das die bisherige Entwicklung der Band zum Meisterstück verdichtet. Daran hat auch die Umtriebigkeit der drei Bandmitglieder ihren Anteil. Max Riegers Arbeit als Produzent für Drangsal, Friends Of Gas oder Ilgen-Nur, Julian Knoths Alben mit dem Peter Muffin Trio, Kevin Kuhns unermüdlicher Einsatz in zig Bands - all das zahlt sich auf “Die Nerven” aus. Kuhns Lernkurve vom Arne Zank des Noiserock zum hochmusikalischen Drummer ist ebenso steil wie Riegers Expertise groß, den Sound von Die Nerven perfekt einzufangen, während Knoth inzwischen noch genauer weiß, wann er seinen Bass durchs Effektpedal jagen muss. Das alles kulminiert in einem Album ohne einen schlechten Song, eine Platte, deren Hitdichte einen atemlos macht. Endlich hat man den Eindruck, die drei arbeiten nicht mehr gegen-, sondern miteinander, was sich auch darin manifestiert, dass Rieger und Knoth sich den Gesang in einigen Songs teilen. “Europa” ist einer von ihnen und schon jetzt einer der Songs des Jahres. Unabhängig davon, ob der Text des Songs nun aktuell oder pandemiebedingt zwei Jahre alt ist - Europa als Idee bröckelt mindestens seit der menschenverachtend betitelten “Flüchtlingskrise” Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Im Text artikuliert sich das Erstaunen darüber, dass es ernsthaft Leute gibt, die an dieser grandiosen Idee zweifeln, als auch die Angst davor, dass es damit bald zu Ende sein könnte. Direkt im Anschluss erteilen Die Nerven Nationalstaaten eine Absage. “Ich sterbe jeden Tag in Deutschland” reiht sich ein auf der Liste der großen Abarbeitungen an einem Land, das für die dunkelste Stunde der Menschheit verantwortlich ist. Auch textlich haben sich Die Nerven gestrafft. Musikalisch fährt “Die Nerven” groß auf: Das erwähnte “Der Erde gleich” punktet durch Tempowechsel, bei “Ein Influencer weint sich in den Schlaf” und “180º” kommen Streicher ins Spiel, “Ich sterbe jeden Tag in Deutschland” endet - recht plakativ - mit einem Feuerwerk, während Kuhn in seinen Fills klingt, als hätte er das aktuelle Kvelertak-Album in Dauerrotation gehört und wäre nicht Drummer einer Post-Punk-Band, die den Noise-Anteil in ihrer Musik deutlich reduziert hat. Das Bemerkenswerte an “Die Nerven” ist, dass das Album bei aller Zeitgeistigkeit, die sich auch in Zeilen niederschlägt wie “Wer reguliert die Sprache/ Wer kuratiert die Realität?” aus “Alles reguliert sich selbst”, an die umstürzlerische Kraft von Gitarre, Bass und Schlagzeug glaubt.
Studio Nord Bremen: Ein kreativer Ort
Das Studio Nord hat einen unfassbaren Vibe, eine einzigartige Akustik und ein fantastisches Team. Definitiv eines meiner absoluten Lieblingsstudios. Equipment zum Niederknien. Eigentlich fast unfair geil… Das Studio Nord ist etwas, das es in der Form fast nicht mehr gibt. Ein ECHTES, klassisches Tonstudio. erzählen Geschichten. Es gibt Musikstudios und es gibt MUSIKstudios. Das Studio Nord gehört ganz klar zur zweiten Kategorie. Warum? Weil hier die Musik immer im Vordergrund steht. Und das obwohl hier die feinste Technik vorhanden ist. Geht unbedingt hin!Gregor Hennig ist nicht nur der schnellste, er ist auch mit Abstand der netteste Studiobesitzer der Welt. Im Obergeschoss des über 100 Jahre alten Hauses steht eine 95m² große Wohnung mit vier Zimmern, Küche und Badezimmer bereit. optimal fördert. Das Studio Nord befindet sich in einem ehemaligen Tanzlokal, umgeben von öffentlichen Parks, noblen Anwesen und Bauernhöfen. Der Bahnhof Bremen-Oberneuland liegt ebenfalls nur wenige Schritte entfernt.
Mit dem riesigen Aufnahmeraum, der Musikerwohnung, der großen Küche und dem Garten kann man hier sehr gut Zeit verbringen und in Ruhe Musik entstehen lassen. In den mondänen Tonstudios der Siebziger Jahre abhängen und an neuen Songs schrauben - dafür bin ich zu spät geboren. Zum Glück gibt es ja aber das Studio Nord in Bremen. Als meine Lieblingsstudios in der Nalepastrasse geschlossen wurden, war ich erstmal total deprimiert und meinte so einen stimmungsvollen Ort nie wieder zu finden. Ich wurde eines Besseren belehrt! mir Leute vom Studio Nord und dass ich mir das mal ansehen müsse. Gesagt getan. Und es war Liebe auf den ersten Blick. & Outboard, das nicht nur kultig ist, sondern auch geil klingt und super gewartet wird. Wer im Studio Nord aufnehmen darf, kann sich glücklich schätzen. Jedes Mal, wenn ich im Studio Nord war, war es eine große Freude, in so einer entspannten Atmosphäre Musik zu machen. Einen fetteren Sound kriegt man nirgends! Das Studio Nord verfügt über eine komplette Ausstattung der 1950er Jahre aus erster Hand: das handgefertigte Mischpult aus den ersten Tagen und eine der ersten Mehrspurmaschinen sind betriebsbereit erhalten. Vintage-Mikrofone aus den goldenen Zeiten der Tontechnik ist einzigartig.
Gregor Hennig ist mit elektronischen Klangerzeugern aufgewachsen. Punk. Während der letzten 30 Jahre hat Gregor Hennig in Hamburg, London Hannover und Bremen etwa 250 Alben produziert. Mit dem Studio Nord hat Gregor Hennig einen phantastischen Ort, wo richtige Liverecordings möglich sind. Inmitten von alten Kastanien, weit weg vom Alltag, mit einer tollen Bandwohnung on top. Ich bin Wiederholungstäterin. fast 25 Jahren arbeite ich immer wieder mit Gregor Hennig zusammen. Er war der Erste, der mit mir als junge Musikerin auf Augenhöhe gearbeitet hat. Idee zählt, wenn wir nicht einer Meinung waren. war schon in seiner Kindheit fasziniert vom Spannungsfeld zwischen Musik und Technik. auch Zugang zum dortigen Tonstudio suchte und fand. Nach Zeitverträgen in Göttingen und Kiel kam er schließlich 2001 als Hornist zu den Bremer Philharmonikern, für die er auch diverse Tonträger und Clips produzierte.
Der Raum (ein alter Ballsaal) klingt fantastisch: offen, fett, transparent, natürlich. bewegt sich als Musiker und Produzent zwischen Klangwelten. Mit Gespür für Atmosphäre und einem feinen Sinn für Details begleitet er Projekte von der ersten Idee bis zum finalen Mix. - sind Ausdruck seiner Neugier auf Klang und Struktur. In seiner Arbeit geht es weniger um Perfektion als um Gefühl: den Moment, in dem ein Song atmet. das Suchen nach ungehörten Tönen, das Entstehenlassen von Klangräumen, in denen Musik ihre eigene Sprache findet. Das Studio Nord ist eines der schönsten und besten Studios der Welt. Ein magischer Ort.
Studio Nord Akademie
Die Studio Nord Akademie ist der ideale Raum, um Musikproduktion real zu begreifen. In einem Umfeld, das inspiriert und alle Möglichkeiten bietet, mit Menschen, die so richtig wissen, wie es geht. Die SNB Winterschool besteht aus drei miteinander verbundenen Präsenz-Seminaren, die sowohl einzeln als auch als Paket gebucht werden können. Geeignet ist die Winterschool für alle, die live erfahren möchten, wie die berühmten Songs unserer Zeit entstehen. jeder Menge neuem Wissen nach Hause fahren.
Wie gestalte ich eine Komposition und deren Arrangement so, dass sie das vermitteln, was ich damit sagen will? Michelle Leonard ist eine britische Sängerin, Multi-Platin-Songwriterin, Artist Developer, Dozentin und Verlegerin.Sie ist seit ihrem 16. Zoe, Rolex und Ford KA verwendet. Seit 2004 unterrichtet sie Songwriting an der Popakademie und hat Workshops am Columbia College Chicago und an der SRH Berlin geleitet. im EU-Parlament (2019) und bei globalen Musikindustrie-Events, und führt weltweit Workshops durch. Wie bekomme ich eine musikalische Vorstellung so umgesetzt, dass ihr Vibe bestmöglich gestärkt wird? Moses Schneider gilt als unangefochtener Experte für Live-Recording im Studio und ist einer der bekanntesten deutschen Tontechniker.Unter anderem hat er neue Mikrofonierungs-Standards wie z.B. Moses Schneider hat seit Ende der 80er mehr als einhundert Alben produziert, manche von ihnen, wie Beatsteaks‘ SmackSmash oder AnnenMayKantereit‘s Debüt haben einen sicheren Platz in so mancher Ewigenliste gefunden. zu vergessen KIZ Hurra die Welt geht unter und sein persönliches Highlight Kreator‘s Hordes Of Chaos. Bands wie SEEED oder das Produzenten-Trio Die Krauts arbeiten regelmäßig mit ihm zusammen als Toningenieur. machen Bling Bling«. Welche Möglichkeiten gibt es, alles aus einer Aufnahme herauszuholen? Chris von Rautenkranz prägte die sogenannte „Hamburger Schule“ wie kein Zweiter - Produktionen für Blumfeld, Tocotronic oder Die Sterne zeugen davon. Blond, Friedberg, Leoniden, Matze Rossi und Kraftklub setzen auf seine Skills als Mixing und Mastering Engineer. verfügt auch über ein so umfassendes Detailwissen über analoge und digitale Technik, dass man in seiner Gegenwart das Internet getrost abschalten kann.
Die Grundidee der Winterschool ist, drei Facetten der Musikproduktion anhand eines Songs zu beleuchten. Beides. Die Winterschool richtet sich an Profis, die über ihren Tellerrand schauen wollen und Studierende auf der Suche nach Einblicken in die Praxis - sowie an Einsteigende und ambitionierte Laien, die Studioluft schnuppern wollen. bisherige Erfahrung zeigt, dass sich das viel besser verbinden lässt, als es zunächst scheinen mag. Da die meisten Teilnehmenden voraussichtlich deutschsprachig sind, ist es naheliegend, die Workshops in deutscher Sprache zu halten. Erstens: die Gruppengröße. Zweitens ist unsere Besetzung hochkarätig. Unsere Dozierenden haben jahrzehntelange Erfahrung in der Praxis und in der Vermittlung ihres Fachs. Das hängt vom Thema ab. Wir haben ausführlich mit unseren Dozierenden über Struktur und Inhalt der Workshops beraten und es wird natürlich unterschiedlich ausfallen. die zur Gruppe und zum Thema passt. Ja. Die praktische Erfahrung vor Ort, in einer realen und inspirierenden Umgebung ist der Kern der Winterschool. Dazu gehören praktische Übungen. In welcher Form das für den jeweiligen Bereich sinnvoll ist, variiert. Aufnahme und Klangbearbeitung erfolgen digital. Das analoge Equipment des Studio Nord wird als Beispiel häufig eine Rolle spielen, der Ansatz ist aber grundsätzlich, Techniken zu vermitteln, die Ihr zuhause auch anwenden könnt. wird der praktische Teil digital erfolgen. Nicht alles, aber mehr. Es geht bei der Winterschool nicht um einen umfassenden Überblick über sämtliche mögliche Praktiken, sondern darum, Profis direkt zu begegnen und von ihrer persönlichen Erfahrung zu profitieren. nicht beibringen"wie es geht", das kann übrigens niemand. Wir geben Dir etwas Wertvolleres: einen tiefen Einblick in den reichen Erfahrungs- und Wissensschatz unserer Profis.