Ursachen für Mehrere Epileptische Anfälle Hintereinander

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Die Symptome und Ursachen von Epilepsie sind vielfältig, und die Behandlung zielt darauf ab, Anfälle zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv sind und Nervenzellen übersteigert feuern. Dies löst die sogenannten epileptischen Anfälle aus. Eine Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten. Manche Menschen haben schon in der Kindheit ihren ersten Anfall, andere erst im Alter. Zwischen den Anfällen zeigen sich meist keine körperlichen Beschwerden. Durch Medikamente kann es gelingen, Anfälle zu verhindern und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Leider helfen Medikamente aber nicht immer: etwa 3 von 10 Betroffenen haben weiter regelmäßig Anfälle.

Vielfalt der Anfallsformen

Ein epileptischer Anfall kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Er kann wenige Sekunden dauern und sogar unbemerkt bleiben, nur einen einzelnen Arm oder ein Bein betreffen oder den ganzen Körper erfassen. Manche Menschen werden bewusstlos, andere sind nur kurz abwesend oder bleiben bei vollem Bewusstsein.

Epileptische Anfälle können in zwei Hauptkategorien eingeteilt werden: generalisierte und fokale Anfälle.

Generalisierte Anfälle

Generalisierte Anfälle erfassen das gesamte Gehirn. Es gibt verschiedene Arten von generalisierten Anfällen:

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  • Tonisch: Die Gliedmaßen verkrampfen und versteifen sich.
  • Atonisch: In einem Teil des Körpers lässt plötzlich die Muskelspannung nach. Zum Beispiel kann das Kinn auf die Brust fallen oder die Beine können einknicken.
  • Klonisch: Große Muskelgruppen zucken in langsamem Rhythmus, etwa an den Armen oder Beinen.
  • Myoklonisch: Einzelne Muskelgruppen zucken rasch.
  • Absence-Anfälle: Plötzliche, kurze Bewusstseinsverluste ohne Krämpfe.
  • Tonisch-klonische Anfälle: Bewusstseinsverlust und heftige Muskelkrämpfe des gesamten Körpers.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, für welche Funktion dieser Bereich zuständig ist: zum Beispiel ein Zucken des Arms (motorischer Anfall), eine Gefühlsstörung (sensorischer Anfall) oder eine Veränderung des Sehens (visueller Anfall).

Bei einem fokalen Anfall kann es vorkommen, dass man ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen hat, anders hört, sieht, riecht oder geistig abwesend ist. Auch Schwindel, Angstzustände oder Halluzinationen sind möglich. Dies wird als Aura bezeichnet. Andere Menschen schmatzen, grimassieren, stammeln, laufen ziellos umher oder nesteln an Dingen herum. Fokale Anfälle können mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen. Fokale Anfälle werden auch als partielle oder lokalisationsbezogene epileptische Anfälle bezeichnet. Diese Anfälle gehen immer von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Man unterscheidet fokale Anfälle mit Bewusstseinseinschränkung (früher auch komplex-fokal genannt) und fokale Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung (früher einfach fokale Anfälle). Im ersten Fall nimmt der Patient oder die Patientin den epileptischen Anfall nicht bewusst wahr und kann sich später an nichts erinnern. Bei Erwachsenen ist dies die am häufigsten beobachtete Anfallsform. Fokale epileptische Anfälle, vor allem solche mit Bewusstseinsstörung, können in einen sogenannten sekundär generalisierten Anfall (auch bilateral tonisch-klonischer Anfall) übergehen, der dann beide Gehirnhälften betrifft. Die Symptome fokaler Anfälle richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn. Eine häufige Anfallsform fokalen Ursprungs sind vegetative fokale Anfälle. Auch plötzliche Angst, Wut oder Halluzinationen werden in der Literatur beschrieben. Die Sinneswahrnehmung kann durch einen fokalen Anfall gestört werden. So kann Sehen, Hören, Schmecken, Riechen oder Tasten durch den Anfall so beeinträchtigt sein, dass Betroffene Blitze sehen, Geräusche oder Stimmen hören, einen komischen Geschmack im Mund haben, etwas Merkwürdiges riechen oder Temperatur-Missempfindungen, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen spüren. Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch sogenannte Automatismen geprägt. Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster, wie z. B.

Neben epileptischen Anfällen gibt es auch funktionelle Anfälle, deren Symptome denen einer Epilepsie ähnlich sehen können. Die Ursache ist jedoch eine andere, weshalb auch eine andere Art der Behandlung erforderlich ist.

Ursachen von Epilepsie

Epilepsien können durch zahlreiche Ursachen ausgelöst werden. Dazu gehören in etwa einem Drittel der Fälle strukturelle Veränderungen im Gehirn, die beispielsweise durch Verletzungen, Tumore oder einen Schlaganfall entstanden sind. Am zweithäufigsten sind genetische Ursachen.

Epilepsie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter genetische Veranlagung, Hirnverletzungen, Infektionen, Hirntumore, Schlaganfälle oder Entwicklungsstörungen. Ist die Ursache für die Erkrankung unbekannt, spricht man von einer kryptogenen Epilepsie. Entsteht sie durch strukturelle Veränderungen des Gehirns oder Grunderkrankungen, spricht man von einer symptomatischen Epilepsie.

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Zusätzlich gibt es weitere Risikofaktoren, die einen epileptischen Anfall auslösen können:

  • Äußere Reize wie flackerndes Licht
  • Bestimmte Umstände wie Schlafmangel, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Alkohol, Betäubungsmittel oder hohes Fieber

Einige Auslöser, wie bestimmte Krankheiten oder Umstände, insbesondere Fieberkrämpfe bei Kindern können auch zu Gelegenheitsanfällen führen, obwohl keine Epilepsie vorliegt.

Es gibt genetische Veränderungen, die dazu führen, dass Nervenzellen im Gehirn grundsätzlich mehr dazu neigen, sich spontan synchron zu entladen. Neben solchen genetischen Ursachen, bei denen eine Epilepsie häufig schon im Kindes- oder Jugendalter auftritt, gibt es viele unterschiedliche erworbene Hirnveränderungen: Nach einem Schlaganfall zum Beispiel oder ausgelöst durch ein Schädelhirntrauma nach einem Unfall. Allerdings wird oft auch keine eindeutige Ursache gefunden.

Epileptische Anfälle treten auch als Zeichen von Entzündungen im Gehirn auf, beispielsweise bei akuten Infektionen mit Viren oder Bakterien (Meningitis, Enzephalitis) oder bei seltenen Autoimmunkrankheiten des Gehirns. Hier ist es wichtig, den Auslöser schnell zu finden und zu behandeln.

Diagnose von Epilepsie

Bei der Diagnose einer Epilepsie steht die Beschreibung der Anfallsereignisse ganz im Vordergrund. Neben den Schilderungen der/des Betroffenen ist es in der Regel sehr hilfreich, ergänzend auch die Beschreibung eines Anfallsbeobachters zu erfragen.

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Voraussetzung für eine sichere Diagnose ist eine möglichst genaue Beschreibung des Anfalls auch durch Augenzeugen. Wichtige Fragen dabei sind zum Beispiel: Was ging dem Anfall voraus? Wie sah der Sturz aus, wenn es einen gab? Waren die Augen geöffnet oder geschlossen? Auf welcher Körperseite begannen die Verkrampfungen? In welche Richtung war der Kopf gedreht?

Üblicherweise wird ein EEG geschrieben, um die Hirnströme abzuleiten und mögliche Anhaltspunkte für epilepsietypische Veränderungen zu erhalten. Außerdem kann mithilfe eines EEGs unter Umständen festgestellt werden, ob es sich um eine generalisierte oder um eine fokale Epilepsie handelt und in welcher Hirnregion ggf. Verschiedene Laboruntersuchungen des Blutes und evtl. auch des Nervenwassers werden ebenfalls zur Diagnostik herangezogen. Epilepsietypische Auffälligkeiten können sich im Elektroenzephalogramm (EEG) oder Kernspintomogramm (MRT) bereits nach einem erstmalig auftretenden epileptischen Anfall zeigen.

Epilepsie wird durch eine umfassende Anamnese, verbunden mit körperlichen Untersuchungen und speziellen Tests wie das EEG (Elektroenzephalogramm) und bildgebenden Verfahren, wie MRT oder CT diagnostiziert. Besteht der Verdacht auf eine genetische Veranlagung oder eine Stoffwechselstörung, werden weitere genetisches Tests notwendig.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung einer Epilepsie beruht vorrangig auf Medikamenten. Hierbei ist es wichtig, die individuell geeignete Wirksubstanz und die richtige Dosis herauszufinden. Das erfordert von Patientenseite oftmals Geduld, da sich der Erfolg einer Therapie erst im Verlauf beurteilen lässt und nicht selten verschiedene Medikamente ausprobiert werden müssen. Ebenso kann es sein, dass ein Medikament nicht vertragen und gewechselt wird.

Zu den wichtigsten Therapiemöglichkeiten zählen bestimmte Medikamente: Täglich eingenommene Antiepileptika sorgen dafür, dass die Nervenzellen gehemmt und dadurch beruhigt werden. Bei knapp 70 Prozent der Patienten helfen solche Medikamente gut. Dabei reicht häufig bereits ein einzelnes Medikament aus, manchmal wirkt nur eine Kombination von zwei oder mehr Medikamenten. Mittlerweile gibt es rund 30 verschiedene Medikamente gegen Epilepsie. Moderne Wirkstoffe haben oft weniger Nebenwirkungen.

Wenn die epileptischen Anfälle durch eine bestehende Grunderkrankung ausgelöst werden, behandelt der Neurologe diese Erkrankung und empfiehlt die begünstigten Faktoren zu vermeiden. In den meisten Fällen wird Epilepsie medikamentös mithilfe von Antiepileptika behandelt. Die Einnahme erfolgt über mehrere Jahre und die Medikamente werden erst abgesetzt, wenn keine Anfälle mehr aufgetreten sind. Einige Medikamente müssen ein Leben lang eingenommen werden.

Abhängig von der Epilepsieform und dem Krankheitsverlauf stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Bei einem fokalen Ursprungsort kann geprüft werden, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff eine Behandlungsoption ist. Dafür müssen allerdings verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, die durch eingehende Untersuchungen verschiedener Fachdisziplinen genau überprüft werden. Wenn Medikamente nicht ausreichend wirksam sind und eine Operation nicht in Frage kommt, bieten Neurostimulationsverfahren (v.a. die Vagusnerv-Stimulation oder die tiefe Hirnstimulation) unter Umständen eine weitere Behandlungsmöglichkeit. Mit diesen Verfahren wird häufig eine deutliche Verringerung der Anfallshäufigkeit bzw.

Für Patienten, bei denen die Antiepileptika nicht ausreichend wirken, kommen weitere Therapiemöglichkeiten in Betracht. Bei einer Vagusnervstimulation wird ein Schrittmacher - ähnlich einem Herzschrittmacher - unter die Haut im Brustbereich implantiert. Das Gerät erzeugt elektrische Impulse, die vom Vagusnerv am Hals ins Gehirn geleitet werden. Ebenfalls auf Basis einer Elektrostimulation arbeitet ein neueres Verfahren, bei dem eine dünne Silikonscheibe mit Platinkontakten unter die Kopfhaut geschoben wird. Auch bei diesem Verfahren gehen die elektrischen Impulse von einem Schrittmacher aus, der im Brustbereich unter die Haut gesetzt wird. Durch diese Therapie soll eine tiefgehende und fokussierte Stimulierung des Gehirns möglich sein, ohne das Gehirn selbst zu berühren.

Operative Verfahren kommen nur in Frage, wenn sicher festgestellt wird, von welcher Stelle im Gehirn die Anfälle genau ausgehen, also bei fokalen Epilepsien. Dann müssen weitere Untersuchungen in einem Neurochirurgischen Zentrum zeigen, ob die Entfernung des Focus ohne größere Gefahr möglich ist, oder ob der Eingriff zu Lähmungen, Sprachstörungen oder anderen Ausfällen führen würde.

Wenn die Medikamente wirkungslos bleiben, bestehen folgende Alternativen:

  • Operation: Treten fokale Anfälle auf, kann es helfen, die auslösenden Bereiche des Gehirns zu entfernen. Diese Variante ist aber nicht immer möglich.
  • Vagusnerv-Stimulation: Ein Schrittmacher, der im unteren linken Schlüsselbein implantiert wird, sendet elektrische Impulse an den Vagusnerv, die die Überaktivität der Nervenzellen hemmen sollen. Aussagekräftige Studien zu dieser Variante gibt es bisher allerdings noch nicht.

Ergänzend kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Leben mit Epilepsie

Epilepsien haben in den meisten Fällen Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen. Manche Lebensbereiche werden durch klare gesetzliche und behördliche Vorgaben eingeschränkt, in anderen Bereichen müssen Betroffene einen eigenen Umgang mit den Herausforderungen finden.

Menschen mit Epilepsie können meist nicht vorhersagen, ob und wann sie einen epileptischen Anfall bekommen. Und genau das macht ihn gefährlich: Gerade bei einem großen Anfall - der Fachbegriff heißt "bilateral tonisch-klonischer" Anfall - kann es durch Bewusstlosigkeit zu Stürzen und damit verbunden zu Verletzungen kommen. Aber auch die häufigeren kleineren Anfälle können Betroffene körperlich und psychisch belasten. Hinzu kommen Vorurteile und Stigmata, die den Alltag für Menschen mit Epilepsie zusätzlich erschweren. So ist im Verlauf der Erkrankung das Risiko für eine Depression erhöht. Insgesamt haben Menschen mit Epilepsie ein erhöhtes Sterberisiko. Plötzliche unerwartete Todesfälle (SUDEP, engl. Sudden unexpected death in epilepsy) kommen auch in eigentlich weniger gefährlichen Situationen vor, zum Beispiel nachts im Bett.

Menschen mit Epilepsie dürfen nicht selbst Auto fahren, wenn sie in den vergangenen zwölf Monaten einen Anfall hatten. In diesem Fall sollte man zum Beispiel nicht alleine schwimmen gehen. Denn wenn ein epileptischer Anfall im Wasser auftritt und nicht sofort ein Rettungsschwimmer zur Stelle ist, kann das tödlich enden: So ist auch die Haupttodesursache von Menschen mit Epilepsie ein Tod durch Ertrinken. Ebenfalls vorsichtig sein sollten Betroffene beim Baden in einer Badewanne sein - auch hier kann es zum Ertrinken kommen. Alle Menschen mit Epilepsie sollten sich zum Thema Fahrverbot / Fahrerlaubnis / Fahrtauglichkeit / Führerschein unbedingt fundiert von ihrem behandelnden Arzt beraten lassen.

Individuelle Aufklärung und Beratung von Betroffenen und ihren Angehörigen sind wichtig, um das Risiko für einen SUDEP zu verringern. Im Vordergrund steht, dass sich der Betroffene während eines Anfalls nicht verletzt. Wenn er oder sie bereits auf dem Boden liegt, zucken häufig Arme und Beine oder sie wirken versteift. Auch der Kopf kann zucken und dabei immer wieder auf den Boden aufschlagen. Manchmal kommt es zu einem Zungenbiss, dennoch sollte man niemals versuchen, während des Anfalls etwas in den Mund zu schieben. Der Blutverlust beim Zungenbiss ist sehr gering, durch die Verdünnung mit Speichel wirkt es mehr, als es ist. Daher gilt: Ruhe bewahren. Der Anfall selbst ist meist nach ungefähr einer Minute vorbei. Um die Zeit sicher zu messen, lohnt ein Blick auf die Uhr. Die Beobachtungen der Augenzeugen liefern später oft entscheidende Informationen bei der Diagnosefindung.

Nach einem großen Anfall kann es sein, dass die Person nicht direkt wieder orientiert oder kommunikationsfähig ist. Dafür braucht es meist 15 bis 30 Minuten, bei älteren Patienten kann es auch länger dauern. Manche Menschen mit bekannter Epilepsie können sich aber auch schnell erholen und ihrer Tätigkeit weiter nachgehen. Nach einem ersten Anfall ist aber immer zügig eine ärztliche Untersuchung notwendig.

Informationen und gegenseitige Unterstützung bieten auch Selbsthilfegruppen.

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Ein einzelner epileptische Anfall ist nicht zwingend ein Notfall. Die allermeisten Anfälle hören von selbst wieder auf.

Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

Wenn eine Person in Ihrem Umfeld einen epileptischen Anfall hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Schritte zu befolgen:

  1. Sichern Sie die Umgebung: Entfernen Sie gefährliche Gegenstände.
  2. Schützen Sie den Kopf: Legen Sie ein Kissen oder Ihre Hände unter den Kopf der betroffenen Person.
  3. Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die Person während des Anfalls zu fixieren.
  4. Seitenlage: Drehen Sie die Person nach einem Anfall in die stabile Seitenlage, um die Atmung zu erleichtern.
  5. Zeit messen: Notieren Sie die Dauer des Anfalls. Ein Notruf ist erst dann erforderlich, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder sofort ein zweiter Anfall folgt.

Wenn der Betroffene bereits epileptische Anfälle hatte und ein Notfallmedikament besitzt, sollten Sie wie folgt vorgehen:

  • Buccaltablette: in die Wange legen und darauf achten, dass die Atemwege frei bleiben.
  • Creme: über die Tube in den After einführen.

Grundsätzlich sollten Sie jedoch die Notfallmedikation nur verabreichen, wenn Sie in der Anwendung geschult sind. Ansonsten sollten Sie auf professionelle Hilfe warten.

Bei einem großen generalisierten Anfall verkrampft der ganze Körper und die Person verliert das Bewusstsein. In diesen Fällen sollten Sie Folgendes tun: Ein epileptischer Anfall kann verschiedene Ursachen haben und das Symptom eines lebensbedrohlichen Notfalls sein. Wählen Sie daher immer den Notruf 112 und rufen Sie professionelle Hilfe. Sorgen Sie für Sicherheit, indem Sie z. B. gefährliche Gegenstände beiseite räumen. Polstern Sie den Kopf desr Betroffenen ab. Nehmen Sie seine/ihre Brille ab. Lockern Sie enge Kleidung am Hals, um die Atmung zu erleichtern. Bitten Sie Menschen, die in der Situation nicht helfen können, weiterzugehen. Viele Epileptikerinnen haben eine „Notfalltablette“ dabei, die einen längeren Anfall beenden kann. Diese Tablette sollte dem*r Betroffenen jedoch von geschulten Hilfspersonen verabreicht werden. Wenn Sie selbst nicht darin geschult sind, warten Sie bis professionelle Hilfe angekommen ist. Bleiben Sie nach dem Anfall bei der Person und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Wenn die Person nach dem Anfall erschöpft ist und einschläft, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.

Das sollten Sie in keinem Fall tun:

  • Dieden Betroffenen festhalten oder zu Boden drücken
  • der betroffenen Person etwas in den Mund schieben - auch wenn sie sich in die Zunge beißt

Fehldiagnosen und Differenzialdiagnosen

Die Rate an Fehldiagnosen eines epileptischen Anfalls oder einer Epilepsie liegt laut Studien zwischen rund fünf und 30 Prozent. Bei leichteren Anfällen, die ohne motorische Symptome auftreten, werden epileptische Anfälle häufig nicht diagnostiziert. Auch schlafbezogene Bewegungs- und Verhaltensstörungen, Ticks oder Panikattacken werden mit epileptischen Anfällen verwechselt.

Tritt ein Anfall zum ersten Mal auf, sollte umgehend medizinisch überprüft werden, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall gehandelt hat.

Es gibt auch Anfälle, in denen der Betroffene die Muskelspannung verliert und zusammensackt. Solche Anfälle werden als atonische Anfälle bezeichnet. Sie sind leicht zu verwechseln mit einer Ohnmacht (Synkope), einem kurzzeitigen Kreislaufzusammenbruch. Hier muss besonders genau unterschieden werden.

Auch psychische Ausnahmesituationen können zu Anfallsphänomenen führen, die als epileptisch fehlgedeutet werden. Sie könnten eine unnötige Behandlung einleiten, wobei gleichzeitig womöglich die notwendige Behandlung der Psyche unterbleibt. Schlafphänomene können wie Anfälle aus dem Schlaf aussehen. So gibt es Verhaltensstörungen bei älteren Menschen im Schlaf, die nichts mit epileptischen Anfällen zu tun haben, aber wie Anfälle aus dem Stirnlappen im Gehirn aussehen können.

Die Diagnose eines Krampfanfalls erfordert viel Sorgfalt, damit die therapeutischen Weichen nicht falsch gestellt werden.

Ziel der Behandlung

Das Ziel der Epilepsie-Behandlung ist die Anfallsfreiheit. In der Regel müssen dafür dauerhaft Medikamente eingenommen werden. Ob ein Absetzen nach mehreren anfallsfreien Jahren sinnvoll sein kann, muss individuell abgewogen werden. Man spricht bei Epilepsie nicht von einer "Heilung" sondern davon, dass die Krankheit überwunden ist. Das ist dann der Fall, wenn man länger als zehn Jahre keinen epileptischen Anfall mehr hatte und seit über fünf Jahren kein Antiepileptikum mehr eingenommen hat.

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