Morton Neuralgie: Innovative Eisbehandlung zur Schmerzlinderung

Die Morton Neuralgie, auch bekannt als Morton Neurinom oder Morton Neuritis, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch eine Verdickung des Nervengewebes im Vorfußbereich gekennzeichnet ist. Diese Verdickung betrifft meist die Nervenscheiden zwischen der zweiten und dritten oder dritten und vierten Zehe und kann zu stechenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen und einem Gefühl des "Schnappens" im Fuß führen. Obwohl die Ursachen nicht vollständig geklärt sind, tragen Faktoren wie Fehlbelastungen, enges Schuhwerk, Übergewicht und anatomische Veränderungen des Fußes zur Entstehung bei. Eine frühzeitige und zielgerichtete Behandlung ist entscheidend, um langfristige Beschwerden zu vermeiden.

Kryoneurolyse: Ein Überblick

Die Kryoneurolyse, auch Kryoanalgesie genannt, ist eine spezielle Technik zur langfristigen Schmerzlinderung bei Neuralgien, Nervenschmerzen und Neuromschmerzen. Sie basiert auf der Anwendung von Kälte, um die Nervenfunktion zu beeinflussen und Schmerzen zu reduzieren.

Historischer Hintergrund

Die schmerzlindernde Wirkung von Kälte ist seit der Antike bekannt. Bereits Hippokrates (460-377 v. Chr.) beschrieb die Verwendung von Eis zur Schmerzlinderung. Im Laufe der Geschichte wurde Kälte in verschiedenen Kulturen und Kontexten zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt. Im 19. Jahrhundert wurden kalte Solemischungen zur Schmerzlinderung bei Amputationen verwendet. Die moderne Kryoanalgesie entwickelte sich in den 1960er Jahren mit der Einführung von Geräten, die flüssigen Stickstoff verwendeten, um Temperaturen von bis zu -190°C zu erreichen.

Neurale Anatomie und Neurophysiologie

Um die Wirkungsweise der Kryoneurolyse zu verstehen, ist es wichtig, die Struktur und Funktion der Nerven zu betrachten. Jeder Nerv besteht aus einem Bündel von Axonen, die von Bindegewebe umgeben sind. Das Endoneurium umhüllt jedes Axon, während das Perineurium Faszikel aus Axonen umgibt. Mehrere Faszikel bilden zusammen den Nerv, der von einer äußeren Schicht, dem Epineurium, umgeben ist. Myelinisierte Nerven, deren Axone von Myelinscheiden der Schwann-Zellen umgeben sind, leiten elektrische Nervenimpulse schneller als nicht-myelinisierte Nerven.

Klassifikation von Nervenverletzungen

Nach Seddon und Sunderland werden Nervenverletzungen in verschiedene Schweregrade eingeteilt, die die Verletzung der Nervenanatomie und die mögliche Regeneration widerspiegeln:

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  • Neuropraxie: Geringste Schädigung, reversible Leitungsunterbrechung (z.B. "eingeschlafene Beine"), entspricht einer Kälteexposition von +10°C bis -20°C.
  • Axonotmesis: Verlust der Kontinuität des Axons mit Wallerscher Degeneration distal der Verletzung, aber erhaltenen Hüllstrukturen, ebenfalls reversibel mit einer Regenerationszeit von bis zu 24 Monaten, entspricht einer Kälteexposition von -20°C bis -100°C.
  • Neurotmesis: Irreversible anatomische Unterbrechung der Axone sowie des Peri- und Epineuriums, tritt bei Temperaturen unter -140°C auf.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine vollständige Durchtrennung der Nerven durch Kälte nicht möglich ist.

Kryoablation vs. Kryoneurolyse

Die Kryoneurolyse unterscheidet sich von der Kryoablation, bei der flüssiger Stickstoff mit einer Temperatur unter -198°C verwendet wird. Die Kryoablation wird an Nerven nur noch selten angewendet.

Technik der Kryoneurolyse

Moderne kryochirurgische Geräte verwenden entweder Lachgas (Stickoxydul N2O) oder Kohlendioxid (CO2) als Kältemittel. Neuere Geräte verfügen über einen "Nervsearcher", der Nervenstrukturen durch elektrische Stimulationen verifiziert. Bei der Kryoneurolyse wird die Spitze der Sonde durch den Joule-Thompson-Effekt gekühlt, wodurch eine Eiskugel mit Temperaturen im Bereich von -70°C entsteht. Die Größe der Eiskugel hängt von der Größe der Sonde ab. Präzise Gasflüsse sind für eine sichere und effektive Kryo-Neuroablation unerlässlich. Die Sonde enthält auch einen Nervenstimulator, der eine präzise Lokalisierung des Zielnervs ermöglicht.

Wirkungsweise der Kryoneurolyse

Die Anwendung von Kälte auf das Gewebe erzeugt eine Leitungsblockade, ähnlich der Wirkung von Lokalanästhetika. Langfristige Schmerzlinderung durch das Einfrieren von Nerven tritt auf, weil Eiskristalle eine vaskuläre Schädigung der Vasa nervorum verursachen, die zu einem schweren endoneuralen Ödem führt. Dadurch wird die Nervenstruktur gestört und es kommt zur Waller'schen Degeneration, aber die Myelinscheide und das Endoneurium bleiben intakt. Die Basallamina der Schwann-Zellen bleibt erhalten und dient als Struktur für die Regeneration.

Faktoren, die die Vereisung beeinflussen

Das Ausmaß der Vereisung und der anschließenden Nervenschädigung hängt von folgenden Faktoren ab:

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  • Nähe der Sonde zum Nerv
  • Größe der Kryosonde
  • Größe des gebildeten Eisballs
  • Vollständigkeit der Vereisung (Rate und Dauer)
  • Temperatur des Gewebes in der Nähe der Sonde (beeinflusst durch lokale Wärmesenken wie Liquor/Blutfluss)

Indikationen für die Kryoneurolyse

Die Kryoneurolyse kann bei verschiedenen Indikationen eingesetzt werden, darunter:

  • Occipitalisneuralgie
  • Trigeminusneuralgie
  • Facettenschmerzen der Wirbelsäule (HWS/BWS/LWS)
  • Schulterschmerzen (Vereisung des Nervus suprascapularis)
  • Intercostalneuralgien
  • Morton Neuralgie

Die Rolle von Eis bei der Behandlung der Morton Neuralgie

Neben der Kryoneurolyse kann auch die lokale Anwendung von Eis eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Morton Neuralgie spielen.

Akute Schmerzlinderung und Entzündungshemmung

Kälteanwendungen können helfen, akute Schmerzen zu lindern und Schwellungen zu reduzieren, insbesondere nach Belastung. Das Auflegen von Eispackungen oder kalten Umschlägen auf den betroffenen Bereich kann die Nervenreizung verringern. Kälte bewirkt eine Verengung der Blutgefäße und vermindert somit die Durchblutung. Zudem blockiert Kälte die Schmerzrezeptoren, was zur verminderten Schmerzwahrnehmung beiträgt.

Praktische Anwendung

Es ist wichtig, Eispackungen oder Kühlkompressen nie direkt auf die Haut aufzulegen, da dies zu Erfrierungen führen kann. Stattdessen sollte immer ein Tuch zwischen Eis und Haut liegen. Die Anwendungsdauer sollte 15-20 Minuten nicht überschreiten.

Weitere konservative Behandlungsmethoden

Neben der Kältetherapie gibt es weitere konservative Behandlungsmethoden, die bei der Morton Neuralgie eingesetzt werden können:

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  • Reduktion der Belastung: Vermeidung von Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken.
  • Schmerzmittel: Bedarfsgerechte Einnahme von Schmerzmitteln zur Linderung der Schmerzen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur des Vorderfußes und zur Verbesserung der Fußstellung.
  • Einlagen: Individuell angepasste Einlagen zur Verbesserung der Fußstellung im Schuh und zur Entlastung des Nervs.
  • Triggerpunktakupunktur: Lösung von Verspannungen im Bereich des Fußes durch gezieltes Setzen von Nadeln in Triggerpunkte.
  • Hydrodissektion: Minimal-invasives Verfahren zur sanften Trennung der Gewebeschichten um den verdickten Nerv, um den Druck auf den Nerv zu verringern.

Präventive Maßnahmen

Um einer Morton Neuralgie vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Richtiges Schuhwerk: Vermeidung von zu engem Schuhwerk und Schuhen mit hohen Absätzen.
  • Regelmäßige Pausen: Beim Sport oder bei längerer Belastung des Fußes sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion die Belastung auf den Fuß verringern.
  • Laufbandanalyse: Frühzeitige Erkennung und Korrektur von Fehlbelastungen durch eine Laufbandanalyse.

Operative Behandlung

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Es gibt nervenerhaltende Operationen zur Dekompression des Nervs sowie die Resektion des Morton Neuroms.

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