Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, können den ganzen Körper betreffen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Oftmals gehen sie mit Hautrötungen und anderen Hautveränderungen einher, was die Suche nach den Ursachen und einer wirksamen Behandlung zusätzlich erschwert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen im ganzen Körper, die Rolle von Rötungen als Begleitsymptom und die verfügbaren Therapieansätze.
Einführung in Nervenschmerzen und ihre Vielfalt
Nervenschmerzen unterscheiden sich von anderen Schmerzarten dadurch, dass sie direkt durch eine Schädigung oder Funktionsstörung des Nervensystems verursacht werden. Diese Schädigung kann Nervenfasern im peripheren Nervensystem, im Rückenmark oder im Gehirn betreffen. Die Schmerzempfindung ist oft brennend, stechend, einschießend oder bohrend und kann von Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit (Allodynie und Hyperalgesie) begleitet sein.
Ursachen für Nervenschmerzen im ganzen Körper
Die Ursachen für Nervenschmerzen sind vielfältig und können sowohl lokale als auch systemische Erkrankungen umfassen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
Gürtelrose (Herpes Zoster)
Die Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht, das nach einer Windpockeninfektion im Körper verbleibt und reaktiviert werden kann. Typische Symptome sind Hautrötungen, Bläschenbildung und starke Nervenschmerzen, die auch nach Abheilen der Hautveränderungen als Post-Zoster-Neuralgie (PZN) fortbestehen können. Die Schmerzen können brennend, bohrend oder einschießend sein und sich in benachbarte Hautregionen ausbreiten.
Symptome der Gürtelrose:
- Hautrötungen, oft gürtelförmig am Bauch, aber auch an Armen, Beinen, Hals und Gesicht möglich
- Juckende und schmerzende Knötchen, die sich zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen entwickeln
- Nervenschmerzen, die bereits vor den Hautsymptomen auftreten können
- In seltenen Fällen Gürtelrose ohne Ausschlag (Zoster sine herpete)
Komplikationen der Gürtelrose:
- Post-Zoster-Neuralgie (PZN) mit chronischen Nervenschmerzen
- Erblindung bei Beteiligung des Auges
- Gesichtslähmung (Fazialisparese)
- Beteiligung des Nervensystems (in seltenen Fällen)
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko
- Bei schwerer Immunschwäche Beteiligung des gesamten Körpers (Zoster disseminatus) mit Organbefall
Behandlung der Gürtelrose:
- Antivirale Medikamente (Aciclovir, Brivudin, Famciclovir, Valaciclovir) zur Unterbrechung der Virusinfektion
- Schmerzmittel zur Linderung der Wundschmerzen
- Medikamente gegen Nervenschmerzen (z.B. Antidepressiva, Antikonvulsiva) bei PZN
- Impfung für Menschen über 60 Jahren und Risikopatienten ab 50 Jahren zur Vorbeugung
Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark geschädigt sind. Dies führt zu einer Vielzahl von Symptomen, darunter Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen und Muskelschwäche. Häufige Ursachen sind Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel, Autoimmunerkrankungen, Infektionen und Medikamente (z.B. Chemotherapie).
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Symptome der Polyneuropathie:
- Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle in Händen und Füßen (strumpf- oder handschuhförmig)
- Gestörtes Temperatur- und Berührungsempfinden
- Schmerzen (stechend, brennend, bohrend)
- Muskelschwäche oder Lähmungen
- Kreislaufprobleme, Verdauungsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen (bei Beteiligung des vegetativen Nervensystems)
Diagnostik der Polyneuropathie:
- Neurologische Untersuchung
- Elektroneurographie (ENG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Elektromyographie (EMG) zur Prüfung der Muskelaktivität
- Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Ursache (z.B. Blutzucker, Vitaminspiegel, Entzündungswerte)
- In einigen Fällen Lumbalpunktion zur Untersuchung des Nervenwassers
Behandlung der Polyneuropathie:
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Blutzuckereinstellung bei Diabetes, Alkoholentzug)
- Schmerzmittel (Antidepressiva, Antikonvulsiva, Opioide)
- Physiotherapie, Ergotherapie, physikalische Therapie
- Naturheilkundliche Verfahren (z.B. Akupunktur, Capsaicin-Creme)
- Anpassung des Lebensstils (z.B. ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Alkohol)
Diabetische Polyneuropathie
Die diabetische Polyneuropathie ist eine spezielle Form der Polyneuropathie, die durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte bei Diabetes mellitus verursacht wird. Die Nervenschädigung betrifft vor allem die Füße und Beine und kann zu Gefühlsstörungen, Schmerzen und einem erhöhten Risiko für Fußgeschwüre führen.
Symptome der diabetischen Polyneuropathie:
- Gefühlsstörungen in Füßen und Beinen (Taubheit, Kribbeln, Brennen)
- Schmerzen (brennend, stechend)
- Verringertes Vibrationsempfinden und Temperaturempfinden
- Erhöhtes Risiko für Verletzungen und Fußgeschwüre
- Diabetisches Fußsyndrom mit möglichen Amputationen
Behandlung der diabetischen Polyneuropathie:
- Optimale Blutzuckereinstellung
- Fußpflege und regelmäßige Kontrolle der Füße
- Schmerzmittel (Antidepressiva, Antikonvulsiva)
- Physiotherapie
- Spezielle Schuhe und Einlagen zur Druckentlastung
- Früherkennung und Behandlung von Verletzungen und Fußgeschwüren
Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des fünften Hirnnervs (Nervus trigeminus), die zu heftigen, blitzartigen Schmerzen im Gesicht führt. Die Schmerzen treten typischerweise in den Versorgungsgebieten des Nervs auf (Stirn, Wange, Kiefer) und können durch Berührung, Kauen oder Sprechen ausgelöst werden.
Symptome der Trigeminusneuralgie:
- Heftige, blitzartige Schmerzen im Gesicht
- Schmerzen treten in den Versorgungsgebieten des Nervus trigeminus auf (Stirn, Wange, Kiefer)
- Schmerzen werden durch Berührung, Kauen oder Sprechen ausgelöst
- Schmerzattacken dauern Sekunden bis Minuten
Behandlung der Trigeminusneuralgie:
- Medikamente (Antikonvulsiva) zur Reduktion der Nervenaktivität
- Injektionen mit Botulinumtoxin
- Operationen zur Entlastung des Nervs
Post-Zoster-Neuralgie (PZN)
Die Post-Zoster-Neuralgie ist eine Komplikation der Gürtelrose, bei der die Nervenschmerzen auch nach Abheilen der Hautveränderungen fortbestehen. Die Schmerzen können brennend, bohrend oder einschießend sein und sich in benachbarte Hautregionen ausbreiten.
Symptome der Post-Zoster-Neuralgie:
- Chronische Nervenschmerzen im Bereich der zuvor betroffenen Hautpartie
- Schmerzen können brennend, bohrend oder einschießend sein
- Erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Allodynie, Hyperalgesie)
- Hoher Leidensdruck und Beeinträchtigung der Lebensqualität
Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie:
- Medikamente (Antidepressiva, Antikonvulsiva, Opioide) zur Schmerzlinderung
- Pflaster mit Capsaicin oder Lidocain
- Nervenblockaden
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
- Psychotherapie zur Schmerzbewältigung
Andere Ursachen
Neben den genannten Erkrankungen gibt es noch weitere Ursachen für Nervenschmerzen im ganzen Körper, darunter:
- Autoimmunerkrankungen: Guillain-Barré-Syndrom, chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)
- Infektionen: Borreliose, HIV-Infektion
- Vergiftungen: Schwermetalle, Neurotoxine
- Tumoren: Nervenkompression durch Tumoren
- Medikamente: Chemotherapie, bestimmte Antibiotika
- Psychische Erkrankungen: Angststörungen, Depressionen, somatoforme Störungen
Die Rolle von Rötungen als Begleitsymptom
Hautrötungen können bei Nervenschmerzen ein Begleitsymptom sein, insbesondere wenn die Nervenschädigung durch eine Entzündung oder Infektion verursacht wird. Typische Beispiele sind die Gürtelrose, bei der die Hautrötungen zusammen mit Bläschenbildung auftreten, und die diabetische Polyneuropathie, bei der es aufgrund von Durchblutungsstörungen zu Rötungen und Hautveränderungen an den Füßen kommen kann.
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Es ist wichtig zu beachten, dass Hautrötungen nicht immer auf Nervenschmerzen hinweisen und auch andere Ursachen haben können, wie z.B. allergische Reaktionen, Hauterkrankungen oder Verletzungen. Eine sorgfältige Untersuchung und Anamnese sind daher entscheidend, um die Ursache der Rötungen und die möglichen Zusammenhänge mit Nervenschmerzen abzuklären.
Diagnostik von Nervenschmerzen
Die Diagnose von Nervenschmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls spezielle neurologische Tests. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Beschreibung der Schmerzen (Art, Stärke, Lokalisation, Auslöser), Begleitsymptome, Vorerkrankungen, Medikamente
- Körperliche Untersuchung: Neurologische Untersuchung zur Prüfung der Sensibilität, Motorik und Reflexe, Untersuchung der Haut auf Rötungen, Bläschen oder andere Veränderungen
- Quantitative sensorische Testung (QST): Messung der Sensibilität für verschiedene Reize (Temperatur, Berührung, Vibration) zur Identifizierung von Nervenschädigungen
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektroneurographie (ENG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, Elektromyographie (EMG) zur Prüfung der Muskelaktivität
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Darstellung von Nerven, Rückenmark und Gehirn
- Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Ursache (z.B. Blutzucker, Vitaminspiegel, Entzündungswerte), in einigen Fällen Lumbalpunktion zur Untersuchung des Nervenwassers
Therapieansätze bei Nervenschmerzen
Die Therapie von Nervenschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln. Die Behandlung kann medikamentöse, nicht-medikamentöse und invasive Verfahren umfassen.
Medikamentöse Therapie
Zur medikamentösen Behandlung von Nervenschmerzen werden häufig folgende Medikamente eingesetzt:
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, z.B. Duloxetin, Venlafaxin) können die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und die Schmerzen lindern.
- Antikonvulsiva: Gabapentin und Pregabalin sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, aber auch bei Nervenschmerzen wirksam sind. Sie reduzieren die Erregbarkeit der Nerven und können die Schmerzen lindern.
- Opioide: Opioide (z.B. Tramadol, Morphin) sind starke Schmerzmittel, die bei schweren Nervenschmerzen eingesetzt werden können. Aufgrund des Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur kurzzeitig und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
- Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster können die Schmerzen lokal lindern, indem sie die Nervenaktivität reduzieren.
- Capsaicin-Creme: Capsaicin ist ein Wirkstoff aus Chilischoten, der die Schmerzrezeptoren in der Haut beeinflusst und die Schmerzen lindern kann.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie können auch nicht-medikamentöse Verfahren zur Schmerzlinderung beitragen:
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- Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Muskeln stärken, die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen lindern.
- Ergotherapie: Ergotherapeutische Maßnahmen können helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven gesendet, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
- Akupunktur: Akupunktur kann die Schmerzen lindern und die Entspannung fördern.
- Psychotherapie: Psychotherapeutische Verfahren können helfen, mit den Schmerzen umzugehen, Stress abzubauen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
Invasive Verfahren
In einigen Fällen können invasive Verfahren zur Schmerzlinderung in Betracht gezogen werden:
- Nervenblockaden: Bei Nervenblockaden werden Lokalanästhetika oder Kortikosteroide in die Nähe des betroffenen Nervs injiziert, um die Schmerzwahrnehmung zu blockieren.
- Rückenmarkstimulation: Bei der Rückenmarkstimulation wird ein elektrischer Impulsgeber in den Rückenmarkskanal implantiert, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
- Operationen: In seltenen Fällen können Operationen zur Entlastung von Nervenkompressionen oder zur Entfernung von Tumoren erforderlich sein.
Lebensqualität und Selbsthilfe
Nervenschmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Einschränkungen im Alltag, Beruf und sozialen Leben führen. Es ist daher wichtig, sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zur Schmerzbewältigung zu entwickeln.
Tipps zur Selbsthilfe
- Informieren Sie sich: Informieren Sie sich umfassend über Ihre Erkrankung und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
- Suchen Sie Unterstützung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Therapeuten, Familie und Freunden über Ihre Schmerzen und Ihre Bedürfnisse.
- Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann Ihnen helfen, sich nicht allein zu fühlen und neue Strategien zur Schmerzbewältigung zu erlernen.
- Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können Ihre Gesundheit fördern und die Schmerzen lindern.
- Vermeiden Sie Stress: Stress kann die Schmerzen verstärken. Versuchen Sie, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
- Achten Sie auf Ihre Füße: Bei diabetischer Polyneuropathie ist eine sorgfältige Fußpflege und regelmäßige Kontrolle der Füße wichtig, um Verletzungen und Fußgeschwüre zu vermeiden.
- Passen Sie Ihr Wohnumfeld an: Entfernen Sie Stolperfallen und sorgen Sie für eine gute Beleuchtung, um Stürze zu vermeiden.
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