Die Behandlung von Nervenschmerzen im Kopf, auch bekannt als neuropathische Schmerzen, stellt eine besondere Herausforderung dar. Während rezeptfreie Schmerzmittel wie Diclofenac (der Wirkstoff in Voltaren) bei entzündungsbedingten Schmerzen wirksam sein können, ist ihre Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen begrenzt. Es ist wichtig zu verstehen, wann und wie Voltaren bei Kopfschmerzen eingesetzt werden kann und wann andere Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden sollten.
Was ist Voltaren und wie wirkt es?
Voltaren enthält den Wirkstoff Diclofenac, ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR). Diclofenac wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Es blockiert die Produktion von Gewebshormonen, den sogenannten Prostaglandinen, die an Entzündungsprozessen und der Schmerzentstehung beteiligt sind. Voltaren ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Tabletten, Salben, Gels, Sprays, Pflaster, Zäpfchen, Augentropfen und Cremes.
Anwendungsgebiete von Voltaren
Voltaren wird hauptsächlich zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen in Muskeln, Sehnen und Gelenken eingesetzt. Dazu gehören:
- Rheuma und Gicht
- Verschleißbedingte Beschwerden der Wirbelsäule und Gelenke (Arthrose)
- Migräne und Menstruationsbeschwerden
- Sportverletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen und Sehnenscheidenentzündungen
Voltaren bei Nervenschmerzen im Kopf: Wann ist es geeignet?
Bei Nervenschmerzen im Kopf ist Voltaren nicht immer die erste Wahl. Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Verletzungen von Nerven und äußern sich oft durch brennende Dauerschmerzen oder vorübergehende elektrisierende Schmerzen, die mit Kribbeln oder Ameisenlaufen einhergehen können.
Prof. Dr. Dr. Achim Schmidtko vom Pharmakologischen Institut für Naturwissenschaftler der Universität Frankfurt am Main betont, dass rezeptfreie Wirkstoffe wie Diclofenac vor allem dann gut wirken, wenn der Schmerz durch eine Entzündung hervorgerufen wird. Bei neuropathischen Schmerzen ist es daher ratsam, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, anstatt lange mit Schmerzmitteln aus der Selbstmedikation zu experimentieren.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Alternative Behandlungen bei Nervenschmerzen
Bei neuropathischen Schmerzen werden verschiedene rezeptpflichtige Arzneimittel eingesetzt, darunter:
- Antidepressiva wie Amitriptylin und Duloxetin
- Antiepileptika wie Gabapentin und Pregabalin
Es ist wichtig zu beachten, dass viele Wirkstoffe, die gegen neuropathische Schmerzen eingesetzt werden, sich auch gegen verschiedene andere Krankheiten bewährt haben. Patienten sollten sich daher nicht davon irritieren lassen, wenn im Beipackzettel auch andere Anwendungsgebiete erwähnt werden.
Dosierung und Anwendung von Voltaren
Die Dosierung von Diclofenac wird vom Arzt in Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung festgelegt. Der empfohlene Dosisbereich für Erwachsene liegt zwischen 50 und 150 Milligramm Diclofenac-Natrium pro Tag. Zu Behandlungsbeginn können Erwachsene zweimal eine Kapsel zu 75 Milligramm Diclofenac-Natrium an einem Tag einnehmen, danach eine bis maximal zwei Kapseln täglich. Die Tagesdosis sollte 150 Milligramm nicht überschreiten und auf zwei Einzelgaben (morgens und abends) verteilt werden. In leichten Fällen und bei Langzeittherapie reicht oft eine Kapsel täglich aus.
Die Tabletten sollten unzerkaut während oder nach der Mahlzeit mit mindestens 250 Milliliter Flüssigkeit eingenommen werden. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist das Medikament aufgrund seiner hohen Dosierung nicht geeignet.
Wichtige Hinweise zur Anwendung
- Voltaren sollte nur in der niedrigst möglichen Dosis und über die kürzest notwendige Zeit eingenommen werden.
- Bei längerem Gebrauch des Medikaments können Kopfschmerzen auftreten, die nicht durch erhöhte Dosierungen behandelt werden dürfen.
- Bei Bluthochdruck und/oder Beschwerden-verursachender Herzmuskelschwäche in der Vorgeschichte ist eine besondere ärztliche Überwachung nötig, da es durch das Medikament zu Wassereinlagerungen in das Gewebe kommen kann.
- Das Medikament ist nicht wärmer als 25 Grad und vor Feuchtigkeit geschützt aufzubewahren.
Mögliche Nebenwirkungen von Voltaren
Wie alle Medikamente kann auch Voltaren Nebenwirkungen verursachen. Die Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen können je nach Dosierung und Anwendungsform variieren.
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
Häufige Nebenwirkungen (niedrige, frei verkäufliche Dosierungen)
- Erregung, Müdigkeit, Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verdauungsstörungen
- Kopfschmerzen, Bauchschmerz, Blähungen, Appetitlosigkeit
- Transaminasen-Erhöhung
- Hautausschlag
Seltene Nebenwirkungen (niedrige, frei verkäufliche Dosierungen)
- Überempfindlichkeiten, allergische Reaktion (einschließlich Blutdruckabfall und Schock)
- Benommenheit, Asthma (einschließlich Atemnot)
- Magenschleimhautentzündung
- Magen-Darm-Blutung, Bluterbrechen, blutiger Durchfall, Teerstuhl
- Magen-Darm-Geschwüre (mit oder ohne Blutung, ohne Durchbrüche)
- Leberentzündung, Gelbsucht, Leberfunktionsstörung
- Nesselfieber
- Wassereinlagerungen im Gewebe
Sehr seltene Nebenwirkungen (niedrige, frei verkäufliche Dosierungen)
- Blutplättchenmangel, Weiße Blutkörperchen-Mangel, Blutarmut (einschließlich hämolytischer Anämie und aplastischer Anämie), Granulozyten-Fehlen
- Angioneurotisches Ödem (einschließlich Gesichtsschwellung)
- Orientierungslosigkeit, Depressionen, Schlaflosigkeit, Alpträume, Reizbarkeit, Psychosen
- Empfindungsstörungen, Gedächtnisstörungen, Krämpfe, Angstgefühle, Zittern, nicht-infektiöse Gehirnhautentzündung, Geschmacksstörungen, Schlaganfall
- Sehstörung, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen
- Ohrensausen, Hörstörungen
- Herzklopfen, Brustschmerz, Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Blutgefäßentzündung
- Lungenentzündung
- Dickdarmentzündung (einschließlich blutiger Dickdarmentzündung und Verschlimmerung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung)
- Verstopfung, Mundschleimhautentzündung, Zungenentzündung, Speiseröhrenbeschwerden, Darmverengungen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, heftige Leberentzündung
- Hautausschlag (einschließlich Blasenbildung, Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom, Dermatitis exfoliativa), Hautrötungen (einschließlich Erythema multiforme), Haarausfall, Lichtüberempfindlichkeit, Unterhautblutungen (auch allergisch), Juckreiz
- Akutes Nierenversagen, Bluturin, Urineiweiß, nephrotisches Syndrom, Nierenkörperchenentzündung, Papillennekrose
- Verschlechterung Infektions-bedingter Entzündungen (beispielsweise Entwicklung einer Gewebs-zerstörenden Muskelentzündung)
Häufige Nebenwirkungen (höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen)
- Übelkeit und Erbrechen, Durchfall
- Leichte Blutungen im Magen-Darm-Trakt (dadurch manchmal Blutarmut)
- Bei Anwendung auf der Haut: Hautrötungen, Jucken, Brennen, Hautausschlag auch mit Pustel- oder Quaddelbildung
Gelegentliche Nebenwirkungen (höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen)
- Magengeschwüre, Verdauungsstörungen (Dyspepsie), Blähungen, Bauchkrämpfe, Appetitlosigkeit
- Kopfschmerzen, Erregung, Reizbarkeit, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel
- Erhöhung der Leberenzymwerte
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag und Hautjucken
Seltene Nebenwirkungen (höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen)
- Blutiges Erbrechen, Blutstuhl, blutiger Durchfall
- Leberschäden
- Blutarmut (Anämie), Störungen der Blutbildung mit Blutzellverlusten
- Nesselfieber, Haarausfall
- Wasseransammlungen in Armen und Beinen
Sehr seltene Nebenwirkungen (höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen)
- Mundschleimhautentzündungen (Stomatitis), Zungenentzündungen (Glossitis), Verletzungen der Speiseröhre, Unterbauchbeschwerden, blutende Dickdarmentzündungen, Verschlechterung entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Verstopfungen, Darmverengungen
- Tastsinnstörungen, Geschmackssinnesstörungen, Sehstörungen, Ohrensausen, Hörstörungen, Gedächtnisstörungen, Desorientierung, Angststörungen, Alpträume, Zittern, Depressionen
- Symptome einer Hirnhautentzündung (aseptische Meningitis) wie Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Bewusstseinstrübung
- Nierenschädigungen, Nierenentzündungen
- Bauchspeicheldrüsenentzündungen
- Herzrasen, Brustschmerzen, Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche, Blutgefäßentzündungen (Vaskulitis) oder bestimmte Formen der Lungenentzündung
- Hautausschlag mit Blasenbildung, Ekzeme, Hautrötungen, Lichtempfindlichkeit, Unterhautblutungen einschließlich allergischer Formen, schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom, allgemeine Hautröte)
Besonderheiten
- Während der Behandlung mit Diclofenac können schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten wie Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf mit Einengung der Luftwege, Luftnot bis zum Asthma-Anfall, Herzrasen, Blutdruckabfall bis zum bedrohlichen Schock.
- Asthmaanfälle bei der Einnahme von Diclofenac können auch bei Menschen auftreten, die sonst nicht an Asthma leiden. Besonders groß ist die Gefahr bei Neurodermitis- und Heuschnupfen-Patienten.
- Bei einer Injektion in den Muskel kann es an der Injektionsstelle zu einem brennendem Gefühl kommen. Bei fehlerhafter Injektion können auch sterile Abszesse, so genannte Fettgewebsnekrosen, auftreten.
- In neueren Studien wurde herausgefunden, dass die Einnahme hoher Dosen von Diclofenac möglicherweise zu einem gesteigerten Herzinfarkt-Risiko führt. Besonders bei herzkranken Patienten sollte der Wirkstoff daher vorsichtig dosiert werden. Weil Diclofenac allgemein wahrscheinlich Blutgefäßverstopfungen fördert, sollte es nur in der niedrigst wirksamen Dosis über die kürzest mögliche Zeit angewendet werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Die gleichzeitige Einnahme von Diclofenac und bestimmten Medikamenten kann zu Wechselwirkungen führen. Dazu gehören:
- Herzglykoside (Digoxin)
- Lithium (gegen Depressionen)
- Methotrexat (Rheuma- und Krebsmittel)
- Phenytoin (Antiepileptikum)
- Mittel zum Einnehmen gegen Diabetes (orale Antidiabetika)
- Kaliumsparende Entwässerungsmittel
- Blutdrucksenker und Entwässerungsmittel (Diuretika)
- ACE-Hemmer (Blutdrucksenker)
- Gichtmittel (Probenecid und Sulfinpyrazon)
Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Gegenanzeigen
Diclofenac darf nicht verabreicht werden bei:
- Überempfindlichkeit (Allergie) gegen den Wirkstoff
- Patienten, die auf die Einnahme von ähnlich wirkenden Wirkstoffen (wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder andere nicht-steroidale Antirheumatika) mit Asthma-Anfällen, Verengung der Atemwege (Bronchospasmen), akutem Schnupfen (Rhinitis) oder roten, juckenden Hautausschlägen (Urtikaria) reagieren
- Magen- oder Darmgeschwüren
- Blutbildungsstörungen, Blutgerinnungsstörungen
- Herzmuskelschwäche (NYHA-Klasse II-IV)
- Durchblutungsstörungen des Herzmuskels (ischämische Herzerkrankung)
- Sonstigen Durchblutungsstörungen (Arteriosklerose)
- Durchblutungsstörungen des Gehirns
- Akuten Blutungen
Diclofenac sollte allgemein nur unter strenger ärztlicher Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angewendet werden bei:
- Asthma
- Heuschnupfen und allgemeiner Allergie-Neigung
- Nasenpolypen
- Chronischen Atemwegsinfektionen
- Bluthochdruck
- Fettstoffwechselstörungen
- Zuckerkrankheit
- Rauchern
Eine innerliche Anwendung sollte zusätzlich ärztlich überwacht werden bei:
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
- Akuten Stoffwechselstörungen (Porphyrie) und Leberfunktionsstörungen
- Hauterkrankungen durch ein gestörtes Immunsystem wie systemischem Lupus erythematodes (SLE) sowie Mischkollagenosen
- Magen-Darm-Beschwerden oder entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Bluthochdruck und/oder Herzmuskelschwäche
- Patienten direkt nach einer größeren Operation
- Blutgerinnungsstörung oder Einnahme von Antikoagulanzien
- Älteren Menschen
- Nierenfunktionsstörungen und Einnahme von Entwässerungsmitteln
Voltaren in Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangere sollten Diclofenac in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten nur anwenden, wenn es der Arzt für unumgänglich hält. Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist der Einsatz von Diclofenac verboten, da es die Wehen verhindern und die Geburt verzögern kann. Außerdem kann das ungeborene Kind schwere Schäden davontragen.
Diclofenac und seine Abbauprodukte gehen in die Muttermilch über. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Leberwerte, der Nierenfunktion sowie des Blutbildes kann erforderlich sein.
Vergleichbare Medikamente
Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten mit dem Wirkstoff Diclofenac in verschiedenen Darreichungsformen. Dazu gehören unter anderem:
- Voltaren Resinat Kapseln
- Voltaren Schmerzgel
- Voltaren Dolo Tabletten und Liquid Weichkapseln
- Voltaren Actigo Schmerzgel
- Voltaren Schmerzgel forte
- Voltaren 24 Stunden Schmerzpflaster
Zusätzlich gibt es pflanzliche Schmerzcremes wie VoltaMed mit Pfefferminzöl, Eukalyptusöl und Rosmarinöl zur äußerlichen Anwendung bei rheumatischen Beschwerden und Muskelschmerzen.
tags: #nervenschmerzen #kopf #voltaren