Die Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach sind prägende Lebensphasen, die mit einer Vielzahl von Emotionen einhergehen. Nicht selten treten Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Ängste und Sorgen auf, welche die Vorfreude auf das Kind trüben können. In Heidelberg und Umgebung gibt es spezialisierte neurologische und psychiatrische Angebote, die (werdenden) Eltern in dieser Zeit Unterstützung bieten.
Kompetente Ansprechpartner in Heidelberg und Umgebung
In Heidelberg und der Umgebung gibt es mehrere Anlaufstellen für neurologische und psychiatrische Fragestellungen. Das Neurozentrum am Brückenkopf, geleitet von Dr. D. Lemke, Dr. C. Haubner und Dr. J. Koch, bietet Expertise in der Prävention, Früherkennung und Behandlung von neurologischen und psychiatrischen Krankheitsbildern. Ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums ist die Erstellung von Gutachten zu neurologisch-psychiatrischen Fragestellungen im Zentrum für neurologisch-psychiatrische Begutachtung Heidelberg (ZNPB). Behandlungen sind in deutscher, englischer und französischer Sprache möglich.
Die neurologisch-psychiatrische Gemeinschaftspraxis in Neckargemünd, unweit des Heidelberger Stadtzentrums, setzt auf präzise und sichere Diagnostik, um schnellstmöglich die richtige Therapie einzuleiten und die Beschwerden der Patienten zu lindern. Dr. med. Nora Rappold, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, steht den Patienten während ihrer individuellen Behandlung zur Seite.
Dr. med. Klaus Kickinger ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychoanalyse (DPV) und Psychotherapie und war als Oberarzt der Ambulanz in der neurologischen Universitätsklinik Heidelberg und der psychiatrischen Universitätsklinik (ZI) Mannheim tätig.
Psychische Belastungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt
Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft ausgeprägte Stimmungsschwankungen. Zweifel wie "Werde ich eine gute Mutter oder ein guter Vater sein?" können Sorgen bereiten. Die anstehenden Veränderungen durch das Elternwerden können sowohl für die Partnerschaft als auch für die eigene persönliche Entwicklung eine Herausforderung darstellen. Auch belastende Geburten in der Vorgeschichte oder andere Umstände können Ängste auslösen. Manchmal wird eine Geburt auch als traumatisch erlebt, und die Erinnerungen können sehr belastend sein.
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Zudem erleben viele Frauen (ca. 80 %) in den ersten Tagen nach der Geburt eine emotionale Achterbahnfahrt - den sogenannten Baby-Blues. Dieser ist durch die hormonellen Veränderungen, den Schlafmangel und die Anpassung an das "Mamasein" erklärbar und klingt in der Regel von alleine nach einigen Tagen wieder ab. Wenn Sorgen und Unsicherheit jedoch weiter bestehen, sollte Unterstützung aufgesucht werden. Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach stellen damit eine Lebensphase dar, die auch ein Risiko für Zweifel und Sorgen, aber auch für das Entstehen oder Wiederauftreten von psychischer Belastung bei (werdenden) Eltern mit sich bringen kann.
Psychotherapeutische Unterstützung in Heidelberg
An der Hochschulambulanz des Instituts für Medizinische Psychologie in Heidelberg wird allen Betroffenen die Möglichkeit einer psychotherapeutischen Unterstützung angeboten. Hier können bis zu drei Sprechstundentermine von jeweils 50 Minuten Dauer in Anspruch genommen werden, entweder alleine oder als Paar. Bei Bedarf kann über die Hochschulambulanz eine ambulante Psychotherapie bei der Krankenkasse beantragt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, an einer psychotherapeutischen Gruppe teilzunehmen.
Auswirkungen von Depressionen und Angsterkrankungen auf das Kind
Eine neue Studie unter der Leitung von Fr. Dr. C. Reck (Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg) und in Kooperation mit Fr. Dr. S. Gawlik (Universitäts-Frauenklinik) untersucht die Auswirkungen von Depressionen und Angsterkrankungen der werdenden Mutter auf das Kind. Die Studie zielt darauf ab, zu klären, wie sich Kinder betroffener Frauen vor und nach der Geburt entwickeln. Für die Studienteilnahme werden noch Frauen gesucht, die planen, schwanger zu werden, oder sich bereits in der frühen Schwangerschaft (vor der zwölften Schwangerschaftswoche) befinden. Auch Frauen ohne Depressionen oder Ängste können als Teil der Kontrollgruppe teilnehmen. Alle Studienteilnehmerinnen erhalten eine Aufwandspauschale, und betroffene Frauen werden nach Wunsch von den Experten des Universitätsklinikums beraten.
Dr. Corinna Reck betont, dass es wichtig ist, Angsterkrankungen und Depressionen in der Schwangerschaft früh zu erkennen und zu behandeln, da sie Schwangerschaftsverlauf, Geburt und die frühe kindliche Entwicklung beeinflussen können. Im Rahmen der Studie werden Frauen in der Schwangerschaft auf Depressionen, Angsterkrankungen und deren Risikofaktoren hin untersucht. Die Mediziner erfassen zu drei Zeitpunkten während der Schwangerschaft und zu zwei Zeitpunkten nach der Geburt verschiedene Hormone bei Mutter und Kind anhand von Speichel- und Haaranalysen und dokumentieren Schwangerschafts- und Geburtsverlauf sowie die kindliche Entwicklung. Das Ziel ist es, wirksame Therapiekonzepte zu entwickeln und betroffenen Frauen schnell professionelle Hilfe anbieten zu können.
Häufige psychische Erkrankungen
Etwa 10 bis 20 Prozent aller Mütter leiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt ihres Kindes unter psychischen Erkrankungen. Die Gemütszustände, in die eine Mutter geraten kann, sind z. B. das postpartale Stimmungstief ("Baby-Blues"), die peripartale Depression, Angst- und Zwangsstörungen und die peripartale Psychose. Diese Krankheitsbilder kommen meist nicht isoliert vor, sondern gehen ineinander über. Sie können jederzeit während der Schwangerschaft sowie in den ersten zwei Jahren nach der Geburt auftreten, entstehen aber vorrangig in den Wochen nach der Entbindung. Als Symptome können sich bspw. Müdigkeit, Erschöpfung, Traurigkeit, ein inneres Gefühl der Leere, allgemeines Desinteresse, Kopfschmerzen, Schwindel, zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber sowie Reizbarkeit und Ängste zeigen. Im Verlauf können die Beschwerden bis hin zu Panikattacken, Halluzinationen und Suizidgedanken reichen.
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Depressive Krankheitsbilder
Depressive Krankheitsbilder äußern sich durch anhaltende tiefe Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Begleitend zeigen sich häufig Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle und Selbstzweifel. In den meisten Fällen bessert sich die Erkrankung nur durch eine zielgerichtete Therapie, bestehend aus Psychotherapie und Medikamenten (Antidepressiva).
Angsterkrankungen
Jeder Mensch hat hin und wieder Angst. Das ist natürlich und hält uns am Leben. Wird die Angst jedoch zum täglichen Begleiter und schränkt die Lebensqualität des Betroffenen nachhaltig ein, spricht man von einer Angsterkrankung bzw. Angststörung. Angststörungen zählen neben den depressiven Krankheitsbildern zu den am häufigsten auftretenden psychischen Krankheitsbildern. Am meisten verbreitet sind Panikstörungen, soziale oder generalisierte Angststörungen sowie spezifische Phobien (z. B. Angst vor Hunden, Spinnen oder Spritzen). Bei der Entstehung von Angststörungen können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören bspw. die Genetik, neurobiologische Prozesse (z. B. ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern wie Serotonin). Panikstörungen gehören zu den Angststörungen und zeichnen sich durch wiederkehrende Panikattacken aus. Während einer Panikattacke verspürt der Betroffene das plötzliche Einsetzen extremer Angst, ohne dass aus objektiver Sicht eine reale Gefahr besteht. Hinzu kommen Symptome wie Brustschmerzen, Herzrasen, Zittern, ein Erstickungsgefühl und Übelkeit. Im Verlauf entwickeln Patienten häufig eine "Angst vor der Angst". Diesen Teufelskreis gilt es mit einer Kombination aus medikamentöser und Psychotherapie zu durchbrechen.
Zwangserkrankungen
Zwanghafte Handlungen oder Gedanken gehören in einem gewissen Maße zu unserem Leben dazu. Es ist z. B. ganz normal, wenn man einmal überprüft, ob die Tür auch wirklich abgeschlossen ist, obwohl man sie gerade erst abgeschlossen hat. Können solche Verhaltensweisen oder das zwanghafte Denken von Gedanken, obwohl sie Ängste und Unbehagen auslösen, jedoch andauernd vor und können nicht unterbrochen werden, sodass man darunter leidet und der Alltag beeinträchtigt wird, kann eine Zwangserkrankung vorliegen. In den meisten Fällen ist den Betroffenen die Unsinnigkeit ihres Verhaltens bewusst. Viele versuchen deshalb, ihre Zwänge zu verheimlichen, weshalb oftmals der Begriff "die heimliche Krankheit" verwendet wird. Je länger die Krankheit besteht, desto stärker werden die Zwänge.
Psychotische Erkrankungen
Eines der häufigsten psychotischen Krankheitsbilder stellt die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie dar. Betroffene leiden unter Symptomen wie Wahnvorstellungen (z. B. Verfolgungswahn) und Halluzinationen (Sinnestäuschungen wie z. B. das Hören von Stimmen). Der Krankheitsverlauf variiert von Mensch zu Mensch. Manche leiden unter einer akuten Phase und sind danach genesen. Andere kehren nach mehreren dieser akuten Krankheitsphasen in die Normalität zurück. Wieder andere leiden unter einem chronischen Verlauf mit dauerhaften Beeinträchtigungen. Wichtig ist eine frühzeitige ärztliche Behandlung der Erkrankung.
Bipolare Störung
Diese psychiatrische Erkrankung zeichnet sich durch manische und depressive Stimmungsschwankungen aus. Während der Manie empfinden Betroffene ein übersteigertes Hochgefühl und sind euphorisch, überaktiv, oftmals auch gereizt. Auf diese Phase folgen depressive Krankheitsbilder mit Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Diese Schwankungen treten in Episoden auf, die häufig nicht von der aktuellen Lebenssituation beeinflusst werden. Als Ursache werden eine genetische Veranlagung sowie eine Störung im Gleichgewicht der Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) vermutet. Durch eine medikamentöse und psychiatrische-psychotherapeutische Behandlung kann
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Insomnie (Schlafstörungen)
Jeder Mensch schläft mal schlecht. Wenn jemand aber über einen längeren Zeitraum nicht richtig ein- und/oder durchschlafen kann, spricht man von einer Insomnie. Es kommt außerdem zu einer Verminderung der Belastbarkeit, des Antriebs und der Konzentration sowie einer erhöhten Reizbarkeit. Frauen leiden häufiger an Insomnie als Männer. Besonders dann, wenn sie familiär und beruflich stark gefordert sind, können sie abends nicht mehr abschalten und entspannen (die Grundvoraussetzung für Schlaf).
Psychosomatische Erkrankungen und Posttraumatische Belastungsstörung
Nicht umsonst heißt es: "Der Körper ist der Spiegel der Seele." Es kommt häufig vor, dass für körperliche Beschwerden vom Arzt keine organische Ursache gefunden wird. In diesen Fällen kann eine Erkrankung aus dem Fachbereich psychosomatische oder psychosoziale Medizin vorliegen, die zunächst nicht erkannt wird. Zu den psychosomatischen Krankheitsbildern gehören bspw. Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist eine etwas verzögerte psychische Reaktion auf eine Situation mit extremer Belastung, außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß (z. B. schwere Unfälle, Naturkatastrophen, Kriegshandlungen oder Gewaltverbrechen). Betroffene leiden vor allem unter dem Symptom des Wiedererlebens, welches sich tagsüber in Erinnerungen, Flashbacks oder Tagträumen und nachts in Form von Angstträumen äußert. Chronische Schmerzstörungen werden als solche bezeichnet, wenn Patienten seit mindestens drei Monaten ständig oder beinahe ständig unter Schmerzen leiden und dadurch psychisch, körperlich und sozial beeinträchtigt werden. Häufig kann vom behandelnden Arzt keine organische Ursache gefunden werden, jedoch können verschiedene Prozesse im Bereich der Nervenzellen und des Gehirns zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer chronischen Schmerzstörung beitragen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der Aufklärung und ersetzt keine Beratung durch einen Arzt. Bei Symptomen sollte ein Arzt kontaktiert werden. Auch bei unklaren Anzeichen und Problemen ist es ratsam, sich professionelle Hilfe zu suchen.
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