Ursachen für Stimmungsschwankungen: Ein umfassender Überblick

Stimmungsschwankungen sind ein allgegenwärtiges Phänomen, das jeder Mensch in unterschiedlicher Intensität erlebt. Sie reichen von kurzfristigen Stimmungstiefs bis hin zu extremen Gefühlslagen, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können. Die Ursachen für Stimmungsschwankungen sind vielfältig und reichen von harmlosen Alltagsfaktoren bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Ursachen von Stimmungsschwankungen, um Betroffenen und Angehörigen ein besseres Verständnis für dieses komplexe Thema zu ermöglichen.

Hormonelle Einflüsse als Ursache für Stimmungsschwankungen

Hormonelle Veränderungen spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Stimmungsschwankungen. Das Leben von Frauen ist besonders stark von hormonellen Schwankungen geprägt, die durch den Menstruationszyklus, Schwangerschaft und Menopause hervorgerufen werden. Diese Schwankungen können sich auf verschiedene Erkrankungen auswirken, darunter Migräne, Multiple Sklerose, Depressionen und ADHS.

Menstruationszyklus und PMS

Der monatliche Menstruationszyklus führt zu einem Auf und Ab der Hormone Östrogen und Progesteron, was bei vielen Frauen zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und innerer Unruhe führen kann. Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist ein komplexes Beschwerdebild, das mit einer Vielzahl von Symptomen wie Stimmungsschwankungen, Heißhunger, Blähungen und Unterleibskrämpfen einhergeht.

Schwangerschaft und Wochenbett

Auch während der Schwangerschaft kommt es zu erheblichen hormonellen Veränderungen, die Stimmungsschwankungen auslösen können. Viele schwangere Frauen erleben einen raschen Wechsel zwischen Glücksgefühlen und Traurigkeit. Nach der Geburt leiden viele junge Mütter unter instabiler Stimmung, die auf den postpartalen Blues ("Baby Blues"), eine Wochenbettdepression oder eine postpartale Psychose zurückzuführen sein kann.

Wechseljahre

Die Wechseljahre (Klimakterium) sind eine weitere Lebensphase, die mit starken hormonellen Veränderungen verbunden ist. Diese können Beschwerden wie Hitzewallungen, Schwindel, Übelkeit und Stimmungsschwankungen verursachen.

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Schilddrüsenerkrankungen

Auch Schilddrüsenerkrankungen können hormonell bedingte Stimmungsschwankungen auslösen. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann ähnliche Symptome wie eine Depression verursachen, während eine Überfunktion Stimmungsschwankungen hervorrufen kann, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Psychische Erkrankungen als Auslöser von Stimmungsschwankungen

Neben hormonellen Einflüssen können auch verschiedene psychische Erkrankungen zu Stimmungsschwankungen führen.

Bipolare Störung

Eine Bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung, die durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist. Betroffene erleben Phasen von Euphorie (Manie) und Phasen extremer Niedergeschlagenheit (Depression). Manchmal können auch Krankheitszeichen der Manie, die mit gesteigerter Aktivität, Selbstüberschätzung, vermindertem Schlafbedürfnis sowie Rededrang und Ruhelosigkeit einhergeht, mit Symptomen einer Depression gleichzeitig vorliegen. In diesen Fällen spricht man von "Mischzuständen", in denen dann beispielweise starke Unruhe bei gleichzeitiger gedrückter Stimmung auftritt.

Borderline-Störung

Menschen mit dem Borderline-Syndrom haben Schwierigkeiten, ihre stark schwankenden Emotionen zu regulieren. Sie leiden unter anderem an heftigen, unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen.

Depressionen

Depressionen können sich nicht nur auf die Stimmung auswirken. Es gibt auch larvierte Depressionen, bei denen sich die Depression durch körperliche Beschwerden äußert.

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ADHS

Auch das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) kann stark vom Menstruationszyklus beeinflusst werden. Viele Patientinnen berichten, dass sich ihre Symptome, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Ablenkbarkeit oder starke Stimmungsschwankungen, in der prämenstruellen Phase verschlimmern.

Neurologische Erkrankungen als Ursache für Stimmungsschwankungen

Auch neurologische Erkrankungen können Stimmungsschwankungen verursachen.

Migräne

Stunden oder Tage vor einer Migräneattacke (Prodomalphase) können Symptome wie Stimmungsschwankungen, Esslust, übermäßiger Durst, Frösteln, Schlaf- und Verdauungsprobleme auftreten.

Multiple Sklerose (MS)

Begleitsymptome dieser chronisch entzündlichen Erkrankung des Nervensystems sind beispielsweise psychische Störungen mit Stimmungsschwankungen und reaktiver Depression.

Morbus Parkinson (Schüttellähmung)

Die Hauptsymptome Bewegungsverarmung (bis Unbeweglichkeit), Ruhezittern und Muskelsteife können von Stimmungsschwankungen und/oder Schlafstörungen begleitet sein.

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Demenz

Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen, Orientierungsprobleme in fremder Umgebung und Stimmungsschwankungen zählen zu den Merkmalen einer Demenz.

Schädel-Hirn-Trauma

Ein Schädel-Hirn-Trauma kann ebenfalls Ursache von starken Stimmungsschwankungen sein.

Weitere Ursachen für Stimmungsschwankungen

Neben hormonellen, psychischen und neurologischen Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die Stimmungsschwankungen auslösen können.

Mangelzustände

Ein Mangel an Magnesium oder Natrium kann Stimmungsschwankungen verursachen. Ein anhaltender Magnesiummangel kann sich zudem beispielsweise mit Depressionen, Nervosität, Kopfschmerzen, Wadenkrämpfe, Herzrasen und einem Druckgefühl hinter dem Brustbein äußern. Ein Natriummangel kann auf Dauer neben Stimmungsschwankungen auch Kreislaufstörungen und niedrigen Blutdruck zur Folge haben.

Unterzuckerung

Unterzucker (Hypoglykämie) ist eine weitere mögliche Ursache. Typisch sind Symptome wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, nächtliches Erwachen und Heißhunger auf Süßes. Aber auch Stimmungsschwankungen können eine Unterzuckerung begleiten.

Leberzirrhose

Eine Zirrhose verursacht etwa Gewichtsverlust, Völlegefühl im Oberbauch, Hautauffälligkeiten sowie demenzähnliche Symptome wie Gedächtnisverlust, Orientierungsstörungen und Stimmungsschwankungen.

Drogenabhängigkeit

Viele Suchtkranke leiden unter emotionalen Störungen wie depressiven Symptomen und Stimmungsschwankungen. Das gilt auch bei einer Medikamentensucht.

Stress und Schlafmangel

Alltagsstress und Schlafmangel können ebenfalls zu Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit führen.

Ernährung

Eine unausgewogene Ernährung, mit großen Mengen von zucker- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln, kann zu Blutzuckerschwankungen führen und so die Stimmung negativ beeinflussen.

Medikamente

Auch bestimmte Medikamente, wie z.B. die Pille, können als Nebenwirkung depressive Verstimmungen auslösen.

Entzündungen

Wenn eine Entzündung unentdeckt bleibt oder länger anhält, kann das Menschen emotional so aus der Bahn werfen, dass Ärzte sie als psychisch krank einstufen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In folgenden Fällen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen:

  • Der rasche Wechsel zwischen Hochs und Tiefs hält länger an oder kehrt immer wieder.
  • Die Stimmungsschwankungen sind sehr stark.
  • Man kann sich die Stimmungsschwankungen nicht erklären.
  • Es treten weitere psychische und/oder körperliche Symptome auf.
  • Bei Stimmungsschwankungen in der Pubertät treten zusätzliche Beschwerden wie anhaltende Traurigkeit, Aggressivität oder Essstörungen auf.
  • Wenn emotionale Reaktionen zunehmend unkontrolliert wirken, sich das Sozial- oder Berufsleben verschlechtert oder wenn Gefühle nicht mehr einzuordnen sind. Dies gilt insbesondere nach Hirnverletzungen, bei chronischer Überforderung oder anhaltender innerer Unruhe ohne erkennbare Ursache.

Diagnose und Behandlung

Um die Ursache der Stimmungsschwankungen zu finden, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und verschiedene Untersuchungen durchführen. Dazu gehören:

  • Körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchungen
  • Neurologische Untersuchungen
  • Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Ultraschall (Sonografie)

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Stimmungsschwankungen. Sie kann психотерапевтические Maßnahmen, Medikamente oder eine Kombination aus beidem umfassen.

Psychotherapeutische Maßnahmen

Eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der Stimmungsschwankungen zu erkennen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Besonders wirksam sind auf die Erkrankung zugeschnittene, strukturierte Therapieprogramme.

Medikamentöse Therapie

Bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. der Bipolaren Störung oder Depressionen, können Medikamente eingesetzt werden, um die Stimmung zu stabilisieren.

Selbsthilfemaßnahmen

Es gibt auch verschiedene Selbsthilfemaßnahmen, die helfen können, mit Stimmungsschwankungen umzugehen:

  • Körperliche Aktivität
  • Gesunde Ernährung
  • Ausreichend Schlaf
  • Stressbewältigung
  • Soziale Unterstützung
  • Sonnenlicht

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Ein Sonderfall

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, die durch eine starke Instabilität im Gefühlsleben gekennzeichnet ist. Betroffene neigen zu instabilen Beziehungen, starken Stimmungswechseln und Impulsivität. Wiederholte Suizidabsichten, Selbstschädigungen und Selbstverletzungen können weitere Anzeichen sein.

Symptome

Typische Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind:

  • Instabile Gefühle
  • Unangemessene Wut
  • Anspannung und Leere
  • Schwierigkeiten in Beziehungen zu anderen und zu sich selbst
  • Impulsivität
  • Selbstmordhandlungen und Selbstverletzungen

Diagnose

Die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann von entsprechend geschultem Fachpersonal gestellt werden.

Therapie

Eine Psychotherapie kann bei einer Borderline-Störung helfen. Wirksam sind auf die Erkrankung zugeschnittene, strukturierte Therapieprogramme. Medikamente spielen in der Behandlung nur eine untergeordnete Rolle.

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