Humor ist ein faszinierendes Thema, das uns alle verbindet, aber gleichzeitig auch trennen kann. Was den einen zum Lachen bringt, lässt den anderen kalt. Besonders interessant wird es, wenn man die Geschlechterperspektive einbezieht. Gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen Frauen und Männern, wenn es um Humor geht? Lachen Frauen über andere Witze als Männer? Und wie reagieren Männer, wenn sie selbst zum Ziel von Spott werden? Diesen Fragen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Kaiserslautern-Landau nachgegangen.
Männer und Witze über sich selbst: Eine Frage der Männlichkeit?
Die Psychologin Dr. Silvana Weber untersuchte gemeinsam mit Dr. Sven Kachel, wie Männer auf Witze reagieren, die sich über sie lustig machen. Das Projekt untersuchte, ob männerverachtende Witze eine Bedrohung der Männlichkeit hervorrufen können.
Die Forschenden präsentierten Männern und Frauen verschiedene Witze und erfassten ihre Reaktionen. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer bekamen insgesamt 20 verschiedene Witze zu hören, die sich fünf Kategorien zuordnen ließen:
- Neutrale Witze: „Wie bekommt man einen Elefanten in einen Kühlschrank? Kühlschranktür auf, Elefant rein, Kühlschranktür zu.“
- Männerverachtende Witze mit Bezug auf männliche Stereotype: „Warum jammern kleine Jungs rum? Sie bereiten sich schon mal auf das Mann-Sein vor.“
- Männerverachtende Witze ohne Bezug auf männliche Stereotype: „Wie nennt man einen Mann mit nur einer Gehirnhälfte? Hochbegabt.“
- Frauen verunglimpfende Witze mit Bezug auf weibliche Stereotype: „Warum ist es eine schlechte Idee, Siri danach zu fragen, was Frauen eigentlich wollen? Weil sie schon seit zwei Tagen ununterbrochen redet.“
- Frauenverachtende Witze ohne Bezug auf weibliche Stereotype: „Wie nennt man eine Frau mit einer eigenen Meinung? Im Irrtum.“
Die Witze wurden von semiprofessionellen Sprecherinnen und Sprechern vorgetragen.
Ergebnisse der Studie: Keine Bedrohung der Männlichkeit
Das Ergebnis der Studie zeigte, dass frauenverachtende Witze von Frauen als Bedrohung empfunden werden, insbesondere wenn sie von einem männlichen Sprecher erzählt werden. Männerverachtende Witze stellten für Männer jedoch keine Bedrohung dar, unabhängig davon, wer sie erzählte.
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In einer ersten Runde mit 198 Teilnehmenden (74 weiblich) wurde die Hypothese bestätigt, dass Frauen Witze im Allgemeinen weniger lustig finden als Männer. Außerdem bewerteten Frauen frauendiskriminierende Witze stärker diskriminierend, wenn sie von einem Mann vorgetragen wurden.
In einer zweiten Runde mit 226 ausschließlich männlichen Teilnehmern wurde untersucht, ob männerverachtende Witze das Gefühl auslösen, ihre Männlichkeit könne bedroht sein, und sie dazu animieren, ihre Männlichkeit "wiederherzustellen". Es bestätigte sich keine der aufgestellten Hypothesen: Weder der Inhalt der Witze noch das Geschlecht des Erzählenden oder deren Wechselwirkung hatten einen Einfluss auf die Reaktion der Studienteilnehmer.
Die Forscher vermuten, dass dies am Status von Männern in der Gesellschaft liegen könnte. Sie besitzen nach wie vor mehr Macht in der Gesellschaft und sehen sich deshalb von einem Witz nicht in ihrem sozialen Status bedroht.
Hirnforschung: Lachen Frauen und Männer über die gleichen Witze?
Auch die Hirnforschung hat sich mit der Frage beschäftigt, ob es Unterschiede im Humorverständnis von Männern und Frauen gibt. Einige Studien deuten darauf hin, dass Frauen und Männer ganz ähnlich auf Humor reagieren, ihn aber unterschiedlich im Gehirn verarbeiten.
Eine Studie amerikanischer Wissenschaftler ergab, dass bei Frauen einige Gehirnregionen stärker aktiviert werden als bei Männern, wenn sie Cartoons anschauen. Die Männer und Frauen fanden weitgehend die gleichen Cartoons lustig und hatten ähnliche Gehirnaktivitäten.
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Ein Grund für diese geschlechtsspezifischen Unterschiede könnte die unterschiedliche Erwartung auf eine Belohnung sein. Verglichen mit Männern schienen Frauen weniger Belohnung zu erwarten.
Stereotype und Humor: Ein gefährliches Terrain
Stereotype spielen im Humor oft eine große Rolle. Witze über Blondinen, Ostfriesen oder "typisch männliche" Verhaltensweisen sind weit verbreitet. Doch so unverfänglich und amüsant Stereotype scheinen mögen, so gefährlich sind sie, wenn es nicht um Spülmaschinen und Parklücken geht.
Betrachtet man die Geschichte der Hirnforschung, fällt auf, dass deren vermeintlich objektive Resultate stets der selektiven Wahrnehmung geschuldet waren. Den Menschen zur Erforschung seines Wesens aufzuschneiden hat eine lange Tradition. Als der britische Neurologe Henry C. Bastian 1882 feststellte, dass "das Gehirngewicht des männlichen Negers mit dem Gewicht des Gehirns der europäischen Frau übereinstimmt", schien die Überlegenheit des weißen Mannes über die Frau und den Fremden wissenschaftlich bewiesen.
Dennoch versuchen heute noch viele NeurowissenschaftlerInnen, menschliche Eigenschaften durch den scheinbar objektiven Blick ins Gehirn zu naturalisieren. Womit sie ebenso pseudowissenschaftliche Grundlagen für Vorurteile liefern wie ihre Vorgänger.
Die amerikanische Sozialmedizinerin Rebecca Jordan-Young argumentiert, dass sich die Gehirne weiblicher und männlicher Embryos kaum voneinander unterscheiden. Es sei also unmöglich, ein Gehirn nach Geschlechtszugehörigkeit zu kategorisieren. Das Gehirn gleiche einer leeren Festplatte, die je nach Erziehung und sozialisatorischen Bedingungen formatiert werde. Es gibt also kulturell geprägte Unterschiede zwischen Frauen- und Männerhirnen, keine angeborenen.
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Humor und soziale Beziehungen
Humorvorlieben spiegeln möglicherweise wider, wie Männer und Frauen im Alltag ihre Beziehungen gestalten. Die Beziehungen von Frauen sind häufig komplexer und stärker von Gesprächen über soziale und emotionale Anliegen geprägt. Beziehungen von Männern basieren dagegen stärker auf gemeinsamen Aktivitäten.
Eine Studie untersuchte, welche Eigenschaften besonders lustige Cartoons auszeichnen. Die Forschenden teilten die Cartoons in verschiedene Witztypen ein (z.B. politischer Witz, Wortwitz, visueller Witz) und ordneten jeder Zeichnung ein Mentalisierungs-Niveau zu (ein Maß für die Komplexität des Witzes).
Generell fanden die Testpersonen visuelle Witze mit Wortspielen und Witze mit sozialen Kommentaren lustiger als jedes andere Thema. Es gab auch Unterschiede im Humorempfinden zwischen Männern und Frauen. Die Beziehungen von Frauen sind häufig komplexer und stärker von Gesprächen über soziale und emotionale Anliegen geprägt. Beziehungen von Männern basieren dagegen stärker auf gemeinsamen Aktivitäten.
Cartoons mit mehr Personen (höherem Mentalisierungs-Niveau) wurden als witziger empfunden, aber nur bis zu einer Grenze von drei Personen. Sobald das erforderliche Mentalisierungslevel die kognitiven Fähigkeiten eines Erwachsenen übersteigt, kann er der Handlung nicht mehr problemlos folgen.
Authentizität statt Übertreibung
Übertriebene Witzigkeit kann oft als Ego-Signal wahrgenommen werden und wirkt anstrengend, überperformt, aufdringlich, künstlich und sozial unsensibel. Der attraktivste Humor entsteht nicht aus Druck, sondern aus Timing und Echtheit. Eine witzige Bemerkung, die aus der Situation heraus entsteht, ist hundertmal charmanter als zehn einstudierte Pointen. Die goldene Regel lautet: Authentisch lustig > bemüht lustig.