Die Implantation einer Hüftprothese (Hüft-TEP) ist eine der erfolgreichsten orthopädischen Operationen, die Patienten oft eine erhebliche Schmerzlinderung und eine bessere Mobilität bringt. Dennoch können postoperative Schmerzen auch nach Hüftprothese auftreten, die sowohl Patienten als auch Ärzte vor Herausforderungen stellen. Dieser umfassende Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Schmerzen nach einer Hüftprothese und stellt effektive Therapiemaßnahmen vor. Ziel ist es, Betroffenen zu helfen, besser mit ihrer Situation umzugehen und gezielt die richtigen Behandlungsschritte einzuleiten.
Einleitung
Wie die immer feiner werdenden Verästelungen eines Baumes entspringen unsere Nerven aus dem Rückenmark. Über diese Nerven stellt das Gehirn Kontakt zu den Muskeln, der Haut und allen inneren Organen her. Über sie laufen somit alle wichtigen Befehle aus der „Schaltzentrale“ zu den ausführenden Organen. Werden diese Nerven beschädigt oder zerstört, ist dieser Informationsfluss empfindlich gestört. Neuropathische Schmerzen nach einer Hüft-OP können eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Rund 20 % aller operierten Patienten entwickeln Nervenschmerzen, sogenannte postoperative neuropathische Schmerzen oder postoperative Neuropathie. Es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen, um eine gezielte Behandlung einzuleiten und den Betroffenen zu helfen, ein schmerzfreies Leben zu führen.
Ursachen für Neuropathie nach Hüft-OP
Neuropathien können auf unterschiedliche Weise entstehen, beispielsweise im Rahmen einer Operation. Die Ursachen postoperativer Nervenschmerzen sind verschieden: So kann es während des operativen Eingriffs zu Schädigungen des Nervensystems kommen, etwa aufgrund von Kompressionen, Dehnungen, Traumen oder der Patientenlagerung. Davon abgesehen können Entzündungsprozesse nach einer Operation dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken.
Durch eine Nervenverletzung kommt es im Nervensystem zu plastischen Veränderungen: Diese können langfristig irreversibel werden, sodass die neuropathischen Schmerzen in eine chronische Form übergehen. Bei postoperativen Nervenschmerzen variiert das Ausmaß der Nervenverletzung je nach Größe des operativen Eingriffs. Das Ausmaß der Nervenschädigung hängt jedoch häufig nur geringfügig mit der Stärke der postoperativen Nervenschmerzen zusammen: Kleinere operative Eingriffe führen also nicht unbedingt zu weniger Nervenschmerzen. Umgekehrt treten bei manchen Menschen, die einen großen operativen Eingriff hinter sich haben, nur geringe Nervenschmerzen auf.
Iatrogene Nervenschädigungen sind seltene Komplikationen mit einer Inzidenz von ca. 0,2-3,7 %. In ca. 80 % der Fälle handelt es sich um Läsionen des N. ischiadicus. Neben dem N. ischiadicus können vor allem der N. femoralis, der N. cutaneus femoris lateralis und Äste des N. gluteus superior betroffen sein. Unterschieden werden direkte, wie z. B. scharfe Durchtrennung, Kompression oder Quetschung, von indirekten Nervenschädigungen, wie Ischämie durch Hyperthermie (ab ca. 70 C, z. B. durch Knochenzement) oder Traktion bei Verlängerung der Extremität.
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Die Folgen von direkten oder indirekten Nervenläsionen sind passagere oder bleibende Störungen mit Paresen und/oder Sensibilitätsstörungen im Ausbreitungsgebiet des betroffenen Nervs. Die dadurch erkennbaren Ausfälle lassen in der Regel die Zuordnung zu einem konkreten Nerven herstellen, dabei ist das Ausmaß der Schädigung jedoch nicht immer umgehend erkennbar.
Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit postoperativer Neuropathien. Dazu zählen zum einen Vorerkrankungen der peripheren Nerven. Zum anderen gibt es Nervenschäden begünstigende Erkrankungen, darunter Diabetes, sehr hoher oder sehr niedriger Body-Mass-Index, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder eine Arthritis. Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, die die empfundene Stärke von Nervenschmerzen beeinflussen, darunter eine subjektiv erniedrigte Schmerzschwelle oder eine pessimistische Erlebnisverarbeitung.
Patientenspezifische Risikofaktoren für eine Nervenläsion sind Dysplasiekoxarthrosen, vorbestehende Narbenbildungen und Subluxationsstellungen des Hüftgelenkes sowie Patienten mit präoperativ bestehenden degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule. Die Wahl des Operationszugangs, die Positionierung der Retraktoren und das intraoperativ verursachte Hämatom sind eingriffsspezifische Risikofaktoren.
So ist die Wahrscheinlichkeit eines Nervenschadens von der Wahl des Zugangs abhängig. Bei der Positionierung der Retraktoren ist vor allem der N. femoralis durch Kompression am vorderen Pfannenrand gefährdet. Neben den Retraktoren kann auch austretender Knochenzement ins kleine Becken Kompressionsschäden der Nn. femoralis et obturatorius verursachen. Gerade bei Revisionen ist deshalb eine postoperative Bildwandlerbewertung bei zementierten Implantaten unabdingbar. Insgesamt ist bei Revisionsoperationen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Nervenläsionen auszugehen. Schrauben zur Pfannenverankerung können den N. ischiadicus schädigen. Neben der Bildwandleruntersuchung ist hier oft die digitale Kontrolle ebenfalls möglich. Bei voroperierten Hüften mit Vernarbungswahrscheinlichkeit im Bereich des N. ischiadicus (vor allem hintere Zugänge) ist aus eigener Erfahrung die Präparation und gegebenenfalls Neurolyse des N. ischiadicus zu empfehlen. Traktionsschäden, vor allem des N. ischiadicus können ab einer Verlängerung des zu operierenden Beines von ≥4 cm auftreten.
Auch im Langzeitverlauf (z. T. 20 Jahre!) nach Hüftgelenkersatz können noch Nervenläsionen auftreten. Hier sind vor allem Implantatdislokationen, Frakturen und/oder raumfordernde Prozesse, wie z. B.
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Weitere Ursachen für Schmerzen nach Hüft-TEP
Neben den Nervenschädigungen gibt es weitere Ursachen für Schmerzen nach einer Hüft-TEP:
1. Akute Schmerzen
- Chirurgische Traumata: Das Durchtrennen von Gewebe und Muskeln verursacht unvermeidlich Schmerzen, die im Rahmen der Heilung abklingen.
- Entzündungsreaktion: Natürliche Reaktion des Körpers auf die Operation.
- Schwellungen: Gewebeödeme in der Umgebung des Operationsbereichs.
2. Chronische Schmerzen
- Fehlpositionierung der Prothese: Falsch platzierte Implantate können eine Fehlbelastung verursachen.
- Narbengewebe: Adhäsionen oder Verdickungen können Nerven reizen.
- Lockerung der Prothese: Mechanische Instabilität führt zu wiederkehrenden Schmerzen.
- Infektionen: Eine infizierte Prothese ist eine ernstzunehmende Komplikation.
Intrinsische Ursachen
- Kleine versteckte Frakturen (Knochenbrüche), die auf den konventionellen Röntgenaufnahmen nicht oder nur sehr schlecht zu sehen sind
- Ein sogenanntes Knochen-Stress-Ödem, eine Vorstufe zu einer Fraktur, bei dem es zu einer lokalisierten Überlastung des Knochens kommt
- Eine Sehnenansatzentzündung am Trochanter (großen Rollhügel) ist wahrscheinlich der häufigste Grund für anhaltende Schmerzen nach einer Hüft-OP. Hier kommt es durch die Veränderung der Statik und vor allem der Beckenposition zu ungewohnten Zugkräften im Bereich der Sehnenansätze. Und dies betrifft dann eben sehr häufig die äußere Seite der Hüfte. Insbesondere auch das Liegen auf der Seite ist sehr schmerzhaft, da oftmals auch eine Schleimbeutelentzündung noch dazukommt. Das verursacht dann Beschwerden bei jedem Schritt und deutlich stärkere Schmerzen beim Treppensteigen
- Entzündungen der Hüftbeugersehne sind ein weiterer Grund für anhaltende Schmerzen nach einem Gelenkersatz. Diese sehr kräftige Muskulatur (M. iliopsoas) setzt im Bereich der gesamten Lendenwirbelsäule an und verläuft durch den Beckenraum direkt über das Hüftgelenk bis zum Oberschenkelknochen. Auch hier ist eine veränderte Beckenposition meist mitverantwortlich oder auch ein operatives Detail, wobei hier die ventrale (obere) Hüftkapsel nicht ausreichend geschont werden konnte und es somit zu einer Irritation der Sehne kommen kann
- Ein "Knochen-Prothesen-Mismatch", also eine fehlende Anpassung des Schaftimplantates an den Knochen, das zu persistierenden Oberschenkelschmerzen führen kann. Hierzu neigen insbesondere sehr große voluminöse Implantate, die einen ständigen Stress auf den Knochen ausüben und zu einer Knochenverbreiterung führen können. Aber auch eine verzögertes Einheilen des Implantates beispielsweise bei einer ausgeprägten Osteoporose (Verminderung der Knochendichte) kann zu länger anhaltenden Beschwerden nach einer Hüft-OP führen.
- Eine aseptische Prothesenlockerung. Heutzutage wird erst nach vielen Jahrzehnten - wenn überhaupt - eine Lockerung der Prothese erwartet. Sie ist aber nach wie vor einer der häufigeren Gründe für einen vorzeitigen Prothesenwechsel. Aseptisch bedeutet in diesem Falle, dass keine Infektion an der Lockerung des Implantates beteiligt ist. EineLockerung oder auch die fehlende Einheilung kann in einigen Fällen mit einer sogenannten low-grade Infektion (schleichende Infektion) zusammenhängen und erfordert auch hier eine sehr sorgfältige Abklärung
- Eine Infektion - von diesem Thema möchte man sich in der Regel fern halten. Das gilt sowohl für den Patienten, als auch für den Operateur. Denn wenn dieses Thema mal zur Diskussion steht, ist es relativ schwierig nachzuweisen, dass es sich mit Sicherheit um keine Infektion handelt. Sollte jedoch kein anderer offensichtlicher Grund für die Beschwerden vorliegen, ist eine Punktion des Hüftgelenks zur Gewinnung von Gelenkflüssigkeit zwingend notwendig. --> Der deutlich größere Teil der vorgenannten Gründe für Schmerzen nach einer Hüft-OP kann unter einer gezielten konservativen Therapie sehr gut behandelt werden und die Schmerzen reduzieren sich oftmals schon nach wenigen Tagen deutlich, so dass eine folgenlose Heilung sehr gut erzielt werden kann.
Extrinsische Ursachen
Von extrinsischen Ursachen für Schmerzen nach einem Gelenkersatz an der Hüfte spricht man, wenn die Beschwerden von anderen Regionen im Körper oder von anderen Strukturen, die in direkter Nachbarschaft zu der Hüfte gelegen sind stammen, jedoch nichts mit dieser zu tun haben. Diese können sein:
- Erkrankungen im Bereich der Leistengefäße
- Erkrankungen der Wirbelsäule mit Ausstrahlung in den Hüftbereich. Hier sind insbesondere die Nerven L1 und L2 zu nehmen, die im oberen Anteil der Lendenwirbelsäule aus dem Spinalkanal kommen
- Nervenverletzung peripherer Nerven / periphere Neuropathie
- Metabolische Knochenveränderungen
- Leisten-/Schenkelhernie
- Gutartige oder bösartige Gewebeneubildung
- Complex regional pain syndrom
Symptome neuropathischer Schmerzen
Kennzeichnend für postoperative neuropathische Schmerzen beziehungsweise Nervenschmerzen allgemein ist eine charakteristisch veränderte Hautsensibilität. So reagieren Betroffene unter- oder überempfindlich (manchmal auch beides) auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck. Betroffene berichten von Taubheitsgefühlen und/oder Schmerzattacken. Letztere können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern. Manchmal vermeiden die Betroffenen es, den schmerzbereitenden Körperteil zu bewegen, wodurch die entsprechenden Muskeln verkümmern können.
Die Patienten verspüren zunächst Mißempfindungen im Bein wie Taubheit, Pelzigkeit, Kribbeln, manchmal auch eine muskuläre Schwäche. Die Störungen beginnen im Fuß und steigen dann ins Bein hoch.
Diagnostik bei Neuropathie nach Hüft-OP
Eine korrekte Diagnose ist entscheidend, um die Ursache der Schmerzen zu identifizieren und gezielt zu behandeln.
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- Klinische Untersuchung: Der Arzt prüft die Beweglichkeit des Gelenks, lokalisiert schmerzhafte Bereiche und analysiert den Gang.
- Bildgebung:
- Röntgen: Beurteilung der Prothesenposition.
- MRT oder CT: Analyse von Weichteilschäden und Lockerungen.
- Szintigraphie: Lokalisierung von Infektionen oder Entzündungen.
- Laboruntersuchungen: Erhöhte Entzündungsparameter wie CRP oder Leukozytenzahl weisen auf eine Infektion hin.
Zur Detektion von komprimierenden Hämatomen und zur direkten Beurteilung des Nervens dient die Ultraschalldiagnostik. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich auch raumfordernde Prozesse wie Hämatome und Pseudotumore detektieren. Im Verlauf lässt die MRT Rückschlüsse auf das Ausmaß der Nervenschädigung durch die Denervierungszeichen der Muskulatur zu.
Bei unklarer Ätiologie der neurologischen Störung ist ein interdisziplinäres Konsil mit einem Neurologen und gegebenenfalls einem Neurochirurgen zu empfehlen.
Mit einer Gelenkpunktion und anschließenden Laboranalyse kann heutzutage mit relativ hoher Sicherheit eine Infektion ausgeschlossen werden. Allerdings spielen hier mehrere Befunde noch eine Rolle, die beispielsweise ein hohes Risiko für eine periprothetische Infektion mit sich bringen. Dies können unter anderem sein: Wundheilungsstörungen direkt nach der ersten Operation, größere andere operative Eingriffe mit relevanter Keimbelastung oder Erkrankungen mit einer ausgeprägten Infektion, Art und Weise der Beschwerden, Zeitpunkt und Dauer der Beschwerden nach einer Operation.
Eine exakte Abklärung ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Gerade im Bereich des Beckens und der Leistenregion gibt es viele verschiedene Erkrankungen, die zu Schmerzen führen. Aus unserer Erfahrung ist es oftmals ein Sehnenansatz im Bereich des seitlichen Rollhügels und ausstrahlende Schmerzen von dem unteren Rücken, der Lendenwirbelsäule.
Behandlung von Neuropathie nach Hüft-OP
Die Therapie postoperativer neuropathischer Schmerzen kann wie folgt aussehen:
- Medikamentöse Therapie: Typischerweise gegen neuropathische Schmerzen eingesetzte Medikamente sind unter anderem Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide. Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern. Meistens ist es sinnvoll, mehrere Medikamente miteinander zu kombinieren. Zu beachten ist, dass sowohl Wirksamkeit als auch Nebenwirkungen eines Medikaments je nach Patient sehr verschieden sein können: Arzt und Patient sollten also genug Geduld aufbringen, um gemeinsam die individuell optimale Schmerztherapie zu finden. Hierbei ist auch wichtig, die Therapieziele zu besprechen: Eine völlige Schmerzfreiheit kann im Grunde fast nie erreicht werden. Realistisch ist eine Schmerzreduktion um 30 bis 50 Prozent, sodass Schlaf- und Lebensqualität des Patienten sich verbessern können. Dies muss dem Patienten bewusst gemacht werden, damit zu hohe Erwartungen und damit Enttäuschungen vermieden werden.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Die nicht-medikamentöse Behandlung neuropathischer Schmerzen erstreckt sich unter anderem auf warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, milde Infrarotstrahlung, Applikation von Kälte, Physio- und Ergotherapie und Psychotherapie (Verbesserung der Schmerzakzeptanz).
- Invasive Therapie: Manchmal ist es sinnvoll beziehungsweise erforderlich, neuropathische Schmerzen zusätzlich invasiv zu behandeln. Dies erfolgt unter anderem durch selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren.
Die optimale Behandlung postoperativer Nervenschmerzen erfordert ein multimodales Therapiemanagement, bestehend aus medizinischer und medikamentöser Behandlung, psychologisch-therapeutischen Maßnahmen sowie Bewegungstherapie. Hierzu müssen sich Patienten meist in spezialisierte Schmerzzentren begeben. Wichtig ist, dass die Therapie neuropathischer Schmerzen langfristig kontrolliert wird: So sollten Erfolg und Auswirkungen der Schmerzlinderung auf die Lebensbereiche des Patienten dokumentiert werden, beispielsweise in einem Schmerztagebuch. Leider können chronisch gewordene Nervenschmerzen oft nicht mehr vollständig geheilt werden. Umso wichtiger ist es in solchen Fällen, dass die Betroffenen lernen, richtig mit ihren Schmerzen umzugehen. Das Hauptziel der Behandlung neuropathischer Schmerzen ist und bleibt, die Lebensqualität der Betroffenen so gut es geht zu verbessern.
Bei Verdacht auf eine scharfe Durchtrennung eines Nervens muss die Primärnaht (evtl. durch Hinzuziehung eines Neurochirurgen) innerhalb von 24 Stunden angestrebt werden. Neuropathische Schmerzen sollten zusätzlich zu den postoperativen Schmerzschemata mittels Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) und/oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmeinhibitoren (z. B. Gabapentin) behandelt werden. Bei einer frustranen konservativen Therapie von 6-12 Wochen sollte eine Neurolyse diskutiert werden.
Weitere Therapiemöglichkeiten bei Schmerzen nach Hüft-TEP
1. Schmerzmanagement
- Einsatz von Analgetika, abgestimmt auf die Schmerzstärke.
- Lokale Kühlung.
2. Bewegung und Rehabilitation
- Frühe Mobilisierung unter physiotherapeutischer Anleitung zur Vermeidung von Steifheit.
3. Schmerzlindernde Hilfsmittel
- Gehhilfen zur Entlastung.
- Kompressionsstrümpfe zur Reduktion von Ödemen.
Operative Maßnahmen
- Bei schwerwiegenden Komplikationen wie einer Prothesenlockerung kann ein erneuter Eingriff notwendig sein.
- Indikation: Persistierende Schmerzen trotz konservativer Therapie.
- Mechanische Instabilität oder Entzündung.
- Chronische Schmerzen erfordern oft eine multidisziplinäre Behandlung.
- Möglichkeiten: Medikamente zur Schmerzmodulation (z. B. Gabapentin).
- Lokalanästhetika oder Nervenblockaden.
- Nicht-invasive Methoden, um Beweglichkeit und Lebensqualität zu verbessern:
- Wassertherapie.
- Elektrotherapie zur Muskelstimulation.
Prävention von Neuropathie und Schmerzen nach Hüft-OP
- Physiotherapie zur Stärkung der Muskulatur vor dem Eingriff.
- Ernährungsumstellung zur Förderung der Heilung.
- Regelmäßiges Aufklären über realistische Heilungsverläufe.
- Frühe Bewegung unter fachlicher Anleitung.
- Routinekontrollen durch den behandelnden Orthopäden helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.
Bei der Prävention ist primär das Operationsteam gefragt, das sich schon im Vorfeld bei der Planung des Eingriffs über Risiken und Maßnahmen zur Vermeidung von Neuropathien austauschen sollte. Bei der Positionierung des Patienten sind starke Überdehnung oder hohe Druckbelastungen wie etwa auf den Ellenbogen zu vermeiden. Die Operationszeit sollte möglichst kurz sein. Ob ein Nervenblock das Risiko für eine Neuropathie erhöht, ist nicht belegt, aber bei der Regionalanästhesie sollte dieses Risiko zumindest bedacht werden. Auch die Injektionsnadel kann bei einer Regionalanästhesie lokal ein Trauma hervorrufen oder verstärken. Bei Eingriffen in der Nähe wichtiger Nervenbahnen, beispielsweise bei der Wirbelsäulenchirurgie, aber auch bei Hüft- oder Knie-Totalendoprothesen, empfehlen die Autoren, einen Neurophysiologen hinzuzuziehen. Veränderungen oder Verschlechterungen im Zusammenhang mit der Nervenleitung können mit dem Neurophysiologen und innerhalb des Teams rasch kommuniziert werden, um unmittelbar darauf zu reagieren.
Nach der Operation empfehlen die früh beginnende und fortlaufende Kontrolle hinsichtlich neuropathischer Symptome und die Identifizierung möglicher Auslöser, um frühzeitig intervenieren zu können. In jedem Fall ist die Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und essenziell für die Rekonvaleszenz. Insgesamt ist das Risiko für eine anhaltende und stark beeinträchtigende postoperative Neuropathie nur multidisziplinär zu verringern, betonen die Wissenschaftler. Außerdem empfehlen sie, alle Patienten vor einem chirurgischen Eingriff über die Möglichkeit eines fortbestehenden Nervenschadens aufzuklären. Gänzlich vermeiden lässt sich diese seltene Operationsfolge derzeit nicht. Die Autoren halten prospektive Studien zu den Ursachen postoperativer Neuropathien für dringend erforderlich. Die von ihnen zusammengetragenen Fakten beruhen überwiegend auf retrospektiven Daten oder Fallserien aus unterschiedlichen Indikationsgebieten, schreiben sie.
Was kann man selber gegen Schmerzen tun?
Wir denken, dass ein wichtiger Schritt für die Schmerzwahrnehmung des Körpers das Vertrauen in den Operateur und behandelnden Arzt ist. Zudem ist die Information des Patienten entscheidend. Einige unserer Patienten behaupten, sie hätten keine Schmerzen nach der Operation. Auf unsere Nachfrage geben sie nur den “muskelkaterartigen” Schmerz an. Hierüber sind unsere Patienten vor der OP ausführlich informiert und wissen daher woher dieser Schmerz kommt. Sie können somit gut mit ihm umgehen und empfinden ihn oftmals gar nicht als eigentlichen “Operationsschmerz”.
Den Operationsschmerz rechtzeitig abfangen! Ein weiterer wichtiger Punkt ist heutzutage in vielen Kliniken, dass der Patient sich bei dem Pflegepersonal meldet, wenn die Basismedikation nicht ausreicht. Dies sollte zu jeder Tages- und Nachtzeit erfolgen. Immer wenn ein akuter stärkerer Operationsschmerz rechtzeitig “abgefangen” wird, hat dies eine sehr positive Auswirkung auf das ganze weitere Schmerzgeschehen.
Als Faustregel kann man aber sagen: "Ja, es darf nach einer Operation Schmerzen geben". Diese sollen jedoch auf einem moderaten Niveau bleiben. Der Patient darf am 1. Tag nach einer Hüft-Operation die Hüft-Region auch in Ruhe spüren. Allerdings nur so viel, dass eine Nachtruhe mit ausreichend Schlaf möglich ist. Beim Aufstehen und in der Physiotherapie darf der Schmerz ruhig stärker werden.
Wann ist man nach einer Hüft-OP schmerzfrei?
Der eigentliche starke vom Hüftgelenk ausgehende Arthrose-Schmerz, der vor der Operation oftmals in der Leiste lokalisiert war, ist tatsächlich direkt nach der Operation sehr rasch verschwunden. Der Operationsschmerz selbst, der in der Regel am 1. Tag nach der Operation am stärksten ist, geht dann aber auch sehr rasch zurück. Hier ist eine ausreichende Schmerzmedikation und das Gespräch mit Ihrem Operateur wichtig, der Ihnen erklärt, dass es sich hierbei vor allem um einen muskulären Schmerz handelt.
Bei einer minimalinvasiven Operation werden die Muskeln nicht beschädigt, müssen jedoch um die Operation überhaupt durchführen zu können auseinandergehalten werden. Auch wenn dies sehr sorgfältig und teilweise auch mit einem Schutz erfolgt, ist der Muskel hier sehr leicht “verärgert”. Und dies führt zu einem muskelkaterartigen Schmerz im Bereich des Oberschenkels. Tatsächlich ist dieser Schmerz einem Muskelkater nach einer sehr ausgeprägten körperlichen Belastung sehr ähnlich und bildet sich dann aber auch rasch wieder zurück. Falls dies vor der Operation ausreichend besprochen wurde, gibt es einige Patienten, die nach der Operation sagen, sie sind absolut schmerzfrei und nur auf Nachfrage hinzufügen: “Ja der muskelkaterartige Schmerz ist vorhanden, das hatten Sie mir aber gesagt”. Viele Patienten berichten darüber, dass sie den Muskel und die Hüftregion noch einige Wochen nach der Operation gespürt haben. Dies hat aber mit “Schmerzen” im eigentlichen Sinne nichts zu tun, sondern ist als eine natürliche Anpassungsreaktion des Körpers an die neue Situation zu sehen. Wichtig ist dann eine gezielte Therapie mit Aktivierung und Aufbau der Muskulatur, eine Gangschulung gefolgt von Koordinationsübungen.
Welche Beschwerden können nach einer Operation auftreten?
Die Beschwerden, die direkt nach einer Hüft-Operation auftreten sind in der Regel zum einen der Wundschmerz sowie ein muskulärer Schmerz, der in den ersten 1-2 Tagen einem starken Muskelkater sehr ähnlich ist. Dieser resultiert dadurch, dass die Muskulatur durch eine minimalinvasive Operation nicht abgelöst, sondern “auseinandergedrängt” wird. Hierdurch ist die Muskulatur ähnlich einer körperlichen Überanstrengung in ihrer Mikrostruktur geschädigt, kann sich jedoch wie nach einer Muskelverletzung über einen relativ kurzen Zeitraum wieder gut regenerieren und erholen.
Der Wundschmerz vergeht hingegen relativ rasch und es kommt noch ein gewisses Spannungsgefühl hinzu. Dies ist jedoch kein richtiger Schmerz, sondern resultiert durch die mehr oder weniger ausgeprägte Schwellung nach einer Operation, was eine normale Reaktion des Körpers auf eine Verletzung bzw. in diesem Falle auf die Operation ist.
Was kann im Rahmen einer Nachbehandlung gegen Schmerzen getan werden?
Routinemäßig werden im Rahmen der Nachbehandlung nach einer Hüft-Operation Schmerzmedikamente gegeben. Hier haben sich Standardschmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen bewährt, gegebenenfalls in Kombination mit anderen, gegebenefalls auch etwas stärkeren Tabletten. Gerade in den ersten beiden Tagen kann es sinnvoll sein, zusätzlich zu der oralen Basis-Schmerztherapie ein stärkeres Schmerzmedikament über die Vene zu geben. Diese ist in der Regel nur für 1-2 Tage notwendig, dann lässt der Hauptschmerz fast immer deutlich nach. Hinzu kommt noch, dass wir im Rahmen der Operation selbst das ganze OP-Gebiet mit einem lokalen Schmerzmittel infiltrieren (einspritzen), um gerade am OP-Tag selbst und in der folgenden Nacht eine gute Schmerzreduktion zu erreichen und dem Patienten den erholsamen Schlaf zu ermöglichen.