Das Periphere Nervensystem: Aufbau, Funktion und Bedeutung

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das den Körper steuert und Informationen verarbeitet. Es ermöglicht uns, mit der Umwelt zu interagieren und lebenswichtige Körperfunktionen zu koordinieren. Das Nervensystem des menschlichen Körpers lässt sich in zwei Hauptbereiche unterteilen: das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS). Das ZNS besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark, während das PNS alle anderen Nervenzellen umfasst, die sich über den gesamten Körper erstrecken.

Einführung in das Periphere Nervensystem (PNS)

Dein peripheres Nervensystem ist dafür zuständig, Informationen zwischen dem Gehirn, dem Rückenmark und dem übrigen Körper weiterzuleiten. Zum peripheren Nervensystem zählst du alle Nerven des menschlichen Körpers, die das Gehirn oder das Rückenmark (Zentrales Nervensystem) verlassen. Gemeinsam bilden das zentrale Nervensystem und das periphere Nervensystem das menschliche Nervensystem zusammen. Das PNS umfasst alle Nerven, die nicht Teil des zentralen Nervensystems sind.

Den Aufbau des Nervensystems kannst du dir bildlich vorstellen: Das zentrale Nervensystem ist eine Autobahn, die von vielen Autos (also im Nervensystem Informationen) befahren wird.

Die Aufgaben des Peripheren Nervensystems

Das periphere Nervensystem erfüllt zwei Hauptaufgaben:

  • Sensorische Informationsübertragung: Es leitet sogenannte sensorische Informationen von den Organen an das zentrale Nervensystem weiter. Es teilt zum Beispiel dem Gehirn mit, wenn du etwas hörst oder siehst. Auch Empfindungen von deinem Körperinneren - also wenn du zum Beispiel hungrig oder müde bist - meldet das periphere Nervensystem dem Gehirn. Zum Ohr geht ein Nerv des peripheren Nervensystems. Er leitet die Information, dass du was gehört hast, an dein zentrales Nervensystem weiter (afferent / vom PNS zum ZNS).
  • Motorische Befehlsübertragung: Außerdem überbringt das periphere Nervensystem den Organen, Muskeln und Drüsen auch die sogenannten motorischen Befehle des zentralen Nervensystems. Es übermittelt deinen Beinen zum Beispiel die Nachricht, dass du gehen sollst oder deinem Mund, dass er sprechen soll. Das Gehirn verarbeitet das Gehörte. Dich interessiert, welche Funktionen und Aufgaben das zentrale Nervensystem hat?

Beispielhafte Funktion des PNS im Alltag

Du hörst zum Beispiel, dass ein Auto hupt. Dein periphere Nervensystem leitet diese Information von deinen Ohren an dein Gehirn weiter. Dort verarbeitest du sie. Greifen wir das Beispiel vom Anfang nochmal auf: Das Auto hupt. Du nimmst das Geräusch mit deinen Ohren wahr.

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Aufbau des Peripheren Nervensystems

Das periphere Nervensystem besteht aus über 100 Milliarden Nervenzellen, die sich durch den gesamten menschlichen Körper ziehen.

Nervenzellen und Axone

Jede Nervenzelle besitzt einen speziellen Zellfortsatz - ein sogenanntes Axon. Das ist ein langer Ast, der von der Nervenzelle weggeht. Mit ihm werden die Informationen im Nervensystem weitergeleitet. Viele Axone zusammen bilden einen Nerv.

Hirnnerven

Die Hirnnerven verlassen das Gehirn. Insgesamt gibt es davon 12 Nervenpaare. Sie sind hauptsächlich für den Kopf- und Halsbereich zuständig.

  • Der Nervus Opticus (Sehnerv) teilt zum Beispiel deinem Gehirn mit, was du mit den Augen siehst.
  • Der Nervus Olfactorius (Riechnerv) was du mit der Nase riechst (afferent / vom PNS zum ZNS).
  • Der Nervus Hypoglossus (Unterzungennerv) ist dafür verantwortlich, dass dein Gehirn dem Muskel in deiner Zunge sagen kann, wie sie sich bewegen soll (efferent / Vom ZNS zum PNS).

Eine Ausnahme stellt der Nervus Vagus dar.

Spinalnerven

Die Spinalnerven verlassen das Rückenmark. Sie sind dabei paarig angeordnet (ein Nerv geht in die linke und einer in die rechte Körperseite). Wir Menschen besitzt 31 solcher Nervenpaare. Weiter gliedern kannst du sie anhand des Abschnitts der Wirbelsäule, aus dem sie entspringen. Entsprechend sind sie auch mit lateinischen Fachbegriffen benannt.

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Funktionelle Unterteilung des Peripheren Nervensystems

Anhand seiner Funktionen kannst du das periphere Nervensystem auch in das somatische und das vegetative Nervensystem aufteilen.

Somatisches Nervensystem

Das somatische Nervensystem ist für alle willkürlichen Vorgänge in deinem Körper verantwortlich. Es ist zum Beispiel dafür zuständig, dass du deine Hand gezielt bewegen kannst oder für das Sprechen. Das somatische Nervensystem nennst du auch animalisches Nervensystem oder willkürliches Nervensystem. Es umfasst alle bewussten und willentlichen Prozesse in deinem Körper, also jene, die du absichtlich steuern und beeinflussen kannst. Hierzu gehören gezielte Bewegungen von Gesichtsmuskeln, Armen, Beinen und Rumpf.

Vegetatives Nervensystem

Über das vegetative Nervensystem hast du keine willentliche Kontrolle. Es steuert die Drüsen, Blutgefäße, die inneren Organe und einige Muskeln. So hält es deinen Körper in einem inneren Gleichgewicht. Das vegetative Nervensystem kannst du auch als viszerales Nervensystem oder autonomes Nervensystem bezeichnen. Es steuert alle unwillkürlichen Prozesse deines Körpers, also jene, die außerhalb deines Bewusstseins sind und automatisch ablaufen. Es ist ständig aktiv und reguliert beispielsweise Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Hierzu empfängt es Signale aus dem Gehirn und sendet sie an den Körper. In der Gegenrichtung überträgt das vegetative Nervensystem Meldungen des Körpers zum Gehirn, zum Beispiel wie voll die Blase ist oder wie schnell das Herz schlägt.

Das vegetative Nervensystem kann sehr rasch die Funktion des Körpers an andere Bedingungen anpassen. Ist einem Menschen beispielsweise warm, erhöht das System die Durchblutung der Haut und die Schweißbildung, um den Körper abzukühlen.

Sympathikus und Parasympathikus

Das vegetative Nervensystem unterteilt sich in den Sympathikus und den Parasympathikus, die oft als Gegenspieler fungieren. Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann, und hemmt die Darmtätigkeit. Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung.

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Du fragst dich wie der Sympathikus, der Parasympathikus und das enterische Nervensystem zusammenhängen?

Reflexe

In deinem Körper gibt es auch Prozesse, die zwar mit Bewegungen deines Körpers zusammenhängen und somit eine Reaktion auf deine Umwelt sind, die aber nicht bewusst gesteuert werden.

  • Eigenreflexe (Muskeleigenreflexe): Reizort und Erfolgsorgan ident! auf die Ansatzsehne führt zur Kontraktion desselben Muskels.
  • Fremdreflexe: Reizort und Erfolgsorgan nicht ident! Interneurone (= polysynaptischer Reflex). - Abschwächung oder Ausbleiben der FR v.a.

Beispiele für Reflexe:

  • Patellarsehnenreflex:
    •  Auslösung: Schlag auf die Sehne des M.
    •  Effekt: Anspannung des M.
  • Bizepssehnenreflex:
    •  Auslösung: Schlag auf die Sehne des M.
    •  Auslösung: Dehnung des M.
  • Pupillenreflex: Pupillenverengung des anderen Auges.
  • Würgreflex: Schlundenge (Gaumenbögen) bzw.
  • Anokutanreflex:
    •  Effekt: Kontraktion des M.
    •  Auslösung: Reiz neben dem oder am After (z.B.

Neurowissenschaftliche Perspektiven und Forschung

Die Neurowissenschaften untersuchen Struktur und Funktion des Nervensystems. Sie setzen dafür eine Vielfalt von Methoden ein, deren Zahl im Laufe der Zeit immer weiter vermehrt wurde. Die Methoden reichen von der Morphologie über die Physiologie und Biochemie bis zur Molekularbiologie, den modernen bildgebenden Verfahren und zur Neuroinformatik. Dabei wird das gegebene System nicht nur beobachtet und analysiert, sondern durch experimentelle Eingriffe, insb. an Versuchstieren, auch verändert.

Historische Entwicklung der Neurowissenschaften

Die moderne Forschung in den Neurowissenschaften beginnt mit der Wende vom 19. zum 20. Jh. Im Jahre 1906 erhielten Santiago Ramón y Cajal und Camillo Golgi den Nobelpreis für ihre Untersuchungen zur zellulären und intrazellulären Struktur des Nervensystems. Diese Untersuchungen waren zunächst rein anatomisch. Darüber hinaus identifizierte S. Ramón y Cajal die Neurone als funktionelle Einheiten, die mit anderen Neuronen über Synapsen in Verbindung stehen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh. wurde entdeckt, dass die Neurone Aktionspotentiale generieren und über ihre Axone fortleiten. 1952 veröffentlichten Alan Lloyd Hodgkin und Andrew Fielding Huxley ihr Schaltkreismodell, das die Generierung von Aktionspotentialen in Nerven als Funktion von Strom und Spannung beschreibt. Damit war der Anstoß gegeben, Theorien neuronaler Netze zu entwickeln. Diese Theorien nutzten auch die um 1949 formulierte Regel von Donald Hebb, wonach Neurone, die über Synapsen miteinander verbunden sind und gleichzeitig feuern, diese Verbindungen verstärken. Diese Regel wurde zu einer wichtigen Grundlage, um den Lernprozess auf der neuronalen Ebene verständlich zu machen.

John Eccles kam durch intrazelluläre Ableitung von einzelnen Neuronen mit Mikroelektroden zu dem Ergebnis, dass die Übertragung des Signals an der Synapse nicht elektrisch, sondern chemisch mit Hilfe von Neurotransmittern erfolgt. Für diese Leistung erhielt er 1963 den Nobelpreis zusammen mit A. L. Hodgkin und A. F. Weitere wichtige Erkenntnisse verdanken wir der Biochemie und der Molekularbiologie. Die Untersuchung von Patienten mit Läsionen im Gehirn (Neuropathologie) ist ebenfalls eine wichtige Quelle von Erkenntnissen über die Funktionsweise des Gehirns.

Fasst man alle diese Erkenntnisse zusammen, dann könnte man das Gehirn beschreiben als ein riesiges Netzwerk, das aus 1011, also 100 Mrd. Neuronen besteht, wobei jedes dieser 100 Mrd. Neurone im Durchschnitt 104, also 10 000 Synapsen erhält. Jede Region ist nahezu mit allen anderen Regionen des Gehirns durch Vorwärts- und Rückwärtsschleifen verbunden. Es gibt zwar Regionen, die für bestimmte Funktionen absolut notwendig sind. Aber auch sie sind in den Gesamtverband eingebettet und üben ihre Funktion nur im Kontext mit dem gesamten Netzwerk aus. Das Gehirn ist zudem nicht fest verdrahtet wie ein Computer, sondern plastisch. Es kann lernen und sich in hohem Maße wechselnden Bedingungen anpassen. Dabei ändert sich auch die Mikrostruktur des Gehirns.

Moderne Bildgebende Verfahren in den Neurowissenschaften

Wollte man die Erfolge und Möglichkeiten der H. Hier sollen nur die modernen bildgebenden Verfahren näher erläutert werden, da diese für Forschung und Therapie eine Schlüsselbedeutung haben. Die Verfahren heißen bildgebend, weil sie die Aktivitäten im Gehirn bildlich darstellen.

Die Verfahren sind direkt, wenn die Aktivität von Einzelzellen oder Gruppen von Zellen abgeleitet oder die Magnetfelder gemessen werden, welche durch die Aktivität der Neurone entstehen. Zu dieser Gruppe von Darstellungsmöglichkeiten gehören die Elektroenzephalographie (EEG) und die Magnetenzephalographie (MEG). Die EEG ist die am häufigsten genutzte Methode. Mit ihr werden Hirnströme mit einer hohen zeitlichen Auflösung von einigen Millisekunden gemessen. Die räumliche Auflösung ist jedoch relativ schlecht.

Die bildgebenden Verfahren sind indirekt, wenn die Aktivitäten der Nervenzellen Stoffwechseländerungen hervorrufen, die dann registriert werden. Bei der Positronen-Emissions-Tomographie wird die Strahlung einer radioaktiv markierten Substanz gemessen, die zuvor in die Blutbahn eingespritzt worden ist. Wenn in einem bestimmten Hirngebiet die Neurone aktiv sind, wird dieses Gebiet stärker durchblutet. Dadurch wird die Konzentration der radioaktiven Substanzen in diesem Gebiet erhöht. Die radioaktiven Substanzen emittieren Positronen, die mit Elektronen interagieren. Dadurch werden Photonen erzeugt, die von speziellen Detektoren gemessen werden.

Bei der Magnetresonanztomographie (MRT) wird ein starkes Magnetfeld erzeugt, das mit dem Spin der Atomkerne im Organismus wechselwirkt. Mit diesem Verfahren kann man virtuelle Schnitte durch das Gehirn legen und diese wieder zu einer dreidimensionalen Rekonstruktion zusammenfügen. Die Darstellungsparameter kann man so verändern, dass die weiße Substanz, d. h. die Faserbahnen, oder die graue Substanz des Gehirns, d. h. die Neurone der Hirnrinde und der tiefer gelegenen Kerngebiete, hervorgehoben wird. Eine für die H. bes. wichtige Variante der MRT ist die funktionelle Magnetresononanz-Tomographie (fMRT). Mit ihr wird der Anstieg des lokalen Sauerstoff-Verbrauchs im Gehirn gemessen, wenn größere Gruppen von Neuronen aktiv sind (BOLD Signal = Blood Oxygen Level Detection). Die zeitliche Auflösung ist jedoch im Gegensatz zur EEG schlecht.

Eine weitere Variante der MRT, die erst in den letzten Jahren entwickelt wurde, ist die Diffusions-Tensor-Bildgebung. Mit dieser Methode lassen sich v. a. Für die Weiterentwicklung der Tomographen besteht noch ein großes Potential. Die räumliche und zeitliche Auflösung kann noch erheblich gesteigert werden. Die Neurowissenschaften haben also in den letzten 100 Jahren rasante Fortschritte gemacht.

Zukunftsperspektiven der Neurowissenschaften

Die Frage nach den Möglichkeiten der Neurowissenschaften in der Zukunft lässt sich kaum beantworten. Die Entwicklung geht in viele verschiedene Richtungen. Mit den modernen bildgebenden Verfahren kann man die Aktivitäten des Gehirns gleichsam direkt beobachten. Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass die beobachteten Regionen immer noch sehr groß sind. Dem sollen neuere Experimente Abhilfe verschaffen. Mit modernen Mikroskopietechniken konnte man bei Mäusen die Aktivität von mehr als 100 Neuronen gleichzeitig aufzeichnen.

Ein anderes Beispiel ist das sehr umstrittene Human Brain Project. Ziel dieses Projektes ist es, das gesamte Wissen über das menschliche Gehirn zusammenzufassen und mit computerbasierten Modellen zu simulieren. Das Projekt soll neue Instrumente zur Verfügung stellen, um das Gehirn und seine grundlegenden Mechanismen besser zu verstehen und dieses Wissen in der Medizin und in der Computerwissenschaft der Zukunft anzuwenden. Das Wissen, das hier zusammengetragen werden soll, reicht von der Molekularbiologie über die Zellbiologie bis zum Netzwerk des Gehirns und soll die Aktivitäten nicht nur von einigen hundert, sondern von allen 100 Mrd. Neuronen im menschlichen Gehirn umfassen. Dafür bräuchte man Computer mit einer Rechenleistung und Speicherkapazität, die es heute noch nicht gibt. Es ist umstritten, ob diese Projekte sinnvoll sind.

Hinsichtlich der technischen Machbarkeit dürfte es kaum möglich sein, grundsätzlich Grenzen festzulegen. Wenn aus heutiger Sicht manches nicht machbar erscheint, so muss man doch damit rechnen, dass unerwartet neue Wege und Strategien gefunden werden, welche die Lösung von Problemen plötzlich möglich machen. Zu warnen ist allerdings vor der Euphorie, man könne das Gehirn in absehbarer Zeit vollständig beschreiben.

Ethische und Wissenschaftstheoretische Grenzen

Grenzen der H. sind zwar nicht unter technischen, wohl aber unter ethischen und wissenschaftstheoretischen Gesichtspunkten festzustellen. Ethische Grenzen sind zu setzen bei Experimenten an Tieren und Menschen. Wissenschaftstheoretische Grenzen ergeben sich aus folgenden Überlegungen. Die H. vermag nur anzugeben, welche Gehirnvorgänge bestimmten Vorgängen im menschlichen Verhalten entsprechen. Unsere geistigen Akte, insb. unser Bewusstsein und unsere Freiheit gehören nicht in ihre Zuständigkeit. Die wissenschaftstheoretische Grenze der H. liegt da, wo Hirnforscher die Methode ihrer Wissenschaft verlassen, zu Neurophilosophen werden und unsere geistigen Akte auf Hirnprozesse zu reduzieren versuchen.

In dem 2004 veröffentlichte Manifest von elf deutschen Neurowissenschaftlern wird behauptet, dass alle geistigen Prozesse „grundsätzlich durch physikochemische Vorgänge beschreibbar sind“ (Elger u. a. 2004: 33). Man werde eine Theorie des Gehirns aufstellen, mit der auch Bewusstsein und Ich-Erfahrung erklärt werden könnten. Das Gehirn schicke sich damit an, „sich selbst zu erkennen“ (Elger u. a. Dieses Manifest ist eher allgemein gehalten. Detailliertere Aussagen findet man in Einzelpublikationen. So wird etwa versucht, Brückentheorien zu entwickeln, die den Sprung „vom Toten zum Lebenden“, „vom Lebenden zum Geistigen“, „vom Materiellen zum Geistigen“ als „Phasenübergang“ beschreiben (Singer 2002: 176 ff.). So sei auch der Übergang von Aktivitäten von Nervenzellen zu kognitiven Prozessen als Phasenübergang in komplexen Systemen zu verstehen.

Andere Autoren behaupten im Namen der Neurowissenschaften, dass es das eine Ich nicht gebe, sondern nur „ein Bündel von unterschiedlichen Ich-Zuständen“ (Roth 2003: 142). Wenn wir von unseren geistigen Fähigkeiten reden, dann wird oft damit die Auffassung verbunden, das Geistige in uns sei unabhängig von unserem Körper, unabhängig vom Gehirn. Manche vertreten sogar einen Substanz-Dualismus, wonach Körper und Geist verschiedene Substanzen seien. Dieser Auffassung steht aber die Evidenz entgegen, dass das Gehirn, und nicht nur das Gehirn, sondern der ganze Körper für die geistigen Akte notwendig sind. Hirnfunktionen sind also notwendig für geistige Akte. Sie sind aber nicht zugleich auch hinreichend, wie das folgende Beispiel zeigt.

Die modernen bildgebenden Verfahren zeigen uns Aktivitäten in bestimmten Hirngebieten, wenn geistige Tätigkeiten ausgeführt werden. So ist beim Sprechakt das Broca-Sprachzentrum aktiv. Das Umgekehrte gilt aber nicht. Aus der Aktivität des Broca-Zentrums lässt sich nicht schließen, dass gesprochen wird - es könnte auch nur eine Vorstellung von Sprechen sein. In der aktuellen Debatte über Gehirn und Geist wird häufig zwischen dem persönlichen Erleben und Handeln, der Perspektive der ersten Person, und der objektivierenden wissenschaftlichen Beschreibung, der Perspektive der dritten Person unterschieden. Die Reduktionisten geben zwar zu, dass unsere Erlebenswelt, unser „phänomenales Bewusstsein“, der ersten Person vorbehalten sei. Im Zuge des Reduktionsprozesses werde aber diese Perspektive durch die Perspektive der dritten Person, also die Sicht der objektiven Wissenschaft, ersetzt. Dies trifft jedoch nicht zu.

Die Perspektive der ersten Person bleibt für uns eine ursprüngliche Gewissheit. Sie ist zugleich die Grundlage für alle Formen von Wissenschaft, denn jede Wissenschaft gründet in dem Entschluss von Personen, bestimmte Fragen und Probleme nach einer von ihnen festgelegten Methode anzugehen. Die erste Person ist also immer schon der dritten Person voraus, weil sie den Weg entwirft, den wir in den Wissenschaften gehen wollen. Unsere persönliche Erfahrung, und insb. die Erfahrung von Freiheit sind für uns eine unmittelbare, nicht hintergehbare und nicht auf etwas anderes zurückführbare Gewissheit. Das Ich als transzendentales Subjekt ist nach Immanuel Kant zugleich die Grundlage allen Denkens und Erkennens. Unser Personsein, unsere Subjektivität, unser Bewusstsein lässt sich also nicht auf neuronale Prozesse reduzieren. Nur wenn wir akzeptieren, dass die Weise unseres Wissens von uns selbst und von unserer Lebenswelt verschieden ist von dem Wissen über die Phänomene der H. und diese Verschiedenheit, diese epistemische Differenz, nicht aufgehoben werden kann, halten wir uns den Blick auf das Ganze der Wirklichkeit offen. Die Ergebnisse der H.

Die Debatte um die Freiheit des Willens

Eine bes. heftige Debatte wurde in den letzten Jahren über die Realität von Freiheit geführt. Ausgelöst wurde die Debatte durch die Behauptung einiger Neurophilosophen, es gebe keine Freiheit. Wenn wir glaubten, frei entscheiden zu können, dann seien wir Opfer einer Illusion. Nach Gerhard Roth bin nicht Ich es, der entscheidet, sondern das Gehirn. Vor mehr als 30 Jahren versuchte der Neurophysiologe B. Libet herauszufinden, wann bewusste Handlungsabsichten entstehen und wie sie sich zeitlich zur Handlung selbst verhalten. Mit der EEG wurde das Bereitschaftspotential abgeleitet. Es ergab sich, dass das Bereitschaftspotential etwa 350 Millisekunden vor dem Bewusstwerden des Bewegungsdrangs einsetzte.

John-Dylan Haynes und seine Arbeitsgruppe beschritten einen anderen experimentellen Weg. Sie benutzten statt des EEG die fMRT, welche eine hohe räumliche Auflösung im Gehirn ermöglicht und so auch die Aktivitäten in anderen Hirnregionen zeigt. Im Unterschied zu den Libet-Experimenten hatten die Versuchspersonen die Möglichkeit, eine Wahl zu treffen. Es ergab sich, dass „zwei Hirnregionen mit großer Genauigkeit“ kodierten, „ob die Versuchsperson im Begriffe war, die linke oder rechte Antwort vorgängig zur bewussten Entscheidung zu wählen.“ (Soon u. a. 2008: 544). Nach ihrer Interpretation geht die prädiktive neuronale Information der bewussten motorischen Entscheidung um 10 Sekunden voraus. Daraus ergibt sich nach J.-D. Haynes, „dass ein Netzwerk von hochrangigen Kontroll-Arealen eine Entscheidung vorbereitet lange bevor diese in unser Bewusstsein eintritt“ (Soon u. a.

Gegen die reduktionistische Deutung der Libet- und Haynes-Experimente sprechen mehrere Gründe. In einem Experiment von Christoph S. Herrmann und Mitarbeitern wurde gezeigt, dass das Bereitschaftspotential bereits einsetzte, bevor ein Muster auf dem Bildschirm erschien und die Versuchsperson sich entscheiden konnte. Bei B. Libet wie bei J.-D. Haynes wird ein wichtiger Sachverhalt nicht berücksichtigt. Der einzelne Bewegungsakt steht nicht isoliert für sich, sondern resultiert aus der bewussten Entscheidung der Versuchsperson, an dem Experiment mitzumachen und irgendwann die Hand zu bewegen bzw. einen Knopf zu drücken. Die wiederholte Ausführung dieser einfachen Bewegung kann man den zuständigen Schaltkreisen im Gehirn überlassen. Ohne diese vorgängige Entscheidung hätten die neuronalen Schaltkreise keine experimentelle Aufgabe zu bearbeiten. Die höheren kortikalen Regionen entwerfen keine Handlung, wenn sie dazu nicht beauftragt werden. Wenn man aber beim Experiment richtig mitmachen will, muss ni…

Erkrankungen des Peripheren Nervensystems

Neurologische Erkrankungen sind Erkrankungen des Nervensystems. Sie sind entweder durch einen Gendefekt angeboren oder entstehen im Laufe des Lebens. Hierfür können zum Beispiel eine Infektion, ein Trauma oder eine Rückbildung (Degeneration) verantwortlich sein. Die Folgen der Erkrankungen können unterschiedlich schwer ausfallen.

Was das periphere Nervensystem ist, weißt du jetzt.

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